Reise nach Jerusalem – alles andere als ein Kinderspiel

Zu einem Besuch Israels war im August 2019 eine Gruppe von 18 Studenten und jungen Berufstätigen aufgebrochen. Organisiert wurde die Fahrt vom kölner Studentenzentrum Schweidt. Ein Teilnehmer berichtet:

Opus Dei - Reise nach Jerusalem – alles andere als ein Kinderspiel

„Einzigartig, beeindruckend, faszinierend. Ausdrücke, die wir tagtäglich verwenden. Eigentlich schade, denn wenn sie dann einmal wirklich treffend wären, wenn Erlebnisse wirklich einzigartig sind, Orte beeindruckend und Situationen faszinierend, so werden sie dem Beschriebenen nicht mehr gerecht. Das erschwert den Versuch, von einer beeindruckenden Reise in ein wahrhaft einzigartiges Land zu erzählen, und dabei gleichzeitig auch nur ansatzweise die Faszination und persönliche Ergriffenheit zum Ausdruck zu bringen.

Am 19. August brachen wir zu einer Reise nach Israel auf. Wir, das war eine Gruppe von rund 20 Studenten aus allen Teilen Deutschlands, starteten früh morgens von Berlin nach Tel Aviv. Kaum jemand konnte sich wirklich vorstellen, was uns erwarten würde, wenn sich die Türen unseres ´easyjets´ nach vier Stunden wieder öffnen würden. Das Spiel eines jeden Kindergeburtstages, die Reise nach Jerusalem, wurde Realität.

Jegliche Heimatgefühle nahmen spätestens dann ein schnelles Ende, als wir unser Ziel erreichten und uns von Hitze, einer durch und durch temperamentvollen Bevölkerung und hupenden Autos umgeben sahen. Als dann schließlich das letzte bisschen Heimat verlorenging, wurde auch denen, die bis dahin geschlafen hatten, bewusst, dass dieses Land nichts mit den Kategorien und Denkmustern zu tun hat, in denen sich ein Europäer normalerweise bewegt.

In dem Bemühen, diese verrückten, ja schrillen, Begebenheiten auszublenden, begann unsere Reise in das Heilige Land. In das Land, in dem die Geschichte der Bibel und des Urchristentums geschrieben wurde. Erst dann ließen sich, inmitten des ganzen Chaos, die heiligsten Stätten des Christentums entdecken, den Ort an dem Jesus gekreuzigt wurde, das Grab des Herrn und den Saal, in den er seine Jünger zum letzten Abendmahl geladen hatte. Das war es doch, wonach wir suchten. Wir sind aufgebrochen, um die Orte zu besuchen, an denen Jesus Christus gelebt und für uns den Tod erlitten hatte. Um es mit den Worten von Papst Benedikt und Kirchenvater Hieronymus zu sagen, begannen wir in diesem Moment damit, „das fünfte Evangelium“ zu lesen. Aber so, wie es manchmal schwierig sein kann, die Botschaft der vier Evangelien zu verstehen, erging es uns im Heiligen Land auch mit dem fünften. Wir lasen dieses Evangelium während am gleichen Ort jüdische Pilger das Grab des König Davids verehrten, Araber Rosenkränze verkauften und eine asiatische Touristengruppe versuchte, den kulturellen Wert der heiligen Stätte auf einem iPad-Foto festzuhalten. Trotz dieser Absonderlichkeiten haben uns diese Orte und Stätten innerlich ergriffen und persönlich berührt. Genau diese Kuriositäten waren von je her Teil des Evangeliums, denn auch sie sie waren elementarer Bestandteil des Lebens Jesu. Dort, wo heute irgendein Technologiekonzern „angebetet“ wird, besuchten die Menschen damals vielleicht einen heidnischen Tempel. Nichtsdestotrotz wird an keinem anderen Ort der Welt das Leben und Sterben Jesu auf diese wunderbare Weise greifbar. Das, was wir zunächst einmal als einen „Kulturschock“ empfanden, auch das war Teil des Lebens unseres Herrn.

Doch genau das war ein wesentlicher Aspekt unserer Erlebnisse in Israel. Wir versuchten in diesen Tagen, zu verstehen, was es bedeutet „am anderen Ende der Welt“ zu leben. Nicht in einem geographischen Sinne, nein, wir schienen wirklich in einer anderen Welt gelandet zu sein und hatten dafür nur vier Stunden fliegen müssen. Dieses Ende der Welt, was wir gefunden hatten, zeichnete sich nicht durch eine neuseeländische Farm oder ein großes australisches Outback aus. Wir standen inmitten einer pulsierenden Stadt, die nach ganz anderen Regeln spielte, als wir es gewohnt waren. Angefangen bei einem Architekturstil, der uns am ehesten noch aus einer Spiegel-TV-Dokumentation über den Bürgerkrieg in Syrien bekannt vorkam, wurde diese Nahostromantik an vielen Stellen durch den Jahrhunderte alten, charakteristischen Baustil vervollkommnet. Israel – das ist ein Land, in dem wir alle vor unserem Studium erst einmal drei Jahre Wehrdienst hätten leisten müssen und in dem es völlig normal ist, dass das Straßenbild von genau diesen jungen Erwachsenen mit Maschinengewehren geprägt wird.

Wir befanden uns in einer Welt, in der es allerdings genauso normal ist, dass ein kleiner Traktor durch die engen Gassen der Altstadt rast, dass der Handy-Laden um die Ecke nur „koschere“ Smartphones verkauft und dass die gesamte Stadt, die mehrheitlich jüdisch ist, spätestens um vier Uhr morgens vom muslimischen Muezzin zum Gebet geweckt wird.

Doch all dem zum Trotz: Es war und ist das Heilige Land. All unsere bisherigen Vorstellungen von den Orten, an denen der Sohn Gottes, der Messias, gelebt und gewirkt haben soll, wandelten sich in den Momenten, in denen wir tatsächlich dort waren. Ähnlich wie die Menschen es zur Zeit Jesu formulierten - „Wie kann etwas Gutes aus Nazareth kommen?“-, waren wir von der Unscheinbarkeit vieler heiliger Stätten zunächst irritiert und dann berührt. Das hatten wir nicht erwartet. Anstelle beeindruckender Sakralbauten fanden wir vielmehr versteckte Orte, nach denen wir suchen mussten, - so auch bei der Grabeskirche.

In der Grabeskirche erlebten wir im Beten, in der Stille, im „Uns-klein-Machen“ tiefe Augenblicke der Annäherung an die Person und das Leben Jesu Christi, wie es vermutlich auch die Menschen seiner Zeit durchlebten. Die Einfachheit, die Unscheinbarkeit, seine Demut, das Ausmaß dessen, was es bedeutet, sich klein zu machen und den Menschen zu dienen bis hin zum Tod, hat unsere Herzen und unser Denken an diesem Ort besonders ergriffen. Wir verspürten den Wunsch, ihm ganz nahe zu sein, ihm ähnlicher zu werden, suchten das Gebet und konnten an einem Morgen hier sogar eine Heilige Messe feiern.

Aber auch die Tage am See Genezareth werden uns in tiefer Erinnerung bleiben. Hier fiel es uns, weitab vom städtischen Trubel, wesentlich leichter, uns in die Zeit vor 2000 Jahren zurückzuversetzen. Die Lebensgewohnheiten scheinen sich hier nur wenig über die Zeit verändert zu haben und das Leben der jungen Apostelgemeinde wird erfahrbar.

Feier der Heiligen Messe am See Genesareth

Neben all den Begegnungen mit den verschiedensten Menschen werden uns diese Orte, an denen sich die Fundamente unseres Glaubens noch einmal ganz neu entdecken lassen, in tiefer Erinnerung bleiben.

Zurück bleibt aber ebenfalls der Eindruck, dass das Land Israel, in seiner Geschichte und in seiner religiösen und kulturellen Vielfalt, in seiner Vielschichtigkeit kaum ganz zu erfassen ist. Für uns Christen steht jedoch fest, dass all dies Teil einer Herausforderung ist, die es verdient angenommen zu werden, da sie Einblicke gewährt in eine einzigartige, beeindruckende und faszinierende Welt, die nicht weniger ist als das fünfte Evangelium.“ KS