Betrachtungstext: 3. Woche im Jahreskreis – Mittwoch

Ein Same, der in die Herzen fällt – Das Glück suchen – Den Mut nicht verlieren

DIE MENSCHENMASSE, die Jesus folgte, war inzwischen so groß geworden, dass er neue Wege finden musste, um alle zu erreichen. Schließlich steigt er in ein Boot und spricht von dort aus zu der versammelten Menge. Was er sagt, ist kein beiläufiges Wort. Mit dem Gleichnis vom Sämann stellt Jesus eine grundlegende Frage: Wie kann das Wort Gottes im Leben eines Menschen Frucht bringen? Jesu Bildsprache ist eindringlich. Er spricht von verschiedenen „Böden“, auf die der Same fällt – sie sind Sinnbilder für unterschiedliche Haltungen des menschlichen Herzens. Gleich zu Beginn nennt er den härtesten Fall: Menschen hören das Wort, doch es bleibt an der Oberfläche. Und sofort kommt der Satan und nimmt das Wort weg, das in sie gesät wurde (Mk 4,15). 

Das Gleichnis lädt dazu ein, das eigene Herz zu prüfen und die eigene Bereitschaft zu hinterfragen, sich auf Gottes Wort einzulassen. Dieses richtet sich immer an den ganzen Menschen. Es will nicht nur verstanden, sondern auch auch angenommen werden – mit Verstand, Herz und Willen. Nur so kann es Wurzeln schlagen und wachsen. Benedikt XVI. hat in diesem Sinne betont, dass Glaube niemals bloße Information ist, sondern eine persönliche Beziehung voraussetzt: die Zustimmung der ganzen Person zur Selbstoffenbarung Gottes.1  

Gerade darin liegt eine Herausforderung unserer Zeit. In einer Welt, die von einer Flut an Informationen, Meinungen und Reizen geprägt ist, gleicht der Mensch oft einem zerstreuten Wanderer. Vieles wird aufgenommen, wenig wirklich durchdacht. Manches fesselt kurzfristig die Aufmerksamkeit, ohne dem Leben Tiefe oder Richtung zu geben. Papst Franziskus warnte daher vor der Ablenkung „durch allzu viele Interessen und Verlockungen. Es ist schwierig, unter all den Worten und Stimmen die des Herrn herauszuhören – die einzige, die wirklich frei macht.“2 


JESUS spricht weiter vom Samen, der auf felsigen Boden fällt. Die anfängliche Begeisterung für das Wort Gottes ist groß, doch sie bleibt oberflächlich – und wiederum können sich keine Wurzeln bilden. Daher fehlt, sobald Schwierigkeiten auftreten und Einsatz, Geduld oder Opfer gefragt sind, die innere Standfestigkeit (vgl. Mk 4,16–17). In solchen Momenten zeigt sich, was dem Herzen wirklich wichtig ist.

Das bedeutet jedoch nicht, dass das christliche Leben ein Leidensweg sein müsste, der erst im Jenseits belohnt wird. Der heilige Josefmaria betonte im Gegenteil: Die Glückseligkeit des Himmels ist für jene, die bereits hier auf Erden wahrhaft glücklich sind.“3 Ein solches Glück gründet nicht auf äußeren Umständen, sondern auf der inneren Gewissheit, von Gott geliebt und begleitet zu sein. In diesem Licht kann selbst Schweres ein neues Gesicht bekommen. So schildert der heilige Josefmaria die Erfahrung eines Christen, der erkennt, dass ausgerechnet jene Dinge, die ihn früher mutlos machten, nun zu einer Quelle tiefer Freude geworden sind. „Laetetur cor quaerentium Dominum! – Das Herz derer, die Gott suchen, fließt über vor Freude.“4

Jesus erwähnt im Gleichnis noch einen weiteren Fall: Das Wort gerät unter die Dornen. Sorgen des Alltags, trügerischer Reichtum und vielfältige Begierden können das Wort Gottes ersticken, sodass es ohne Frucht bleibt (vgl. Mk 4,18–19). Arbeit, Familie und Verantwortung sind dabei keineswegs Hindernisse des Glaubens – im Gegenteil. Doch sie dürfen den inneren Bezug zu Gott nicht verdrängen. Jesus lädt uns dazu ein, im Alltag bei ihm zu bleiben und die konkreten Aufgaben des Lebens in unseren Weg der Heiligkeit zu integrieren. 


DER SAME des göttlichen Wortes wächst, wenn er auf guten Boden fällt, auch dann, wenn er unterwegs auf ein paar Disteln stößt. Entscheidend ist, dass wir stets die Verbindung zum Herrn suchen. Der heilige Josefmaria brachte diesen Wunsch so zum Ausdruck: „Jesus soll das Ziel unserer Bestrebungen, die Liebe unseres Herzens, das Thema unserer Gespräche, das Vorbild unseres Handelns sein.“5 So reift das Leben Schritt für Schritt – und bringt Frucht: dreißigfach, sechzigfach, hundertfach (Mk 4,20).

Mit dem Gleichnis vom Sämann ruft uns Jesus zur Gewissenserforschung auf, schenkt uns aber auch Hoffnung. Darauf hat Papst Leo XIV. in seiner ersten Audienz hingewiesen, indem er den „verschwenderischen“ Sämann als ein Bild für die göttliche Liebe deutete.6 Gott wirft den Samen seines Wortes auf jede Art von Boden, also in alle Situationen, in denen wir uns befinden: Manchmal sind wir zerstreut, manchmal von Begeisterung getragen, manchmal von Sorgen belastet, und dann wieder gibt es Augenblicke großer Offenheit. Der Sämann, so betonte der Papst, erwartet nicht, dass wir von Anfang an der beste Boden sind. Er schenkt sein Wort großherzig – immer wieder. 

Gerade dieses Vertrauen Gottes kann in uns den Wunsch wecken, ein besserer Boden zu werden. Und sollten wir erkennen, dass unser Herz gerade wenig Frucht bringt, dann gilt: nicht mutlos werden, sondern Gott bitten, weiter an uns zu arbeiten. Schauen wir schließlich auf unsere Mutter. In ihrem Herzen ging kein Wort Gottes verloren. Bitten wir sie, uns beizustehen, damit auch wir ein immer besserer, empfänglicherer Boden werden, auf dem Gottes Wort gedeiht – zum Segen für viele.


1 Vgl. Benedikt XVI., Predigt, 21.8.2011.

2 Franziskus, Angelus-Gebet, 12.7.2020.

3 Hl. Josefmaria, Im Feuer der Schmiede, Nr. 1005.

4 Hl. Josefmaria, Die Spur des Sämanns, Nr. 72.

5 Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 271.

6 Leo XIV., Audienz, 21.5.2025.