1.3.26 – 5. Sonntag des heiligen Josef

Josef nimmt Gottes Pläne an – Gott in der Alltagswirklichkeit entdecken – Auf Gottes Wege vertrauen

DAS TÄGLICHE Leben stellt uns ständig vor Entscheidungen – kleine und große, unscheinbare und wegweisende. Gerade wenn viel auf dem Spiel steht, ist es umso wichtiger, in Gottes Gegenwart zu überlegen und zu handeln. Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen (Mt 1,20). Mit diesen Worten greift Gott in das Leben eines jungen Mannes ein, dessen Zukunft gerade ins Wanken geraten ist. Der Evangelist Matthäus zeigt Josef als einen, der betet, der nachdenkt, der ringt. Papst Franziskus beschreibt ihn „als respektvollen und feinfühligen Mann, der sich, obwohl er nicht alle Informationen hatte, zugunsten des guten Rufs, der Würde und des Lebens Marias entscheidet. Und in seinem Zweifel, wie er am besten agieren soll, hilft ihm Gott mit dem Licht der Gnade.“1

Maria empfängt Christus im Glauben, Josef handelt ebenso. Auch er nimmt an, was Gott ihm offenbart. Er vertraut auf dieses Wort und macht sich den göttlichen Willen zu eigen – nicht nur der ganzen Menschheit, sondern auch sich selbst zuliebe. Er erkennt sich als Teil des göttlichen Vorhabens und findet darin letztlich ein unaussprechliches Glück und reichen Segen.

Gottes Pläne sind keine starren Vorlagen. Sie entfalten sich im Dialog mit freien Menschen. Unsere Aufgabe ist es, sie anzunehmen und darin das Gute zu erkennen – selbst dann, wenn sie zunächst unsere Vorstellungen durchkreuzen. Der heilige Josefmaria hielt fest: „Josef lernte nach und nach, dass die übernatürlichen Pläne eine göttliche Kohärenz besitzen, die manchmal im Widerspruch zu den menschlichen Plänen steht.“2 


KAUM hat Josef Maria aufgenommen, beginnt sein Leben, neue Wendungen zu nehmen. In Bethlehem findet sich kein Platz – so kommen sie in einem Tierstall unter. Kaum ist das Kind geboren, zeigt sich Gefahr. In der Nacht kommt die Weisung: Flieh nach Ägypten. Und Josef zögert nicht. Er diskutiert nicht. Er klagt nicht. Er wartet nicht auf bessere Umstände. Mitten in der Nacht steht er auf, nimmt das Kind und seine Mutter – und geht (vgl. Mt 2,14).

Die Flucht nach Ägypten ist kein symbolischer Spaziergang, sondern ein riskanter Weg ins Exil: in ein fremdes Land mit einer fremden Sprache – in eine ungewisse Zukunft. Alles Vertraute bleibt zurück. Und doch wird gerade dieser Ort – Ägypten – zum Raum der Treue. Dort arbeitet Josef, sorgt für Maria und Jesus, baut im Verborgenen ein neues Leben auf. Kein Applaus, keine Sicherheiten – nur Vertrauen. Papst Franziskus bezeichnet dies als „jenen christlichen Realismus, der nichts von dem verwirft, was da ist.“ Und der Papst fährt fort: „Das Leben auf diese Weise anzunehmen führt uns zu einem verborgenen Sinn. Das Leben eines jeden von uns kann auf wundersame Weise neu beginnen, wenn wir den Mut finden, es gemäß den Weisungen des Evangeliums zu leben. Und es spielt keine Rolle, ob alles schief gelaufen zu sein scheint und ob einige Dinge mittlerweile nicht mehr rückgängig zu machen sind. Gott kann Blumen zwischen den Felsen sprießen lassen.“3

Die Wirklichkeit mit all ihren Höhen und Tiefen ist aus Sicht eines gläubigen Menschen Trägerin einer tieferen Bedeutung. Deshalb kann der Apostel Paulus sagen: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht (Röm 8,28). Der heilige Augustinus fügt hinzu: „Auch das, was man böse nennt.4 Aus dieser Perspektive hat jedes Ereignis, sei es glücklich oder traurig, einen Sinn.


„SCHAUT EUCH an, in welchem Umfeld Christus geboren wurde“, lädt uns der heilige Josefmaria zur Betrachtung ein. „Alles verlangt diese bedingungslose Hingabe: Josef – eine Geschichte voller Schicksalsschläge, verbunden mit der Freude, der Beschützer Jesu zu sein (...); sein ganzes Leben ist Bereitschaft für das, was Gott von ihm verlangt (...).“5

Um die Wirklichkeit und die Mitmenschen wie Josef annehmen zu können – das heißt, so wie sie sind –, müssen wir mehr auf Gott als auf uns selbst vertrauen. So werden wir bereit, von allem und jedem zu lernen, auch von unseren Fehlern. Papst Franziskus schreibt: „Das geistliche Leben Josefs weist uns nicht einen Weg, der erklärt, sondern einen Weg, der annimmt. Nur aus dieser Annahme, aus dieser Versöhnung heraus können auch wir (in unserem Leben) eine größere Geschichte und einen tieferen Sinn ahnen.“6

Josef hörte die Ankündigung des Engels und zögerte nicht, sich auf den Weg zu machen – dorthin, wo er es für Jesus am besten hielt. Er haderte nicht mit Maria. Er beklagte sich nicht über jede verschlossene Tür, als sie in Bethlehem keine Unterkunft fanden. Und als Herodes eine Bedrohung darstellte, klammerte er sich nicht stur an Bethlehem, sondern nahm die Flucht nach Ägypten auf sich – so ungerecht es auch erscheinen mochte. Wir sollten den herrlichen heiligen Josef um Weisheit bitten, damit auch wir uns für die göttliche Logik öffnen und die Menschen und Ereignisse als das erkennen, was sie sind: Wege, über die Gott uns führt. 


1 Franziskus, Apost. Schreiben Patris Corde, Nr. 4.

2 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 42.

3 Franziskus, Apost. Schreiben Patris corde, Nr. 4.

4 Ebd.

5 Hl. Josefmaria, Brief 14.2.1974, Nr. 2.

6 Franziskus, Apost. Schreiben Patris corde, Nr. 4.