„DER HERR ist vom Tod auferstanden, wie er gesagt hat. Freut euch und frohlockt, denn er herrscht in Ewigkeit. Halleluja.“ Die Ostersonntagsliturgie ruft uns zu, in einen einzigartigen Jubel einzustimmen, in eine Freude, die Himmel und Erde verbindet: die Gemeinschaft der Glaubenden, die Heiligen, die Engel. Ostern lässt sich nicht auf einen Tag beschränken, dafür ist das Geschehen zu groß. Wie Benedikt XVI. sagte: „Ein Tag wäre zu wenig für so viel Freude“1.
Deshalb feiert die Kirche einen langen Sonntag, der acht Tage umfasst – die sogenannte Osteroktav. Wir brauchen diese Zeit, um die Freude zu fassen, die im Wissen liegt, dass Jesus lebt. Er hat den Tod nicht nur überwunden, sondern endgültig entmachtet. In einer der ältesten Osterpredigten klingt das kraftvoll an: „Ich, spricht er, der Christus, ich habe den Tod vernichtet und über den Feind triumphiert und den Hades niedergetreten und den Starken gefesselt und den Menschen entrissen in die Höhen des Himmels.“2
Die Frauen, die Jesus gefolgt waren, sind aus Sehnsucht und unerschütterlicher Treue zum Grab ihres Meisters gegangen. Aber kaum angekommen, kehren sie um: Sogleich verließen sie das Grab voll Furcht und großer Freude, berichtet das Evangelium, und eilten zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden (Mt 28,8). Und mitten am Weg kommt ihnen Jesus entgegen. „Achten wir darauf“, sagte Papst Franziskus: „Jesus begegnet ihnen, als sie ihn verkünden wollen. Das ist schön! Wenn wir den Herrn verkünden, kommt der Herr zu uns.“3 Der auferstandene Christus geht ihnen entgegen und bestärkt sie in ihrer Absicht: Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen (Mt 28,10). Die Frauen verspüren eine nie dagewesene Freude. Sie stellen nicht in Frage, was sie gesehen haben, sie haben keinen Zweifel daran, dass es Jesus ist, der ihnen auf dem Weg begegnet ist; es war sein Blick, es war der Tonfall seiner Stimme.
MARIA MAGDALENA und die anderen Frauen, die Jesus folgten, sollen den Aposteln die Nachricht bringen. Jesus vertraut ihnen die erste Verkündigung der Auferstehung an – sie werden, wie Johannes Paul II. hervorhob, „die ersten Zeugen dieser Wahrheit sein. Vielleicht wollte er so ihr Feingefühl belohnen, ihre Sensibilität für seine Botschaft, ihre Tapferkeit, die sie bis zum Golgota geführt hat.“4 Angesichts des leeren Grabes hatte ihn Maria Magdalena, „weinend und brennend vor Liebe gesucht. Deshalb“, so sagt der heilige Gregor, „war sie die Einzige, die ihn damals gesehen hat, weil sie weiter nach ihm gesucht hatte; denn was den guten Werken Kraft gibt, ist das Ausharren in ihnen.“5 Diese Frauen wurden zu Aposteln der Apostel. Sie werden es auch sein, die die Jünger antreiben, ein für alle Mal ihr Refugium zu verlassen und den Herrn selber zu suchen.
Die Liebe trieb die Frauen zum Grab. Sie ist seit jeher auch der Motor der Evangelisierung in der Kirche. Hierin lag das Geheimnis der Heiligen: Bewegt von ihrem inneren Feuer haben sie den Herrn mutig zu den Menschen gebracht. Wie die Flüsse im Frühling über die Ufer treten und das Feld fruchtbar machen, so „ist das Apostolat Ausdruck unserer Liebe zu Gott, die sich überfließend dem anderen mitteilt“, schrieb der heilige Josefmaria. „Inneres Leben bedeutet Wachstum in der Vereinigung mit Christus, im Brot und im Wort. Der apostolische Eifer ist die genau entsprechende und notwendige Äußerung des inneren Lebens. Wenn man die Liebe Gottes verkostet, spürt man die Last der Seelen (...). Für den Christen ist Apostolat etwas Selbstverständliches und: nichts Aufgesetztes, Nebensächliches, mit dem alltäglichen Tun nur äußerlich Verbundenes.“6
Der Herr lebt und hat uns das neue Leben gebracht; das ist die große Nachricht, die unser Leben mit Hoffnung erfüllt – und wir wünschen, dass sie auch viele andere erreiche. Jesus selbst kommt uns entgegen, um uns in diesem Verlangen zu bestärken und es zugleich für alle Zeiten zu unserer Sendung zu machen: Geht und verkündet (vgl. Mk 16,15). Er scheint zu einem jedem von uns zu sagen: Durch dein Leben, durch dein Wort, durch deine Freundschaft kannst auch du deinen Brüdern und Schwestern die großartige Botschaft überbringen, dass das Leben stärker ist als der Tod und die Liebe stärker als der Hass.
IM KONTRAST zu den heiligen Frauen waren die Wachen entsetzt, als sie entdeckten, dass das Grab leer war. Sie dachten, jemand habe den Leichnam gestohlen, und wussten nicht, wie sie sich das erklären sollten. Nun stand ihr Leben auf dem Spiel. Sie gingen in die Stadt und meldeten das Geschehene den Ältesten. Diese erkauften sich ihr Schweigen mit einer hohen Geldsumme und sicherten ihnen Schutz zu für den Fall, dass Pilatus von ihrer Nachlässigkeit erfuhr.
„Der Auferstandene sagt uns heute so wie den Frauen“, predigte Papst Benedikt XVI., „dass wir uns nicht scheuen sollen, die Nachricht von seiner Auferstehung zu verkünden. Wer dem auferstandenen Jesus begegnet und sich ihm fügsam anvertraut, hat nichts zu befürchten. Dies ist die Botschaft, die die Christen bis an die Enden der Erde verbreiten sollen.“7 Und weiter sagte der Papst, es gebe jeden Tag „viele Gelegenheiten, unseren Glauben anderen auf einfache und überzeugende Weise mitzuteilen, so dass aus unserer Begegnung ihr Glaube geboren werden kann. Und es ist dringender denn je, dass die Männer und Frauen unserer Zeit Jesus kennenlernen, ihm begegnen und sich ‒ auch dank unseres Beispiels ‒ von ihm gewinnen lassen.“8
In österliche Freude getaucht, rufen wir Maria an, damit sie uns zu Zeugen der Liebe Jesu Christi macht, zu Boten jener Hoffnung, die er durch seinen Sieg für uns gewonnen hat.
1 Benedikt XVI., Regina Coeli-Gebet, 9.4.2007.
2 Meliton von Sardes, Aus einer Osterpredigt (Brevier, Lesehore, Zweite Lesung).
3 Franziskus, Regina Coeli-Gebet, 10.4.2023.
4 Hl. Johannes Paul II., Generalaudienz, 22.2.1989.
5 Hl. Gregor der Große, Homilie 25, 1-2. 4-5.
6 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 122.
7 Benedikt XVI., Regina Coeli-Gebet, 9.4.2007.
8 Ebd.

