Markus Schwarz ist Vorsitzender des Regionalkomitees Mitteleuropa, das die Vorbereitungen zur Hundertjahrfeier des Opus Dei koordiniert. Im Interview erklärt er, wie das Komitee entstanden ist, wie es arbeitet und warum eine breite Beteiligung ausdrücklich erwünscht ist.
Lieber Markus, das Opus Dei feiert 2028 sein 100-jähriges Bestehen. Warum braucht es dafür ein eigenes Regionalkomitee?
Als der Prälat Fernando Ocáriz die Vorbereitungen zur Hundertjahrfeier ankündigte, war sofort klar: Das kann keine zentral aus Rom gesteuerte Angelegenheit werden. Dies wäre nicht im Sinne des Prälaten und auch nicht im Sinne des Werkes. Es braucht jemanden, der auf regionaler Ebene den Überblick behält, Projekte begleitet und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Stellen erleichtert. Genau dafür wurde unser Komitee ins Leben gerufen. Die spezifischen Herausforderungen der Hundertjahrfeier unterscheiden sich weltweit und auch in den Ländern unserer Region.
Wie ist das Komitee zusammengesetzt?
Wir sind eine Gruppe von 13 Personen: Frauen und Männer, die in der gesamten Region verankert sind und auch die verschiedenen Muttersprachen – Deutsch, Französisch, Italienisch und Ungarisch – abdecken. Die Zusammensetzung ist bewusst gewählt: Es sollen verschiedene Perspektiven, unterschiedliche Hintergründe, Altersgruppen und Lebenssituationen vertreten sein. Das Komitee steht in engem Austausch mit dem internationalen Komitee in Rom, mit den Zentren vor Ort, dem Assessorat und der Kommission.
Die Hundertjahrfeier ist ein besonderer feierlicher Anlass für ein Jubiläum. Worauf kommt es an, wenn eine Personalprälatur feiert?
Der Prälat hat das von Anfang an klar gesagt: Das Jubiläum ist kein Event und kein Gedenkjubiläum. Es ist eine Reise. Eine Zeit der Erneuerung, die auch gefeiert wird, und in der wir fragen: Wie leben wir das Charisma des Opus Dei in der Welt von heute? Das setzt einen ehrlichen Blick auf die eigenen aktuellen Unzulänglichkeiten voraus. Die 50-Jahr-Feier des Werkes war damals explizit auch ein marianisches Jahr. Daran orientiert werden das Gebet und die innere Erneuerung auch nach 100 Jahren das zentrale Element sein.
Gibt es spezifische Grundgedanken, die euch bei eurer Aufgabe leiten?
Wir orientieren uns an fünf Leitideen. Erstens: dienstorientiert statt selbstbezogen: Die Frage ist immer, wie wir durch das Charisma des Opus Dei den Menschen, der Kirche und der Gesellschaft besser dienen können. Zweitens: partizipativ statt zentralisiert – dazu habe ich bereits einiges gesagt. Drittens: performativ statt oberflächlich: Es geht um Reflexion und Lernen, nicht um die Organisation eines Events. Viertens: offen statt nach innen gerichtet. Das Opus Dei richtet sich an alle Menschen, nicht nur an seine Mitglieder. Ohne diese Botschaft wird es nicht gehen. Und fünftens: nachhaltig statt flüchtig, damit aus diesem Prozess Projekte entstehen, die eine dauerhafte Wirkung entfalten können.
Du hast Partizipation erwähnt. Was meinst Du damit konkret?
Der Prälat hat ausdrücklich betont, dass das Jubiläum kein gemeinsam gegangener Weg sein kann, wenn es nur eine Reihe von Entscheidungen gibt, die ein Komitee trifft. Jeder soll die Möglichkeit haben, sich einzubringen. In der Region Mitteleuropa haben sich bereits rund 900 Menschen dazu geäußert, welches Vermächtnis sie sich für die nächsten 100 Jahre wünschen. Auf dieser Grundlage können wir arbeiten, anstoßen und koordinieren.
Was hat diese Beteiligung bislang gezeigt?
Die Antworten zeigen, was den Menschen hier wirklich wichtig ist: ein tiefes geistliches Fundament, bei dem Freude und Identität aus der Gotteskindschaft erwachsen; die Heiligung jeden Tages als Teil der eigenen Verantwortung in der Welt; mehr Sichtbarkeit und Transparenz; das Apostolat durch persönliche Freundschaft und die Bildung besonders für Familien und junge Menschen.
Was sind eure konkreten Aufgaben?
Es handelt sich um vier Hauptaufgaben: einen Gesamtüberblick über laufende Initiativen bewahren, Projekte nachverfolgen, die Koordination zwischen den beiden Abteilungen – Männer und Frauen – erleichtern und Initiativen koordinieren. Das können öffentliche Veranstaltungen sein, Kongresse, größere soziale Projekte, Medienthemen oder die gemeinsame Präsenz in den sozialen Netzwerken.Wichtig ist: Das Komitee entscheidet nicht zentralistisch, sondern hilft dabei, dass gute Initiativen an den richtigen Orten entstehen und zusammenfinden.
Wie können sich Einzelpersonen, Zentren oder andere Interessierte jetzt einbringen?
Sehr direkt: mit Ideen, Kommentaren, Vorschlägen und Fragen. Wer eine Initiative anstoßen möchte, kann dies an sein Zentrum oder direkt an das Komitee herantragen. Wir werden dann schauen, ob wir die Ideengeber mit anderen vernetzen können, die ein ähnliches Projekt angestoßen haben. Wir wünschen uns ausdrücklich, dass möglichst viele Menschen mitdenken und mitmachen – nicht nur Mitglieder des Opus Dei, sondern auch Freunde und Bekannte.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den einzelnen Zentren?
Das Komitee ist, wie gesagt, kein übergeordnetes Entscheidungsgremium. Die Zentren und Einzelpersonen bleiben die eigentlichen Akteure vor Ort. Wir verstehen uns als Koordinierungsstelle. Bei zentrumstypischen Initiativen handeln die Zentren so wie immer eigenständig. Wo beide Abteilungen beteiligt sind oder es um größere, übergreifende Vorhaben geht, kommen wir ins Spiel und besprechen uns mit den beiden Leitungsgremien des Werkes. Der regelmäßige Kommunikationsfluss zwischen Komitee und Zentren sowie auch den einzelnen Personen ist entscheidend.
Was wünscht du dir persönlich für die kommenden Jahre?
Dass wir in dieser Zeit noch besser lernen, einander zuzuhören, gemeinsam zu prüfen und mit Zuversicht weiterzugehen, was unser Gründer von Gott erhalten hat. Die Hundertjahrfeier soll nicht nur erinnern, was war, sondern helfen, die Menschen im Opus Dei und deren geistiges Leben neu zu beleben. Wenn viele sich einbringen, entsteht daraus etwas Dauerhaftes. Genau das ist unser Wunsch. Dann gelingt uns mit viel Gnade eine tiefe und nachhallende Hundertjahrfeier, die das Opus Dei in seinem zweiten Jahrhundert inspiriert und trägt.
Das Interview entstand im Kontext der laufenden Vorbereitungen zur Hundertjahrfeier des Opus Dei, die am 2. Oktober 2028 beginnt und bis zum 14. Februar 2030 andauert.

