GOTT ERBAUT seine Hallen im Himmel und gründet sein Gewölbe auf die Erde, schreibt der Prophet Amos in einer Vision, er ruft das Wasser des Meeres und gießt es aus über die Erde (Am 9,6). Die ganze Schöpfung verweist auf ihren Schöpfer. Vielleicht sprach Jesus deshalb so gerne am Ufer des Sees von Genezareth zu den Menschen, weil die imposante Naturkulisse das Werk seines Vaters war und Zeugnis vom ihm gab.
An diesem Tag versammelt sich wieder eine große Menschenmenge am See. Weil es am Ufer zu eng wird, steigt Jesus in ein Boot und wendet sich von dort aus an die Menge. Er erzählt von einem Sämann, der seine Arbeit verrichtete. Dabei fiel die Saat auf ganz unterschiedlichen Boden: auf den Weg, auf felsigen Grund, unter die Dornen und schließlich auf guten Boden, wo er reiche Frucht brachte (vgl. Mt 13,1–23).
Die Zuhörer kannten solche Bilder aus ihrem Alltag. Jesus spricht ihre Sprache und greift ihre Erfahrungen auf. Er möchte nicht nur den Verstand erreichen, sondern das Herz. Dahinter steht sein Wunsch, den Menschen wirklich zu dienen. Papst Benedikt XVI. betonte: „Gott ist (…) keine weit von uns entfernte mathematische Intelligenz. Gott kümmert sich um uns, er liebt uns, er ist persönlich in die Wirklichkeit unserer Geschichte eingetreten, er hat sich selbst mitgeteilt und ist sogar Mensch geworden.“1 Auch wir sind eingeladen, die Botschaft des Evangeliums so weiterzugeben, dass sie die Sorgen und Hoffnungen unserer Mitmenschen berührt.
IM GLEICHNIS vom Sämann ist der Same immer gut: Er steht für die Gaben und Gnaden, die Gott in unser Leben legt. Entscheidend ist dennoch der Boden, auf den er fällt. Ein Herz, das von Angst, von Kontrollbedürfnis oder der Jagd nach materiellem Besitz erfüllt ist, kann die Saat kaum aufnehmen. Auch auf felsigem Boden kann der Same kaum Fuß fassen. Papst Franziskus sieht darin ein Bild für „das oberflächliche Herz, das den Herrn aufnimmt, beten, lieben und Zeugnis geben möchte, aber nicht standhaft ist, schnell ermüdet und nie ,durchstartet‘.“2 Das Saatgut benötigt tiefe Böden, um Wurzeln zu schlagen. Denn die für das Wachstum notwendigen Nährstoffe befinden sich unterhalb der oberflächlichen Erdschichten. Unsere innere Welt wird diese Tiefe erlangen, wenn sie nicht von wechselnden Stimmungen, sondern von festen Überzeugungen und Idealen getragen wird, die unser tägliches Leben inspirieren.
Ein fruchtbares Feld will zudem gepflegt werden. Wenn es vernachlässigt und sich selber überlassen wird, können Disteln und Dornen wachsen. Der heilige Josefmaria schrieb: „Die Treue ist ein fortwährendes Geben: eine Liebe, eine Freigebigkeit, eine anhaltende Loslösung und nicht einfach das Ergebnis von Trägheit.“3 Ein beständiges Gebetsleben, geistliche Bildung, die Sorge um Familie und Mitmenschen – all das sind Furchen, die wir geduldig bearbeiten, damit der Same Wurzeln schlagen und Frucht bringen kann.
DIE GESCHICHTE vom Sämann setzt sich im Leben jedes Christen fort. Der Herr streut seine Saat weiterhin in weitem Bogen aus, voller Sehnsucht nach Herzen, die ihn aufnehmen wollen. Einmalig beschrieb der Gründer des Werkes, wie diese Aussaat erfolgt: „Christus drückt den Weizen in seinen wunden Händen, durchtränkt ihn mit seinem Blut, reinigt ihn, läutert ihn und wirft ihn in die Furche, die diese Welt ist. Er streut die Körner einzeln aus, damit jeder Christ an dem Ort, an dem er lebt, Zeugnis von der Fruchtbarkeit des Todes und der Auferstehung des Herrn gibt.“4
Es ist tröstlich zu wissen, dass unser Leben ein göttliches Samenkorn in den Händen des Herrn ist, hinausgeworfen in diese Welt, die er erschaffen hat und die gut ist. Wenn wir uns bemühen, zur Ehre Gottes zu leben – auch wenn wir manchmal scheitern, manchmal fallen und immer wieder von Neuem beginnen –, wenn uns der Eifer bewegt, dass andere die Freude am Haus des Vaters entdecken, dann keimt der Same, auch wenn wir sein Wachsen manchmal nicht bemerken. „Wenn du den Impulsen der Gnade treu entsprichst“, schrieb der heilige Josefmaria, „wirst du Frucht bringen: bleibende Frucht zur Verherrlichung Gottes. Heiligkeit schließt ein, wirksam zu sein, auch wenn der Heilige seine Wirksamkeit weder fassen noch sehen kann.“5
Darum gibt es keinen Grund zur Mutlosigkeit. Kein Boden ist von vornherein unfruchtbar, und keine mit Liebe vollbrachte Tat geht verloren. Papst Franziskus erinnert daran, dass „keine der aufrichtigen Sorgen um den Nächsten, keine Tat der Liebe zu Gott, keine großherzige Mühe, keine leidvolle Geduld“6 verloren ist. Bitten wir die Jungfrau Maria, uns von ihrem Sohn ergreifen, durchtränken und in weitem Bogen ausstreuen zu lassen, im Vertrauen darauf, dass unser Leben auf diese Weise fruchtbar sein wird.
1 Benedikt XVI., Audienz, 28.11.2012.
2 Franziskus, Angelusgebet, 16.7.2017.
3 Hl. Josefmaria, Brief 2, Nr. 12.
4 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, n. 157.
5 Hl. Josefmaria, Im Feuer der Schmiede, Nr. 920.
6 Franziskus, Evangelii gaudium, Nr. 279.

