„Zwischen Überforderung und Unterforderung“

Wie Bildung gelingen kann. - 15. Familiensymposium in Haus Hardtberg

Opus Dei - „Zwischen Überforderung und Unterforderung“

Vergangen Sonntag fand in Haus Hardtberg in Kreuzweingarten- Euskirchen zum 15. Mal das Familiensymposium, das bei den kleinen und grossen Herausforderungen in Ehe und Familie ansetzt und eine ideale Chance für Erfahrungsaustausch der Familien untereinander und mit Experten bietet.

Rund 60 erwachsene Teilnehmer und gefühlt doppelt so viele Kinder waren dabei. Die Kinder hatten ihr in nach Alter aufgeteilten Gruppen, eigenes Programm. Herrn Schwab, einen Hobby-Förster, begeistert es, die Kinder durch Wald und Wiese zu führen, ihnen die Augen zu öffnen und sie zum „Gucken“ anzuleiten.

Dieses Jahr setzten die Eltern sich zusammen mit Dr. Burchardt mit neuen Lernmethoden und Aufgabenformaten auseinander - sind die Tablets und Lernprogramme wirklich gut für das Gedeihen meines Kindes?

Dr. Matthias Burchardt, selbst Vater von vier Kindern, beleuchtet die aktuellen Veränderungen im Bildungswesen kritisch und mit Sorge. „Verstaatlichung der Kindheit“, Lernbegleiter besser als Lehrer, selbstgesteuertes Lernen besser als Unterricht? Übertragung von Lehrerfunktion an Lernsoftware, Digitalisierung der Bildung . Das Ziel?Fit werden für die Industrie…

Dr. Burchardt (52) lehrt und forscht an der Universität Köln als Bildungsphilosoph. Als Gründer und Geschäftsführer für Bildung und Wissen nimmt er bei Vorträgen und in den Medien zu bildungspolitischen Fragen kritisch Stellung.

Bei allem Fortschritt, aller Vielfalt der Methoden und eingesetzten Techniken bleiben seit der Antike die personale Beziehung zwischen Lehrer und Schüler, die Zuwendung und Führung der Zöglinge der ausschlaggebende Rahmen für das Gelingen der Bildung.

Das didaktische Dreieck verbindet Zögling, Erzieher (Beziehung) und Welt (Sachbezug, (inhaltliches Wissen, Wahrheit).Die Erziehung ist ein Hinausweisen in die Welt, der beide, Erzieher und Zögling, verpflichtet sind.

Dr. Burchardt ermuntert, nicht nur die eigenen Kinder in Sicherheit zu bringen, sondern Verantwortung zu übernehmen und sich in der Gesellschaft für eine Bildungspolitik zu engagieren, die den Wertekompass nach anthropologischen Maßstäben, nach der Natur des Menschen ausrichtet, und nicht z.B nach Pragmatismus, Utilitarismus, Konstruktivismus, Transhumanismus.

Im Nachmittagsprogramm verspricht Frau Silke Karsten (Coach für Familien, wenn der Schulstress dominiert) in drei praktischen Schritten, dem Kind das Lernen zu erleichtern und damit den Schulstress in der Familie zu reduzieren: es sind die drei E´s: Erlernen, Entspannen, Eltern.

Erlernen: wann, wie, wo, in welcher Reihenfolge gelernt wird, wird von Eltern und Kind gemeinsam entschieden. Das Kind darf mitbestimmen. Es werden Vereinbarungen getroffen; gemeinsam wird das Ergebnis beurteilt und nach einem Testzeitraum nachgebessert. Welcher Lerntyp ist mein Kind? Welches ist der Lernkanal des Kindes: sehen, hören, machen? Frau Karsten fordert auf, bewusst die „Sprache des Kindes“ zubeobachten und zu nutzen und mit ihm Lerntips umzusetzen. Bei einem visuellen Kind kommt Reden nicht an, dafür erreichen Bilder, Tabellen, Filme den visuellen Kanal des Kindes. Auditiven Kindern kann man gut vorlesen oder sie selber lesen lassen; wenn sie selber etwas erklären, hören sie sich und behalten es. Beim kinästhetischen Typ kann ein schöner Arbeitsplatz, ein schönes Papier, Schreiben mit einem schönen Stift helfen. Diese Kinder brauchen Bewegung, müssen sich spüren, können beim Gehen besser denken und beim Spazierengehen besser auswendig lernen.

Entspannen: Im Stress blockieren wir uns und der Körper ist mit anderen Dingen beschäftigt als mit Denken. Ein sechsjähriger kann sich 15 Minuten konzentrieren. Also, ganz wichtig sind Entspannungsübungen: Atemübungen: ganz tief und bewusst atmen. Bewegungspausen beim Lernen. Klopfen an vier Körperpunkten in der Mittelinie an der Nasenwurzel, über der Oberlippe, Kinn und oberes Brustbein. Der unterste Punkt ist der Mutmacherpunkt.

Eltern: sollen sich trauen, die Kinder ausprobieren, austesten zu lassen (Kind geht ohne Hausaufgaben in die Schule oder schreibt eine Fünf; Lehrer tadelt es; Kind macht seine eigene Erfahrung; schöpft Kraft daraus, lernt daraus, übernimmt selbst die Verantwortung).

Ist es die Angst der Eltern oder die Angst des Kindes? Die Angst der Eltern, auch wenn sie nicht ausgesprochen ist, bekommen die Kinder mit.

VW-Regel: Vorwurf bezieht sich auf die Vergangenheit, Wunsch auf die Zukunft. Also besser: Wunsch formulieren.

ZZZ: Zeit zu zweit. Auch hier bestimmt das Kind: was machen wir gemeinsam? Wie lang?

Wie kann man auf die je nach Entwicklungsstand, Temperament und Charakter individuelle Reaktion eines Kindes/Teenagers adäquat antworten und einen fruchtbaren Dialog führen? Möglichkeiten dazu werden anhand von Beispielen im Workshop B, „Bildung im Alltag – tatsächlich möglich?“ unter der Leitung von Katharina Kastenholz (Gymnasiallehrerin, Eltern- und Dialogprozessbegleiterin in Jülich) erarbeitet.

Wie segensreich es für ein Kind ist, sich in seiner Familie und von Gott bedingungslos angenommen und geliebt zu wissen, darüber sind sich alle einig.