JESUS hatte erst vor kurzem begonnen, öffentlich zu predigen, und schon verbreitete sich sein Ruf in der ganzen Gegend. Als er in der Synagoge von Kafarnaum lehrte, begann ein Besessener laut zu schreien (vgl. Lk 4,31-37). Die Menschen waren beeindruckt von Jesus: Er sprach so, dass sie ihn verstehen konnten, und seine Taten bestätigten seine Worte. Auch hier genügte ein Befehl: Schweig und verlass ihn! (Lk 4,35) – und der unreine Geist wich aus dem Mann.
Danach stand Jesus auf, verließ die Synagoge und ging in das Haus des Simon (Lk 4,38). Dessen Schwiegermutter lag mit hohem Fieber im Bett, und die Angehörigen baten Jesus um Hilfe. Wie zuvor in der Synagoge genügte auch hier sein Wort: Das Fieber wich, und die Frau stand sofort auf und begann, sie zu bedienen (vgl. Lk 4,38-39). Jesus zeigt seine heilende Macht nicht nur vor vielen Menschen in der Synagoge, sondern auch im vertrauten Kreis eines Hauses.
Wenn wir Jesus in der Kommunion empfangen, kommt er auch in unser Haus. Wir können ihm alles anvertrauen, was uns auf dem Herzen liegt: Sorgen, Hoffnungen, Zweifel und Schmerzen. Er möchte, dass wir uns ihm öffnen und unsere Nöte in seine Hände legen. Der heilige Josefmaria riet: „Wenn du merkst, dass du – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr weiterkannst, dann sage es ihm, überlasse dich ihm: Herr, ich vertraue auf dich, ich gebe mich dir ganz hin, aber hilf meiner Schwachheit! Sage ihm voll Vertrauen: Schau mich an, Jesus, ich bin wie ein schmutziger Lappen! Ich habe ein so lästerliches Leben geführt, ich verdiene es nicht, dein Sohn zu sein. Sage ihm das immer wieder. Bald wirst du seine Stimme hören: Fürchte dich nicht! Oder: Steh auf und geh deinen Weg!“1
ALS DIE SONNE unterging, brachten die Leute ihre Kranken, die alle möglichen Gebrechen hatten, zu Jesus. Er legte jedem von ihnen die Hände auf und heilte sie (Lk 4,40). Von vielen trieb er auch Dämonen aus (vgl. Lk 4,41). Jesus nimmt sich der leiblichen Leiden an, doch sein Blick reicht tiefer: Er ist gekommen, um den ganzen Menschen zu heilen und ihn von allem zu befreien, was ihn von Gott trennt. Wenig später wird er deshalb zu dem Gelähmten, den seine Freunde durch das Dach zu ihm hinablassen, zuerst sagen: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben (Lk 5,20) – und erst danach: Steh auf, nimm dein Bett und geh in dein Haus! (Lk 5,24).
Dieses heilende Wirken Jesu setzt die Kirche fort. Papst Franziskus schreibt, dass sie „furchtlos die Initiative“ ergreift, auf die Menschen zugeht und „einen unerschöpflichen Wunsch“ empfindet, Barmherzigkeit anzubieten, „da sie die unendliche Barmherzigkeit des himmlischen Vaters und ihre ausströmende Kraft selbst erfahren hat“2.
Auch wir können uns Jesus mit dem Wunsch nähern, dass er unsere Seele heilt und alles entfernt, was uns von ihm trennt. Der heilige Josefmaria schrieb: „Bitte den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist sowie deine Mutter, dass sie dir Selbsterkenntnis schenken, verbunden mit einem tiefen Schmerz über all das Unreine, was durch dich geschehen ist und seine Spuren hinterlassen hat. Und sprich dann, ohne die Augen vor deinem Elend zu verschließen: Gib mir, Jesus, eine Liebe, die wie ein reinigendes Feuer mein Herz, meine Seele und meinen Leib von allem irdischen Elend befreit. Wenn mein Ich dann ganz leer und frei geworden ist, so fülle du es aus, damit ich mich nur noch von deiner Liebe tragen lasse.“3
JESUS ZOG sich im Morgengrauen zum Gebet zurück, um in der Stille beim Vater zu sein. Aus dieser innigen Verbindung erwuchs seine Hingabe an die Menschen und seine unermüdliche Verkündigung. Als einige ihn bewegen wollten, bei ihnen zu bleiben, antwortete er: Ich muss auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich Gottes verkünden; denn dazu bin ich gesandt worden (Lk 4,43).
Dieser Wunsch, allen Menschen das Reich Gottes zu bringen, durchzieht das ganze Leben Jesu. Vor seiner Himmelfahrt vertraute er seine Sendung den Jüngern an: Was sie mit ihm erlebt hatten, sollten sie nun in die Welt tragen. Papst Franziskus schrieb: „Das Gute neigt immer dazu, sich mitzuteilen. Jede echte Erfahrung von Wahrheit und Schönheit sucht von sich aus, sich zu verbreiten, und jeder Mensch, der eine tiefe Befreiung erfährt, erwirbt eine größere Sensibilität für die Bedürfnisse der anderen. Wenn man das Gute mitteilt, fasst es Fuß und entwickelt sich.“4
Auch uns vertraut Jesus diese Sendung an: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! (Lk 12,49). Der heilige Josefmaria sagte: „Wir haben uns ein wenig dem Feuer der Liebe Gottes ausgesetzt. Lassen wir unser Leben von seiner Kraft lenken, lassen wir uns von der Begeisterung erfassen, dieses göttliche Feuer bis an die Grenzen der Erde zu tragen, lassen wir es jene spüren, die uns umgeben, damit auch sie den Frieden Christi erfahren und darin ihr Glück finden.“5 Wir bitten Maria, uns zu helfen, dieses Feuer weiterzutragen, „damit die Freude aus dem Evangelium bis an die Grenzen der Erde gelange und kein Ort ohne ihr Licht bleibe“6.
1 Hl. Josefmaria, Im Feuer der Schmiede, Nr. 287.
2 Franziskus, Evangelii Gaudium, Nr. 24.
3 Hl. Josefmaria, Im Feuer der Schmiede, Nr. 41.
4 Franziskus, Evangelii Gaudium, Nr. 9.
5 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 170.
6 Franziskus, Evangelii Gaudium, Nr. 288.

