„Es war ein fester Entschluss der Nachfolge“ – ein Fernsehinterview

Nach seiner Berufung zum Priestertum gefragt, erläuterte der Finne Oskari Juurrikkala, dass er sich vor allem an eine innere Veränderung am Ende seiner Kindheit erinnerte. Das Interview wurde am 10. Januar 2007 im finnischen Fernsehen gesendet. Es ist auch ein Rückblick auf seinen Weg zum katholischen Glauben. Die Erstpublikation findet sich im Taschenbuch „Warmer Nordwind“, das Bekehrungsgeschichten aus Skandinavien vorstellt.

Persönliche Zeugnisse
Opus Dei - „Es war ein fester Entschluss der Nachfolge“ – ein FernsehinterviewOskari mit seiner Mutter in Rom - Foto: Ville Juurrikkala

Oskari: „Damals habe ich angefangen, viel zu lesen, das Christentum interessierte mich. Es ist nicht leicht, meine Entwicklung zu erklären. Die christliche Botschaft erschien mir viel tiefer und wahrer als andere gegenwärtige Denkrichtungen. Und so las ich weiter und vertiefte mich systematisch in den Glauben, stellte mir Fragen … Ich wusste zunächst nichts vom Glauben. Absolut gar nichts!“

Moderatorin (belustigt): „Du warst also ein Heide?“

Oskari: „Ja, ein Heide im wahrsten Sinne des Wortes. Ich

hatte nicht einmal Unterricht im lutherischen Glauben bekommen. Religiös gesehen war ich eine Tabula rasa. Und nachdem ich einige Bücher über das Christentum gelesen hatte, zog ich den Schluss, dass die Wahrheit bei der katholischen Kirche zu finden ist.“

Moderatorin: „Was hat dich im Katholizismus so angezogen?“

Oskari (nach kurzem Überlegen):Vor allem die Wahrheiten und die Werte, die ihm entsprechen, besonders in Bezug auf die Familie. Ich hatte immer davon geträumt, zu heiraten und Kinder zu haben. Und im Katholizismus habe ich einige tiefe Wahrheiten entdeckt, die in unserer Gesellschaft verloren gegangen sind. Anfangs wusste ich nicht, was ich machen sollte. Ich wollte katholisch werden, aber ich kannte keinen Katholiken. Ich wusste nicht, wo ich suchen sollte… Eines Tages fand ich im Internet einen Artikel über das Opus Dei, der mich interessierte. ‚Was ist das?‘, fragte ich mich. Ich suchte bei Google und fand die Website des Werkes. Ich schrieb eine Mail an das Zentrum in Helsinki.

Ich stellte mir Büros und Versammlungsräume vor – aber es kam anders

Und an einem Weihnachtstag vor fünf Jahren entschied ich mich, dorthin zu gehen. Wie wird es da wohl sein? Ich stellte es mir so vor wie den Sitz einer Parteizentrale, mit Büros und Versammlungsräumen … Als ich dort ankam, fand ich ein ganz normales, durchschnittliches Wohnhaus mit mehreren Etagen vor. Ich ging die Treppe hoch, klingelte an der Tür, und als man mir öffnete, sah ich, dass es eine ganz normale Wohnung war, mit einem gemütlichen Wohnzimmer und einer sehr schönen Kapelle. Diejenigen, die dort wohnten, waren sympathisch und froh. Ich dachte: ‚Das ist der richtige Platz für mich.‘ Und ich war absolut sicher, dass ich dabei war, das große Abenteuer meines Lebens zu beginnen.“

Moderatorin: „Und du hast dich taufen lassen.“

Oskari: „Ja. Zuerst nahm ich an Kursen über den christlichen Glauben teil, die Katechese, die jeder erhalten muss, der den Wunsch hat, katholisch zu werden. Das war sehr interessant. Dort wurden Themen angesprochen, die eine Antwort auf wesentliche Fragen des Menschen gaben: Welchen Sinn hat das Leben, der Tod … Es interessierte mich sehr. Und im Oktober 2002 wurde ich getauft.“

Moderatorin: „War das so, als würde man nach Hause kommen?“

Oskari (sichtlich bewegt): „Ja, so war es, ich kam nach Hause.“

Moderatorin: „Oskari, du wolltest eine Familie gründen. War es Gott, der dich anders entscheiden ließ?“

Oskari: „Ja, so könnte man sagen. Gott hatte andere Pläne für mich. Ich wollte Kinder haben, denn ich habe Kinder sehr gern. Eine Zeit lang habe ich meinem Vater geholfen, der Schulleiter ist, und habe als Lehrer ausgeholfen. Und an derselben Schule habe ich meinen Zivildienst geleistet, der mir lieber war als der Militärdienst. Es war ein tolles Jahr. Ich habe in der Zeit viel gelernt. (Er macht eine kurze Pause.) Ich habe ein Mädchen gesucht, das gut, intelligent und reif war, um eine Familie zu gründen, aber im Gebet, als ich mit Gott sprach, verstand ich, dass es nicht das war, um was mich der Herr bat. Es lässt sich nicht leicht erklären, wie so etwas vor sich geht und wie es zu so einer innigen Verbindung mit Gott kommen kann, aber glaub mir, das gibt es.“

Moderatorin (neugierig): „Gott sagte dir: Oskari, du sollst zölibatär leben?“

Oskari (ruhig): „Nein. Gott kam nicht, um mir das zu sagen, aber er gab mir ein inneres Licht und die notwendige Kraft, um ohne den geringsten Zweifel zu verstehen, dass er mich zölibatär lebend im Opus Dei haben wollte.“

Moderatorin: „Aber wie ist es möglich, dass ein junger, aktiver Mann, wie du es bist, eine solche Entscheidung fällt?“

Oskari: „Nun, es ist nicht unvereinbar, jung zu sein und zölibatär zu leben. Ich entschied mich grundsätzlich dafür, und dachte nicht etwa, ich werde es mal versuchen, mal sehen, ob es klappt. Es war eine feste Entscheidung für mein ganzes Leben. Allerdings habe ich erst ein halbes Jahr lang darüber nachgedacht und danach erst habe ich mich entschieden.“

Hier endete das Fernseh-Interview. Als ich Oskari im September 2015 in Rom kennenlernte, mehr als zweitausend Kilometer von Helsinki entfernt, kam mir der Gedanke, das Fernseh-Interview für dieses Buch fortzusetzen. Seine Situation hatte sich verändert und ich legte ihm meine Fragen vor, dieses Mal ohne Kamera.

Interviewer: „Was ist in den vergangenen Jahren passiert, Oskari?“

Oskari: „In den vergangenen Jahren seit dem Fernsehinterview habe ich in der Universität gearbeitetet, Philosophie und Theologie studiert. So habe ich meine Kenntnisse über den Glauben vertieft, was mir hilft, besser mit den Menschen sprechen zu können. Ob sie gläubig sind oder nicht – viele stellen sich Fragen in Bezug auf ihr Leben, die Moral, auf Gott und die Kirche … Dann kam ich nach Rom und studierte hier fulltime Theologie. Während dieser Zeit habe ich gesehen, dass Gott mich darum bittet, ihm als Priester im Opus Dei zu dienen. Ich empfing bald die Diakonatsweihe durch den Prälaten des Opus Dei, Bischof Javier Echevarria, und einige Monate später die Priesterweihe.“

Interviewer: „Wie hat deine Mutter reagiert, als du ihr sagtest, dass du Priester werden wolltest?“

Oskari: „Wie jede katholische Mutter, mit großer Freude, auch wenn sie noch nicht katholisch ist. Ich schicke dir ein Foto, das mein Bruder Ville, der Fotograf ist, von uns gemacht hat, als wir im Januar 2013 auf dem Petersplatz standen. Er fotografierte uns in der Dämmerung und ich denke, es ist sehr gut geworden.“

Interviewer: „Und der Rest der Familie?“

Oskari: „Sehr gut. Zur Priesterweihe kommen viele von der Familie, wofür ich sehr dankbar bin. Und etliche Menschen, die beten und die für mich gebetet haben, und Freunde wie Jyri, Phi, Santi, Stephan und noch viele andere.“

Fernsehinterview aus dem Jahr 2019 bei MTV, Finnland.