Die Drei Österlichen Tage

Die Feier der Erlösung an den drei Österlichen Tagen ist der Höhepunkt des Kirchenjahres. Der Beitrag von Klaus Klein-Schmeink ist ein kurzer Wegweiser durch diese Gottesdienste.

Das Triduum Paschale, die Feier der Erlösung an den drei Österlichen Tagen, ist der Höhepunkt des Kirchenjahres. Das Leiden und Sterben, die Grabesruhe und die Auferstehung werden in der Liturgie feierlich und dramatisch zu gleich begangen. 

Beim Letzten Abendmahle, die Nacht vor seinem Tod 

Die Messe vom Letzen Abendmahl eröffnet das österliche Triduum. Während die Liturgie der Fastenzeit von Schlichtheit geprägt war, beginnt diese Messe mit vollem Orgelspiel und großem, feierlichen Einzug. Das Gloria erklingt. Der Klang der Kirchenglocken und der Altarschellen begleitet diesen Lobgesang auf den dreifaltigen Gott. Die Kirche feiert die Einsetzung der Eucharistie in größter Freude. Doch diese Freude verstummt jäh. Nach dem Gloria schweigt die Orgel, schweigen Glocken und Schellen. Der Verrat durch Judas und die Passion des Herrn künden sich an. 

Seine Erniedrigung am Kreuz und in der Eucharistie nimmt der Herr vorweg in der Fußwaschung, von der das Evangelium an diesem Abend kündet. Nach der Eucharistiefeier wird der Leib des Herrn an einen würdigen Ort in der Kirche getragen. „Bleibet hier und wachet mit mir“, bat der Herr damals seine Jünger. Den Gläubigen wird empfohlen in dieser Nacht vor dem Allerheiligsten zu beten. So begleiten sie Jesus zum Ölgarten, zum Hohenpriester, zu Pilatus. Nicht noch einmal soll der Herr von denen im Stich gelassen oder verleugnet werden, die ihn lieben – wie damals von Petrus und die anderen Apostel. 

Gelitten, gekreuzigt, gestorben und begraben 

Wer am Karfreitag in die Kirche kommt, sieht diese ganz kahl und ohne Schmuck. Auch der Tabernakel ist leer. Die Feier vom Leiden und Sterben Christi beginnt um drei Uhr nachmittags, zu der Stunde, in der Jesus am Kreuz auf Golgota sein Leben hingab. In Stille ziehen der Zelebrant und seine Assistenz ein. Sie legen sich lang ausgestreckt auf den Boden, die Gläubigen knien in Stille. So unfassbar ist das Geschehen am Kreuz. Es zwingt sie alle zu Boden. 

Dann folgen die Lesungen aus dem Buch Jesaja und dem Hebräerbrief als Vorgriff und Erläuterung der Passion Jesu, die mit verteilten Rollen nach dem Evangelium des Johannes vorgelesen oder gesungen wird. Zum Tod Jesu am Kreuz knien alle nieder. Jesus hat sein Leben für alle hingegeben. Für alle wird deshalb in den großen, gesungenen Fürbitten gebetet. 

Seit dem Passionssonntag sind die Kreuze in den Kirchen verhüllt. Nun wird ein Kreuz enthüllt. Mit neuen, geläuterten Augen schauen die Gläubigen auf die Liebe Gottes, die am Kreuz und im Gekreuzigten sichtbar wird. Der Zelebrant singt dreimal: „Seht das Kreuz, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt.“ Dreimal antwortet die Gemeinde, dass es dieses Kreuz verehren will. Einzeln treten der Zelebrant und die Gläubigen vor es hin, beugen ihre Knie und küssen das Kreuz. Am Abend vor seinem Leiden hatte der Herr gesagt, dass er seinen Leib hingeben wird. Gerade darum wird an diesem Karfreitag in der Liturgie die Kommunion ohne Messfeier gereicht. Denn die Ganzhingabe Christi am Kreuz war das erste Heilige Messopfer. 

In Stille endet die Liturgie. Still bleibt es auch am Karsamstag in der Kirche. Totenstill. Kein Gottesdienst wird gefeiert. Die Grabesruhe des Herrn. 

Halleluja, Jesus lebt! 

In das Dunkel des Grabes wird die brennende Osterkerze getragen. Die Feier der Osternacht beginnt nicht vor Einbruch der Dunkelheit. An einem Osterfeuer vor der Kirche wurde die Kerze entzündet. Nun wird ihr Licht an die Gläubigen weitergegeben, die kleine Kerzen in den Händen halten. Nach und nach erhellt ihr warmes Licht das Dunkel der Nacht. Lumen Christi, singt der Diakon. Christus, das Licht, vertreibt die Finsternis des Todes und der Sünde. Im feierlichen Osterlob, dem Exsultet, besingt die Kirche die Osterkerze. Sie ist geschmückt mit einem Kreuz und fünf Nägeln, die die fünf Wunden Jesu versinnbildlichen. Alpha und das Omega bezeichnen Christus als den Anfang und das Ende, die aktuelle Jahreszahl seine Gegenwart in dieser Welt. Durch Jesu Wunden am Kreuz sind alle, die an ihn glauben, ein für allemal erlöst, heute und in Ewigkeit. 

Es schließen sich die Lesungen aus dem Alten Testament an. Sie berichten von den Heilstaten Gottes im Alten Bund, die für das Volk des Neuen Bundes Vorausdeutung und Verheißung des endgültigen Heiles sind. Jetzt erklingt das Gloria und nach der Lesung aus dem Römerbrief, einem Bekenntnis zum Auferstandenen und zur Auferstehung, das Halleluja, das für die vierzig Tage der österlichen Bußzeit verstummt war. Jetzt endlich hat sich die Freude der Kirche wieder Bahn gebrochen: die Orgel, die Glocken und Schellen ertönen wieder. Dreimal steigert sich der Gesang Kirche in die Höhe: Halleluja, Jesus lebt!Dann hört die Gemeinde die Frohe Botschaft vom leeren Grab.  

Wir sind getauft auf Christi Tod 

Dem Wortgottesdienst schließt sich die Tauffeier an. Die Osternacht ist seit jeher die eigentliche Zeit für Taufe und Tauferneuerung: Die Christen sind durch das österliche Geheimnis der Taufe mit Christus begraben worden, damit sie mit ihm auferstehen zum neuen Leben. Eingeleitet wird dieser Teil der Liturgie mit der Anrufung der Heiligen. Sie haben ihre Taufe mit Leben gefüllt, haben Gott und den Nächsten geliebt, wie Christus es vorgelebt hat. Ihr Beispiel gibt den Gläubigen Mut, ihre Fürbitte stärkt ihren Glauben. Mit den Heiligen und Getauften aller Zeiten und aller Orte ist die feiernde Gemeinde in der Gemeinschaft, der Communio der Kirche verbunden. 

Die Eucharistiefeier lädt ein, sich durch den Empfang des Leibes Christi zugleich mit Kirche zu vereinen, die selbst Leib Christi ist. Für die Kirche, das Volk des neuen Bundes betet der Priester stellvertretend am Ende der Osternacht: „Herr, unser Gott, du hast uns durch die österlichen Sakramente gestärkt. Schenke uns den Geist deiner Liebe, damit deine Gemeinde ein Herz und eine Seele wird.“ In dem Maße wie die Gläubigen füreinander einstehen, einander lieben, in dem Maße wird die Kirche missionarisch sein und glaubwürdig Zeugnis ablegen von der versöhnenden und befreienden Botschaft der österlichen Tage.