JESUS STIEG in das Boot und seine Jünger folgten ihm nach. Und siehe, es erhob sich auf dem See ein gewaltiger Sturm, sodass das Boot von den Wellen überflutet wurde. Jesus aber schlief (Mt 8,23-24). Bis dahin hatten sich die Apostel in der Gesellschaft Jesu stets sicher gefühlt; ihr Vertrauen in sein Wort und in seine Macht war täglich gewachsen. Möglicherweise meinten sie sogar, seine Gegenwart würde sie vor den Härten des Lebens bewahren.
Umso größer war ihr Entsetzen, als der Sturm losbrach. Die meisten von ihnen waren gewöhnt, Unwettern und tosenden Wellen zu trotzen. Doch dieses Mal gerieten sie an die Grenze ihrer Kräfte. Noch verstörender war, dass Jesus schlief, während das Boot zu versinken drohte. Gerade derjenige, dessen Macht und Mitgefühl sie kennengelernt hatten, schien ihrer Not gegenüber gleichgültig zu sein.
„In dieser Geschichte finden wir uns leicht selbst wieder“, sagte Papst Franziskus. „Schwieriger ist es, das Verhalten Jesu zu verstehen. Während die Jünger alarmiert und verzweifelt sind, befindet er sich im Heck – in jenem Teil des Bootes, der zuerst untergeht. Und was macht er? Trotz aller Aufregung schläft er friedlich, ganz im Vertrauen auf den Vater.“1 In jeder Lebensgeschichte treten Stürme auf, früher oder später erlebt jedes Lebensboot Momente verstärkten Wellengangs und eindringenden Wassers. Aber gerade jene Situationen, die sich unserer Kontrolle entziehen, können uns zu einem tieferen Glauben führen, zu jenem kindlichen Glauben, mit dem Jesus sich seinem Vater überlässt – unserem himmlischen Vater, der unserer Lebenslage nie gleichgültig gegenübersteht.
HERR, RETTE UNS, wir gehen zugrunde! (Mt 8,25). Angstvoll und verwirrt durch das Verhalten Jesu, treten die Apostel an ihn heran, rütteln ihn wach und bitten ihn um Hilfe. Darin zeigt sich ihr tiefes Vertrauen: Sie wissen, dass er ihre Lage wenden kann. So lehren uns die Apostel erneut, dass wir uns in jeder schwierigen Situation als erstes an Jesus wenden können.
Umso überraschender ist seine Antwort. Statt sie zu beruhigen oder dem Sturm augenblicklich Einhalt zu gebieten, macht er ihnen Vorwürfe: Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen (Mt 8,26). Jesus verkennt ihre Not nicht. Er möchte sie jedoch zu einem wirklichen Vertrauen führen. Glaube bedeutet nicht, sich vor allen Gefahren sicher zu wissen, sondern sich dem Willen des Vaters anzuvertrauen – auch wenn wir ihn nicht verstehen.
Prälat Fernando Ocáriz schreibt in diesem Sinne: „Hinter all den großen Fragen möchte Gott uns einen Ausblick auf eine Größe und eine Schönheit eröffnen, die sich unseren Augen bisher vielleicht entzogen hat.“2 Gerade in den Stürmen unseres Lebens lädt Jesus uns ein, auf ihn zu vertrauen. Ist er in unserem Boot, werden wir das Ziel erreichen – auch wenn er zu schlafen scheint. Bitten wir ihn, schwierige Zeiten zu einer Schule des Glaubens werden zu lassen, sodass wir klarer erkennen, dass Gott allein unsere Sicherheit ist.
DANN STAND ER auf, drohte den Winden und dem See und es trat völlige Stille ein (Mt 8,26). Die Gegenwart Jesu in unserem Leben ist die beste Gewähr dafür, dass wir die innere Ruhe wiedererlangen können. Wie die Apostel staunen auch wir immer wieder neu über seine Macht: Was für einer ist dieser, dass ihm sogar die Winde und der See gehorchen? (Mk 8,27). Dieser Friede hat allerdings nichts mit Bequemlichkeit oder Gleichgültigkeit zu tun. Er ist Frucht des Kreuzes und einer Liebe, die Angst und Leid überwunden hat.
Deshalb kann Papst Franziskus sagen: „Wir haben einen Anker: Durch sein Kreuz sind wir gerettet. Wir haben ein Ruder: Durch sein Kreuz wurden wir freigekauft. Wir haben Hoffnung: Durch sein Kreuz sind wir geheilt und umarmt worden, damit nichts und niemand uns von seiner erlösenden Liebe trennen kann.“3 Wenn die Wellen unseres Lebens hochschlagen, schauen wir auf den Gekreuzigten. Dann erkennen wir: Christus schläft nicht. Er liebt uns bis ans Ende und trägt uns auch durch den Sturm.
„Unsere Liebe Frau ist die Königin des Friedens“, schrieb der heilige Josefmaria. „Die Kirche preist sie mit diesem Namen. Ist deine Seele aufgewühlt, droht Kummer in Familie oder Beruf, kündigt sich Unheil an in der Gesellschaft oder unter den Völkern, dann bete zu ihr: Regina pacis, ora pro nobis! Königin des Friedens, bitte für uns! Hast du das – zumindest in Zeiten innerer Unruhe – schon versucht? ... Du wirst staunend ihre sofortige Hilfe erfahren.“4
1 Papst Franziskus, Besondere Andacht in der Zeit der Epidemie, 27.3.2020.
2 Fernando Ocáriz, Im Licht des Evangeliums , Fragen der Jugend, S. 127-128.
3 Papst Franziskus, Besondere Andacht in der Zeit der Epidemie, 27.3.2020.
4 Hl. Josefmaria, Die Spur des Sämanns, Nr. 874.

