„Dann bin ich halt eine blöde Mama“ – oder: Wie reagiere ich souverän?

Freiheit und deren Grenzen, sowie die Liebe zu Kindern waren Thema des Familiensymposiums im Juni 2018 in der Tagungsstätte Haus Hardtberg

aus Deutschland
Opus Dei - „Dann bin ich halt eine blöde Mama“ – oder: Wie reagiere ich souverän? Beim Start der botanischen Exkursion durch den Wald

„Es ist einfacher, eine Nation zu regieren, als Kinder zu erziehen.“ Mit diesem Zitat von Winston Churchill eröffnete Martin Lochner das Familiensymposium 2018, das seit 16 Jahren jährlich im Frühjahr in Haus Hardtberg (Euskirchen-Kreuzweingarten, Eifel) stattfindet. In diesem Jahr kamen so viele Teilnehmer wie noch nie – insgesamt 160 Erwachsene und Kinder. Themen des Symposiums und der Workshops waren: Freiheit und Grenzen, Liebe und Konsequenz, sowie die Erziehung in der Pubertät.

Die Bedeutung der Individualität als Erziehungsherausforderung hob Dr. Beatrix Dolfen, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, sowie ausgebildete Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, hervor:

Kinder sind von Gott gewollt und geschaffen, sie sind „eigenständig, einzigartig, individuell“ (vgl. Romano Guardini, Die Lebensalter, 1957). Jedes Kind ist anders. Kinder sind von Anfang an Menschen mit Verstand und Willen, mit einer unsterblichen Seele. Kinder sind kein Eigentum der Eltern. Sie sind nicht als Objekte zu verstehen, deren Zweck darin besteht, dem Leben anderer Sinn zu geben.

Sie sind Gäste (vgl. Jirina Prekop/Christel Schweizer, Kinder sind Gäste, 1999), die uns von Gott für gewisse Zeit gegeben werden; sie sind Gäste, die nach dem Weg fragen. Jedes Kind benötigt eine ganz persönliche Zuwendung und Ansprache. Kinder wollen geachtet, ernstgenommen, geliebt und begleitet werden.

Die Eltern seien gefordert, immer wieder neu zu schauen: Wie ist dieses Kind? Was braucht es an Zuwendung und Schutz, damit es ein froher, glücklicher Mensch wird. Dazu gehört eine gesunde Eigenliebe – ohne Egoismus. Wie können Kinder Menschen sein, die mit Mut das Leben anpacken und hoffnungsvoll in die Zukunft gehen? Auf diesem Weg seien die ersten drei Lebensjahre besonders prägend.

Danach stellte die Referentin ihren Grundsatz in den Raum: den Kindern grosse Freiräume – dem Alter entsprechend – zu gewähren, aber mit klaren Grenzen, die konsequent eingehalten werden. Erziehen sollte man in Freiheit, das aber mit allen Sinnen, vor allem mit Blickkontakt.

Dr. Dolfen forderte zu dem Mut auf, sich als Eltern gelegentlich unbeliebt zu machen: „Dann bin ich halt eine blöde Mama!“ Das Motto bleibe stets: klar und souverän zu reagieren. Eltern sind nicht dazu da, alle Steine, die auf dem Weg liegen, wegzuräumen, sondern darauf hinzuweisen, dass es welche gibt. Die Welt bietet viele Hindernisse. Es geht darum, sich an Schwierigkeiten zu reiben, was stark macht und die Kinder wachsen lässt.

Krabbelgruppe im Wohnzimmer der alten Villa, während die Eltern das Symposium besuchen.

Der wichtigste Grundsatz, so die Referentin, ist, dass Bindung für eine gesunde Entwicklung entscheidend ist: Defizite in den ersten drei Lebensjahren seien nicht mehr aufzuholen.

Besonders gut kam das Prinzip der Familienkonferenz (vgl. Thomas Gordon, Die Neue Familienkonferenz, 2014) an: Sich zusammensetzen und gemeinsam überlegen „Was sind die Familienregeln?, Wie sieht die Aufgabenverteilung aus?“ Das Ergebnis solcher Gespräche hilft gegen Geschwisterrivalitäten und gibt jedem das Gefühl, dass er in der Familie wichtig ist.

Im Anschluss an den Vortrag und in Workshops am Nachmittag wurden Fallbeispiele besprochen. Peter und Monika Lochner (A. Cattaneo/ P. Lochner/ M. Lochner, Die Ehe: Gabe und Aufgabe, 2008) adressierten das Thema „Wenn Eltern peinlich werden - wie Erziehung in der Pubertät gestaltet werden kann“ – unter reger Beteiligung der Teilnehmer.