Wie sich Jugendliche in der Quarantäne untereinander verbinden

In Italien hat das Coronavirus viel Leid und große Umstellungen verursacht. Langeweile ist, wenn auch nicht die wichtigste, so doch eine der Herausforderungen besonders für junge Menschen. Jugendliche haben nun in Italien ein digitales Netz geknüpft, um sich in diesen außergewöhnlichen Umständen miteinander zu verbinden und gegenseitig zu unterstützen.

Opus Dei - Wie sich Jugendliche in der Quarantäne untereinander verbinden

„Ein Gefühl überwältigt uns in diesen Tagen: Langeweile, eine absurde Langeweile, wir sterben vor Langeweile ...“. So beginnt Lorenzo, ein junger Mann aus Rom, der seine Sprachnachricht vor zwei Tagen an seine Freunde geschickt hat.

Auf Anordnung der Behörden des Landes müssen – wie inzwischen auch in vielen anderen Ländern Europas – Tausende von jungen Italienern zu Hause bleiben: keine Schule, keine Vorlesungen an den Universitäten, keine Freunde treffen, alles geschlossen. Auch ins Freie soll man nicht gehen, um zu vermeiden, sich mit COVID-19 anzustecken oder das Coronavirus zu verbreiten.

Das Virus bedroht unsere Gesundheit, es hat aber auch andere Auswirkungen: der Lernrhythmus geht verloren, der Kontakt mit Freunden wird unterbrochen und man rutscht leichter in die Faulheit.

Die Umstände sind anders, aber das Problem dahinter ist das gleiche: Wir sind willensschwach. Wir brauchen Unterstützung.“

„Wir haben so viel Zeit zur Verfügung und wissen nicht, wie wir den ganzen Tag ausfüllen sollen“, fuhr Lorenzo fort. „Warum tun wir nicht all das, wovon wir schon immer geträumt haben? Zum Beispiel Gitarre spielen lernen, eine neue Sprache erlernen, das interessante Buch lesen, von dem wir seit Jahren sagen, dass wir es lesen würden...“

„Die Umstände sind anders, aber das Problem dahinter ist das gleiche: Wir sind willensschwach“, räumt Lorenzo ein. „Wir können es nicht allein tun. Wir brauchen jemanden, der uns unterstützt und uns ermutigt...“ So wurde das „King Midas Project“ ins Leben gerufen, dank dem sich die Jugendlichen, die ein Zentrum des Opus Dei in Rom besuchen, gegenseitig bei der Erreichung ihrer Ziele helfen – verbunden über WhatsApp.

Und so funktioniert es: Jeder Jugendliche legt für sich fest, was er oder sie machen möchte, z.B. ein Buch fertig zu lesen, ein Klavierstück oder ein anderes Musikinstrument zu üben, Fitness-Übungen zu machen, einen Blog zu starten... Dann sucht sich jeder einen Freund oder eine Freundin, die sich auf diesem Gebiet auskennen, als Coach. Aufgabe des Coachs ist es, mit dem Jugendlichen, täglich online in Kontakt zu sein, zu helfen, die Ziele für den Tag festzulegen, dafür einige Ratschläge zu geben und den Erfolg des Tages mit einer Punktzahl zu bewerten.

„Marco schlug mir vor, dass ich meine Zeit fürs Studium und meine Freizeit besser aufteilen könnte, weil ich sonst zu leicht müde werde“, sagt Giacomo. „Durch häufig wechselnde Aktivitäten wird man weniger gelangweilt. Deshalb habe ich beschlossen, zwischen dem Lernen auch an einem Theaterstück zu schreiben", erzählt Giacomo.

„Wenn man weiß, dass man nicht allein ist und dass es andere Menschen gibt, die von einem erwarten, dass man sein Bestes tut, ist es einfacher, nicht aufzugeben und die Faulheit zu überwinden", sagt Filippo.

Wir waren wie Brüder”

Eine andere Gruppe von Jugendlichen, die ein Opus Dei-Zentrum in Genua besuchen, sind ebenfalls fest entschlossen, das Beste aus dieser Situation zu machen. Mit Hilfe von WhatsApp haben sie gemeinsam einen Stundenplan aufgestellt, an den sich jeder von zu Hause aus gleichzeitig halten kann. „Wir lassen uns gegenseitig nicht im Stich und wollen trotz der Entfernung verbundener in der Gemeinschaft der Heiligen leben", sagt Pietro.

Der Stundenplan sieht vor, um 8 Uhr früh aufzustehen, anschließend zu frühstücken, sich fertig zu machen und dann einige Minuten dem Gebet zu widmen. Danach wird Hälfte bis zur des Vormittags gelernt. Wer möchte, kann dann Liegestütze machen oder einen Freund anrufen. Nach dem Mittagessen ist es Zeit, um ein Buch zu lesen... und so geht der Tag weiter. Abends machen sie alle zusammen eine Videokonferenz, um die Ereignisse des Tages zu besprechen.

Sie nennen ihren Plan „Wir waren wie Brüder“ (Band of Brothers) – nach dem berühmten Zitat aus William Shakespeare Theaterstück Heinrich V. und Titel einer bekannten Fernsehserie. „Wir versuchen, niemanden im Stich zu lassen, und wollen trotz der Entfernung die Gemeinschaft der Heiligen enger leben“, sagt Pietro.

Für das geistliche Leben sorgen

„Seid ihr alle online? Können wir beginnen?“ In diesen Tagen sitzt Luca pünktlich um 15.15 Uhr vor seinem Computerbildschirm. Aber nicht, um im Internet zu surfen oder um Fortnite zu spielen, sondern wegen etwas anderem: Er möchte jetzt mit einigen seiner Freunde den Rosenkranz zu beten.

„Es hilft uns, für so viele Menschen zu beten, die unter dem Coronavirus leiden, die die Einsamkeit der Quarantäne erleben oder die Angst haben. Wir wollen sie nicht allein lassen“, sagt Luca.

P. Armando ermutigt die Studenten, für die vom Virus betroffenen Menschen zu beten.

In Mailand hielt am Donnerstagnachmittag Padre Armando eine Betrachtung, die man auch im Livestream hören konnte. Nach einer Anordnung der italienischen Bischofskonferenz dürfen bis auf weiteres keine öffentlichen Messen mehr stattfinden. Die Kirchen sind nur noch für das persönliche Gebet geöffnet. Auf jeden Fall aber ist es immer möglich, von zu Hause aus zu beten, ganz besonders unter diesen außergewöhnlichen Umständen.

„Wir beginnen heute mit unserem Gebet“, sagt Padre Armando, der eine Webcam in der Kapelle installiert hat, von wo er seine Predigt aufzeichnet. 20 Jugendliche folgten online von zu Hause aus. Sie beten gemeinsam für die Betroffenen des Coronavirus. Dann liest jeder für sich aus einem geistlichen Lesebuch und meditiert über das Gehörte und Gelesene.

Eine außergewöhnliche Situation erfordert außergewöhnliche Maßnahmen. In vielerlei Hinsicht ist auch die Langeweile ein Virus, das bekämpft werden muss. Wenn man es gemeinsam mit Freunden tut, geht es sehr viel einfacher.