IN VIELEN Bereichen unseres Lebens ist eine gute Vorbereitung entscheidend. Im Sport hängt die Leistung im Wettkampf maßgeblich vom vorausgehenden Training ab. Auch ein Fest oder eine Einladung von Freunden gelingt besser, wenn wir uns Zeit für die Vorbereitung nehmen. Meist zeigt sich darin auch, welchen Stellenwert etwas für uns besitzt: Je wichtiger uns ein Ereignis ist, desto mehr beschäftigen wir uns schon vorher damit und bereiten uns darauf vor.
Keine Begegnung ist jedoch wichtiger als die Heilige Messe. In ihr werden Tod und Auferstehung Christi gegenwärtig, und wir empfangen seinen Leib als Nahrung. Deshalb lohnt es sich, gerade auf sie unser Herz vorzubereiten. Freilich wird selbst die beste Vorbereitung nie dem Geheimnis der Liebe Gottes gerecht, der uns zu seinem Festmahl einlädt. Jesus vergleicht es mit einer Hochzeit: Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen (Mt 25,1). Wie diese Jungfrauen sind auch wir eingeladen, dem Herrn entgegenzugehen und uns auf die Begegnung mit ihm vorzubereiten.
Der heilige Josefmaria, für den die Heilige Messe Zentrum und Wurzel seines Lebens war, sagte: „Die Eucharistie wurde in der Nacht eingesetzt, um den Morgen der Auferstehung vorzubereiten. Auch in unserem Leben sollen wir diese Morgendämmerung vorbereiten. Alles Vergängliche, alles Schädliche, alles Nutzlose – Mutlosigkeit, Misstrauen, Traurigkeit, Feigheit –, sollen wir ablegen. Die heilige Eucharistie erfüllt die Kinder Gottes mit neuem göttlichen Leben, und darauf sollen wir in novitate sensus (Röm 12,2) mit einer Erneuerung unseres ganzen Fühlens und Tuns antworten. Uns ist eine neue Kraftquelle gegeben, eine starke Wurzel, die in Christus verankert ist. Wir können nicht zum alten Sauerteig zurückkehren, da wir das Brot für heute und immer haben.“1
DAS GLEICHNIS von den zehn Jungfrauen, von denen fünf töricht und fünf klug waren, bezieht sich zwar hauptsächlich auf unsere Begegnung mit dem Herrn nach unserem Tod, es lässt sich aber auch auf unsere Begegnung mit Christus in der Eucharistie anwenden. Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, die klugen aber nahmen mit ihren Lampen noch Öl in Krügen mit. Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht aber erscholl der Ruf: Siehe, der Bräutigam! Geht ihm entgegen! (Mt 25,2-6).
Es kann vorkommen, dass wir uns während der Heiligen Messe abgelenkt oder erschöpft fühlen. Obwohl wir wissen, dass wir uns an einem heiligen Ort befinden, wo wir in einen liebevollen Dialog mit der Allerheiligsten Dreifaltigkeit treten können, schweifen unsere Gedanken oft ab. In solchen Momenten können wir uns wie die Jungfrauen fühlen, die in Erwartung des Bräutigams eingeschlafen sind. „Die heilige Messe zu leben“2, wie der heilige Josefmaria sagte, bedeutet jedoch nicht, jede Geste und jedes Wort des Priesters mit höchster Konzentration zu verfolgen. Die Gebete und liturgischen Gesten sollen vielmehr unseren Blick auf das göttliche Geheimnis lenken, das sich vor uns vollzieht. Entscheidend ist, ob wir das „Öl“ bei uns haben, das uns auch in Müdigkeit und Zerstreuung Christus erkennen lässt, der in der Messe sein Leben für uns hingibt. Der heilige Josefmaria ermutigte dazu, selbst unsere Ablenkungen – die Menschen und Sorgen, die uns beschäftigen – in Gottes Hände zu legen.3
Worin besteht dieses „Öl“? Papst Franziskus erinnerte daran, dass die Bereitschaft zur Begegnung mit dem Herrn nicht allein vom Glauben abhängt, sondern von einem Leben, das von Gottes- und Nächstenliebe erfüllt ist.4 Die beste Vorbereitung auf die Heilige Messe ist deshalb ein Leben der Liebe. Denn genau diese Liebe feiern wir in der Eucharistie: die Liebe Jesu, der sein Leben für uns hingibt.
MITTEN IN der Nacht riss eine Stimme die Jungfrauen aus ihrem Schlaf: Siehe, der Bräutigam! Geht ihm entgegen! (Mt 25,6). Eilig bereiteten sie ihre Lampen vor. Doch die törichten Jungfrauen hatten nicht genug Öl und mussten losziehen, um welches zu kaufen. Während sie noch unterwegs waren, kam der Bräutigam. Die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde zugeschlossen (Mt 25,10). Als die anderen verspätet eintrafen, antwortete ihnen der Bräutigam: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht (Mt 25,12).
Um die Heilige Messe wirklich mitzufeiern und die Größe ihres Geheimnisses zu erfassen, müssen wir den Herrn immer besser kennenlernen. Dieses Kennenlernen besteht nicht nur darin, etwas über Jesus zu wissen, sondern darin, mit ihm vertraut zu werden und uns seine Gedanken und Empfindungen zu eigen zu machen. Dazu kann die eucharistische Anbetung beitragen. Um die Eucharistiefeier zu leben, sagte Papst Franziskus, „hilft uns als Hinführung das anbetende Verweilen vor dem eucharistischen Herrn im Tabernakel“5. Papst Benedikt schrieb: „Nur im Anbeten kann tiefes und wahres Empfangen reifen.“6 Die eucharistische Anbetung außerhalb der Messe hilft uns, das Staunen über die Gegenwart des Herrn wachzuhalten und die Sehnsucht nach der Vereinigung mit ihm in der Kommunion zu vertiefen. Zugleich führt sie uns zur Messe selbst, denn „die Eucharistie empfangen heißt, den anbeten, den wir empfangen.“7
Wir bitten Maria, die kluge Jungfrau und eucharistische Frau, uns zu helfen, uns auf jede Heilige Messe vorzubereiten, wie sie sich darauf vorbereitet hat, ihren Sohn zu empfangen. Von ihr können wir lernen, das Öl unserer Liebe nicht ausgehen zu lassen und dem Herrn mit wachem Herzen entgegenzugehen.
1 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 155.
2 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 88.
3 Hl. Josefmaria, Aufzeichnungen von einem Familientreffen, 21.2.1971.
4 Vgl. Franziskus, Angelus-Gebet, 12.11.2017.
5 Franziskus, Botschaft an den Eucharistischen Kongress in Deutschland, 30.5.2013.
6 Benedikt XVI., Sacramentum caritatis, Nr. 66.
7 Ebd.

