ELISABETH, empfängt während ihrer Schwangerschaft unerwarteten Besuch von Maria. Kaum hört sie deren Gruß, hüpft das Kind in ihrem Schoß, und Elisabeth wird vom Heiligen Geist erfüllt. Voll Freude ruft sie: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? (Lk 1,42-43). Monate zuvor hatte Elisabeth dankbar erfahren, dass sie selbst ein Kind bekommen werde. Nun wird ihr eine weitere Freude geschenkt: Maria kommt zu ihr und bleibt bei ihr in dieser besonderen Zeit.
Heute feiern wir das Fest Mariä Namen. Seine Wurzeln reichen ins mittelalterliche Spanien zurück; für die ganze lateinische Kirche wurde es 1683 von Papst Innozenz XI. eingeführt, im Zusammenhang mit der Befreiung Wiens von der osmanischen Belagerung. Über die geschichtlichen Umstände hinaus lädt uns das Fest dazu ein, etwas sehr Einfaches neu zu entdecken: Wir dürfen Maria beim Namen rufen. Ihr Name weckt das Vertrauen auf eine Mutter, die uns zu Christus führt. „Maria hat geholfen, Maria wird weiter helfen.“1
Es braucht nicht viele Worte, um sich an Maria zu wenden. Es genügt, ihren Namen mit kindlicher Einfachheit auszusprechen. Der heilige Josefmaria sagte: „Unsere Beziehung zu unserer eigenen Mutter kann uns als Vorbild und Leitlinie dafür dienen, wie wir mit Maria, der Mutter mit dem liebenswerten Namen, umgehen sollen. Wir müssen Gott mit demselben Herzen lieben, mit dem wir unsere Eltern, Geschwister, Verwandten und Freunde lieben. Und mit diesem Herzen sollen wir auch Maria begegnen.“2 Das Fest Mariä Namen erinnert uns daran, dass wir eine Mutter haben, die uns nahe ist.
WIE DIE heilige Elisabeth wollen auch wir Maria preisen, weil sie sich dem Wirken Gottes ganz geöffnet hat. Durch ihr Fiat konnte Christus, der Friedensfürst, in die Welt kommen. Das schenkt uns Hoffnung auch in unseren eigenen Schwierigkeiten. Viele Heilige haben deshalb dazu ermutigt, gerade in Zeiten der Not den Namen Mariens anzurufen. Der heilige Bernhard schrieb: „In Gefahren, in Bedrängnis, in Zweifeln, denke an Maria, rufe Maria an. Lass Maria nicht von deinem Mund und nicht von deinem Herzen weichen.“3 Und der heilige Antonius von Padua sagte: „Der Name unserer Mutter bringt Freude ins Herz, Honig auf die Lippen und Wohlklang in die Ohren derer, die sie verehren.“4
Die Herkunft und Bedeutung des Namens Maria – hebräisch Marjam oder Mirjam – lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Die christliche Tradition hat ihn jedoch seit Jahrhunderten mit einem besonders schönen Bild verbunden: Maria als Stella Maris, als Meeresstern. Papst Benedikt XVI. erklärte dazu: „Oft gleicht die Geschichte, in der wir leben, einem dunklen Meer, das drohend seine Wellen gegen das Schifflein unseres Lebens wirft. Manchmal erscheint die Nacht undurchdringlich. (...) Das große Licht Jesus Christus, der den Tod und das Böse überwältigt hat, ahnen wir oft nur von ferne. Aber dann sehen wir ganz nahe das Licht, das sich entzündet hat, als Maria sagte: Siehe, ich bin eine Magd des Herrn. Wir sehen das helle Licht der Güte, das von ihr ausgeht.“5
Maria ist nicht selbst das Ziel unseres Weges; wie ein Stern weist sie uns auf Christus hin. Wenn Schwierigkeiten uns die Sicht nehmen, können wir ihren Namen anrufen und uns von ihr neu auf ihren Sohn hinweisen lassen.
DIE JUNGFRAU nimmt den Lobpreis ihrer Cousine mit Schlichtheit auf und richtet ihn sogleich auf Gott: Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter(Lk 1,46-47). Wahre Marienverehrung führt immer zu Gott, der Quelle aller Gnade. Wenn Maria sagt: Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter (Lk 1,48), dann deshalb, weil sie die großen Taten Gottes in ihrem Leben erkennt.
Papst Franziskus erinnert daran, dass Maria einen besonderen Platz im Leben und Gebet der Christen einnimmt, weil sie die Mutter Jesu ist. Die Ostkirchen stellen sie häufig als Hodegétria dar – als diejenige, die „den Weg zeigt“: ihren Sohn Jesus Christus. Ihre Hände, ihre Augen, ihre ganze Haltung weisen auf ihn hin. „In Maria ist alles auf Jesus bezogen“6, sagt der Papst. Sie zieht unseren Blick nicht auf sich, sondern führt ihn weiter zu ihrem Sohn.
Das wird auch im Ave Maria sichtbar. Wir preisen sie als „gebenedeit unter den Frauen“ und fügen unmittelbar hinzu: „Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.“ Wenn uns die Worte fehlen, um uns an den Herrn zu wenden, zeigt uns Maria den Weg zu ihm. Der heilige Josefmaria fasste es so zusammen: „Man geht zu Jesus und man kehrt zu Ihm zurück immer durch Maria.“7 Wir rufen Maria bei ihrem Namen – und sie führt uns zu Jesus.
1 Zeiner (08.09.1946): Mariä Namen. Oesterreichs Dank- und Siegesfest. In: Wiener Kirchenblatt, Wochenschrift für die Katholiken, 27. Jg., Nr. 36, 1–2.
2 Ebd.
3 Hl. Bernhard, Sobre la excelencias de la Virgen Madre, 2, 17.
4 Hl. Antonius von Padua, in: Marianischer Festkalender, Regensburg, 1866; Quelle: https://www.marianisches.de/marienfeste/mariä-namen/.
5 Benedikt XVI., Predigt, 12.9.2009.
6 Franziskus, Audienz, 24.3.2021.
7 Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 495.

