Betrachtungstext: 15. Woche im Jahreskreis – Montag

Der Kampf, den Jesus verlangt – Dem Unverständnis begegnen – Die Einladung, das Kreuz auf uns zu nehmen

WIE DIE KIRCHE lehrt, ist „das ganze Leben Jesu – seine Worte und Taten, sein Schweigen und seine Leiden, seine Art, zu sein und zu sprechen – Offenbarung des Vaters“1. Jesus kam, um uns das Antlitz seines Vaters sichtbar zu machen. Jede seiner Gesten und jedes seiner Worte führen uns tiefer in das Geheimnis seiner Liebe und seines Heilsplans ein. Dabei stoßen manche seiner Aussagen bis heute aufs erste auf Verwunderung.

Zu den überraschendsten gehört wohl diese: Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen! Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein (Mt 10,34-36). Wie passen diese Worte zu dem Friedensfürsten, den die Engel in Bethlehem verkündeten? Will Jesus wirklich Spaltung säen?

Der Widerspruch löst sich, wenn wir verstehen, wovon Jesus spricht. Er ruft nicht zu äußeren Konflikten auf, sondern zu einer inneren Entscheidung. Wer ihm nachfolgt, wird früher oder später erfahren, dass die größte Auseinandersetzung nicht außerhalb, sondern im eigenen Herzen stattfindet. Wir möchten nach dem Evangelium leben und spüren zugleich Kräfte, die uns in eine andere Richtung ziehen (vgl. Röm 7,23). Hier beginnt jener „übernatürliche Sport der Selbstüberwindung“2, von dem der heilige Josefmaria spricht. Der Friede Christi entsteht nicht dadurch, dass jeder äußere Konflikt verschwindet, sondern indem wir alles daran setzen, dass Gottes Gnade unser Herz verwandelt. 


DER FRIEDE Jesu in unseren Herzen ist Frucht dieses täglichen Kampfes unter dem Antrieb seiner Gnade. Jesus möchte die erste Stelle in unserem Leben sein. Das bringt er klar zum Ausdruck, wenn er sagt: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert (Mt 10,37). Papst Franziskus bekräftigt: „Den Glauben leben heißt nicht, das Leben ein wenig mit Religion zu dekorieren, als sei es eine Torte, die man mit Sahne verziert. Nein, so ist der Glaube nicht. Der Glaube bringt es mit sich, Gott als Grundkriterium des Lebens zu wählen.“3 

Es ist wenig verwunderlich, dass eine solche Entscheidung in einer Welt, die Erfolg, Ansehen und Wohlstand zum höchsten Gut erhebt, häufig auf Unverständnis stößt. So geschah es seit den Anfängen der Kirche, so erging es vielen Heiligen. Oftmals verschwanden die Differenzen mit der Zeit – vielleicht nicht so sehr wegen der Brillanz ihrer Argumente als wegen der Kraft ihres Zeugnisses. Sie bezeugten, dass die wahren Schätze im Himmel gesammelt werden. Sie lebten vor, dass ein Sohn Gottes nichts zu fürchten braucht noch vorgeben muss, etwas zu sein, was er nicht ist. Und sie machten glaubhaft, dass es für das Glück nicht eines bequemen Lebens, sondern eines verliebten Herzens bedarf, wie der heilige Josefmaria gerne wiederholte.4 

Staunend sagten die Heiden über die Getauften: „Seht, wie sie sich untereinander lieben.“5 Daher mag ein Leben, dessen Grundkriterium Gott ist, zwar anfangs Unbehagen auslösen, am Ende aber ist es anziehend und weckt vielleicht sogar den Wunsch, Gott kennenzulernen.


DIE ENTSCHEIDUNG für Christus bewahrt uns nicht vor Schwierigkeiten innerer und äußerer Natur. Im Gegenteil: Wer ihm nachfolgt, begegnet wie alle Menschen Krankheit, Enttäuschungen, Zweifeln oder Misserfolgen. Jesus verlangt nicht, dass wir so zu tun, als existierten sie nicht. Er lädt uns vielmehr ein, unser Kreuz anzunehmen und ihm nachzufolgen. Gerade darin – so verspricht er – findet der Mensch das wahre Leben (vgl. Mt 10,39).

Und dieses Leben beginnt schon jetzt. Es besteht nicht in einem leidfreien Dasein, sondern in einer Freude, die in Gottes Liebe und in der Gewissheit wurzelt, dass er immer bei uns ist. Wer auf Christus vertraut, entdeckt nach und nach, dass uns selbst große Schwierigkeiten die Freude nicht rauben können, wenn wir sie annehmen und in unser Leben integrieren. Denn sie können uns helfen, uns selbst und andere besser kennenzulernen, sie können uns geduldiger oder erfinderischer machen und sie können Beziehungen vertiefen und stärken, wenn wir Hilfe suchen oder diese zulassen. in jedem Fall ermöglichen sie uns, in das Geheimnis der Vorsehung einzutreten, die immer das Wohl des Menschen im Sinn hat. 

Der heilige Johannes Paul II. sagte zu Schülern und Studenten: „Der Mensch ist für das Glück geschaffen. Euer Durst nach Freude, nach Glück ist also berechtigt. Christus hat die Antwort auf eure Erwartungen. Aber er bittet euch, ihm zu vertrauen.“6 Maria ist diesen Weg bis zum Kreuz gegangen, jenem Ort, an dem die Liebe auf geheimnisvolle Weise wächst. Ihr Glück gründete nicht in günstigen Umständen, sondern im unerschütterlichen Vertrauen auf Gottes Liebesplan.


1 Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 516.

2 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 77.

3 Franziskus, Angelusgebet, 18.8.2013.

4 Vgl. Hl. Josefmaria, Die Spur des Sämanns, Nr. 795.

5 Tertullian, Apologetikum, 39, 1-18.

6 Hl. Johannes Paul II., Ansprache, 25.7.2002.