Zum Herz Jesu-Fest am 15. Juni

aus einer Betrachtung des hl. Josefmaria

Am 17. Juni 1966, dem Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, hielt der hl. Josefmaria Escrivá eine Homilie, die er 1973 unter dem Titel „Christi Herz, Frieden des Christen“ in seinen Sammelband „Christus“ begegnen“ aufgenommen hat. Daraus bringen wir hier einige wenige Passagen. Die vollständige Homilie finden sie hier . 

Mit dem Herzen meint die Heilige Schrift nicht das vorübergehende Gefühl von Heiterkeit oder Trübsinn; gemeint ist vielmehr die Person, die, wie Christus selbst uns sagt, sich in ihrer Ganzheit - mit Leib und Seele - dem zuwendet, was sie als ihr Wohl erfasst: „Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“ (Mt 6,21).

Wenn wir also jetzt vom Herzen Jesu sprechen, sehen wir darin die Gewissheit der Liebe Gottes und die Wirklichkeit seiner Hingabe für uns; und wenn wir die Verehrung des Heiligsten Herzens empfehlen, so empfehlen wir, dass wir uns mit allem, was wir sind - mit Seele und Gefühl, Gedanken, Worten und Taten, Mühen und Freuden -, „dem ganzen Jesus“ zuwenden.

So gewinnt die wahre Andacht zum Herzen Jesu Gestalt: Gott erkennen und uns erkennen, auf Jesus blicken und zu Ihm gehen, zu Ihm, der uns ermutigt, uns lehrt, uns leitet. Oberflächlich kann diese Form der Frömmigkeit nur für denjenigen sein, der so wenig Mensch ist, dass er die Wirklichkeit des fleischgewordenen Gottes nicht zu erfassen vermag. 

Gott sagt nicht: Statt eures Herzens gebe ich euch den Willen eines reinen Geistes. Nein, Er gibt uns ein Herz: ein Herz aus Fleisch, wie das Herz Christi. Ich habe nicht zwei Herzen, eines, um Gott zu lieben, und ein anderes, um die Menschen zu lieben. Mit demselben Herzen, mit dem ich meine Eltern geliebt habe und meine Freunde liebe, liebe ich Christus und den Vater und den Heiligen Geist und die Jungfrau Maria. Man kann es gar nicht oft genug bedenken: Wir müssen sehr menschlich sein, denn sonst können wir nicht göttlich werden. (…)

Die menschliche Liebe, die Liebe hier auf Erden gibt uns, wenn sie echt ist, sozusagen einen Vorgeschmack der göttlichen Liebe: Durch sie ahnen wir etwas von dieser Liebe. Wir ahnen die Liebe, mit der wir Gott genießen werden und die unter uns herrschen wird im Himmel, wenn der Herr „alles in allem“ (1 Kor 15,28) sein wird. Dieses beginnende Begreifen der göttlichen Liebe wird uns drängen, mit Beharrlichkeit mitfühlender, großherziger und selbstloser zu sein.

Wir müssen weitergeben, was wir empfangen, und weiterlehren, was wir gelernt haben: Schlicht und ohne Überheblichkeit müssen wir die anderen an der Erkenntnis der Liebe Christi teilhaben lassen. Eure Arbeit und euer Beruf können und müssen zu einem Dienst werden: Eine gut verrichtete Arbeit, die selbst voranschreitet und zum Fortschritt beiträgt, die sich die Errungenschaften von Kultur und Technik zunutze macht, erfüllt eine große Aufgabe, nützt der ganzen Menschheit, sofern wir uns nur von Großzügigkeit leiten lassen und nicht von Egoismus, das Wohl aller, nicht den eigenen Vorteil, im Auge haben, kurz, sofern wir unsere Arbeit aus einer christlichen Lebenssicht verrichten.

Diese Arbeit in der Gesellschaft muss für euch der Anlass sein, die Liebe Christi in eurer Freundschaft, im Verständnis, in der Aufmerksamkeit füreinander und im Frieden greifbar werden zu lassen. Wie Christus in Palästina „umherzog und Wohltaten spendete“ (Apg 10,38), so müsst ihr auf allen Wegen der Menschen - in der Familie, in der Gesellschaft, in eurem Beruf, im Bereich der Kultur, in eurer Freizeit - eure Saat des Friedens breit ausstreuen. Dies wird der beste Beweis dafür sein, dass das Reich Gottes in euren Herzen ist: „Daran erkennen wir, dass wir aus dem Tode zum Leben gekommen sind, weil wir die Brüder lieben“, schreibt der Apostel Johannes (1 Joh 3,14).

Aber niemand vermag diese Liebe zu leben, der nicht durch die Schule des Herzens Jesu geht. Nur wenn wir Christi Herz anschauen, wird es uns gelingen, unser Herz von Hass und Gleichgültigkeit frei zu machen, nur so werden wir angesichts des Leidens und des Schmerzes anderer christlich reagieren.