Ein neues Instrument im Orchester

Aus der Predigt von Generalvikar Dr. Dominik Schwaderlapp zum 25-jährigen Jubiläum der Personalprälatur am 28. November 2007 in der Kölner Pfarrkirche St. Pantaleon.

Die Kirche und wir, ihre Glieder [sind] Instrumente in der Hand Gottes. Vielleicht können wir mit Hilfe eines Bildes besser verstehen, was dies auch für uns bedeutet. Gehen wir dazu in die Welt der Musik. Auch hier gibt es Instrumente, die Musik zum Klingen bringen. Und so dürfen wir die Kirche mit einem sehr großen, sehr vielfältigen, internationalen Orchester vergleichen. Und dieses Orchester Kirche ist dazu da, nicht irgendeine Musik zu präsentieren, sondern die großartigste Musik überhaupt – unübertroffen, zeitlos gültig und überwältigend schön: Es ist das Evangelium vom dreifaltigen Gott, der seinen Sohn in die Welt gesandt hat, uns zu retten. (…)

Wenn wir uns die Musikgeschichte anschauen, dann gab es in früheren Zeiten Instrumente, die heute verschwunden sind, andere hingegen sind neu dazu gekommen. Die Personalprälatur ist ein neues Instrument im Orchester Kirche, ein Instrument, das, angeregt durch das II. Vatikanische Konzil, entstanden ist. Es soll dazu dienen, die bewährten Instrumente des Orchesters Kirche durch neue Klangfarben zu ergänzen.

Welche Klangfarbe bringt nun das Opus Dei in die Kirche ein? Dem heiligen Josefmaria Escrivá war es ein Herzensanliegen, die universale Berufung zur Heiligkeit zu wecken. Er wollte den Menschen bewusst machen: Um heilig zu werden, muss ich weder in ein Kloster gehen noch Priester werden. Zur Heiligkeit ist jeder berufen. Jeden Augenblick vermag ich in eine Gelegenheit zu verwandeln, Gott und die Menschen zu lieben. Auch das II. Vatikanische Konzil formulierte dieses Herzensanliegen.

Liebe Schwestern und Brüder im Opus Dei, bringen Sie Ihr Charisma in die Kirche ein! Geben Sie Zeugnis von der universalen Berufung zur Heiligkeit.

Nun überlasse ich Ihnen, liebe Schwestern und Brüder im Opus Dei, sich ein Musikinstrument auszusuchen, mit dem das Opus am ehesten zu vergleichen ist. Ist es eher vergleichbar mit einer Harfe oder einer Posaune, eher mit den Streichern oder e her mit den Holzblasinstrumenten? Ich für meinen Teil würde ihnen empfehlen, sich die Tuba auszusuchen. Sie ist ein relativ neues Instrument im Orchester. Man hört sie eigentlich nur selten heraus, aber sie bildet mit den anderen Bassinstrumenten die Grundlage, auf dem sich das Klanggebäude aufbaut.

Viel wichtiger ist die Frage: Was ist nötig, damit das neue Instrument seinen Sinn erfüllt und im Gesamt des Orchesters gut klingt? Drei Gesichtspunkte scheinen mir hier besonders wichtig.

Das Instrument muss gekonnt gespielt werden

Selbst das beste Instrument ist wirkungslos, wenn der Musiker es nicht beherrscht. Um dorthin zu kommen, bedarf es zum einen der Begeisterung und Freude, zum anderen aber auch des fleißigen und konzentrierten Übens. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich war in meiner Jugend ein äußerst mittelmäßiger Klavierspieler und habe nie geübt.

Liebe Schwestern und Brüder im Opus Dei, bringen Sie Ihr Charisma in die Kirche ein! Geben Sie Zeugnis von der universalen Berufung zur Heiligkeit. Und Heiligkeit bedeutet ja bekanntlich nichts anderes, als die gewöhnlichen Pflichten in außergewöhnlicher Weise zu erfüllen: sofort, beständig und mit Freude. Zeigen Sie, dass es gelingen kann, auch heute Christus in alle Ecken und Enden der Welt zu bringen. Immer mehr Menschen wissen, dass die Welt mit ihrer Logik allein nicht trägt. Sie suchen auf Antworten auf die Fragen, die ihr Innerstes bewegen. Wenn wir diese Antwort schuldig bleiben, wenn wir als Christen nicht apostolisch wirken, verhindern wir die Ausbreitung des Evangeliums und verweigern den suchenden Menschen die Antwort auf ihre Fragen.

Das Thema „Missionarisch Kirche sein" wird auf allen Ebenen der Kirche in Deutschland immer stärker als das zentrale Thema der Gegenwart entdeckt. Wir können uns nicht in Kirchtürmen und hinter Sakristeitüren verbarrikadieren. Unsere Sendung ist es, hinauszugehen in die Welt. Dass dieser Gedanke sich in der Kirche immer stärker verbreitet, dazu kann das Opus Dei gute Hilfe leisten.

Aber in einem Orchester kommt es nicht nur darauf an, das eigene Instrument gut zu spielen. Ein zweites ist wichtig:

Das Hören auf die anderen Instrumente

Ein Orchester bringt nur dann die Musik in Ihrer Fülle gut zum Klingen, wenn die verschiedenen Instrumente aufeinander hören und jedes Instrument sich als Teil des Ganzen versteht. Die Gnade Gottes ist vielfältig, und sie wirkt durch die unterschiedlichsten Initiativen, Bewegungen, Institute und Gemeinschaften in der Kirche. Der organische Zusammenhalt dieser vielfältigen Gnade geht dann verloren, wenn ein Charisma in der Kirche sich für die ganze Kirche hält.

Die rechtliche Struktur des Opus Dei als Personalprälatur will eben genau dies gewährleisten. Denn eine Personalprälatur ist keine Kirche in der Kirche, sondern ergänzt Dienst und Auftrag der Diözesen, und dies auch nur, wenn es der zuständige Bischof ausdrücklich genehmigt.

Im Erzbistum Köln sind wir dankbar, dass das Opus Dei schon zu Zeiten von Josef Kardinal Frings seinen Dienst im Erzbistum Köln begonnen hat und hier längst beheimatet ist.

Schließlich ist noch ein dritter Aspekt von Bedeutung:

Der Blick auf den Dirigenten

Ein Orchester gerät aus den Fugen, wenn die Musiker den Dirigenten aus dem Blick verlieren. Nun ist der eigentliche Dirigent des Orchesters Kirche Jesus Christus selbst. Aber er bedient sich dazu des Petrusamtes. Die Verbundenheit mit dem Nachfolger Petri ist für das Opus Dei ein selbstverständliches Markenzeichen. Wie auch für unser Erzbistum Köln, das ja seit alters her den Titel trägt: „Semper fidelis filia Sanctae Romanae Ecclesiae", immer getreue Tochter der Heiligen Römischen Kirche. Die Geschichte zeigt: Die Einheit mit dem Bischof von Rom ist der Garant für Vielfalt, Vitalität und Glaubenstreue. Jede Los-von-Rom-Bewegung führt in Provinzialismus und in die Zersplitterung.

Liebe Schwestern und Brüder, Gott ruft in jeder Zeit die Heiligen, die er braucht. Den heiligen Josefmaria Escrivá hat er dazu berufen, ein Werk zu gründen, das die Berufung zur Heiligkeit aller Christen in den Mittelpunkt stellt. Der Nachfolger Petri hat das Werk als Instrument entdeckt, dieses für die gesamte Kirche entscheidende Anliegen zu fördern und zu verbreiten. Und so haben wir wirklich allen Grund, dafür zu danken, dass mit der Errichtung zur Personalprälatur das Opus Dei in der Kirche seinen wirksamen Ort gefunden hat.

Unsere gemeinsame Berufung ist es, das Evangelium Jesu Christi in seiner ganzen Fülle und Schönheit zum Klingen zu bringen. Dass uns dies allen gelinge, mit unseren verschiedenen Instrumenten, dazu helfe uns die Fürsprache der Gottesmutter Maria und des heiligen Josefmaria Escrivá. Amen.