Auf Einladung des Studentenhauses Schweidt feierte der Erzbischof von Köln, Kardinal Woelki, eine Messe in der hauseigenen Kapelle. Im anschließenden Gespräch mit rund 90 jungen Leuten erinnerte der Kardinal an den heiligen Josefmaria, der die persönliche Freundschaft als Hauptinstrument für das Wachstum der Kirche ansah.
Köln. - Die junge Generation spiele eine Schlüsselrolle für einen neuen Aufbruch der Kirche in Deutschland, so Woelki. In Großbritannien, Frankreich und Belgien gebe es bereits deutliche Anzeichen für eine gestiegene Attraktivität der Kirche, gerade für junge Männer. Frankreich zum Beispiel verzeichnete einen neuen Rekord an Erwachsenentaufen, im Vereinigten Königreich verdreifachte sich die Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher unter jungen Männern in den letzten 30 Jahren und in Belgien verdoppelte sich die Zahl der Taufen im Vergleich zum Vorjahr. „Diese Entwicklung wird auch nach Deutschland überschwappen, wenngleich zunächst nicht im selben Maß“, so Woelki. Der Kardinal gibt mit dem neu gegründeten Referat Neuevangelisierung ein Beispiel für moderne Missionsformen. So haben sich vier Dreierteams aus Priestern und Laien gebildet, um einzelne Kirchen und Schulen geistlich neu zu beleben. Das wesentliche Instrument für die Neuevangelisierung sei jedoch die persönliche Freundschaft, womit Kardinal Woelki an den heiligen Josefmaria und sein „Apostolat der Freundschaft und des Vertrauens“ erinnerte.
Nach der Feier der heiligen Messe in der Kapelle des Studentenhauses kam der Erzbischof mit rund 90 jungen Menschen zusammen. Auf die Frage, ob der empfangene Applaus wieder der Normalzustand für ihn sei, antwortete Kardinal Woelki deutlich: „Ein Bischof, der nur Applaus bekommt, macht etwas falsch.“ Das mediale Gewitter um seine Person habe nie die Wirklichkeit abgebildet. Zustimmung und Anerkennung seien zwar eine Hilfe, aber zugleich nur ein Ausschnitt aus der Realität der bischöflichen Tätigkeit.
Neben musikalischen Darbietungen wie dem Kölner Klassiker „En unserm Veedel“ erhielt der Kardinal zwei Geschenke: Der junge deutschstämmige Argentinier Federico Kruse überreichte ihm ein Stickeralbum mit Heiligenbildern, die in Südamerika bereits rege Nachfrage genießen. Von den Bewohnern von Schweidt erhielt er einen Kapuzenpullover mit dem Hauslogo. Der Kardinal gab im lockeren Gespräch auch Einblicke in persönliche Vorlieben und Pläne: Rudern nannte er als bevorzugten Sport, elektronische Musik bevorzuge er gegenüber Rock. Auf die Frage „Petersdom oder Kölner Dom?“ stellte der Kardinal unmissverständlich klar, dass er auch nach seiner Emeritierung Köln treu bleiben werde.
Ulrich Nagel, Leiter des Studentenhauses, erklärt: „Der Besuch des Bischofs ist immer ein Höhepunkt im Kalender unseres Hauses. Wir freuen uns, Kardinal Woelki nach seinem letzten Besuch im Dezember 2022 bei uns erneut mit so viel Freude und Elan erlebt zu haben. Man merkt, wie sehr er für die Neuevangelisierung brennt.“ Das Studentenhaus Schweidt liegt im Kölner Westen, bietet 16 Zimmer an und lädt im Monatsrhythmus Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu einem persönlichen Austausch mit Studenten ein.

