IN CÄSAREA PHILIPPI spricht Jesus Worte, die die Geschichte der Kirche prägen: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen (Mt 16,18). Was zunächst Verheißung ist, erhält nach Ostern konkrete Gestalt. Am See von Galiläa überträgt der Auferstandene Petrus offiziell den Hirtenauftrag: Weide meine Schafe (Joh 21,15–16). Damit wird Petrus zum sichtbaren Zeichen der Einheit der Kirche.
Benedikt XVI. erinnerte daran, dass Petrus seinen Dienst zunächst in Jerusalem ausübte, später in Antiochien, der drittwichtigsten Stadt des römischen Imperiums, und schließlich, durch göttliche Fügung, in Rom. Von dort aus entwickelte sich der römische Bischofssitz zum Ort, „dem die besondere Aufgabe anvertraut ist, allen Teilkirchen zu dienen, für den Aufbau und die Einheit des ganzen Volkes Gottes“1. Der Primat macht deutlich: Das von Jesus Christus gegründete Reich ist keine Utopie, sondern eine konkrete, sichtbare Wirklichkeit in dieser Welt – gestützt von der Verheißung Christi, dass die Gnade nicht fehlen würde: Simon, Simon, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du wieder umgekehrt bist, dann stärke deine Brüder (Lk 22,31-32).
Für den heiligen Josefmaria warenEinheit und Verbundenheit mit dem Papst keine Theorie. Als er 1946 erstmals die Kuppel des Petersdoms sah, war er sichtlich bewegt und betete spontan mit lauter Stimme das Credo. Die erste Nacht in Rom verbrachte er wachend und betend für den Papst und die Kirche auf dem kleinen Balkon eines Hauses, von dem aus er auf die Fenster der päpstlichen Gemächer sah. Folgende Worte spiegeln seine Haltung wider: „Die Liebe zum Heiligen Vater muss eine herrliche Leidenschaft in uns sein, denn in ihm sehen wir Christus.“2
EIN SCHLÜSSELEREIGNIS für das Verständnis der Einheit der Kirche ist die Taufe des römischen Hauptmanns Kornelius. Die Apostelgeschichte berichtet ausführlich darüber. Petrus erkennt bei der Taufe dieses ersten Heiden, der den Wunsch danach geäußert hatte, dass Gottes Heil nicht an ein Volk gebunden ist. Und er bekennt freimütig vor der großen Schar an Gästen, Freunden und Verwandten: Gott sieht nicht auf die Person (Apg 10,34). Zur Überraschung aller kam, während Petrus noch redete, der Heilige Geist auf die Versammelten herab. Durch seine Taufe hat Kornelius, wie der heilige Hieronymus feststellte, „den Heiden die Pforte zum Heile eröffnet“3.
Der Dienst des Petrus besteht seither darin, die Universalität der Kirche zu schützen und die Brüder zusammenzuhalten. Niemals soll die Kirche mit einer Kultur oder einem Staat verwechselt werden, sondern immer die Kirche aller sein. Benedikt XVI. betont, dass „der Weg des heiligen Petrus nach Rom als der Verkörperung der Weltvölker vor allem unter dem Stichwort ‚una‘ (eine) steht: Sein Auftrag ist es, die Einheit der ‚catholica‘, der Kirche aus Juden und Heiden, der Kirche aus allen Völkern zu bewirken.“4Darum steht das Petrusamt auch nicht im Zeichen der Abschottung, sondern der Offenheit. Es wacht darüber, dass das Evangelium überall gehört werden kann. Petrus und die anderen Apostel, der Papst und die mit ihm verbundenen Bischöfe, stellen eine Garantie für die Vermittlung der wahren Kirche Christi dar.
Der heilige Josefmaria hatte eine große Verehrung für „das Rom des Petrus und des Paulus, das getränkt ist vom Blut der Märtyrer, den Mittelpunkt, von dem so viele ausgezogen sind in die ganze Welt, um die Heilsbotschaft Christi zu verkünden“. Für ihn war „römisch zu sein“ das Synonym für „den Wunsch, das Herz weit zu machen, es allen Menschen mit dem Erlöserverlangen Christi zu öffnen, der alle sucht und alle aufnimmt, weil Er alle zuerst geliebt hat.“5
VON ANFANG AN verstanden Christen die Gemeinschaft mit Petrus als Maßstab kirchlicher Einheit – auch in Lehrfragen. Diese Dimension zeigt sich auch im Verhalten des Apostels Paulus. Trotz seines eigenständigen Wirkens sucht er die Bestätigung durch Petrus. Wie er selbst berichtet, reist er aufgrund einer Offenbarung nach Jerusalem hinauf, um den Angesehenen – Petrus und den anderen Aposteln – das Evangelium vorzulegen, das er unter den Völkern verkündigte: Ich wollte sicher sein, dass ich nicht ins Leere laufe oder gelaufen bin (Gal 2,2).
Daraus ergibt sich eine klare Konsequenz. Für einen Katholiken, so betonte der heilige Josefmaria, ist Treue zum Papst keine Option, sondern Ausdruck des Glaubens. Sie zeigt sich nicht nur im Respekt, sondern auch im ehrlichen Bemühen, sein Lehramt zu kennen, zu verstehen und im eigenen Leben mit Kopf und Herz umzusetzen6 – bis hin zur Bereitschaft, „in Fügsamkeit gegenüber dem kirchlichen Lehramt die eigene Meinung zu berichtigen“7.
Ubi Petrus, ibi Ecclesia, ibi Deus,8 pflegte der heilige Josefmaria zu wiederholen. Wo Petrus ist, da ist die Kirche. Diese Überzeugung fasst zusammen, was christliche Einheit trägt: nicht persönliche Vorlieben, sondern die gemeinsame Ausrichtung auf Christus im Band der kirchlichen Gemeinschaft. In diesem Geist bitten wir Maria, die Mutter der Kirche, dass sie – wie zu Pfingsten – die Jünger ihres Sohnes sammle und ihre Herzen in Einheit verbinde, rund um den Nachfolger des Petrus, den die heilige Katharina von Siena ehrfürchtig den „Dolce Cristo en terra“ nannte, den süßen Christus auf Erden.
1 Benedikt XVI., Audienz, 22.2.2006.
2 Hl. Josefmaria, Loyal zur Kirche, 13
3 Hl. Hieronymus, Brief 79,2.
4 Benedikt XVI., Homilie, 29.6.2008.
5 Hl. Josefmaria, Loyal zur Kirche, 11.
6 Vgl. ebd., Nr. 633.
7 Hl. Josefmaria, Im Feuer der Schmiede, Nr. 581.
8 Hl. Ambrosius, In Ps. 40, 30.

