Psychotherapie und Seelsorge

Am 16. und 17. Mai 2005 fand im Tagungshaus Hohewand bei Wien die alljährliche Pfingsttagung des Theologischen Forums Peterskirche, einer Initiative von Priestern der Personalprälatur Opus Dei, statt.

Hohewand, 16./17.05.05. Am 16. und 17. Mai 2005 fand im Tagungshaus Hohewand bei Wien die alljährliche Pfingsttagung des Theologischen Forums Peterskirche, einer Initiative von Priestern der Personalprälatur Opus Dei, statt: diesmal über „Psychotherapie und Seelsorge“. Prälat Johannes B. Torelló, Dozent Raphael M. Bonelli und Bischof Klaus Küng referierten über die theologischen, humanwissenschaftlichen und pastoralen Aspekte des Themas. Priester und Seminaristen der Diözesen Ostösterreichs, aber auch aus Tschechien, der Slowakei und Ungarn verfolgten mit großem Interesse die Vorträge.

Prälat Torelló, selbst Psychiater, verwies auf die unersetzbare Aufgabe des Priesters, Sünden zu tilgen. Damit bewirke er im Bereich der Gnade jene tiefste Heilung, durch die der reuige Mensch –wie Max Scheler es formulierte– „durch einen Akt der Freiheit mit dem Liebes- und Heilswillen Gottes zusammenschwingt“. Das Schlimmste, was dem Beichtpriester deshalb passieren könne, sei die Entsakralisierung seines Amtes durch die Psychologisierung der Schuld. Gegenüber jedem bequemen Determinismus müsse er Anwalt der Freiheit und –in persona Christi– Stifter des Heils bleiben. Der Psychotherapeut sei folglich kein Ersatz für den Beichtvater.

Dozent Bonelli betonte vom Standpunkt des Psychiaters die Bedeutung religiöser und ethischer Faktoren für die psychische Gesundheit des Menschen. Sowohl der lebendige Gottesbezug –das hätten neueste Forschungen bestätigt– als auch die Übung der Kardinaltugenden seien essentiell bei der Bewältigung psychischer Probleme. Der Mäßigung im Sinne der temperantia komme sogar eine Schlüsselrolle in der Psychotherapie zu. Bonelli plädierte für eine Zusammenarbeit von Psychiater, geistlichem Begleiter und Beichtvater zum Wohle des Einzelnen.

Bischof Küng ortete in unserer Zeit einen großen Bedarf an Priestern, die wirklich Seelsorger sind, die im Respekt vor der Person zur Aufrichtigkeit führen, neue Perspektiven eröffnen, praktische Schritte anregen und sogar seelische Wunden heilen. Um Lehrmeister des Gebetes, der Tugenden, ja des gesamten christlichen Lebens zu sein, müsse der Priester aber selber die geistliche Begleitung erfahren, sich um die Umsetzung der empfangenen Ratschläge bemühen, die Klassiker der Spiritualität studieren, die auch heute noch viel zu sagen hätten, und vor allem die Menschen lieben.