12. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche

Der Heilige Geist vereint die Gläubigen aufs engste mit Christus, so dass sie einen Leib bilden – die Kirche, in der eine Verschiedenheit der Glieder und der Funktionen besteht.

Bausteine des Glaubens
Opus Dei - 12. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche

1. Ich glaube an den Heiligen Geist

1.1. Die dritte Person der Heiligsten Dreifaltigkeit

In der Heiligen Schrift findet man verschiedene Namen für den Heiligen Geist: Gabe, Herr, Geist Gottes, Geist der Wahrheit, Tröster usw. Jeder dieser Namen sagt etwas über die dritte Person der Heiligsten Dreifaltigkeit aus. Er ist „Gabe“, weil der Vater und der Sohn ihn uns unentgeltlich senden. Der Geist ist gekommen, um in unseren Herzen zu wohnen (vgl. Gal 4,6). Er kam, um ständig bei uns Menschen zu bleiben. Von ihm gehen darüber hinaus alle Gnaden und Gaben aus, deren größte das ewige Leben in Gemeinschaft mit den göttlichen Personen ist: In ihm haben wir durch den Sohn Zugang zum Vater.

Der Geist ist „Herr“ und „Geist Gottes“. Das sind Namen, die in der Heiligen Schrift nur Gott zukommen, denn er ist mit dem Vater und dem Sohn der eine Gott. Er ist „Geist der Wahrheit“, weil er uns alles, was Christus geoffenbart hat, vollständig lehrt und weil er die Kirche leitet und in der Wahrheit hält (vgl. Joh 15,26; 16,13-14). Er ist der von Christus versprochene „andere“ Tröster ( Parakletos). Der erste ist Christus selbst (der griechische Text der Heiligen Schrift spricht von einem „anderen“, nicht von einem „verschiedenen“ Tröster, um die Zusammengehörigkeit von Christus und dem Geist anzudeuten).

Im Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel heißt es „Et in Spiritum Sanctum, Dominum et vivificantem: qui ex Patre [Filioque] procedit. Qui cum Patre et Filio simul adoratur, et conglorificatur: qui locutus est per Prophetas “. In diesem Satz wollten die Väter des Konzils von Konstantinopel (381) einige biblische Bezeichnungen des Heiligen Geistes verwenden. Der Ausdruck „Lebensspender“ bezieht sich auf die Gabe des göttlichen Lebens an die Menschen. Da der Geist „Herr ist und lebendig macht“, ist er Gott zusammen mit dem Vater und dem Sohn und erfährt daher dieselbe Anbetung wie die beiden anderen Personen. Am Ende wollten die Väter auch die Sendung zum Ausdruck bringen, die der Heilige Geist unter den Menschen vollbringt: „der gesprochen hat durch die Propheten“. Die Propheten haben, vom Heiligen Geist bewegt, im Namen Gottes gesprochen, um sein Volk zur Umkehr zu bewegen. Das Offenbarungswirken des Geistes in den Prophezeiungen des Alten Testaments findet seine Fülle im Mysterium Jesu Christi, des endgültigen Wortes Gottes.

Es gibt viele Sinnbilder für den Heiligen Geist: »das lebendige Wasser , das aus dem durchbohrten Herzen Christi quillt und den Durst der Getauften stillt; die Salbung mit Öl, die das sakramentale Zeichen der Firmung ist; das Feuer, das alles verwandelt, was es berührt; die dunkle oder lichte Wolke, in der sich die göttliche Herrlichkeit offenbart; die Handauflegung, durch die der Geist gespendet wird; die Taube, die bei der Taufe auf Christus herabkommt und auf ihm bleibt« ( Kompendium, 139).

1.2. Die Sendung des Heiligen Geistes

Die dritte Person der Heiligsten Dreifaltigkeit wirkt vom Anfang des Heilsratschlusses an bis zu seiner Vollendung mit dem Vater und dem Sohn zusammen. Aber in den „letzten Zeiten“, die mit der Menschwerdung des Sohnes eingesetzt haben, hat sich der Geist geoffenbart und wurde er uns gegeben; er wurde als Person erkannt und angenommen (vgl. KKK, 686). Durch das Wirken des Heiligen Geistes hat der Sohn Gottes im reinsten Schoß der Jungfrau Maria Fleisch angenommen. Der Geist salbte ihn, weshalb Jesus vom Beginn seines Menschseins an, also ab dem Augenblick seiner Inkarnation (vgl. Lk 1,35), der Messias ist. Jesus Christus offenbart den Geist durch seine Lehre und erfüllt so die an die Patriarchen ergangene Verheißung (vgl. Lk 4,18f). Er teilt ihn der werdenden Kirche mit, indem er nach seiner Auferstehung die Apostel anhaucht (vgl. Kompendium, 143). Zu Pfingsten wurde der Heilige Geist gesandt, um von da an in der Kirche, dem mystischen Leib Christi, zu bleiben und sie mit seinen Gaben und seiner Gegenwart zu beleben und zu leiten. Darum sagt man auch, dass die Kirche der Tempel des Heiligen Geistes und dass der Heilige Geist gleichsam die Seele der Kirche ist.

Am Pfingsttag kam der Heilige Geist auf die Apostel und die ersten Jünger herab und bekundete durch äußere Zeichen die Belebung der von Christus gestifteten Kirche. „Die Sendung Christi und des Geistes wird zur Sendung der Kirche. Diese Sendung besteht darin, das Mysterium der Gemeinschaft der Dreifaltigkeit zu verkünden und auszubreiten“ ( Kompendium, 144). Der Geist führt die Welt in die „letzten Zeiten“ ein, in die Zeit der Kirche.

Die Beseelung der Kirche durch den Heiligen Geist stellt sicher, dass alles, was Christus zeit seines Lebens bis zur Himmelfahrt auf Erden gelehrt hat, tiefer erfasst und allzeit ohne Verkürzung lebendig bewahrt wird i. Außerdem heiligt der Geist die Gläubigen durch die Feier und Spendung der Sakramente, so dass sie immer weiter die Seelen zu Gott führt ii.

»In der untrennbaren Dreifaltigkeit sind der Sohn und der Heilige Geist zwar voneinander verschieden, aber nicht voneinander getrennt. Vom Anfang bis zum Ende der Zeit sendet nämlich der Vater, wenn er seinen Sohn sendet, auch seinen Geist, der uns im Glauben mit Christus vereint, damit wir als Kinder angenommen werden und zu Gott „Vater“ sagen können ( Röm 8,15). Der Geist ist unsichtbar, aber wir erkennen ihn durch sein Handeln, wenn er uns das Wort offenbart und wenn er in der Kirche wirkt« ( Kompendium, 137).

1.3. Wie wirken Christus und der Heilige Geist in der Kirche?

Durch die Sakramente teilt Christus den Gliedern seines mystischen Leibes seinen Geist mit und bietet ihnen die Gnade Gottes an, die geistliche Früchte des neuen Lebens hervorbringt. Der Geist gewährt außerdem einzelnen Christen zum Wohl der ganzen Kirche besondere Gaben. Er ist der Lehrer, der alle Christen an das erinnert, was Christus offenbart hat (vgl. Joh 14,26).

»Der Geist erbaut, beseelt und heiligt die Kirche. Als Geist der Liebe gibt er den Getauften die durch die Sünde verlorene Ähnlichkeit mit Gott zurück und lässt sie in Christus aus dem Leben der Heiligsten Dreifaltigkeit leben. Er sendet sie, die Wahrheit Christi zu bezeugen. Er stimmt sie in ihren wechselseitigen Aufgaben aufeinander ab, damit alle „die Frucht des Geistes“ ( Gal 5,22) bringen« (Kompendium, 145).

2. Ich glaube (…) die heilige katholische Kirche

2.1. Die Offenbarung der Kirche

Die Kirche ist ein Mysterium (vgl. z.B. Röm 16,25-27). Sie ist eine Wirklichkeit, in der Gott und Menschen einander begegnen und in Gemeinschaft treten. Die Bezeichnung „Kirche“ geht auf das griechische Wort „ekklesía“ zurück, was soviel wie Versammlung der Berufenen bedeutet. Im Alten Testament wurde dieser Ausdruck verwendet, um „Qahal Yahweh“ zu übersetzen, das heißt die von Gott zusammengerufene Versammlung, die ihn ehren und ihm den geschuldeten Kult erweisen soll. Beispiele dazu sind die Versammlung am Sinai und die Reformversammlung unter König Josias zum Lob Gottes und zur Erneuerung des Gesetzes. Im Neuen Testament hat das Wort – vom Alten Bund ausgehend – mehrere Bedeutungen, bezeichnet aber insbesondere das Volk, das Gott von allen Enden der Erde zusammenruft und vereint, um die Gemeinschaft derer zu bilden, die durch den Glauben und die Taufe Kinder Gottes, Glieder Christi und Tempel des Heiligen Geistes geworden sind (vgl. KKK, 777; Kompendium, 147).

In der Heiligen Schrift hat die Kirche verschiedene Namen, von denen jeder bestimmte Aspekte des Mysteriums der Gemeinschaft Gottes mit den Menschen besonders unterstreicht. „Volk Gottes“ ist der Titel, den Israel erhalten hatte. Auf die Kirche als das neue Israel angewandt, besagt er, dass Gott die Menschen nicht einzeln erlösen will, sondern sie zu einem Volk macht, das durch die Einheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes versammelt wird, um ihn in Wahrheit zu erkennen und ihm in Heiligkeit zu dienen iii. Er bedeutet auch, dass die Kirche von Gott erwählt wurde und dass sie eine sichtbare Gemeinschaft bildet, die unter den Nationen unterwegs ist zur ewigen Heimat. In diesem Volk haben alle die gleiche Würde von Kindern Gottes, haben eine gemeinsame Sendung (Salz der Erde zu sein) und ein gemeinsames Ziel (das Reich Gottes). Alle haben Anteil an den drei Funktionen Christi, seinem Königs-, Propheten- und Priesteramt (vgl. KKK, 782-786).

Wenn wir sagen, dass die Kirche der „Leib Christi“ ist, dann wird damit ausgedrückt, dass Christus durch die Sendung des Heiligen Geistes die Gläubigen aufs engste an sich bindet, besonders durch die Eucharistie, dass er sie durch den Heiligen Geist seiner Person eingliedert und dass sie, miteinander verbunden, in der Liebe wachsen, so dass sie bei Verschiedenheit der Glieder und der Aufgaben einen einzigen Leib bilden. Das bedeutet auch, dass von der Gesundheit oder Krankheit eines Gliedes der ganze Körper betroffen ist (vgl. 1 Kor 12,1-24) und dass die Gläubigen als Glieder Christi seine Werkzeuge in der Welt sind (vgl. KKK, 787-795). Die Kirche wird auch „Braut Christi“ genannt (vgl. Eph 5,26 ff.), wodurch neben ihrer Einheit mit Christus die Verschiedenheit der beiden Subjekte betont wird. Es kommt dadurch auch die Endgültigkeit von Gottes Bund mit den Menschen zum Ausdruck, weil Gott seinen Verheißungen treu ist und die Kirche seine Treue erwidert als die fruchtbare Mutter aller Kinder Gottes.

Die Kirche ist auch der „Tempel des Heiligen Geistes“, denn der Geist lebt im Leib der Kirche und baut sie auf in der Liebe durch das Wort Gottes, die Sakramente, die Tugenden und die Charismen iv. Da der wahre Tempel des Heiligen Geistes Christus war (vgl. Joh 2,19-22), zeigt dieses Bild auch, dass jeder Christ Kirche und Tempel des Heiligen Geistes ist. Die Charismen sind Gaben, die der Geist dem Einzelnen zum Wohl für die Menschen, die Bedürfnisse der Welt und besonders den Aufbau der Kirche gewährt. Den Hirten kommt es zu, die Charismen zu unterscheiden und zu bewerten (vgl. 1 Thess 5,20-22; Kompendium, 160).

»Die Kirche findet ihren Ursprung und ihre Vollendung im ewigen Ratschluss Gottes. Sie wurde im Alten Bund vorbereitet mit der Erwählung Israels, Zeichen der zukünftigen Vereinigung aller Nationen. Sie wurde durch die Worte und Taten Jesu Christi gegründet und vor allem durch seinen erlösenden Tod und seine Auferstehung verwirklicht. Sie wurde dann durch die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten als Heilsmysterium offenbart. Sie wird am Ende der Zeiten als himmlische Versammlung aller Erlösten vollendet werden« ( Kompendium, 149; vgl. KKK, 778).

Wenn Gott seinen Heilsratschluss, der für immer besteht, offenbart, dann zeigt er auch, wie er ihn durchführen will. Er hat seine Absicht nicht durch eine einzige Tat vollzogen, sondern die Menschheit zuerst auf die Annahme der Erlösung vorbereitet. Erst später hat er sich in Christus ganz geoffenbart. Dieses Heilsangebot der Gemeinschaft mit Gott und der Einheit des Menschengeschlechts erging endgültig durch die Gabe des Heiligen Geistes, der in die Herzen der Gläubigen ausgegossen wurde und sie in eine persönliche und fortdauernde Verbindung mit Christus versetzt hat. Als Kinder Gottes in Christus sind wir Brüder und Schwestern der anderen Kinder Gottes. Es gibt keine andere Brüderlichkeit oder Gemeinschaft des Menschengeschlechts als jene, die auf der gemeinsamen Gotteskindschaft beruht, die uns vom Vater in Christus angeboten wird. Es gibt keine Brüderlichkeit ohne einen gemeinsamen Vater, zu dem wir im Heiligen Geist Zugang haben.

Die Kirche wurde nicht von Menschen gegründet. Sie ist auch nicht die edle menschliche Antwort auf die Erfahrung der Erlösung durch Gott in Christus. In den Mysterien des Lebens des vom Geist Gesalbten haben sich die Verheißungen des Gesetzes und der Propheten erfüllt. Man kann sagen, dass die Gründung der Kirche mit dem Leben Jesu zusammenfällt. Die Kirche nimmt Gestalt an im Zuge seiner Sendung zu den Menschen und für die Menschen. Es ist nicht ein konkreter einziger Augenblick, in dem Christus die Kirche stiftet; er hat sie vielmehr durch sein ganzes Leben gegründet, von der Inkarnation angefangen bis zu seinem Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt und zur Sendung des Trösters. Im Lauf seines Lebens hat Christus – in dem der Geist wohnte – gezeigt, wie die Kirche sein sollte, in dem er nach und nach konkrete Bestimmungen traf. Nach der Himmelfahrt wurde der Kirche der Geist gesandt, der in ihr bleibt und sie mit der Sendung Christi verbindet. Er erinnert sie an alles, was der Herr offenbart hat und führt sie durch die Geschichte der Vollendung entgegen. Er ist die Ursache der Gegenwart Christi in seiner Kirche durch die Sakramente und das Wort und stattet sie unentwegt mit verschiedenen hierarchischen und charismatischen Gaben aus v. Durch seine Gegenwart erfüllt sich die Verheißung des Herrn, alle Tage bei uns zu bleiben bis zum Ende der Zeit (vgl. Mt 28,20).

Das II. Vatikanische Konzil hat zur Bezeichnung der Kirche den alten Ausdruck communio (Gemeinschaft) neu verwendet. Damit kommt zum Ausdruck, dass die Kirche die Ausdehnung der innersten Gemeinschaft der Heiligsten Dreifaltigkeit auf die Menschen ist; und dass sie hier auf Erden schon in dieser Gemeinschaft mit der göttlichen Dreieinigkeit besteht, auch wenn diese noch nicht in Fülle gegeben ist. Die Kirche ist außerdem Zeichen und Werkzeug dieser Gemeinschaft für alle Menschen. Durch sie haben wir teil am innersten Leben Gottes und gehören als Söhne im Sohn durch den Geist zur Familie Gottes vi. Das geschieht auf besondere Weise in den Sakramenten, zumal in der Eucharistie, die auch oft communio genannt wird (vgl. 1 Kor 10,16). Schließlich wird sie auch deshalb so genannt, weil sie den Raum für das christliche Gebet bestimmt und festlegt (vgl. KKK, 2655, 2672, 2790).

2.2. Die Sendung der Kirche

Die Kirche hat unter allen Völkern das von Christus eröffnete Reich Gottes zu verkünden und zu errichten. Sie ist auf Erden Keim und Anfang dieses Reiches. Nach seiner Auferstehung hat der Herr die Apostel ausgesandt, um das Evangelium zu predigen, zu taufen und die Menschen alles halten zu lehren, was er geboten hatte (vgl. Mt 28,18 ff). Der Herr hat seiner Kirche die Sendung übertragen, die ihm der Vater anvertraut hatte (vgl. Joh 20,21). Diese Sendung wurde vom Anfang der Kirche an von allen Christen wahrgenommen (vgl. Apg 8,4; 11,19), die in der Erfüllung dieses Auftrags nicht selten das eigene Leben geopfert haben. Der Missionsbefehl des Herrn hat seinen Ursprung in der ewigen Liebe Gottes, der seinen Sohn und seinen Geist sendet, weil „er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ ( 1 Tim 2,4).

Dieser Missionsauftrag umfasst die drei Funktionen der Kirche auf Erden: das munus propheticum (Verkündigung der Frohbotschaft vom Heil in Christus), das munus sacerdotale (tatsächliche Vergegenwärtigung und Ausspendung des erlösenden Lebens Christi durch die Sakramente) und das munus regale (Unterstützung der Christen bei ihrer Sendung und beim Wachstum in der Heiligkeit). Auch wenn alle Gläubigen dieselbe Sendung vollziehen, kommt dabei nicht allen dieselbe Rolle zu. Einige von ihnen werden – wie die Apostel und ihre Nachfolger – vom Herrn zur Durchführung bestimmter Aufgaben erwählt und durch das Weihesakrament Christus als dem Haupt der Kirche auf besondere, von den anderen verschiedene Weise gleichgestaltet.

Da die Kirche auf Erden von Gott den Heilsauftrag für die Menschen erhalten hat und von ihm für dessen Erfüllung ausgerüstet wurde, sagt man, sie sei das universale Heilssakrament, das die Verherrlichung Gottes und die Rettung der Menschen zum Ziel hat (vgl. KKK, 775). Sie ist universales Heilssakrament, insofern sie Zeichen und Werkzeug der Versöhnung und Gemeinschaft der Menschen mit Gott und der Einheit der ganzen Menschheit ist vii. Man sagt auch, dass die Kirche ein Mysterium ist, weil in ihrer sichtbaren Struktur eine geistige und göttliche Wirklichkeit gegenwärtig und tätig ist, die nur mit den Augen des Glaubens erfasst wird.

„Außerhalb der Kirche kein Heil“. Dieser Satz bedeutet, dass alles Heil von Christus kommt, dem Haupt der Kirche, die sein Leib ist. Niemand kann gerettet werden, der erkennt, dass die Kirche von Christus zum Heil der Menschen gestiftet ist, sie aber zurückweist oder in ihr nicht ausharrt. Andererseits können alle durch Christus und seine Kirche das ewige Heil erlangen, die ohne eigene Schuld sein Evangelium und seine Kirche nicht kennen, aber Gott ernsthaft suchen und unter Einwirkung der Gnade bemüht sind, den im Gewissen erkannten Willen Gottes zu erfüllen. Alles, was sich an Gutem und Wahrem in anderen Religionen findet, kommt von Gott, kann Vorbereitung für die Annahme des Evangeliums sein und zur Einheit der Menschheit in der Kirche Christi hinführen (vgl. Kompendium, 170 ff).

2.3. Die Eigenschaften der Kirche: die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche

Die sogenannten Eigenschaften der Kirche sind die sie unterscheidenden Elemente. Wir finden sie in vielen, bis in die älteste Zeit zurückreichenden Glaubensbekenntnissen. Alle diese Eigenschaften sind Gabe Gottes, die für die Christen zugleich Aufgabe ist.

Die Kirche ist eine, weil ihr Ursprung und Urbild die Heiligste Dreifaltigkeit ist; weil Christus, ihr Stifter, die Einheit aller in einem einzigen Leib herstellt; weil der Heilige Geist die Gläubigen mit Christus, ihrem Haupt, vereinigt. Diese Einheit äußert sich darin, dass die Gläubigen denselben Glauben bekennen, dieselben Sakramente feiern, unter derselben Hierarchie vereint sind, eine gemeinsame Hoffnung und dieselbe Liebe haben. Die Kirche „subsistiert“ in der katholischen Kirche, die in der Welt als Gesellschaft verfasst ist und vom Nachfolger Petri und den mit ihm verbundenen Bischöfen geleitet wird viii. Nur in ihr hat man Zugang zur Fülle der Heilsmittel, weil der Herr die Güter des Neuen Bundes dem Apostelkollegium anvertraut hat, dessen Haupt Petrus ist. In den nicht katholischen Kirchen und christlichen Gemeinschaften gibt es viele Güter der Heiligung und der Wahrheit, die von Christus kommen und zur katholischen Einheit hindrängen. Der Heilige Geist bedient sich ihrer als Werkzeuge des Heils, denn ihre Kraft kommt aus der Fülle der Gnade und Wahrheit, die Christus der katholischen Kirche verliehen hat (vgl. KKK, 819). Die Glieder dieser Kirchen und Gemeinschaften werden Christus durch die Taufe eingegliedert, weshalb wir sie als Brüder anerkennen. Wachstum in der Einheit ist möglich, wenn wir Christus näherkommen und den anderen Christen dazu verhelfen; wenn wir im Wesentlichen die Einheit, im Nebensächlichen die Freiheit und in allem die Liebe fördernix; wenn wir das Haus Gottes für die anderen wohnlicher gestalten; wenn wir in Ehrfurcht und Achtung gegenüber dem Papst und der Hierarchie wachsen, indem wir sie unterstützen und ihren Lehren folgen.

Die ökumenische Bewegung ist eine kirchliche Aufgabe, die die Wiederherstellung der Einheit aller Christen in der einen, durch Christus gestifteten Kirche anstrebt (vgl. Joh 17,21). Das geschieht durch Gebet, Bekehrung der Herzen, gegenseitiges brüderliches Kennenlernen und theologischen Dialog.

Die Kirche ist heilig, weil Gott ihr Urheber ist, weil Christus sich für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen und ihr Heilsmacht zu geben, weil der Heilige Geist sie mit der Liebe belebt. Da sie die Fülle der Heilsmittel besitzt, ist jedes ihrer Glieder zur Heiligkeit berufen und ist Heiligkeit das Ziel ihres Wirkens. Sie ist heilig, weil sie auf Erden ständig Früchte der Heiligkeit hervorbringt, weil ihre Heiligkeit der Quell der Heiligung ihrer Kinder ist, obwohl sich diese auf Erden alle als Sünder wissen, die der Bekehrung und Reinigung bedürfen. Die Kirche ist heilig auch dank der Heiligkeit jener ihrer Glieder, die schon im Himmel sind, darunter insbesondere die allerseligste Jungfrau Maria. Diese sind ihre Vorbilder und Fürsprecher (vgl. KKK, 823-829). Die Kirche kann heiliger werden durch den Einsatz ihrer Gläubigen: die persönliche Bekehrung, den asketischen Kampf, um Christus ähnlicher zu werden, die Reform, die zur besseren Erfüllung ihrer Sendung und zur Vermeidung der Routine führt, die Reinigung des Gedächtnisses zur Überwindung falscher Vorurteile, und die konkrete Befolgung des Willens Gottes in der Liebe.

Die Kirche ist katholisch – das heißt allgemein –, weil Christus in ihr lebt, weil sie alle Heilsmittel bewahrt und verwaltet, die er ihr verliehen hat, weil ihre Sendung der gesamten Menschheit gilt, weil sie den Schatz der Erlösung erhalten hat, den sie unversehrt weitergibt, und weil sie die Fähigkeit hat, sich jeder Kultur einzufügen, sie zu erheben und zu verbessern (Inkulturation). Die Katholizität wächst extensiv und intensiv durch die Ausweitung der Sendung der Kirche. Jede Teilkirche, also jede portio des Volkes Gottes ist katholisch, wenn sie im Glauben und in den Sakramenten mit ihrem in der apostolischen Sukzession stehenden Bischof geeint, nach dem Bild der Gesamtkirche geformt ist (die ihr ontologisch und chronologisch vorausgeht) und mit ihr Gemeinschaft hält.

Da die Sendung der Kirche die ganze Menschheit umfasst, gehören die Menschen ihr entweder an oder sind wenigstens auf verschiedene Weise auf die katholische Einheit des Volkes Gottes hingeordnet. Voll der Kirche eingegliedert ist, wer den Geist Christi hat und mit ihr durch die Bande des Glaubens und der Sakramente, der kirchlichen Leitung und der Gemeinschaft verbunden ist. Die Katholiken, die nicht in der Liebe ausharren, sind zwar der Kirche eingegliedert, gehören ihr aber nur dem Leibe, nicht jedoch dem Herzen nach an. Die Getauften, die nicht in der vollen katholischen Einheit leben, stehen in einer gewissen, wenngleich unvollkommenen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche (vgl. Kompendium, 168).

Die Kirche ist apostolisch, weil Christus sie auf die Apostel als die auserwählten Zeugen seiner Auferstehung und das Fundament seiner Kirche gegründet hat; weil sie mit dem Beistand des Heiligen Geistes den von den Aposteln empfangenen Glaubensschatz treu lehrt, bewahrt und weitergibt. Sie ist auch apostolisch aufgrund ihrer Struktur, denn bis zur Wiederkunft Christi wird sie unterwiesen, geheiligt und geleitet durch die Apostel und deren Nachfolger, die mit dem Papst verbundenen Bischöfe. Unter apostolischer Sukzession versteht man die Übertragung der Sendung und der Vollmacht der Apostel an ihre Nachfolger durch das Weihesakrament. Dank dieser Übertragung bleibt die Kirche ihrem Ursprung in der Gemeinschaft des Glaubens und des Lebens verbunden, solange sie die Jahrhunderte hindurch ihre apostolische Sendung zur Ausbreitung des Reiches Christi auf Erden vollzieht. Alle Glieder der Kirche haben in verschiedenen Funktionen Anteil an der von den Aposteln überkommenen Sendung, das Evangelium in die ganze Welt hinauszutragen. Die christliche Berufung ist ihrer Natur nach Berufung zum Apostolat (vgl. KKK, 863).

Miguel de Salis Amaral

Grundlegende Literatur:

Über den Heiligen Geist:

  • Katechismus der katholischen Kirche, 683-688; 731-741.
  • Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche, 136-146.
  • Johannes Paul II., Enzyklika Dominum et vivificantem , 18.5.1986, 3-26.
  • Johannes Paul II., Katechese über den Heiligen Geist, August – Dezember 1989.
  • Hl. Josefmaria, Homilie Der große Unbekannte, in Christus begegnen , 127-138.

Empfohlene Literatur:

  • Katechismus der katholischen Kirche, 748-945.
  • Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche, 147-193.
  • Hl. Josefmaria, Homilie Loyal zur Kirche (4.6.1972), in der Schriftenreihe der Karlskirche, Heft 7, Wien 1991.

i Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogm. Konstitution Dei Verbum, 8.

ii Hl. Josefmaria, Homilie Der große Unbekannte, in Christus begegnen , 127 ff.: „Das machtvolle Kommen des Heiligen Geistes am Pfingsttage war kein isoliertes Geschehen. Es gibt kaum eine Seite der Apostelgeschichte, auf der nicht vom Ihm und seinem Wirken gesprochen wird, welches Leben und Wandel der urchristlichen Gemeinde leitet und beseelt (...). Die tiefe Wirklichkeit, die uns diese Texte der Heiligen Schrift erschließen, ist nicht Erinnerung an Vergangenes, nicht ein goldenes Zeitalter der Kirche, das in der Geschichte versunken ist. Diese Wirklichkeit ist trotz der Armseligkeiten und Sünden eines jeden von uns die Wirklichkeit der Kirche heute und zu allen Zeiten“.

iii Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 4 u. 9; Hl. Cyprian, De Orat Dom , 23: PL 4,553.

iv Hl. Johannes Chrysostomus, Sermones panegyrici in solemnitates D. N. Iesu Christi, hom. 1 , De Sancta Pentecoste, 3-4: „Wenn du also Gott den Vater anrufst, bedenke, dass es der Geist gewesen ist, der deine Seele berührt und dir dieses Gebet eingegeben hat. Wenn es den Heiligen Geist nicht gäbe, würde es in der Kirche kein einziges Wort der Weisheit oder des Wissens geben, denn es steht geschrieben: ‚Durch den Geist wird Weisheitsrede gegeben’ ( 1 Kor 12,8). ... Wenn der Heilige Geist nicht anwesend wäre, würde es keine Kirche geben. Wenn es aber Kirche gibt, so ist es sicher, dass der Heilige Geist nicht fehlt“.

v Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 4 u. 12.

vi Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Konst. Gaudium et spes , 22.

vii Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 1.

viii Vgl. Ebd., 8.

ix Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Konst. Gaudium et spes , 92.