NACHDEM die Menschenmenge mit Brot und Fisch verköstigt geworden war, folgte sie Jesus am nächsten Morgen bis nach Kafarnaum. Auf die Frage der Menschen, welches Werk Gott von ihnen erwarte, antwortete der Meister: Das sei das Werk Gottes: an ihn als den Gesandten Gottes zu glauben (vgl. Joh 6,22-29). Da verlangten sie ein sichtbares Zeichen von ihm – als ob das Wunder am Vorabend nicht genug gewesen wäre. Sie sagten zu ihm: Welches Zeichen tust du denn, damit wir es sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen (Joh 6,30-31).
Darauf beginnt der Herr, ihnen darzulegen, dass das Wesentliche des Manna darin liege, was es ankündigte: das Brot des ewigen Lebens, das wahre Brot vom Himmel. Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben (Joh 6,32-33).
Jesus bringt die Zeichen des Alten Testaments zur Vollendung. In der Brotvermehrung erfüllt sich die Gabe des Manna in der Wüste, im Wandel Jesu über das Wasser der Durchzug des Volkes durch das Rote Meer. In beiden Fällen geht Jesus über die Zeichen im Pentateuch hinaus. Daher riefen die Zeugen des Wunders der Brotvermehrung staunend aus: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll (Joh 6,14). Und als sie nun hörten, dass dieses Brot Leben gebe, baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! (Joh 6,34). Es ist eine natürliche Reaktion, der wir uns anschließen: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“
JESUS ANTWORTETE ihnen nun mit einer Offenbarung: Ich bin das Brot des Lebens (Joh 6,35). Obwohl Johannes die Einsetzung des Sakraments der Eucharistie nicht explizit erwähnt, enthält sein Evangelium dennoch die Theologie dieses Sakraments. Jesus wird als das Brot vorgestellt, das dem irdischen Weg Sinn und Hoffnung gibt, als die Speise, die Gott dem Elija gab, sodass er vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb (1 Kön 19,8) wandern konnte. Jesus ist das Brot des Lebens, denn er bleibt im Sakrament der Eucharistie als „die Quelle und der Höhepunkt des christlichen Lebens“1, so das II. Vatikanische Konzil, als „Mitte und Wurzel des inneren Lebens“2, wie es der heilige Josefmaria oft sagte. Quelle und Höhepunkt, Mitte und Wurzel. Die Eucharistie erreicht diese Größe, weil in ihr Jesus Christus selbst gegenwärtig ist, der Urheber der Gnade, und weil „in ihr“, wie es das Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche ausdrückt, „das heiligende Handeln Gottes uns gegenüber und unsere Verehrung ihm gegenüber gipfelt“3.
„Die Eucharistie ist Jesus selbst, der sich uns ganz hingibt“, sagte Papst Franziskus. „Sich durch die eucharistische Kommunion von ihm zu nähren und in ihm zu bleiben, verwandelt unser Leben, wenn wir es mit Glauben tun. Es verwandelt unser Leben in ein Geschenk an Gott und an die Brüder und Schwestern. Sich von jenem ,Brot des Lebens‘ zu nähren bedeutet, in Harmonie mit dem Herzen Christi einzutreten, seine Entscheidungen, seine Gedanken, sein Verhalten anzunehmen. Es bedeutet, in eine Dynamik der Liebe einzutreten und Menschen des Friedens, Menschen der Vergebung, der Aussöhnung, des solidarischen Teilens zu werden. Dasselbe, was Jesus getan hat.“4 Der heilige Josefmaria hatte dies erfahren und von Jugend an lange Zeit vor dem Tabernakel verbracht. Deshalb riet er: „Sei ein Mensch, der aus der Eucharistie lebt! Wie viele Früchte der Heiligkeit und des Apostolates wirst du ernten, wenn dein ganzes Denken und Hoffen auf den Tabernakel gerichtet ist!“5
AUS DER EUCHARISTIE leben, heißt, die Heilige Messe zu pflegen, damit jeder Tag von der Gnade und der Kraft Gottes beseelt sei. Dazu gehört, dass wir die Worte verinnerlichen, die Jesus selbst an den Vater richtet und die uns die Kirche bei jeder Feier vorlegt. So wird die Heiligkeit Gottes unser alltägliches Leben, unsere Erfolge und Misserfolge, unsere Schwierigkeiten und Freuden mehr und mehr durchdringen; auch die Betrachtung der Lesungen, die Vorbereitung mit geistlichen Kommunionen oder die Danksagung danach können uns dabei helfen. Wenn wir die Größe des Geschenks der Messe erkennen, werden wir Jesus zu einem anderen Moment gerne im Tabernakel besuchen und bei ihm im Gebet verweilen wollen.
Wir bitten den Herrn daher um die Gnade, für seine Gegenwart in der Eucharistie sensibler zu werden. Dazu bitten wir: „Jesus, stärke unseren Glauben, erleuchte unseren Verstand, damit wir fest glauben und tief in das Geheimnis dieses Sakraments eindringen können. Und schenke uns Liebe, um nach der Kommunion zu verlangen und deine Gegenwart im Tabernakel hochzuschätzen.“ Der folgende Rat des heiligen Josefmaria kann uns nützlich sein: „Besuche oft – und sei es auch nur im Geiste, mit dem Herzen – den Herrn im Tabernakel. Das schenkt dir Sicherheit und Ruhe. So wirst du spüren, dass du Liebe empfängst, und wirst Liebe schenken.“6
Wir bitten Maria, die eucharistische Frau, uns zu lehren, ihren Sohn zu lieben wie sie und ihn mit der gleichen Gesinnung zu empfangen wie sie: mit Reinheit, Demut und Andacht.
1 II. Vatikanisches Konzil, Lumen Gentium, Nr. 11.
2 Hl. Josefmaria, Im Feuer der Schmiede, Nr. 69.
3 Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 274.
4 Franziskus, Angelus-Gebet, 16.8.2015.
5 Hl. Josefmaria, Im Feuer der Schmiede, Nr. 835.
6 Hl. Josefmaria, Im Feuer der Schmiede, Nr. 837.

