Buchtipp: Wenn die Figuren der Krippe lebendig werden

Dem heiligen Josefmaria verdanken viele die Anregung, sich beim Lesen des Evangeliums in die Szene hineinzuversetzen, als ob man selbst dabei gewesen wäre. Wie das in der Weihnachstkrippe vor sich geht und was dabei alles passieren kann, hat der Autor Enrique Monasterio in seinem Büchlein „Gottes Weihnachtskrippe“ festgehalten. Es tauchen sogar fiktive Figuren auf, deren Namen bis dahin niemand kannte.

Opus Dei - Buchtipp: Wenn die Figuren der Krippe lebendig werden

„Das Aufbauen der Krippe in unseren Häusern hilft uns dabei, die Geschichte, die sich in Betlehem zugetragen hat, neu zu erleben. Natürlich bleiben die Evangelien immer die Quelle, die uns ermöglicht, mit diesem Ereignis vertraut zu werden und es zu betrachten. Und doch sind die Krippendarstellungen eine Hilfe, sich die Szenen vorzustellen; sie wecken unsere Zuneigung und laden uns ein, uns in die Heilsgeschichte einbezogen zu fühlen und dieses Ereignis mitzuerleben." (Franziskus, Admirabile Signum, 3) Vor einem Jahr warb Papst Franziskus mit diesen Worten in einem eigenen Schreiben für den Aufbau einer Weihnachtskrippe.

Der Autor ist Priester und war lange als Pädagoge und Kolumnist tätig

Und vor Jahren schon hat genau das auch der 1941 geborene Priester Enrique Monasterio aus Bilbao (Spanien) getan. Der studierte Jurist wurde 1969 zum Priester geweiht und wirkte danach in Valencia, Rom und Madrid, fast immer an universitären oder schulischen Einrichtungen. In der Zeitschrift „Mundo Cristiano“ verfasst er monatlich die Kolumne „Frei denken“.

Die Inspirationen kamen beim Betrachter einer römischen Weihnachtskrippe

„Es gibt in Rom eine Krippe, die ich so leicht nicht vergessen kann“, erläutert der Autor das Entstehen seines Buches. „Sie steht im Wohnzimmer, im „Soggiorno“ des Zentralsitzes der Prälatur. Ganzjährig befindet sie sich in einer verschlossenen Vitrine, die nur an Weihnachten geöffnet wird… Dort lehrte uns der heilige Josefmaria Escrivá zu beten, mit der Phantasie zu spielen und das kleine Jesuskind zu betrachten, das wie alle Neugeborenen die Augen geschlossen hat und die Fäustchen fest zusammenballt.“

Bei Jesus, Josef und Maria sind nicht nur Ochs und Esel

Hier, berichtet der Jurist, nahm er in Gedanken und im Gebet spielend die Stelle des Hundes ein, der das Jesuskind verteidigt. Er spielte den Esel, der gleich neben der Wiege liegt. Oft aber, so bekennt der Priester, der jahrelang an Mädchengymnasien unterrichtete und die Geschichten zunächst den Schülerinnen vortrug, „wollte ich einfach nur der dumme Hirt sein...!“. Jahr für Jahr baute Monasterio seine Krippe weiter aus... „Ich füllte ihr kleines Universum mit neuen Lichtern, stellte die Figuren an ihren Platz, plauderte mit ihnen, begleitete sie zur Krippe, redete über gemeinsame Dinge und traf auf Jesus, Maria und Josef,“ doch fügt er hinzu: „All das war natürlich ein Geheimnis, etwas so Inniges, dass ich vor Scham rot geworden wäre, hätte ich daran gedacht, jemand könne davon wissen.“

Weiter Figuren sind Salomé und Zebulon, der Hirt mit Down-Syndrom und seine Freundin Paloma

Entstanden sind auf diese Weise die Figur „Salomé“, die Monasterio nach den vielen ihm bekannten „beherzten und begeisternden Hausfrauen“ formte. Dann „Zebulon“, der mongoloide kleine Hirt, der versuchte, ihm das Beten beizubringen: „Er begann an der Krippe mit Jesus zu reden, so mühelos fließend, dass es mir schwer fällt zu glauben, ich hätte irgendetwas mit dem Wortschwall, den er von sich gab, zu tun. Ich habe stets vermutet, dass dieses Kapitel mir vom Himmel eingeflüstert worden ist, von einem Mädchen namens Paloma, einer engen Freundin des Hirten.“

Kaffeebrauner“, der Esel aus dem Gasthaus, trifft sogar die Drei Könige

Auch Kaffeebrauner, der Esel aus dem Gasthaus, „der erste Thron des Königs“, begegnet in dem kleinen Buch, wie auch der Wirt des Gasthofes, der Stern von Bethlehem und die Drei Könige. Die italienische Ausgabe von Gottes Weihnachtskrippe erhielt im Jahr 2000 den „Capri-San Michele-Preis“ für Literatur.
„Es ist großartig,“ bekennt Monasterio, „sich vorzustellen, dass der gute Zebulón, mein dummer kleiner Hirt, bereits Japanisch, Ukrainisch, Niederländisch und Italienisch spricht...“ Jetzt spricht die liebenswerte Gestalt auch Deutsch. „Wer hätte gedacht, dass das, was als Spiel begann, solche Ausmaße annehmen würde.“ (TM)


Enrique Monasterio: Gottes Weihnachtskrippe. Aus dem Spanischen von Thomas Merz. Fe-Medienverlag, Kisslegg 1. Aufl. 2020, 176 Seiten, Paperback 6,95 Euro