Sechs Tage zu Fuß bei Gewitter, durch einen Fluss und querfeldein

Zwölf Freundinnen pilgerten in den Sommerferien 2020 auf dem Jakobsweg in Süddeutschland. Es war eine Sommererfahrung der besonderen Art. Hier der Bericht von Sophie (15 Jahre)

Opus Dei - Sechs Tage zu Fuß bei Gewitter, durch einen Fluss und querfeldein

Etwa 150 Kilometer pilgerten wir den Jakobsweg von Ulm bis nach Konstanz! Eine Strecke, die man mit dem Auto in eineinhalb Stunden zurücklegt. Zu Fuß brauchten wir ganze sechs Tage, um unser Ziel zu erreichen.

Wir, das war eine Gruppe von 12 Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren aus ganz Deutschland und - bis auf ein paar Ausnahmen - keineswegs geübte Wanderer.

Wir legten täglich eine Strecke von etwa 25 Kilometern durch wunderschöne Landschaften und viele kleine Dörfer zurück. Jeden Morgen vor unserem Aufbruch feierten wir die heilige Messe und mittags auf der Hälfte unserer täglichen Wegstrecke hielten wir eine Betrachtung, geleitet von Dr. Massmann, dem Priester, der uns begleitet und unterstützt hat.

Herausforderungen und Schwierigkeiten wurden gemeistert

Als wir uns für diese Wanderung anmeldeten, waren unsere Hoffnungen und Ziele, die Herausforderung anzunehmen und unsere Grenzen zu erforschen, neue Freundschaften zu knüpfen und auch unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen oder sogar völlig neu zu erfinden.

Unsere ersten Schritte waren von Aufregung geprägt und von der Frage, was uns wohl erwarten würde und ob der Rucksack nicht zu schwer sei. Doch wir beschlossen jede Schwierigkeit mit Motivation und guter Laune zu überwinden.

Am Abend des ersten Tages - nachdem wir 30 Kilometer zurücklegt hatten und uns fragten, wie wir je wieder einen Fuß vor den anderen setzen sollten - wussten wir, dass das schwieriger werden könnte als erwartet. Und tatsächlich hatten wir eine ganze Reihe Probleme zu überwinden. Von Blasen und schmerzende Füßen über Mücken- und Wespenstiche, Spinnenbisse und fliegenden Ameisen bis hin zu brütender Hitze, Gewitter und einer fehlenden Brücke haben wir jetzt eine schöne Sammlung abenteuerlicher Erfahrungen.

Wir verliefen uns, nahmen Abkürzungen und machten Umwege

Jeder Tag bot andere Hindernisse und verlangte neue Ideen. Wir haben uns gegenseitig unterstützt, denn jede von uns hatte ihre Schwächen und Stärken und jedes Problem konnte von unterschiedlichen Personen gelöst werden. Und nur alle zusammen konnten wir das Ziel erreichen.

An dem einen Tag war es so warm, dass wir kaum genug Wasser zum Trinken hatten, an einem anderen gewitterte es und wir kamen vollkommen durchnässt ans Ziel. Mal taten die Füße weh, mal der Rücken. Hin und wieder ging es bergauf und dann wieder sehr steil bergab. Einmal mussten wir durch einen Fluss waten und Querfeldein laufen. Wir verliefen uns, nahmen Abkürzungen und machten Umwege.

Jeden Abend wohlbehalten am Ziel

Doch wir erreichten jeden Abend mehr oder weniger wohlbehalten unser Ziel und konnten neue Kraft schöpfen. Was uns vor allem auf unserem Weg stärkte, waren die hilfsbereiten Menschen, die uns den Weg gewiesen, oder, im Falle von ein paar Kindern auf Kettcars und Fahrrädern, auch ein paar Dörfer weit begleitet haben.

Auch die Familien, die uns über Nacht aufgenommen und uns unglaublich freundlich versorgt haben, schenkten uns Kraft und Motivation um den nächsten Tag in Angriff zu nehmen.

Am sechsten Tag erreichten wir den Bodensee, verbrachten zwei Tage dort und lernten Konstanz, seine Umgebung und ein paar seiner Bewohner kennen. Wir waren begeistert nach diesen Strapazen in einem Bett schlafen zu können, nicht früh Morgens den Rucksack packen und schultern zu müssen und in einem Bus zu fahren, der uns dann seltsamerweise sehr schnell erschien. Doch auch wenn wir froh waren unser Ziel erreicht zu haben, waren wir doch ein bisschen traurig, dass unsere Fahrt und unsere Gemeinschaft zu Ende gehen mussten.

Wir haben viel erlebt und viel gelernt und nach dieser gemeinsamen Zeit können wir sicher sein, dass wir gereift sind und unsere Freundschaft zu Jesus Christus tiefer geworden ist, dass wir mit einem stolzen Lächeln an unsere Abenteuer zurückdenken können und dass wir in Zukunft Herausforderungen anders angehen werden, nicht mehr so schnell aufgeben und beharrlich und überzeugt bleiben. Denn diese Herausforderung haben wir gemeistert, mit Gottes Beistand und Hilfe. (Sophie, 15 Jahre)