Betrachtungstext: Ostersonntag

Die Auferstehung lässt die heiligen Frauen aufleben – Petrus und Johannes laufen zum Grab – An der Seite Marias in der Osterfreude

NOCH LIEGT Dunkelheit über Jerusalem. Der Tod Jesu scheint die Welt für immer verfinstert zu haben: Nie mehr wird die Sonne so scheinen wie einst, als der Meister noch unter ihnen weilte. Dennoch sind einige Frauen bereits unterwegs, in aller Frühe eilen sie zum Grab Jesu am Kalvarienberg. Die Straßen sind leer. Die Frauen kommen an den Gassen und Plätzen vorbei, durch die der gepeinigte Jesus zog; ihr Herz erzittert erneut, doch sie geben der Angst und dem Schmerz nicht nach.

„Mich rührt der Glaube dieser Frauen“, sagte der heilige Josefmaria, „und er ruft mir so viel Gutes von meiner Mutter in Erinnerung – wie ihr euch auch an viel Großartiges von euren Müttern erinnern werdet … Jene Frauen wussten, dass das Grab von Soldaten bewacht und mit einem Stein verschlossen war; doch sie besorgen, was sie brauchen, und gehen bei Tagesanbruch hin, um den Leichnam des Herrn zu salben ... Dazu braucht es Mut! (...). Als sie zum Grab kamen, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war (Mk 16,4). So ist es immer: Wenn wir uns entschließen, zu tun, was wir sollen, lösen sich die Schwierigkeiten wie von selbst.1 Den Frauen pocht das Herz bis zum Hals. Und Gott, der einer solchen Liebe nicht widerstehen kann, tut ihnen durch einen weißbekleideten jungen Mann die beste aller Nachrichten kund. 

Die Liturgie des Ostertages setzt seit Jahrhunderten mit den Worten ein, mit welchen sich der Auferstandene nach der Rückkehr aus der Nacht des Todes in die Welt der Lebenden an seinen Vater gewandt haben könnte: „Resurrexi et adhuc tecum sum – Ich bin erstanden und bin immer bei dir.“ Dieses Wort dürfen wir aber auch als an uns gerichtet verstehen, wie Papst Benedikt XVI. sagte: „Ich bin auferstanden und bin nun immer bei dir. Meine Hand hält dich. Wohin du auch fällst, du fällst in meine Hände. Auch an der Tür des Todes bin ich da. Dort, wo niemand mehr mit dir gehen kann und wohin du nichts mitnehmen kannst, warte ich auf dich und mache dir die Finsternis zu Licht.“2


DIE FRAUEN eilen weinend und jubelnd zum Abendmahlssaal, um den Aposteln zu berichten. Diesen erscheint verrückt, was sie aus dem Mund der Frauen hören. Doch auch wenn die Nachricht sie nicht überzeugt, wollen Petrus und Johannes Bescheid wissen und machen sich selbst auf den Weg: Sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab (Joh 12,4). Wir wollen mit ihnen laufen und Johannes noch schlagen. Was, wenn das, was die Frauen sagen, wahr ist? Was, wenn Jesus getan hat, was er verheißen hat? Während sie durch die Straßen eilen und der Tag anbricht, wächst die Hoffnung in den Herzen der zwei Männer.

„Dies war der Anfang der ,Auferstehung‘ des Petrus, die Auferstehung seines Herzens“, erklärte Papst Franziskus. Er „blieb nicht sitzen, um zu grübeln, er schloss sich nicht wie die anderen ein, ließ sich weder von der dumpfen Schwere jener Tage noch von seinen Zweifeln überwältigen, aber auch nicht von seinen Gewissensbissen lähmen, der Angst und dem ständigen, zwecklosen Gerede.“3 Kurz: Er überließ der Traurigkeit und Finsternis nicht das letzte Wort, sondern öffnete sich für die Hoffnung: Er ließ zu, dass Gottes Licht in sein Herz eintrat. Er suchte nicht sich selbst, er suchte Jesus.

Dies gilt auch für uns. „Es ist Zeit, uns zu erneuern, meine Kinder“, sagte der heilige Josefmaria. „Heiligkeit ist das: jeden Tag neu geboren werden, jeden Tag neu beginnen. Mach dir keine Sorgen über deine Fehler, wenn du den guten Willen hast, neu anzufangen ... All deine Schwächen, all die Hindernisse, die deinen Weg erschweren – leg sie Jesus zu Füßen, damit er triumphieren kann. Und du mit ihm. Auch das ist Auferstehung: die tägliche Entscheidung, aufzustehen, sich zu erneuern, über sich hinauszuwachsen. Ein stiller Sieg der Gnade – Zeichen dafür, dass wir auf dem Weg sind zu unserem Ziel: der Liebe.“4


MARIA, Jesu Mutter, ging heute Morgen nicht zum Grab. Kein Evangelium berichtet von einer Begegnung des Auferstandenen mit seiner Mutter. Hatte es sie trotzdem gegeben, oder hatte sie das gar nicht nötig? Von den anderen heißt es: Sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse (Joh 20,9) – sie schon. Sie wusste, dass an diesem Tag etwas Wunderbares geschehen würde. Seit dem leidvollen, aber befreienden vergangenen Freitag hatte sie sich unzählige Male auf all das Wunderbare besonnen, das ihr Sohn gesagt und getan hatte. Sie fand den Schlüssel zu seinen geheimnisvollen Worten über die Auferstehung am dritten Tag. 

Sie staunte allein über die herrlichen Pläne Gottes, der den Karfreitag in die Auferstehung Jesu münden ließ, und fand einen unendlichen Frieden darin. Der heilige Josefmaria ermuntert uns: „Alle Dinge dieser Erde haben die Bedeutung, die wir ihnen geben wollen. Nichts, was hier auf Erden geschieht, wird uns erschüttern, wenn wir in Gott geborgen sind. Wenn wir, aufgrund unserer Schwachheit und unserer Irrtümer, Kleinigkeiten hochspielen und darunter leiden, dann weil wir es so wollen. Wenn wir uns dicht an den Herrn halten, sind wir sicher. Wenn wir mit dem Kreuz Christi, mit der Herrlichkeit der Auferstehung und dem Feuer des Pfingstfestes vereint sind, lässt sich alles überwinden.“5

Wir werden unserer heiligen Mutter nun täglich ein Lächeln entlocken, wenn wir zur Mittagszeit das Regina Coeli beten. „Freue dich, Jungfrau Maria“, werden wir zu ihr sagen und uns dieser Freude anschließen, weil wir wissen, dass Jesus für immer bei uns geblieben ist.


1 Hl. Josefmaria, Betrachtung, 29.3.1959.

2 Benedikt XVI., Predigt, 7.4.2007.

3 Franziskus, Predigt, 26.3.2016.

4 Hl. Josefmaria, Betrachtung, 29.3.1959.

5 Ebd.