Kurt Malangré ist mit 84 Jahren in Aachen verstorben

In Aachen ist in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 2018 der langjährige Oberbürgermeister Kurt Malangré im Alter von 84 Jahren verstorben.

aus Deutschland
Opus Dei - Kurt Malangré ist mit 84 Jahren in Aachen verstorben

Von 1973 bis 1989 hatte Kurt Malangré das Amt des Stadtoberhauptes inne. Der Rechtsanwalt und Vater von fünf Kindern, sowie Großvater von elf Enkeln war von 1979 bis 1999 Abgeordneter des Europaparlaments. Von 1973 bis 1999 hat er im Karlspeisdirektorium mitgewirkt und den Karlspreis der Stadt verliehen. Im Jahr 2004 erhielt er die Ehrenbürgerwürde der Stadt Aachen. Im Jahr 2007 gründete er die Kurt-Malangré-Stiftung zur Unterstützung eines Studentenwohnhauses für Ingenieurstudenten an der RWTH Aachen. Prälat Dr. Christoph Bockamp erinnerte in einer ersten Mitteilung daran, dass Malangré das erste Mitglied (Supernumerarier) der katholischen Prälatur Opus Dei in Deutschland war. Bockamp bat um Gebet für ihn.

Im Jahr 1974 hatte Malangré anlässlich der Seligsprechung der Aachenerin Franziska Schervier in Rom die Gelegenheit, den später heiliggesprochenen Gründer des Opus Dei, Josefmaria Escrivá, persönlich kennenzulernen. Darüber berichtet der in Aachen geborene Priester Dr. Rolf Thomas, der Zeuge der Begegnung war, in einer Biografie (Josemaria Escrivá begegnen, St. Ulrich Verlag, Augsburg 2010):

„Kurt Malangré aus Aachen, der erste des Opus Dei in Deutsch!and, … hatte im Dezember 1955 um Aufnahme ins Werk gebeten. Doch eine persönliche Begegnung mit dem Gründer hatte sich nie ergeben, bis sie dann endlich 1974 in Rom zustande kam. Dass ich als Dolmetscher dabei sein durfte, machte mir nach den für uns beide so ereignisreichen Jahren seit unserem Gespräch im Zug 1957 besondere Freude. Als Oberbürgermeister von Aachen war Kurt Malangré mit vielen Aachenern am 27. April 1974 zur Seligsprechung von Franziska Schervier nach Rom gekommen…. Am 29. April empfing ihn der hl. Josefmaria kurz in der Villa Tevere. Er sei jünger, als er ihn sich vorgestellt habe, sagte der Vater.

Der Vater fragte nach dem Befinden seiner (ersten) Frau Ursula, die ebenfalls dem Opus Dei angehörte. Er wusste von ihrer schweren Krankheit. Er gab ihm eine schöne Medaille für sie und erwähnte das Kruzifix, das er ihr kürzlich geschickt hatte.

,,Denkt immer daran, dass Gott uns sehr liebt. Er segnet uns mit dem Kreuz. Sage es auch deiner Frau!" So sehr, so sehr liebe uns Gott, wie wir es uns gar nicht vorstellen könnten. Ihm und seiner Frau wolle er ans Herz legen, so fuhr er fort, sie sollen alles ganz unkompliziert wie Kinder mit Gott in ihrem täglichen Gebet besprechen. Er, der Vater, sei schon alt, und doch sei er wie ein Kind vor Gott. Wenn ihm etwas misslinge, dann sei es eben nur ein Kind, dem etwas misslungen sei. In Gottes Arme sollten wir uns überlassen: ,,in deine Arme, o Gott, als deine Kinder, in deine starken Arme!“

Dabei legte er seine Hand auf Kurt Malangrés linken Arm, und sagte zu ihm: „Du, geh´ deinen persönlichen Weg, innerhalb des breiten Weges des Opus Dei." Er gebe keine konkreten Anweisungen, fügte er hinzu, sondern nur Empfehlungen, und jeder solle auf seine Weise, geführt vom Geist des Werkes, auf diesem Weg gehen, mag er auf ihm humpeln, hüpfen oder rennen.

Als der Vater eine kleine Pause machte, sagte Kurt Malangré, er habe den Wunsch, keines seiner Worte zu vergessen. Worauf der Vater lächelte und ihn beruhigte, darüber solle er sich keine Sorgen machen. Sein Gesicht drücke deutlich aus, was er dächte und empfände. Dann legte der Vater ihm zwei große Anliegen ans Herz: als erstes, die Kirche wie eine gute Mutter zu lieben, treu und vorbehaltlos zu ihrer Lehre zu stehen, und dabei das Urteil über Personen dem Herrn zu überlassen. Dabei werden wir freilich Lüge nicht Wahrheit nennen, das Laster nicht Tugend, die Feigheit nicht Autorität. Das zweite Anliegen war das persönliche Apostolat, ganz konkret das Apostolat im beruflichen Leben. Er, Kurt Malangré, könne gerade in seinem Amt als Oberbürgermeister ein gutes und friedliches Miteinander unter den Menschen sehr fördern. Dabei solle er immer vor Augen behalten, dass das Kreuzzeichen ein Pluszeichen sei, nicht Zusammenprall symbolisiere, sondern positives, liebevolles Aufeinander zuzugehen, gemäß dem Neuen Gebot Jesu: wie ich euch geliebt habe; daran müsse man uns als seine Jünger erkennen können. „Bemühe dich, aus allem ein Plus zu machen." Schließlich fügte er hinzu, er freue sich mit den Aachenern über die erfolgte Seligsprechung (von Franziska Schervier, Anm. d. Red). Er verehre die Heiligen sehr und er liebe es, durch die Reliquien in den Kapellen und Kirchen mitten unter den Heiligen zu sein. Aber besonders liebe er es – er, der größte Sünder - , unter lebenden, jungen Heiligen sein zu dürfen, „die zu lieben verstehen, zu leiden und zu lächeln", wobei das Lächeln manchmal das größte Opfer sein könne. Bevor er sich verabschiedete, trug er seinem geistlichen Sohn liebe Grüße an seine Frau auf, segnete und umarmte ihn und gab ihm einen Kuss auf die rechte Wange. „Den Kuss, sagt er, habe ich deiner Frau gestohlen, gib ihn ihr zurück, wenn du nach Hause kommst.“ Kurt Malangré war sehr bewegt, und ich mit ihm.“ (S. 39 – 41)

Foto: © Túrelio (via Wikimedia-Commons), 1999