Betrachtungstext: 22. Woche im Jahreskreis – Montag

Jesus bringt das Heil allen Menschen – Die Sendung der Christen – Wenn es zu Ablehnung kommt

DAS EVANGELIUM des Lukas betont besonders die universale Bestimmung der Heilsbotschaft. Schon der greise Simeon bezeichnet Jesus als ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel (Lk 2,32). Das neue Volk Gottes wird nicht auf eine Nation beschränkt sein: Christus ist gekommen, um allen Menschen das Heil zu bringen.

Zu Beginn seines öffentlichen Lebens begibt sich Jesus nach Nazaret, wo er aufgewachsen ist. Am Sabbat geht er in die Synagoge und liest aus dem Buch Jesaja: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht (Lk 4,18; Jes 61,1-2). Nach Beendigung der Lesung rollt er die Schrift wieder zusammen und setzt sich, während alle gespannt auf ihn blicken. Da sagt er: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt (Lk 4,21).

Das Leben Jesu steht ganz im Zeichen dieser Verheißung. Seine Wunder zeigen, dass das Reich Gottes angebrochen ist und Gott den Menschen aus der Macht des Bösen befreien will. Dabei macht Jesus nicht an den Grenzen Israels halt: Auch Fremde erfahren seine heilende Macht. Seine Liebe kennt keine Schranken; sie verlangt nur ein Herz, das sich ihm in Demut und Glauben öffnet. Papst Franziskus sagte: „Der Anfang des christlichen Lebens liegt nicht darin, würdig zu sein – mit denen, die sich für gut hielten, konnte der Herr nur sehr wenig anfangen. (...) Der Herr vollbringt keine Wunder an denen, die sich für gerecht halten, sondern an denen, die wissen, dass ihnen etwas fehlt. Er wird nicht von unseren Fähigkeiten angezogen – sie sind auch nicht der Grund dafür, dass er uns liebt. Er liebt uns so, wie wir sind, und er sucht Menschen, die nicht selbstzufrieden sind, sondern die bereit sind, ihm ihre Herzen zu öffnen.“1


DER GEIST des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt (Lk 4,18). Im Alten Testament war die Salbung mit heiligem Öl ein Zeichen dafür, dass Gott einen Menschen für eine besondere Aufgabe erwählt hatte und ihn dabei begleiten würde. Auch wir Christen sind in der Taufe gesalbt worden. Durch sie werden wir, wie es im Katechismus heißt, „von der Sünde befreit und als Söhne Gottes wiedergeboren; wir werden Glieder Christi, in die Kirche eingefügt und an ihrer Sendung beteiligt“2. Wie Jesus durch sein Leben die Barmherzigkeit Gottes offenbarte, können auch wir seine Liebe sichtbar machen – vor allem im Alltag, in der Sorge um die Menschen an unserer Seite.

Diese Sendung ist nichts Zusätzliches, das wir neben unserem übrigen Leben erfüllen. Papst Franziskus schrieb: „Ich bin eine Mission auf dieser Erde, und ihretwegen bin ich auf dieser Welt. Wir müssen anerkennen, dass wir ,gebrandmarkt‘ sind durch diese Sendung, Licht zu bringen, zu segnen, zu beleben, aufzurichten, zu heilen, zu befreien. Da zeigt sich, wer aus ganzer Seele Krankenschwester, Lehrer, Politiker ist – diejenigen, die sich zutiefst dafür entschieden haben, bei den anderen und für die anderen da zu sein. Wenn jemand hingegen berufliche Pflicht und Privatsphäre trennt, wird sein Leben grau, und er sucht nur mehr nach Anerkennung oder verteidigt nur mehr seine eigenen Bedürfnisse.“3

Unsere Salbung in der Taufe lässt uns also am Liebeswerk Christi teilhaben. Der heilige Josefmaria schrieb: „Der Christ weiß, dass er durch die Taufe Christus einverleibt und durch die Firmung befähigt ist, für Christus zu kämpfen; er weiß, dass er berufen ist, durch seine Teilhabe am königlichen, prophetischen und priesterlichen Amt Christi in der Welt zu wirken; er weiß sich durch die Eucharistie, dem Sakrament der Einheit und Liebe, eins mit Christus. Darum muss er, wie Christus, auf seine Mitmenschen hin leben und mit Liebe auf alle und jeden Einzelnen und die ganze Menschheit blicken.“4


NACHDEM JESUS erklärt hat, dass sich Jesajas Prophezeiung in ihm erfüllt, stößt er auf den Widerstand seiner Landsleute: Amen, ich sage euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt (Lk 4, 24). Um ihnen die Grenzenlosigkeit der Liebe Gottes vor Augen zu führen, erinnert er an zwei Begebenheiten aus der Schrift: Der Prophet Elija wurde zu einer phönizischen Witwe gesandt, um ihr zu helfen, Elischa heilte den Syrer Naaman vom Aussatz. Die Reaktion ist heftig: Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen (Lk, 28-29).

Auch unsere Sendung stößt nicht immer auf offene Türen. Manche nehmen die Frohe Botschaft gerne auf, andere lehnen sie ab oder bleiben gleichgültig. Wenn sichtbare Früchte ausbleiben oder wir auf Widerstand stoßen, können wir leicht mutlos werden. Der heilige Josefmaria erinnert jedoch daran, dass Gott auch dort wirken kann, wo wir es nicht sehen: „Mag ein Herz auch noch so tief in die Sünde verstrickt sein, immer glimmt in ihm, wie unter der Asche, ein edler Funke. Und sooft ich an ein solches Herz geklopft habe, allein und mit dem Wort Christi, hat es geantwortet.“5

Unsere Aufgabe ist es daher, immer wieder auf die Menschen zuzugehen, ihnen zu dienen und ihnen durch Wort und Tat die Liebe Christi nahezubringen. Papst Franziskus ermutigt uns: „Brechen wir auf, gehen wir hinaus, um allen das Leben Jesu Christi anzubieten! (…) Mir ist eine ,verbeulte‘ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die krank ist aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern.“6 Bitten wir Maria, uns zu helfen, mutig und zuversichtlich die Liebe ihres Sohnes zu allen Menschen zu tragen.


1 Franziskus, Predigt, 29.6.2019.

2 Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1213.

3 Franziskus, Evangelii Gaudium, Nr. 273.

4 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 106.

5 Hl. Josefmaria, Freunde Gottes, Nr. 74

6 Franziskus, Evangelii Gaudium, Nr. 49.