Der hl. Josefmaria Escrivá und die griechisch-katholische Kirche

Die griechisch-katholische Kirche in Ungarn feiert mit dem Opus Dei in Máriapócs

Am Sonntag, den 22. Mai 2005, feierte die griechisch-katholische Diözese von Hajdudurog zusammen mit Gläubigen der Personalprälatur Opus Dei aus Ungarn und Österreich im Wallfahrtsort Máriapócs ein besonderes Jubiläum. Die Segnung einer Gedenktafel im Rahmen einer feierlichen Messe im griechisch-katholischen Ritus gab Aufschluss über den Anlass: am 4. Dezember 1905, also vor 100 Jahren, habe die Kopie des Gnadenbildes zum letzten Mal geweint und vor 50 Jahren auf den Tag genau habe der heilige Josefmaria Escrivá, der Gründer des Opus Dei, zum ersten Mal vor der Ikone im Stephansdom gebetet, was zu einer Welle des Gebetes in der ganzen Welt für die Kirche Ostmitteleuropas führte.

Das Original des wundertätigen Bildes befand sich zunächst in der Holzkirche einer kleinen griechisch-katholischen Gemeinde im Nordosten Ungarns. Als „griechisch-katholisch“ werden jene Gläubigen des östlichen Ritus bezeichnet, die durch die Anerkennung des Papstes Bestandteil der katholischen Weltkirche sind. Obwohl der ungarische König bereits im 12. Jahrhundert den Papst um eine Diözese für die Christen dieses Ritus gebeten hatte, wurde erst 1897 unter Kaiser Franz Josef ein Vikariat für die griechisch-katholischen Gläubigen in Ungarn errichtet. Pius X. erhob es 1912 zur Diözese und Johannes Paul II. verwandelte es 1980 in eine Personaldiözese für ganz Ungarn.

Marco d’Aviano riet Kaiser Leopold I. 1697 die wundertätige Ikone von Máriapócs nach Wien bringen zu lassen, nachdem das Bild Ende 1696 mehrere Male Tränen geweint hatte, für deren Ursprung trotz sorgfältigster Untersuchungen im Rahmen einer kirchlichen Prüfung keine menschliche Erklärung gefunden werden konnte. Seither wurde das Bild in Wien sehr verehrt. Aber die nächsten „Tränenwunder“ geschahen nicht in Wien sondern weiterhin in der Basilika von Máriapócs, in der sich eine Kopie des Bildes befand, zum zweiten Mal 1715 und zum dritten Mal 1905.

Der ungarische Text der Inschrift lautet:

Vor hundert Jahren und an diesem Tag zeigte die Heiligste Mutter Gottes Maria an diesem Ort ihre Liebe zu ihren Kindern mit Tränen.

Vor fünfzig Jahren und an diesem Tag betete der heilige Josefmaria zum erst

Fünfzig Jahre nach dem dritten Wunder prägte der Hl. Josefmaria Escrivá vor der Ikone im Stephansdom ein Stoßgebet, das seither von den Gläubigen des Opus Dei auf der ganzen Welt für die Anliegen der Kirche in unserem Raum gebetet worden ist: „Sancta Maria, Stella Orientis, filios tuos adiuva“ („Heilige María, Stern des Ostens, hilf deinen Kindern“). Damit sollte „der besondere Schutz der Mutter Gottes für die unter dem Kommunismus verfolgten Christen“ erfleht werden, wie es auf der Gedenktafel heißt, die Bischof Szilárd Keresztes am Sonntag segnete.

Zu den „Zufällen“ rund um Máriapócs gesellt sich auch der denkwürdige Besuch des verstorbenen Heiligen Vaters Johannes Paul II. in Máriapócs am 18. August 1991. Nicht weit von der Basilika befindet sich eine große Wiese: als der Papst dort die Feier der heiligen Messe im griechisch-katholischen Ritus begann, startete in Moskau der operative Teil eines Staatsstreiches, der zuerst zur Festnahme von Präsident Gorbatschow in seinem Urlaubsort führte, in der Folge aber (nach seiner Rückkehr nach Moskau) zur Auflösung der sowjetischen kommunistischen Partei, des Warschauer Paktes und der Sowjetunion, also zum Untergang der kommunistischen Staatsstrukturen Europas.

Der heilige Josefmaría Escrivá besuchte Österreich einige Male. Das erste Mal im Jahre 1949 zunächst nur auf der Durchreise nach München, wo er Kardinal Faulhaber traf. 1955 eine Woche vor dem Abschluss des österreichischen Staatsvertrages kam er dann nach Wien, um sich ein Bild über die Möglichkeiten der Arbeit des Opus Dei in Österreich zu machen. Fünf Monate später war er wieder in Wien. Nachdem er am 4. Dezember die Heilige Messe im Stephansdom gefeiert hatte, betete er von dem Gnadenbild von Maria Pötsch. Damals entstand das erwähnte Stoßgebet.

1955 wusste er natürlich nicht, woher das Bild kam und noch weniger, dass die Kopie des Bildes 50 Jahre zuvor in Máriapócs geweint hatte. Erst Erzbischof-Koadjutor Franz Jachym, der statt des damals bereits erkrankten Kardinals Innitzer den heiligen Josefmaria empfing, klärte ihn über den Ursprung und die Bedeutung des Bildes auf.

Bischof Keresztes mit Dr. Martin Schlag, Regionalvikar des Opus Dei in Österreich.

Im Rahmen einer von der Pfarre St. Stephan und der Rektoratskirche St. Peter organisierten Pilgerreise war eine relativ große Gruppe aus Wien am vergangenen Wochenende nach Máriapócs gefahren, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Bischof Szilárd Keresztes wies in seiner Predigt allgemein auf den Beistand der Mutter Gottes für die verfolgten Christen hin und besonders auf die jahrelangen Gebete vieler Gläubigen des Opus Dei auf der ganzen Welt für das gleiche Anliegen. Konkret erwähnte Bischof Keresztes die Namen einiger ungarischer Märtyrer, wie den des Bischofs von Györ, Vilmas Apor, und den des Bischofs von Ungvar (Ukraine), Tódor Romzsa. Der Regionalvikar des Opus Dei, Dr. Martin Schlag, brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass dieses Fest gerade in einer griechisch-katholischen Gemeinde stattfinden könne, „weil die Kirche mit zwei Lungen atmen soll“ und dadurch auch jene Kirche geehrt werde, die von Beginn an eine „Märtyrerkirche“ war.

Der heilige Josefmaria empfand immer eine besondere Zuneigung für die Katholiken in den Ländern, die nach Jalta auf der anderen Seite des Eisernen Vorhanges geblieben waren, und besonders für jene des östlichen Ritus. Er betete für sie und freute sich sehr, als einige seine Schriften zum Beispiel auf Ukrainisch oder Bulgarisch übersetzt wurden. Diese Bücher wurden in die damaligen kommunistischen Länder eingeschmuggelt und fanden im Untergrund eine rasche Verbreitung.

Als im Februar dieses Jahres der gegenwärtige Prälat des Opus Dei, Bischof Javier Echevarría, an einem Symposium der Katholischen Universität von Budapest teilnahm und dabei über „Die Ausübung der Leitungsgewalt in Personalprälaturen“ sprach, hob er ausdrücklich hervor, dass die Geschichte Ungarns eine interessante Vorform der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in der katholischen Kirche entstandenen Rechtsfigur der Personalprälatur biete. Bereits 1204 erinnerte damals Bischof Echevarría - habe König Emmerich von Ungarn aus ökumenischen Gründen vom Papst die Gründung einer griechisch-katholischen Personaldiözese erbeten. Er wollte alle Kirchen und Stifte des östlichen Ritus einem eigenen Bischof unterstellen.

Das Opus Dei ist eine Personalprälatur der katholischen Kirche. Sein vollständiger Name lautet „Prälatur vom Heiligen Kreuz und Opus Dei“. Das Opus Dei wurde 1928 vom heiligen Josefmaría Escrivá gegründet. Ziel des Opus Dei ist, neu bewusst zu machen, dass alle Menschen zur Heiligkeit und zum Apostolat berufen sind. Dazu bietet die Prälatur Opus Dei seinen Mitgliedern und denjenigen, die dies wünschen, geistliche Bildung und seelsorgliche Betreuung. Derzeit zählt das Opus Dei etwa 80.000 Gläubige, Frauen und Männer, die in der Mehrzahl verheiratet sind, sowie etwa 1.750 Priester, die in die Prälatur eingegliedert sind. Seit 1957 ist das Opus Dei in Österreich, seit 1989 auch in Ungarn tätig. Der Prälatur, die eine Institution der Gesamtkirche ist, können Gläubige des lateinischen Ritus wie auch Gläubige der Ostriten angehören.

Richard Estarriol