KAUM HATTE JESUS seine Brotrede in der Synagoge von Kafarnaum beendet, stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? (Joh 6,52). Die heftige Reaktion macht klar: Die Zuhörer Jesu haben verstanden, dass der Meister nicht symbolisch redete, sondern wortwörtlich meinte, was er sagte. Die Kraft seiner Worte wühlt sie auf. Und der Herr nimmt seine Äußerung nicht zurück; im Gegenteil, er bekräftigt zusätzlich die Notwendigkeit der Eucharistie, um göttliches Leben zu haben. Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch (Joh 6,53).
„Als die Menschen diese Rede hörten, verstanden sie“, kommentiert Benedikt XVI., „dass Jesus nicht die Art von Messias war, den sie wollten, nämlich einen Messias, der nach einem irdischen Thron strebte. (...) Jene für Tausende von Menschen gebrochenen Brote sollten keinen Triumphzug auslösen, sondern das Kreuzesopfer ankündigen, in dem Jesus Brot wird, Leib und Blut, die zur Sühne geopfert werden.“1
Derselbe Abschnitt enthält auch noch eine Verheißung: Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm (Joh 6,56). Der heilige Josefmaria erläutert die wunderbare Wirkung der Kommunion: „Es ist nicht so, dass wir Gott, unseren Herrn, in unser menschliches Fleisch verwandeln, wenn wir ihn empfangen, sondern er ist es, der uns göttlich macht, uns erhöht, uns erhebt. ... Wir werden göttlich.“2 Jedes Mal, wenn wir die Kommunion empfangen, werden wir, so sagte Papst Franziskus, „Christus ähnlicher, werden wir mehr in Jesus umgewandelt. Wie das Brot und der Wein in den Leib und in das Blut des Herrn verwandelt werden, so werden jene, die ihn im Glauben empfangen, zur lebendigen Eucharistie. (...) Wir werden zu dem, was wir empfangen!“3
DIE EUCHARISTIE wird vom heiligen Augustinus als „Zeichen der Einheit, Band der Liebe“4 bezeichnet. Dies deshalb, weil „die Kommunion“, wie wir im Katechismus der Katholischen Kirche lesen, „unsere Vereinigung mit Christus vertieft. Der Empfang der Eucharistie in der Kommunion bringt als Hauptfrucht die innige Vereinigung mit Christus Jesus.“5 Der heilige Paulus betonte zusätzlich die Einheit, die durch das Teilen des eucharistischen Tisches untereinander entsteht: Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot (1 Kor 10,16-17). Wir können somit sagen, dass die Kirche einen Leib bildet; und deshalb ist dieses Sakrament auch bekannt unter dem Namen „Kommunion“, das sich vom Lateinischen „communio“, deutsch „Gemeinschaft“, ableitet.
Weil die Einheit der Christen in der Eucharistie gründet, ließ der heilige Josefmaria auf dem Tabernakel des Generalrats des Opus Dei diese Worte eingravieren, die Jesus beim letzten Abendmahl gesprochen hat: „Consummati in unum! (Joh 17,23) – vollendet in der Einheit. Denn es ist, als wären wir alle hier versammelt“, so sagte er, „an dich geschmiegt, bei Tag und bei Nacht nicht von dir weichend, in einem Canticus der Danksagung und – warum nicht? – der Bitte um Verzeihung verweilend. (...) Um zu sühnen, um dir zu gefallen, um dir zu danken.“6
„Die Eucharistie ist das Sakrament der Einheit“, betonte auch Papst Franziskus. „Wer sie empfängt, kann nicht anders als ein Erbauer der Einheit sein (...). Bitten wir Gott, dass dieses Brot der Einheit uns heile von dem Drang, die anderen zu beherrschen, von der Gier, alles an sich zu reißen, vom Schüren von Uneinigkeit und der Verbreitung von Kritik; es möge in uns die Freude erwecken, einander ohne Rivalität, Neid und gehässiges Gerede zu lieben. Indem wir nun die Eucharistie leben, beten wir den Herrn an und danken wir ihm für diese höchste Gabe: lebendiges Gedächtnis seiner Liebe, das einen einzigen Leib aus uns macht und uns zur Einheit führt.“7
WIE MICH der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben (Joh 6,57). Die Gemeinschaft Jesu mit dem Vater ist unser Vorbild, um in Gott zu leben. Sie zeigt sich in dem Wunsch, uns – gekräftigt durch die Eucharistie – stets mit seinem Willen zu vereinen. Darauf weist der heilige Josefmaria hin: „Wenn wir die heilige Messe wirklich mitfeiern, wie sollten wir dann nicht den Rest des Tages in Gedanken beim Herrn verharren, im Wunsch, seine Gegenwart nicht zu verlieren; zu arbeiten, wie er arbeitete; zu lieben, wie er liebte?“8
Durch unsere priesterliche Seele können wir jeden Tag in eine Messe verwandeln; wir können unsere tägliche Arbeit mit dem Opfer Christi auf dem Kalvarienberg vereinen, das auf dem Altar erneuert wird. Diese Vereinigung kann symbolisch im Wassertropfen gesehen werden, den der Priester bei der Gabenbereitung dem Wein hinzufügt und dabei spricht: „Wie das Wasser sich mit dem Wein verbindet zum heiligen Zeichen, so lasse uns dieser Kelch teilhaben an der Gottheit Christi, der unsere Menschennatur angenommen hat.“9 Wie der Katechismus lehrt, wird „das Opfer Christi in der Eucharistie auch zum Opfer der Glieder seines Leibes. Das Leben der Gläubigen, ihr Lobpreis, ihr Leiden, ihr Gebet und ihre Arbeit werden mit Christus vereinigt.“10
Jesus stieg dank des Ja-Worts seiner Mutter vom Himmel herab. Wie Benedikt XVI. erklärte, ist „Maria von Nazaret, die Ikone der entstehenden Kirche, das Vorbild dafür, wie jeder von uns das Geschenk empfangen soll, zu dem Jesus in der Eucharistie sich selbst macht.“11
1 Benedikt XVI., Angelus-Gebet, 19.8.2012.
2 Hl. Josefmaria, Aufzeichnungen aus einer Betrachtung, 14.4.1960.
3 Franziskus, Audienz, 21.3.2018.
4 Hl. Augustinus, In Ioannis Evangelium tractatus, 26,13.
5 Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1391.
6 Hl. Josefmaria. Im Zwiegespräch mit dem Herrn, Nr. 25.
7 Franziskus, Predigt, 18.6.2017.
8 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 154.
9 Römisches Messbuch, Gabenbereitung.
10 Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 268.
11 Benedikt XVI., Sacramentum caritatis, Nr. 33.

