Peter Berglar - am 8. Februar wäre er 100 Jahre alt geworden

Er war Historiker und Arzt, Schriftsteller und Hochschullehrer, Familienvater und gläubiger Christ. Das verheiratete Mitglied des Opus Dei verfasste Biografien über Adenauer und Rathenau, sowie über katholische Heilige wie Thomas Morus, den Opus-Dei-Gründer Josemaria Escrivá oder den Apostel Petrus, seinen Namenspatron.

Opus Dei - Peter Berglar - am 8. Februar wäre er 100 Jahre alt geworden Das Ehepaar Berglar

Seine Lebensdaten in Kürze: Geboren 1919 in Kassel, verheiratet mit Vera, geb. Merck – vier Kinder. 1937-45 Wehrmacht , ab 1939 Studium der Medizin in Berlin und Einsatz in Frontlazaretten, 1942 Konversion zur katholischen Kirche, 1944 Doktor der Medizin an der Universität Frankfurt, 1945-46 Kriegsgefangenschaft, 1946 Publizist, 1953 bis 1966 Tätigkeit als niedergelassener Internist in Köln, 1966 Studium der Geschichte und Germanistik, 1969 Dr. phil., 1971 Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität zu Köln. Er starb am 10.11.1989.

Von seiner ersten, noch "unbewussten Begegnung" mit dem Opus Dei berichtet er selbst in einer seiner Biografien:

„Ist Gott der Herr der Geschichte?“

"Gegen Ende des Wintersemesters 1973/74 suchte mich in der Sprechstunde ein Student auf und wollte Verschiedenes wissen, was sich auf meine Vorlesung bezog. Dann – ich war bereits aufgestanden, recht übergangslos die Frage: 'Glauben Sie, Herr Professor, dass Gott der Herr der Geschichte ist?' Ich setzte mich wieder hin, etwas verblüfft, denn solche Fragen wurden in der Universität kaum jemals erörtert und von Studenten nie gestellt; sie gelten als unwissenschaftlich. 'Wenn Sie mich so direkt fragen', antwortete ich nach einer kleinen Pause, – 'ja, ich glaube es'. Schweigen. Das Gespräch stockte. Schließlich fügte ich, etwas akademisch, hinzu: 'Das ist jedoch ein großes, kompliziertes Thema, das sich nicht in zehn Minuten, in der Sprechstunde, abhandeln lässt. (...) Am Abend erzählte ich meiner Frau von der 'unkonventionellen Frage' eines drittsemestrigen Geschichtsstudenten. Ich ahnte nicht, dass ich eine erste Berührung mit dem Opus Dei gehabt hatte, dem der junge Mann (wie ich später erfuhr) angehörte (...).

Von den Studenten ging etwas Frohes aus

Es vergingen Monate, ehe ich den Studiosus wiedertraf. Er bat darum, das Gespräch 'von damals' fortzusetzen und er wolle dazu einen Freund, auch Student, Kunsthistoriker, mitbringen, den das Thema ebenfalls 'brennend interessiere'. Dieses Kolloquium zu Dritt fand am 18. Juni 1974 bei mir zu Hause statt. Es machte mir – ich muss es so salopp sagen – regelrecht Spaß, den beiden meine Gedanken und Ansichten zum Problem der göttlichen Vorsehung und der menschlichen Willensfreiheit in der Geschichte, über das geheimnisvolle Ineinander von Geschichte und Heil zu entwickeln. (...) 'Sympathische Leute', sagte ich zu meiner Frau, als sie fort waren, 'von ihnen geht etwas Frohes aus. Wir haben auch zusammen gelacht.' Später verstand ich, dass mir eine große Lehre über die Grundlagen allen Apostolats zuteil geworden war. Ohne Freude, die aufrichtig ist, weil sie das Bewusstsein der Erlösung widerspiegelt, und die ansteckt, weil sie warmherzige Zuwendung zum anderen ausdrückt, kann niemand für die Sache Jesu Christi werben."

Treffen mit einem Kardinal - später Johanes Paul II.

Kurz darauf erhielt Peter Berglar eine Anfrage aus Rom, ob er bereit sei, dort bei einer Priester-Tagung vom 11. bis 13. Oktober 1974 ein Referat zu übernehmen. Rom verlockte. Vereinbart wurde Thema: Weltgeschichte und Gottesreich. Weitere Referenten seien ein Philosoph aus Spanien und – wegen einer parallellaufenden Bischofssynode in Rom – ein Kardinal aus Krakau/Polen namens Karol Wojtyla. Der Plan wurde Realität. Peter Berglar war bei der ersten Begegnung in Rom sogleich von ihm höchst angetan. Vier Jahre später, als dieser Papst wurde, durchbrach seine Freude über die frühe Begegnung alle bisherigen Grenzen und währte lebenslang: Er kannte Johannes Paul II. schon persönlich. Vom Erleben vor der Abreise und bei der Tagung berichtet er selbst:

Warnungen Opus Dei blieben ohne Erfolg

"Inzwischen wusste ich natürlich, dass CRIS (Zentrum des Priestertreffens, Anm. d. Red.) geistig, geistlich und personell von Priestern des Opus Dei geleitet wurde, dass sich in Rom der Zentralsitz des Opus Dei befand und dass sein Generalpräsident (Personalprälatur wurde das Opus Dei erst 1983, Anm. d. Red.) der Monsignore Josemaría Escrivá war, von dem man hörte, dass er die ganz normalen Christenmenschen, die Laien, die konsequente Christusnachfolge lehre, und dessen Buch 'Der Weg' ich immer noch nicht gelesen hatte. Als ich Bekannten und Freunden von der bevorstehenden Reise erzählte, stellte ich fest, dass die meisten von Opus Dei und Escrivá wenig oder gar nichts wussten, einige aber 'Warnungen' und kleinere oder größere Gehässigkeiten anbrachten. Ich fand die verschwommen-impertinente, immer merkwürdig auf dunklen Flüsterton gestellte Abschätzigkeit zwar befremdlich, aber andererseits erweckte sie auch Zweifel an der Kenntnis, bisweilen sogar an der Honorigkeit solcher Informanten. Dennoch, alles in allem, tat dieses Gift seine Wirkung: ein unbestimmtes Misstrauen war gesät worden; mit innerer Reserve und dem Vorsatz, 'vorsichtig' zu sein, brachen wir, meine Frau und ich, am 7. Oktober in die Ewige Stadt auf (...) – mit einer leisen Feindseligkeit, die darauf aus war, über Unbefangenheit und Vertrauen einen klebrigen Film vagen Vorurteils und unartikulierten Verdachts zu breiten. Man darf einer solchen beklemmenden Erfahrung nicht ausweichen wollen; in der Regel kann man es auch gar nicht, denn sie gehört, als unentbehrlicher Bestandteil, zum Prozess der inneren Klärung."

Vom Misstrauensgewölk zum blauen Himmel Roms

"Das Misstrauensgewölk, in dem ich noch am Morgen des 7. Oktober von Köln gestartet war, hatte sich bereits bis zum Abend spurenlos aufgelöst. Ein klarer römischer Himmel über mir und in mir. Und ruhiger, kontinuierlicher Fortgang der verhüllten, mir noch unbewussten Begegnung mit Josemaría Escrivá – in seinen Söhnen. Ich lernte während dieser Woche ziemlich viele von ihnen kennen, Deutsche und Österreicher, Italiener und Spanier, Priester und Laien. Sie alle kannten den Gründer persönlich, einige waren ständig um ihn. Aber darüber dachte ich gar nicht nach, es fiel mir überhaupt nicht auf, und es spielte auch in unseren Unterhaltungen kaum eine Rolle. (...) Lange ehe ich etwas über das Werk zu wissen begann (...) und lange, ehe ich diesen Weg 'verstand' – und er ist ebenso leicht wie schwer zu verstehen und zu gehen – liebte ich ihn schon, weil ich ihn als einen Weg der 'laetitia in cruce' , der Arbeit in der Welt aus Liebe zu Gott und den Menschen, der Hingabe ohne Pathos erfühlte, als einen Weg der Selbstfindung durch Befreiung von jener Ich-Tyrannei, die uns unter das Joch der Angst und der Hybris und einer abgründigen Langeweile zwingt. Und ich erfühlte ihn so, weil diese Männer, die ich kennengelernt hatte, ihn ganz gelassen, ganz natürlich, glaubhaft und mit spürbarem innerem Frieden gingen.“

Im Rückblick: "Leben bislang unkonventionell“

„Verändert kehrte ich nach Deutschland zurück.(...) Ich war fünfundfünfzig Jahre alt, seit meiner Studentenzeit vor über drei Jahrzehnten katholisch; mein Leben war in vielfältiger Weise unkonventionell verlaufen, äußerlich und innerlich oft unruhig, ja unstet; meist eine Dschungelwanderung, auf 'Wechsel' und 'Neues' erpicht, süchtig nach 'Erlebnis'. Von Glaube und Kirche hatte ich mich zwar nie völlig getrennt, aber eine nicht eben zaghafte Selbstherrlichkeit sprang mit beidem wie mit einem geistig-geistlichen Dispositionsfond um, dem man willkürlich dies und das entnimmt oder hinzufügt, den man bald so, bald anders 'bewertet' oder auch einmal ganz beiseiteschiebt. (...) Darin eben beruhte die 'römische Veränderung': Ich hattedort am konkreten Beispiel von Menschen, die den Weg Josemaría Escrivás gingen, erfahren und die Erfahrung auch einigermaßen verstanden, dass Gott Menschen will, die Mitarbeiter, Miterlöser Christi in der Welt sind, indem sie sein Leben der dreißig verborgenen Arbeitsjahre, seine Liebe, seine Lehre und sein Leiden mit allen ihren Kräften nachzuleben versuchen und dass allein daraus und aus nichts anderem, der Friede, die Freude, die Gelassenheit des Herzens erwachsen, nach denen die Menschen sich sehnen, die aber so viele mit untauglichen Mitteln zu erreichen trachten."

Begegnungen in Köln: ABC - die Konvertiten Anscombe, Berglar, Clark

Zurück in Deutschland, bestätigte sich Peter Berglars "römische Veränderung" nicht nur, wie er weiter berichtet, bei Vorträgen wo er sein Publikum "anders" sah, die Diskussionsteilnehmer "anders" hörte und das jeweilige Dienstpersonal, überhaupt jedermann, neu, unverstellt und frisch wahrnahm. Sein Vortrag im Mai 1975 beim Lindenthal-Institut in Köln zu "Der Mensch zwischen Natur und Geschichte" klang entschieden schöpfungs- und erlösungsbetont und die Diskussion christlich zuversichtlicher als vom Veranstalter erwartet. Die anderen Vortragenden bei jenem Kolloquium waren die bekannte Philosophin Elisabeth Anscombe, Wittgenstein-Schülerin und spätere Nachfolgerin auf dessen Lehrstuhl in Cambridge, und der in Sachen Wirtschaft, Politik und Verwaltung weltweit lehrende Anglo-Australier Colin Clark, soeben hervorgetreten mit seiner Studie "Der Mythos von der Überbevölkerung". Dessen Verbreitung hatte gerade Fahrt aufgenommen. Überraschung für den Veranstalter und die drei Referenten in einem Get-together miteinander: Die beiden anderen waren auch Konvertiten.

Die Gestalt des Thomas Morus fordert ihn heraus

In den Monaten nach Rom mehren sich in Deutschland um Peter Berglar Freunde, die dem Opus Dei angehören. So er selbst dann 1976 auch. Bereits zuvor ringt – neben reger Vortrags- und Publikationstätigkeit über kulturelle und politische Zeitfragen – seine literarische Seele frohgemut um eine Ablösung von der gewohnt kulturchristlich geprägten Orientierung an anspruchsvoller – sozusagen Goethescher – Literaturtradition. Seine begonnene Arbeit an einer Biografie des Thomas Morus, dessen Gestalt, die deutlich zu christlichem Bekenntnis anregt, fordert ihn heraus. Das Buch erscheint 1978 – mit öffentlich guter Resonanz. Anlass für Papst Johannes Paul II., Peter Berglar den Gregoriusorden zu verleihen.

Auch Josemaria Escrivá verstand er, ohne ihm persönlich begegnet zu sein.

Nach so lebendiger "Begegnung" mit dem Gründer des Opus Dei in dessen Söhnen überwindet er den Schmerz darüber, dem Hl. Josemaría Escrivá nicht persönlich begegnet zu sein, bevor er am 26.06.1975 starb, in nachhaltigen Studien, die zu seiner Buchveröffentlichung "Opus Dei – Leben und Werk des Gründers Josemaría Escrivá", erschienen 1983 – nachfolgend übersetzt in englischen, französischen, italienischen, spanischen u.a. Ausgaben.

Alterswerk über Namenspatron "Petrus: vom Fischer zum Stellvertreter"

Trotz bleibend entschiedener Anteilnahme am und Stellungnahme zum Zeitgeschehen und aufgeschlossener Pflege von Freundschaften, in denen er gern – von Angesicht zu Angesicht – anregend auch Jesus Christus zur Sprache brachte, fand Peter Berglar offenbar nach wie vor stille Stunden zum Denken und Schreiben. Selbst enge Freunde waren überrascht, dass er bei seinem irdischen Abschied noch das Manuskript für ein Buch hinterließ, dessen Schluss nur noch der Sorge eines einfühlenden Lektors bedurfte und dann 1991 erschien: "Petrus – vom Fischer zum Stellvertreter". Ab etwa 1987 lebte Peter, an Krebs erkrankt, zurückgezogen, und verstarb – geistlich und sakramental von einem Mitbruder im Opus Dei versorgt – am frühen Morgen des 10. November 1989 – in Anwesenheit des Verfassers, der sogleich von einem "typisch Berglar" sprach: "Ausgerechnet nach der Nacht des Mauerfalls in Berlin!"

Hans Thomas

Literatur:

Josemaría Escrivá – Leben und Werk des Gründers des Opus Dei

(Adamas-Verlag, Köln 2005)

Predigt am 7.2.2019 von Msgr. Dr. Cesar Martinez in der Pfarrkirche St. Pantaleon, Köln