JESUS bereitet seine Jünger auf ihre erste apostolische Sendung vor. Sie sollen in die umliegenden Dörfer ziehen und das Kommen des Reiches Gottes ankündigen. Doch statt sie aufzumuntern, spricht er über Widerstände, die sie erwarten: Früher oder später werden Hass, Verfolgung und sogar der Tod sie begleiten. Der Herr verschweigt die Schwierigkeiten nicht, auch wenn er weiß, dass seine Worte Fragen und Ängste unter seinen Aposteln wecken können. Gerade deshalb fügt er hinzu: Fürchtet euch nicht (...). Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen (Mt 10,26.32).
Wer Neuland betritt, verspürt leicht Unsicherheit angesichts der Hindernisse, die vor ihm liegen könnten; es gehört zur menschlichen Natur, auf unbekanntem Terrain wachsam zu sein. Jesus weiß das, weil er uns kennt. Als er seinen Jüngern später den Auftrag gibt, das Evangelium in der ganzen Welt zu verbreiten, wird er ihnen daher sagen: Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt 28,20). Deshalb werden sich die Apostel nicht von der Angst lähmen lassen: Sie wissen, dass sie jederzeit auf die Nähe und Hilfe Jesu zählen können.
Der Prophet Jeremia erlebte eine Situation wie die vom Herrn angekündigte. Und so wandte er sich an Gott und beklagte sich über den Spott und die Verleumdung, die er erleiden musste, wobei ihn besonders die Angriffe von Menschen verletzten, die ihm nahestanden und sein Scheitern wünschten: Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze: Vielleicht lässt er sich betören, dass wir ihn überwältigen und an ihm Rache nehmen können. Dennoch gab er der Angst nicht nach, denn er war sicher, dass er am Ende die Oberhand behalten würde: Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger (Jer 20,10-11).
EINE besondere Schwierigkeit, der die Apostel begegnen werden, ist die physische Gewalt. Es ist dies eine Realität, die das Leben der Kirche seit den ersten Jahrhunderten begleitet hat. Zahllose Christen haben ihr Leben für das Evangelium hingegeben, durch ihr Sterben Christus bezeugt, der das Böse mit Barmherzigkeit überwunden hat, und das ewige Heil erlangt. Daher ermutigt der Herr seine Jünger: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann! (Mt 10,28).
In einigen Regionen der Welt ist die Verkündigung Christi mit großen Bedrängnissen verbunden. In anderen – Gott sei Dank, in den meisten – erfahren die Christen zwar kein physisches Leid, sie können jedoch Drangsale anderer Art erfahren. In solchen Fällen bittet uns der Herr, uns nicht so sehr an unsere irdischen Sicherheiten zu klammern, als vielmehr mit großem Glauben hochzuhalten, was wahrhaft von Bedeutung ist: Nichts kann uns von seiner Liebe trennen. Papst Franziskus sagt: „Die einzige Furcht, die der Jünger haben muss, ist jene, diese göttliche Gabe, die Nähe, die Freundschaft mit Gott zu verlieren, auf ein Leben nach dem Evangelium zu verzichten und so den moralischen Tod herbeizuführen, der die Folge der Sünde ist.“1
Die Gewissheit, dass das Wertvollste in unserem Leben unsere Beziehung zu Gott ist, veranlasste den heiligen Josefmaria zu folgenden Zeilen: „Ein Kind Gottes hat keine Angst vor dem Leben und keine Angst vor dem Tod, denn das Fundament seines geistlichen Lebens ist das Bewusstsein der Gotteskindschaft. Gott ist mein Vater, denkt es, und er ist der Urheber alles Guten, er ist die Güte selbst. – Aber du und ich, verhalten wir uns wirklich wie Kinder Gottes?“2
JEDER, der in diesem Leben ein edles Ideal verwirklichen möchte, wird auf Schwierigkeiten stoßen. Viele davon sind real, oft aber blähen wir sie mit unserer Vorstellungskraft noch zusätzlich auf. Wer hat nicht schon einmal begonnen, sich Sorgen und Gedanken zu machen über ein Problem, das noch nicht eingetreten ist und wahrscheinlich auch nicht eintreten wird? Die Vorstellungskraft erfindet Hindernisse, die vielfach unwirklich sind, und drängt uns – wie der heilige Josefmaria richtig beobachtete –, uns auf „qualvolle Kalvarienberge“ zu begeben. „Auf diesen Kalvarienbergen ist Christus allerdings nicht zu finden, denn wo der Herr ist, dort herrschen Frieden und Freude.“3 Die Neigung, Probleme zu antizipieren, um mit ihnen umgehen zu können, sollten sie auftreten, hindert uns daran, den gegenwärtigen Augenblick zu genießen. Und sie kann Angst und Unsicherheit schüren, da wir uns ständig in Alarmbereitschaft befinden, um mögliche Gefahren abzuwenden.
Jesus empfiehlt uns, im Heute zu leben: Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage (Mt 6, 34). Dies ist kein Aufruf zur Nachlässigkeit oder eine naive Ansage, über Schwierigkeiten hinwegzusehen, sondern eine Maxime des gesunden Menschenverstands. Es erscheint nicht vernünftig, sich um Probleme zu sorgen, die möglicherweise nicht eintreten werden, wenn jeder Tag bereits seine eigenen Herausforderungen mit sich bringt, die unsere Aufmerksamkeit erfordern: ein Kind, das nachts betreut werden muss, ein Arbeitsprojekt, das nur langsam in Gang kommt, ein Freund, der eine schwierige Zeit durchmacht, und so weiter. Maria wird uns helfen, unbeschwert und frei von unnötigen Ängsten und Sorgen zu leben, denn wir wissen, dass wir jederzeit auf die Gnade ihres Sohnes zählen können.
1 Franziskus, Angelusgebet, 21.6.2020.
2 Hl. Josefmaria, Im Feuer der Schmiede, Nr. 987.
3 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 77.

