Betrachtungstext: 1. Adventwoche – Mittwoch

Durch sein erstes Kommen beweist der Herr seine Liebe zu uns – Jesus kommt weiterhin zu uns, vor allem in der Eucharistie – Die Kommunion mit Liebe vorbereiten

„KOMM, HERR, und säume nicht.“1 Das Gebet der Kirche ist in diesen Tagen von der Sehnsucht nach dem Kommen Christi, des erwarteten Messias, unseres Erlösers, erfüllt. Der Herr wird kommen, um sein Volk zu retten; selig sind jene, die bereit sind, ihm entgegen zu gehen (vgl. Sach 14,5). Viele Jahrhunderte lang harrten die Menschen auf die Ankunft des Erlösers. Nun, da wir das Geheimnis seiner Geburt so nahe sehen, wollen wir diese Erwartung und Hoffnung mit derselben inneren Hingabe leben, um dem Herrn voller Freude zu begegnen.

Mit der Menschwerdung seines eingeborenen Sohnes offenbarte Gott seine unendliche Liebe zu uns. Der heilige Augustinus fasste es treffend zusammen: „Was ist der Grund des Kommens des Herrn, wenn nicht, seine Liebe zu uns zu zeigen?“2 Es war die Liebe eines Vaters, der uns zu seinen Kindern machen wollte, wie es der Apostel Paulus ausdrückt: damit wir die Sohnschaft erlangen (Gal 4,5).

Jesus kam in diese Welt, um uns mit seinen Gnaden reich zu beschenken. Der heilige Johannes Chrysostomos verdeutlichte dies auf poetische Weise, indem er Jesus sprechen lässt: „Für alles, was ich gebe, verlange ich keinen Lohn. Im Gegenteil, ich mache mich zu deinem Schuldner, wenn du nur mein Eigentum nutzen willst. Gibt es eine Großmut, die dieser gleich käme? Ich bin Vater, Bruder, Bräutigam, Familie, Nahrung, Gewand, Wurzel, Baugrund – alles, was du brauchst, bin ich. Es fehlt dir an nichts. Ich bin auch dein Diener, denn ich bin gekommen, um zu dienen, nicht um mich bedienen zu lassen (Mt 20,28). Ebenso bin ich Freund, Glied, Haupt, Bruder, Schwester, Mutter – ich bin alles für dich, wenn du mir nur vertraust. Deinetwegen bin ich arm, ohne Heimat, gekreuzigt und begraben worden. Im Himmel bin ich dein Anwalt beim Vater, auf Erden sein Gesandter an dich. Du bist für mich alles: Bruder, Miterbe, Freund, Glied. Was willst du noch mehr?“3

Das ganze Leben Jesu ist ein lebendiges Zeugnis dieser grenzenlosen Liebe und Hingabe für uns. Jene, die ihm nahe kamen, konnten dies unmittelbar spüren. Das heutige Evangelium zeigt uns ein Beispiel seines Erbarmens: Jesus zog von dort weiter und kam an den See von Galiläa. Er stieg auf einen Berg und setzte sich. Da kamen viele Menschen zu ihm und brachten Lahme, Blinde, Verkrüppelte, Stumme und viele andere Kranke; sie legten sie ihm zu Füßen und er heilte sie (Mt 15,29-30). Keines unserer Bedürfnisse ist ihm egal. Unsere Freuden und Sorgen, selbst die kleinsten, bewegen sein Herz, uns entgegenzukommen.


DIE MENSCHEN fühlten sich so wohl bei Jesus, dass sie kaum merkten, wie schnell die drei Tage vergingen, die sie schon in seiner Nähe verbracht hatten. Der Herr aber sah ihre Not und bekannte: Ich habe Mitleid mit diesen Menschen; sie sind schon drei Tage bei mir und haben nichts mehr zu essen. Ich will sie nicht hungrig wegschicken, sonst brechen sie auf dem Weg zusammen (Mt 15,32). Jesu Liebe zeigt sich nicht nur in der Sorge um die großen Herausforderungen des Lebens, sondern auch in seinem Mitgefühl für die alltäglichen Bedürfnisse der Menschen; seine Lehre ist nicht nur inspirierend, sondern entspringt einer Nähe, die die Nöte jedes Einzelnen wahrnimmt.

Die Sorge Jesu ist kreativ und vorausschauend. Er denkt an die Schwierigkeiten, die die Menschen auf ihrem Heimweg erwarten könnten. Es genügt ihm nicht, sie drei Tage lang umsorgt zu haben – er möchte sicherstellen, dass sie gestärkt und voller Hoffnung aufbrechen können. Seine Sorge wird zur Tat: Mit seiner göttlichen Macht vermehrt er die wenigen Brote und Fische, die vorhanden sind, und fordert seine Jünger auf, sie an die Menge auszuteilen (vgl. Mt 15,35-37). So stillt der Herr nicht nur ihren Hunger, sondern bewahrt sie auch davor, unterwegs zu straucheln.

Heute, wie damals, rühren Jesus unsere Nöte, und er hilft uns, sie zu beheben. Er möchte nicht, dass wir straucheln, auch nicht mangels geistlicher Nahrung. Damals setzte er sich auf den Berg, um die Menschen zu empfangen, die zu ihm kamen, und schenkte ihnen Brot für ihren Leib. Heute erwartet er uns im eucharistischen Brot, um uns Nahrung für unsere Seele zu geben. Suchen wir ihn auf, um ihm unsere Bedürfnisse, Freuden und Hoffnungen anzuvertrauen. Wir werden uns zärtlich geliebt fühlen, und die Zeit in seiner Nähe wird wie im Flug vergehen.


UND ALLE aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrig gebliebenen Stücke ein, sieben Körbe voll (Mt 15,37), berichtet das Evangelium und hält fest, dass über viertausend Menschen gespeist wurden. Diese überfließende Großzügigkeit des Herrn kann uns inspirieren, uns in dieser Adventszeit gut auf die Gnaden vorzubereiten, die er uns schenken möchte. „Komm, Herr,“ sagen wir zu ihm, „unser Herz erwartet dich. Komm, fülle unsere Leere mit dir, bis wir überfließen.“

Auch die erste Lesung der Messe spricht von einem Mahl. Es ist die Verheißung eines geheimnisvollen Banketts, das Gott für alle Menschen bereiten wird: Der Herr der Heerscharen wird auf diesem Berg für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, (...) Er hat den Tod für immer verschlungen und Gott, der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen und die Schande seines Volkes entfernt er von der ganzen Erde, (...). An jenem Tag wird man sagen: Siehe, das ist unser Gott, auf ihn haben wir gehofft, dass er uns rettet. Das ist der Herr, auf ihn haben wir gehofft. Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat (Jes 25,6-9).

Dieses göttliche Festmahl wird in der Eucharistie Wirklichkeit – jeden Tag neu. Wenn wir so viel Mühe darauf verwenden, uns auf die Ankunft des Kindes in Bethlehem vorzubereiten, dann sollten wir nicht weniger eifrig sein in der Erwartung unserer täglichen Begegnung mit ihm im heiligen Altarsakrament. Der heilige Josefmaria Escriva war sich dessen tief bewusst und widmete einen Großteil des Tages der Vorbereitung auf die Messe, die er am nächsten Morgen feiern würde. Er ermutigte uns: „Hast du schon einmal darüber nachgedacht, wie du dich auf den Empfang der Eucharistie vorbereiten würdest, wenn du nur ein einziges Mal im Leben kommunizieren könntest? – Danken wir Gott, weil er es uns so leicht macht, uns ihm zu nähern! Danken wir ihm, indem wir uns sehr gut darauf vorbereiten, ihn in der heiligen Kommunion zu empfangen.4

Ein Ausdruck dieser Sehnsucht nach Christus kann die geistliche Kommunion sein. Sie erlaubt uns, uns mit der inneren Haltung Marias zu vereinen: „Ich möchte dich empfangen, Herr, mit jener Reinheit, Demut und Andacht, mit der deine heiligste Mutter dich empfing.“5 Wenn wir uns in dieser Adventszeit von ihrer Haltung leiten lassen, werden wir fähig, mit einem Herzen voller Liebe und Hingabe auf die Begegnung mit dem Herrn zuzugehen – sei es in der Eucharistie oder an Weihnachten.


1 Stundenbuch, Mittwoch der ersten Adventswoche, Non, Responsorium.

2 Hl. Augustinus, De catechizandis rudibus, Nr. 4.

3 Hl. Johannes Chrysostomus, Homilien über das Evangelium von Matthäus, Nr. 76, 5.

4 Hl. Josefmaria, Im Feuer der Schmiede, Nr. 828.

5 Gebet der geistigen Kommunion, in: Geborgen in Gott, Tag- und Nachtgebete, S. 82.