Kontrapunkt in Zeiten der Kirchen-Skandale: eine Chemikerin wird am 18. Mai seliggesprochen

Etwa 15.000 Pilger aus 62 Ländern werden zur Seligsprechung der Chemikerin Guadalupe Ortiz (1916-1975) in Madrid erwartet. Prälat Dr. Christoph Bockamp aus Köln erinnert daran, dass es wohltuend ist, wenn Papst Franziskus die Tradition fortsetzt, in Zeiten der Skandale auf herausragende Frauen in der Kirche hinzuweisen.

Opus Dei - Kontrapunkt in Zeiten der Kirchen-Skandale: eine Chemikerin wird am 18. Mai seliggesprochen

„In Zeiten der Aufgeregtheiten und Skandale in der Kirche ist es wohltuend, den Blick auf das Vorbild einer modernen Frau zu richten, die als Chemikerin mitten im Leben stand und ihr Herz ganz bei Christus hatte,“ kommentiert der Regionalvikar der Prälatur Opus Dei in Deutschland, der in Köln ansässige Dr. Christoph Bockamp.

Für die Spanierin Guadalupe Ortiz de Landázuri gelte in hohem Maße, was auch für die anderen Lichtgestalten der Kirche zutrifft:

„Die Heiligen stellen uns die Kirche von ihrer sympathischen Seite dar, auch wenn sie selbst nicht perfekt und frei von Fehlern waren.“ Und schließlich ist hinter einer solchen Seligsprechung das Anliegen des Papst zu verspüren, die Geschichte der Kirche nicht nur als Spiegelbild von Skandalen, sondern von Märtyrern und Heiligen zu sehen. „Papst Franziskus setzt die Tradition fort, Männer und Frauen unserer Zeit selig- und heiligzusprechen,“ was eine Kontrapunkt in Zeiten der Skandale darstellt.


Die Spanierin Guadalupe Ortiz de Landázuri (1916-1975) wird am kommenden Samstag, dem 18. Mai 2019, in ihrer Geburtsstadt Madrid seliggesprochen. Die Chemikerin ist das erste Laienmitglied des Opus Dei, das zur „Ehre der Altäre“ erhoben wird.

Den Feierlichkeiten steht im Auftrag von Papst Franziskus Kardinal Giovanni Angelo Becciu, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, vor. Sieben Kardinäle und 27 Bischöfe, , werden bei der Seligsprechungsmesse, die in der Multifunktionshalle Vista Alegre stattfindet, konzelebrieren, unter ihnen der Nuntius von Spanien, Erzbischof Renzo Fratini sowie der Prälat des Opus Dei, Fernando Ocáriz.

Ocáriz schildert die neue Selige in einem Interview mit der spanischen Zeitung ABC als eine „fröhliche, mutige, entschlossene, unternehmungslustige und warmherzige Person“. Ihre tiefe Nähe zu Gott und das Wissen, ein von Gott geliebtes Kind zu sein, schenkte ihr eine große Gelassenheit – auch in schwierigen Momenten ihres Lebens. Dank ihres tiefen Gebetslebens war sie ein Vorbild, wie sich ein „intensives Berufsleben“, der „Umgang mit Gott“ und ein „großzügiger Dienst an anderen“ miteinander vereinbaren lässt, so der Prälat des Opus Dei. Sie lernte das Opus Dei im Jahr 1944 kennen, dem sie sich als eine der ersten Frauen als 27-Jährige anschloss.

An der Madrider Universität Complutense wurde die am 12. Dezember 1916 in Madrid geborene Chemikerin Guadalupe Ortiz de Landázuri kürzlich in einer Hommage gewürdigt. Als „Lupe“ im Jahr 1933 für ihr Chemiestudium inskribierte, gab es in ihrem Jahrgang überhaupt nur fünf Frauen. Ihr beruflicher Pioniergeist als Frau brachte ihr Auszeichnungen im Bereich der Chemie ein. Ocáriz: „Doch ihre Arbeit war für sie nicht nur ein Ort der beruflichen Erfüllung, sondern vor allem ein Raum, um Gott zu begegnen, für andere Menschen da zu sein, zu dienen.“

Ihre berufliche Karriere vereinbarte sie großzügig mit verschiedenen Aufgaben, die ihr der Gründer des Opus Dei, der heilige Josefmaria Escrivá, anvertraute. Sie half beim Aufbau des Opus Dei in Mexiko und arbeitete auch direkt mit Escrivá in Rom zusammen. In ihrer Zeit in Mexiko (1950-1956) galt Guadalupes besondere Sorge der Bildung von Frauen und Mädchen in ländlichen Gegenden. Die künftige Selige sah in der Förderung der Frau den Schlüssel für die gesellschaftliche Entwicklung. So rief sie nachhaltige Bildungsinitiativen ins Leben, um Frauen aus der Armut zu führen, wie etwa die 1952 von ihr mitbegründete Landwirtschaftsschule Montefalco im mexikanischen Bundesstaat Morelos, an der bis heute Tausende Frauen eine Berufsausbildung erhalten haben.

Der Postulator des Seligsprechungsprozesses, Antonio Rodríguez de Rivera, charakterisierte Guadalupe als eine „in Gott verliebte, tief gläubige Frau, die mit ihrer Arbeit und ihrem Optimismus anderen in ihren spirituellen und materiellen Bedürfnissen zur Seite stand.“ Gezeichnet von ihrer schweren Herzerkrankung, die sie gelassen trug, starb Guadalupe Ortiz de Landázuri am 16. Juli 1975 im Ruf der Heiligkeit.

Papst Franziskus bestätigte in einem Dekret vom 4. Mai 2017 ihren heroischen Tugendgrad. Im Juni 2018 wurde das für die Seligsprechung erforderliche Wunder anerkannt: Es handelte sich um eine medizinisch nicht erklärbare Spontanheilung eines bösartigen Hauttumors neben dem rechten Auge bei einem 76-jährigen Mann, der sich der Fürsprache Guadalupes anvertraut hatte.

Nach dem heiliggesprochenen Gründer des Opus Dei, Josefmaria Escrivá (1902-1975), und dessen erstem Nachfolger, den seligen Bischof Alvaro del Portillo (1914-1994), ist Guadalupe Ortiz de Landázuri nun die erste Frau und die erste Laiin dieser Institution, die seliggesprochen wird.

Weitere Informationen zu Guadalupe Ortiz de Landázuri und ihrer Seligsprechung unter:
Sektion Guadalupe Ortiz de Landázuri (deutsch)