Betrachtungstext: 21. August – Heiliger Pius X.

Liebe zur Eucharistie und zur Lehre – Liebe zum Papst, eine Gabe Gottes – Der süße Christus auf Erden

WIR BEGEHEN heute das Fest des heiligen Pius X., den der heilige Josefmaria im Jahr 1953 zum Fürsprecher des Opus Dei ernannte. Er verehrte diesen heiligen Papst besonders wegen seiner eucharistischen Frömmigkeit, seiner Liebe zur Kirche und seinem glühenden Wunsch, das Reich Christi unter allen Menschen auszubreiten. Seiner Fürsprache vertraute er die Beziehungen des Opus Dei zum Heiligen Stuhl an.

Giuseppe Sarto wurde 1835 in Riese bei Treviso als zweites von zehn Kindern einer einfachen und gläubigen Familie geboren. Mithilfe eines Stipendiums konnte er in das Seminar von Padua eintreten und wurde mit 23 Jahren zum Priester geweiht. Nach verschiedenen Aufgaben in der Seelsorge wurde er Bischof von Mantua und später Patriarch von Venedig. 1903 wurde er zum Papst gewählt – einen Dienst, den er nur zögernd annahm, weil er sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlte. Nach zehnjährigem Pontifikat starb er im August 1914; 1954 wurde er heiliggesprochen.

Pius X. hinterließ – ganz im Sinne seines Wahlspruchs: Alles in Christus erneuern – bleibende Spuren in der Kirche. Sein besonderes Anliegen war es, die Eucharistie ins Zentrum des christlichen Lebens zu stellen, indem er die tägliche Kommunion förderte und die Erstkommunion für Kinder im Alter von bereits sieben Jahren vorsah. Ebenso lag ihm die Glaubensunterweisung am Herzen. Schon als Pfarrer hatte er einen Katechismus ausgearbeitet; als Papst ließ er einen neuen Katechismus für die Diözese Rom erstellen, der bald weite Verbreitung fand. Benedikt XVI. sagte über ihn: „Dieser Katechismus (...) war aufgrund seiner einfachen, klaren und genauen Sprache und seinem gut durchdachten Aufbau für viele eine sichere Leitlinie zum Verständnis der Glaubenswahrheiten.“1 Papst Franziskus fasste das Vermächtnis dieses „sanften und starken“, „demütigen und klaren“ Papstes so zusammen: Er habe der Kirche zu verstehen gegeben, „dass ohne die Eucharistie und ohne die Aufnahme der geoffenbarten Wahrheiten der persönliche Glaube schwach wird und stirbt“2.


„DANKE, mein Gott, für die Liebe zum Papst, die du mir ins Herz gelegt hast“3, schrieb der heilige Josefmaria in „Der Weg“. Seine Verbundenheit mit dem Papst ging über persönliche Sympathie oder Gleichgesinntheit hinaus. Er verstand sie als ein Geschenk Gottes, das ihn die verschiedenen Päpste seines Lebens innig lieben ließ. Noch am Morgen seines Sterbetages bat er zwei seiner Söhne, Paul VI. auszurichten: „Seit Jahren opfere ich die heilige Messe für die Kirche und für den Papst auf. Ihr könnt ihm versichern (...), dass ich dem Herrn mein Leben für den Papst angeboten habe, wer immer es sei.“4

Für einen Christen ist die Verbundenheit mit der Person und den Anliegen des Papstes eine Frage des Glaubens. Sie gründet im Vertrauen auf Christus, der einem armen Fischer mit all seinen Unzulänglichkeiten versicherte: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen (Mt 16,18). „Die Obergewalt des Papstes und seine Unfehlbarkeit, wenn er ex cathedra spricht“, sagte der heilige Josefmaria, „sind keine menschliche Erfindung, sondern ergeben sich aus dem ausdrücklichen Stiftungswillen Christi.“ Und weiter: „Niemand besitzt in der Kirche aus eigener Kraft, als Mensch, absolute Gewalt; in der Kirche gibt es kein anderes Oberhaupt als Christus; und Christus hat für seine pilgernde Braut einen Stellvertreter einsetzen wollen: den Papst.“5 

Die Liebe zum Heiligen Vater soll daher, wie der heilige Josefmaria sagte, „eine herrliche Leidenschaft in uns sein, denn in ihm sehen wir Christus“. Diese Liebe bedeutet nicht, dass wir jedes Wort oder jede Entscheidung sofort verstehen müssen. Sie hilft uns vielmehr, über menschliche Motive und Urteile hinauszublicken und im Gebet die Kirche mit den Augen des Glaubens zu betrachten. So können wir auch „hinter Ereignissen, die wir vielleicht manchmal nicht verstehen oder die uns Kummer bereiten und Tränen in die Augen treiben“, das Wirken des Heiligen Geistes erkennen.6


DIE PÄPSTE betonen häufig, dass sie auf unsere Gebete zählen. So sagte Benedikt XVI. unmittelbar nach seiner Wahl: „Mich tröstet die Tatsache, dass der Herr auch mit ungenügenden Werkzeugen zu arbeiten und zu wirken weiß. Vor allem vertraue ich mich euren Gebeten an.“7 Auch Papst Franziskus bat häufig um diese Unterstützung: „Euer Gebet gibt mir Kraft und hilft mir, zu unterscheiden und die Kirche zu begleiten, indem ich auf den Heiligen Geist höre.“8 Der heilige Josefmaria wusste um die Kraft des Gebets für die Kirche. Einem Kardinal versicherte er in einem Brief: „Beten ist das Einzige, was ich tun kann (...). Und jedes Mal, wenn ich an mein Ungenügen denke, werde ich mit Kraft erfüllt, weil ich weiß und fühle, dass Gott es ist, der alles tut.“9

Die kirchliche Gemeinschaft führt uns dazu, für die Person und die Anliegen des Papstes zu beten, seine Lehre zu kennen und ihm mit kindlicher Zuneigung zu begegnen. Auch wenn wir einzelne Worte oder Taten nicht verstehen, können wir sie im Geist des Glaubens und Vertrauens betrachten. Der heilige Josefmaria erklärte im Geist und mit Worten der heiligen Katharina von Siena: „Tausendmal lieber würde ich mir die Zunge abbeißen und sie weit weg spucken, bevor ich auch nur ein Wort über denjenigen verlöre, den ich auf dieser Erde nach dem Herrn und der heiligen Maria am meisten liebe: il dolce Cristo in terra.“10 Diese Haltung bewahrt uns davor, vorschnell über den Papst zu urteilen oder durch öffentliche Kritik das Vertrauen in ihn zu untergraben. Sie schließt zugleich den „religiösen Verstandes- und Willensgehorsam“ ein, den die Kirche gegenüber seinem authentischen Lehramt verlangt.11

Maria, die Mutter der Kirche, kann uns darin den Weg weisen. „Es ist kaum möglich, die Gottesmutter wahrhaft zu verehren“, schrieb der heilige Josefmaria, „ohne sich mit den übrigen Gliedern des mystischen Leibes enger verbunden zu fühlen, auch mit dem sichtbaren Haupt dieses Leibes, dem Papst.“ Deshalb wiederholte er gern: Omnes cum Petro ad Iesum per Mariam – alle mit Petrus zu Jesus durch Maria.12


1 Benedikt XVI., Audienz, 18.8.2010.

2 Franziskus, Vorwort zu einer Biographie von Pius X. (Lucio Bonora), 2023.

3 Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 573.

4 Sel. Alvaro del Portillo, Über den Gründer des Opus Dei, Adamas, 1996, S. 218.

5 Hl. Josefmaria, Loyal zur Kirche, Nr. 13.

6 Ebd.

7 Benedikt XVI., Ansprache, 19.4.2005.

8 Franziskus, Monatsanliegen, November 2023.

9 Hl. Josefmaria, Brief 15.7.1967.

10 Hl. Josefmaria, Brief 17, Nr. 53.

11 Codex des Kanonischen Rechts, Nr. 752. Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 892.

12 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 139.