Über die Eröffnung des Besucherzentrums Saxum in Abu Gosch

Das Saxum-Zentrum bei Jerusalem führt in die Geschichte des Heiligen Landes ein. Von Till Magnus Steiner

Opus Dei - Über die Eröffnung des Besucherzentrums Saxum in Abu GoschAn einem der vielen Touchscreens zeigt Carlos Bernar dem israelischen Tourismusminister Yariv Levin die Baugeschichte des jüdischen Tempels. Foto: Saxum

Ein Fels für Pilger

Dieses Besucherzentrum ist von entscheidender Bedeutung, es bereichert das touristische Erlebnis im Heiligen Land und dies auf eine interaktive und einzigartige Weise“. Mit diesen Worten beschrieb der israelische Minister für Tourismus, Yariv Levin, das neue Saxum-Zentrum, fünfzehn Kilometer westlich von Jerusalem, bei seiner offiziellen Eröffnung am vergangenen Donnerstag. 25 Jahre, nachdem der damalige Leiter der Prälatur Opus Dei, der selige Álvaro del Portillo, am ersten Tag nach seiner Rückkehr von einer Pilgerreise ins Heilige Land gestorben war, erfüllt sich nun der Wunsch seines Vorgängers und Gründers des Opus Dei, des heiligen Josemaría Escrivá. Er wollte, dass im Heiligen Land ein Konferenzzentrum errichtet wird, das den Pilgern ermöglicht, ihren Glauben zu erneuern und zu festigen. 1994 entschied die Prälatur im Gedenken an den seligen Álvaro del Portillo, der von dem heiligen Josemaría Escrivá aufgrund seines festen Glaubens den Ehrennamen „Saxum“, was auf Latein „Fels“ bedeutet, erhalten hatte, einen solchen Ort im Heiligen Land zu errichten. Zu diesem Zweck wurde die italienische Saxum-Stiftung gegründet, die zusammen mit der Association for Cultural Interchange das Besucherzentrum gebaut hat und in enger Verbindung zum Opus Dei betreibt.

Das durch Spenden finanzierte Projekt ermöglicht es, „den Lebenskontext Jesu hier auf Erden besser zu verstehen, ja, in diese ferne Welt einzutauchen und für heute relevant werden zu lassen“, erklärte ein Mitglied des Freundeskreises Saxums gegenüber der „Tagespost“. In seinen Predigten forderte der heilige Josemaría Escrivá seine Zuhörer immer wieder dazu auf, sich wie eine beteiligte Person in die Szenen des Evangeliums hineinzuversetzen. Dies möchte der 7 000 Quadratmeter große Komplex, der als Tagungshaus und Multimedia-Ressourcenzentrum konzipiert ist, jährlich bis zu 500 000 Pilgern ermöglichen. Carlos Bernar, der kreative Direktor des Projektes, beschreibt das Ziel mit folgenden Worten: „Die Menschen – Pilger, Touristenführer und die Einheimischen – sollen das Heilige Land nach dem Besuch besser verstehen können“, und er fügt hinzu: „Um einen Ort verstehen zu können, muss man seine Geschichte kennen“. Bereits bevor man in das moderne Gebäude, das an der Seites eines idyllischen Hügels liegt, hineingeht, begegnet man im Vorhof der gesamten Heilsgeschichte von Abraham bis in die Zeit Jesu und der entstehenden Kirche. An den Wänden werden die biblischen Geschichtsdaten zusammen mit der Weltgeschichte und Zitaten aus der Bibel dargestellt.

Und während der Pilger so die Geschichte abschreiten kann, geht er zugleich auf einer großen, in den Boden eingravierten Karte der Levante, auf der die Wege Abrahams ins Heilige Land sowie Israels aus Ägypten nachverfolgt werden können. Die Ausstellungsräume des Besucherzentrums sind dunkelgrau gehalten, damit die Informationen über das Leben zur Zeit Jesu hervortreten können. Auf Touchscreen können unter anderem die damals im Heiligen Land gesprochenen Sprachen angehört und Rekonstruktionen der Lebenswirklichkeiten auf dem Land und in der Stadt virtuell betrachtet werden. Ein weiterer Raum ist ganz dem Kreuzweg Jesu gewidmet, der anhand eines Modells der Jerusalemer Altstadt audio-visuell erlebt werden kann.

Das Besucherzentrum möchte den Pilgern ermöglichen, das, was sie auf ihrer Reise sehen werden oder gesehen haben, im geschichtlichen Kontext zu verstehen und so mit Leben füllen zu können. Dazu gehören auch in weiteren Räumen multimediale Rekonstruktionen der Baugeschichte der wichtigsten Kirchen des Heiligen Landes, wie auch ein 8-minütiger 360°-Film, der Momentaufnahmen der Geschichte Gottes mit Israel und des Leben Jesu wie eine Hollywood-Produktion zeigt. „Der Besucher soll in die biblische Geschichte und das Leben Jesu eintauchen können“, wünscht sich Carlos Bernar.

Im vergangenen Jahr haben bereits 701 Pilger-Gruppen vor der offiziellen Eröffnung die Ausstellung besucht. Das Saxum-Zentrum ist jedoch mehr als ein multimediales Museum. Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf der Ausbildung von Touristen- und Pilgerführern in Israel. „Es bestehen bereits mehre Kooperationen mit Ausbildungsstätten für Touristenführern in Israel und wir hoffen, in Zukunft viele verschiedene Kurse für deren Fortbildung anbieten zu können, um sie vertieft ins Christentum und dessen Geschichte einzuführen“, sagt Manuel Cimadevilla, der Geschäftsführer des Saxum-Zentrums. So werde zum Beispiel im April ein Seminar im Saxum-Zentrum als Teil der staatlichen, vorgeschriebenen Fortbildung für Touristen- und Pilgerführer in Israel stattfinden. Ein weiteres Projekt sind die im Jahr 2020 anfangenden „Holy Land Dialogues“. Es werden einwöchige Pilgerreisen ins Heilige Land angeboten werden, in denen die Besuche der heiligen Stätten eng mit wissenschaftlichen Vorträgen einhergehen mit dem Ziel, den interkulturellen und interreligiösen Dialog zu fördern.

Zum Saxum-Zentrum gehört auch ein fünfstündiger Wanderweg, der von dem modernen, neuen Gebäudekomplex nach Emmaus Nicopolis zum dortigen, renovierungsbedürftigen Karmeliterkloster führt. 1878 hatte die damals in Bethlehem lebende heilige Mariam vom gekreuzigten Jesus eine Vision, in der Jesus ihr diesen Ort als das im Lukas-Evangelium genannte Emmaus identifizierte (siehe Lukas 24,13). In Zusammenarbeit mit dem israelischen Tourismusministerium, dem Jüdischen Nationalfond und der Saxum-Stiftung wurde nun auf einem über 3 000 Jahre alten Weg eine Wanderroute errichtet, auf der Pilger wie die zwei Jünger nach der Kreuzigung nach Emmaus gehen und mit Hilfe von Materialien und Informationen die Bibel im Lichte Jesu lesen können, in der Hoffnung, dass auch sie sagen können: „Brannte nicht unser Herz in uns …“.

Von Till Magnus Steiner

Erstveröffentlichung in: Die Tagespost am 13. Februar 2019