ZACHARIAS und Elisabeth waren gerecht vor Gott und wandelten untadelig in allen Geboten und Weisungen des Herrn (Lk 1,6). Das Kommen des Messias steht unmittelbar bevor, das Alte Testament findet seine Vollendung, und die Kirche lädt uns ein, über den Glauben dieses priesterlichen Ehepaares nachzudenken. Der heilige Josefmaria pflegte, wie Msgr. Javier Echevarría bezeugt, gerne Umgang mit einzelnen Gestalten des Evangeliums. So sagte er einmal: „Heute morgen habe ich begonnen, alles der heiligen Elisabeth anzuvertrauen, und dann habe ich mit ihrem Sohn Johannes und mit Zacharias geredet; danach mit der Jungfrau Maria, mit dem heiligen Josef und mit Jesus: Denn durch den Umgang mit dem Herrn erweitert sich der Bekanntenkreis – ähnlich wie bei menschlichen Freundschaften.“1
Wir möchten uns auf die baldige Ankunft des Erlösers vorbereiten und aus dem Evangelium lernen, auf Gott zu vertrauen. Denn allzu oft verlassen wir uns lieber auf unsere eigenen Erfahrungen und Sichtweisen. Die Frage des Zacharias, die nach der Ankündigung der Geburt eines Sohnes einen Hauch von Zweifel in sich trägt, klingt uns vertraut: Wie kann ich mir dessen sicher sein? (Lk 1,5). Der Priester suchte Gewissheit, fand jedoch nur das beredte Schweigen Gottes – bis sich schließlich erfüllte, worum er den Herrn so oft gebeten hatte.
Die Botschaft des Engels erfüllte Zacharias mit Furcht. Innerlich hatte er den Traum von Nachwuchs bereits aufgegeben und konnte der Botschaft keinen Glauben schenken. Er hatte seine Zweifel, und er konnte sie gut begründen: Sowohl er als auch seine Frau waren bereits in fortgeschrittenem Alter. Es ist bei uns oft dasselbe: Wir blicken auf uns selbst und glauben, Gottes Pläne könnten an uns scheitern. Wir halten uns für entscheidend und unentbehrlich, und die Angst blockiert uns. Papst Benedikt lädt uns ein, diese Denkweise zu hinterfragen, wenn er sagt: „In einer Welt, in der wir Gefahr laufen, nur auf Effizienz und die Kraft der menschlichen Mittel zu vertrauen, in dieser Welt sind wir aufgerufen, die Macht Gottes wiederzuentdecken und zu bezeugen, die im Gebet vermittelt wird.“2 Das heutige Evangelium fordert uns auf, Gott zu vertrauen. Trotz seiner Zweifel erfüllte Zacharias Freude, als er die Ankündigung Gabriels hörte: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört worden (Lk 1,13).
IN DEN MONATEN des auferlegten Schweigens dürfte Zacharias vieles erkannt und gelernt haben. Es war offensichtlich, dass er eine außergewöhnliche Erscheinung gehabt hatte. Obwohl er nicht sprechen konnte, verriet sein Gesicht mehr, als Worte es je hätten ausdrücken können: Es strahlte eine neue Ausdruckskraft aus. Sicherlich widmete er nun viele Tage dem Gebet; die Stille ermöglichte ihm eine besondere Nähe zu Gott. Als seine Stimme schließlich zurückkehrte, spiegelten seine Worte wider, wie sehr ihm diese Phase geholfen hatte, sich auf die Ankunft seines Sohnes, des Vorläufers, und seines Neffen, des erwarteten Messias, vorzubereiten: In diesem Augenblick erlangte er seine Sprache wieder, seine Zunge wurde frei, und er sprach und lobte Gott (Lk 1,64). Zacharias war überglücklich.
In diesen Wochen entdeckte er auch den Wert vieler einfacher Gesten, die bei Sprachlosigkeit an Bedeutung gewinnen: ein Augenzwinkern, eine Liebkosung, ein Lächeln. Elisabeth verstand, was er ihr sagen wollte. Es genügte, dass sie einander ansahen, um sich darüber einig zu werden, was Gott in ihrem Leben gewirkt hatte. Gemeinsam genossen sie in dieser Stille das Geschenk des Herrn. Gott hatte sich ihnen offenbart, und es bedurfte keiner weiteren Worte – es war ein Moment, den sie in Dankbarkeit auskosteten und der Raum für Hoffnung und Träume ließ.
Und es kam eine Furcht über alle ihre Nachbarn, und dies wurde im ganzen Bergland von Judäa erzählt; und viele, die es hörten, nahmen es in ihrem Herzen auf und sagten: Was soll denn dieses Kind sein? Denn die Hand des Herrn war mit ihm (Lk 1,65-66). Die Geschichte des Zacharias zeigt uns, dass wir mehr über Gottes Pläne erfahren können, wenn wir mit offenem Herzen auf die Menschen und Ereignisse um uns herum achten. Vielleicht erkennen wir so wenig, weil wir zu oft nur auf uns selbst hören. Papst Franziskus mahnt: „Man muss lernen, dem Geheimnis Gottes zu vertrauen, vor ihm zu schweigen und in Demut und Stille sein Werk zu betrachten – ein Werk, das sich in der Geschichte offenbart und das so oft unsere Vorstellungskraft übersteigt.“3 Wenn wir wie Zacharias und Elisabeth still werden und auf Gott hören, werden wir mit großer Freude entdecken, dass Gott uns segnet, gerade in den Momenten, in denen wir es am wenigsten erwarten.
ZU LIEBEN und geliebt zu werden bedeutet oft, dem anderen die Freiheit zu schenken, sich auf seine Weise auszudrücken. Wahre Liebe schreibt nicht vor, wie Zuneigung gezeigt werden soll, sondern lässt Raum für das, was der andere geben möchte. Ähnlich verhält es sich in unserer Beziehung zu Gott: Wir lassen uns gerne von ihm überraschen. Seine Gnade ist nicht vorhersehbar, sondern frei und voller Kreativität. Zacharias erlebte, wie wunderbar Gottes Initiative ist. Er erkannte, dass Vertrauen immer belohnt wird und dass Gott uns stets nahe ist – auch dann, wenn es nicht so scheint. Der heilige Josefmaria brachte dieses Vertrauen in Jesus mit einfachen Worten zum Ausdruck: „Vertrau mir nicht ... Ich aber vertraue dir, Jesus ... Ich gebe mich in deine Arme: Dort lasse ich, was ich habe, mein Elend!“4
Während wir unsere Herzen auf die Ankunft des Jesuskindes vorbereiten, können wir Zacharias um seinen Glauben, seine Hoffnung und seine Geduld bitten. Groß war sein Glaube, als er jahrelang für ein Wunder betete, das schließlich geschah, als alle Hoffnung bereits verloren schien. Groß war seine Hoffnung, als er vom Messias träumte und von der Rettung, die dieser Israel bringen würde. Und groß war seine Geduld, als er lernte, seine Sicherheit allein in Gott zu suchen.
Liebe bedeutet immer Risiko, denn sie ist nicht garantierbar– sie hängt vom Willen des anderen ab. Deshalb bitten wir diesen heiligen Mann, uns in Zeiten der Unruhe beizustehen, wenn wir unsere ganze Sicherheit in Gott finden müssen. Denn Gott ist unser Halt. Die heilige Teresa fasste diese Wahrheit eindringlich zusammen: „Vertraut auf die Güte dessen, der seine Freunde nie im Stich gelassen hat.“5
Papst Franziskus erinnerte in einer Weihnachtspredigt an die Worte Gottes: „Dieses Fürchtet euch nicht erklingt im Evangelium mehrfach: Es scheint der Refrain Gottes zu sein, der den Menschen sucht. Denn der Mensch hat sich von Anfang an, auch wegen der Sünde, vor Gott gefürchtet: Ich fürchtete mich (...) und verbarg mich (Gen 3,10), sagt Adam, nachdem er gesündigt hat. Bethlehem ist das Heilmittel gegen die Angst, denn trotz des ,Neins‘ der Menschen sagt Gott dort immer ,Ja‘: Er wird für immer Gott mit uns sein. Und damit uns seine Anwesenheit keine Angst einflößt, wird er zu einem zarten Kind.“6 Wir wenden uns an die Gottesmutter und bitten sie, uns zu lehren, dem Herrn zu vertrauen – seiner Güte, seiner Liebe und seiner Vorsehung. Mögen wir uns von ihm führen lassen, ohne ihn kontrollieren zu wollen, und uns von seinen liebevollen Überraschungen immer wieder neu beschenken lassen.
1 Javier Echevarría, Memoria del Beato Josemaría Escrivá, Rialp, Madrid, 2000, S. 259 (in deutscher Sprache bisher nicht erhältlich)
2 Benedikt XVI., Audienz, 13.6.2012.
3 Franziskus, Angelus-Gebet, 24.6.2018.
4 Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 113.
5 Hl. Teresa von Jesus, Buch des Lebens, 11, 4.
6 Franziskus, Predigt, 24.12.2018.