20. Die Eucharistie (II)

Die Heilige Messe ist ein Opfer im eigentlichen und in einzigartigem Sinn. Sie vergegenwärtigt im Heute der liturgischen Feier das einzige Opfer unserer Erlösung, denn sie ist sein Gedächtnis und wendet seine Frucht zu.

Bausteine des Glaubens
Opus Dei - 20. Die Eucharistie (II)

Der Opfercharakter der Heiligen Messe

1.1 Inwiefern ist die Heilige Messe ein Opfer?

Die Heilige Messe ist Opfer im eigentlichen und in einzigartigem Sinn, und zwar „neu“ im Vergleich mit den Opfern der Naturreligionen und den rituellen Opfern des Alten Testaments. Die Messe ist Opfer, weil sie im Heute der liturgischen Feier der Kirche das einzige Opfer unserer Erlösung vergegenwärtigt. Sie ist dessen Gedächtnis und wendet seine Frucht zu (vgl. KKK, 1362-1367).

Bei jeder Eucharistiefeier ist die Kirche aufgerufen, die von Christus angebotene Gabe anzunehmen, also am Opfer ihres Herrn teilzunehmen, indem sie sich mit ihm dem Vater für die Rettung der Welt darbringt. Man kann also behaupten, dass die Heilige Messe Opfer Christi und der Kirche ist.

Diese beiden Aspekte des eucharistischen Mysteriums sollen näher betrachtet werden.

1.2 Die Eucharistie, sakramentale Gegenwart des Erlösungsopfers Jesu Christi

Die Heilige Messe ist ein wahres und eigentliches Opfer wegen ihres direkten Bezugs – ihrer sakramentalen Identität – mit dem einzigen, vollkommenen und endgültigen Opfer des Kreuzes 1. Diesen Bezug hat Jesus Christus beim Letzten Abendmahl hergestellt, als er den Aposteln unter den Gestalten von Brot und Wein seinen geopferten Leib und sein für die Vergebung der Sünden vergossenes Blut darreichte und damit im Gedächtnisritus vorwegnahm, was historisch wenig später auf dem Golgatha geschehen sollte. Seit damals hört die Kirche unter Anleitung und in der Kraft des Heiligen Geistes nicht auf, das Gebot zu befolgen, das Jesus Christus seinen Jüngern gegeben hat: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ ( Lk 22,19; 1 Kor 11,24-25). Auf diese Weise „verkündet sie den Tod des Herrn“ (also sein Opfer: vgl. Eph 5,2; Hebr 9,26), und zwar durch das Wort und im Sakrament, „bis er kommt“ (also bis zu seiner Wiederkunft am Ende der Zeiten): vgl. 1 Kor, 11,26.

Diese Verkündigung, diese sakramentale Proklamation des Paschamysteriums des Herrn hat besondere Wirksamkeit, denn sie stellt das Erlösungsopfer Christi nicht nur in signo oder in figura dar, sondern aktualisiert es wirklich – seine Person und seine Heilstat werden gegenwärtig. Der Katechismus der Katholischen Kirche formuliert: „Die Eucharistie ist das Gedächtnis des Pascha Christi, die sakramentale Vergegenwärtigung und Darbringung seines einzigen Opfers in der Liturgie seines Leibes, der Kirche“ (KKK, 1362).

Wenn daher die Kirche Eucharistie feiert, wird durch die Verwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi die (jetzt verklärte) Opfergabe des Golgatha gegenwärtig, es wird der Priester Jesus Christus gegenwärtig, und es wird der Opferakt selbst (der eigentliche Opferakt des Kreuzes) gegenwärtig, untrennbar gebunden an die sakramentale Präsenz Christi, wobei dieser Akt im auferstandenen und verherrlichten Herrn immer Aktualität besitzt 2. Nur die äußere Erscheinung dieser Hingabe ist eine andere: auf Kalvaria sind es Leiden und Tod am Kreuz; in der Messe ist es ein sakramentales Gedächtnis: die Doppelkonsekration von Brot und Wein im Kontext des Eucharistischen Hochgebets (dem sakramentalen Abbild des Kreuzesopfers) 3.

Daraus folgt, dass das Letzte Abendmahl, das Opfer von Kalvaria und die Eucharistie eng miteinander verbunden sind. Das Abendmahl war die sakramentale Vorwegnahme des Kreuzes; die Eucharistie, die Jesus Christus damals eingesetzt hat, aktualisiert über die Zeiten hin, wo immer sie sakramental gefeiert wird, das einzige Erlösungsopfer des Herrn, damit alle Generationen mit Christus in Kontakt treten und die Erlösung empfangen können, die er der ganzen Menschheit anbietet 4.

1.3. Die Eucharistie, Opfer Christi und der Kirche

Die Heilige Messe ist das Opfer Christi und der Kirche, weil die Kirche bei jeder Feier des Mysteriums der Eucharistie am Opfer ihres Herrn teilnimmt, sich mit ihm und seinem dem Vater dargebrachten Opfer verbindet und an den Gütern der Erlösung, die er uns erworben hat, Anteil erhält. Die ganze Kirche opfert und wird in Christus durch den Heiligen Geist dem Vater aufgeopfert. So bezeugt es die lebendige Überlieferung sowohl in den liturgischen Texten als auch bei den Vätern und in den Aussagen des Lehramts 5. Diese Lehre gründet auf dem Prinzip der Einheit und des Zusammenwirkens Christi und der Glieder seines Leibes, wie es das II. Vatikanische Konzil klar dargelegt hat: „In der Tat gesellt sich Christus in diesem großen Werk, in dem Gott vollkommen verherrlicht und die Menschheit geheiligt werden, immer wieder die Kirche zu, seine geliebte Braut“ 6.

Die Kirche opfert mit Christus

Die Teilnahme der Kirche – des hierarchisch strukturierten Gottesvolkes – an der Darbringung des eucharistischen Opfers ist durch die Weisung Christi legitimiert: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Diese Teilnahme kommt häufig in den eucharistischen Hochgebeten der Alten Kirche 7 durch den liturgischen Wortgebrauch zum Ausdruck: „memores ... offerimus ... [tibi Pater] ... gratias agentes ... hoc sacrificium “. Genauso verhält es sich in den heutigen eucharistischen Hochgebeten 8.

Wie die Texte der eucharistischen Liturgie bezeugen, sind die Gläubigen nicht bloße Zuschauer bei einem vom zelebrierenden Priester vollzogenen Kultakt. Alle können und sollen an der Darbringung des eucharistischen Opfers mitwirken, denn sie sind durch die Taufe in Christus eingegliedert und damit „ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde“ ( 1 Petr 2,9). Sie sind in Christus das neue Volk Gottes, das er weiterhin um sich sammelt, damit von einem Ende der Erde bis zum anderen seinem Namen ein vollkommenes Opfer dargebracht wird (vgl. Mal 1, 10-11). Sie bringen nicht nur den geistigen Kult ihrer Werke und ihrer Existenz dar, sondern auch – in und mit Christus – die reine, heilige und makellose Opfergabe. So leben die Gläubigen in der Eucharistie das gemeinsame Priestertum.

Das Opfer der Kirche und das Opfer Christi stehen nicht nebeneinander, sondern sind ein und dasselbe Opfer. Die Gläubigen bringen nicht ein vom Opfer Christi verschiedenes Opfer dar, denn dadurch, dass sie sich mit ihm vereinigen, wird es möglich, dass er die Darbringung der Kirche in die seine aufnimmt, so dass das Opfer der Kirche sein Opfer wird. Es handelt sich nicht um ein Nebeneinander oder Nacheinander, sondern um ein Ineinander.

Die Kirche wird mit Christus dargebracht

Die Kirche bringt nicht nur vereint mit Christus das eucharistische Opfer dar, sondern wird selbst dargebracht, denn als der Leib und die Braut ist sie untrennbar mit ihrem Haupt bzw. ihrem Bräutigam verbunden.

Die Lehre der Väter ist in diesem Punkt eindeutig. Dass die Kirche (unsichtbar) dargebracht wird, kommt für den hl. Cyprian dadurch zum Ausdruck, dass den Gaben von Brot und Wein etwas Wasser beigemischt wird, das also zur Materie des Opfers des Altares gehört 9. Für den hl. Augustinus ist klar, dass am Altar die ganze Kirche mit ihrem Herrn dargebracht wird, was sich in der sakramentalen Feier selbst zeigt: „So ergibt sich, dass auch der ganze erlöste Staat, die Versammlung und Gemeinschaft der Heiligen, als ein allumfassendes Opfer Gott dargebracht wird durch den Hohenpriester, der ja auch in seinem Leiden sich selbst in Knechtsgestalt für uns geopfert hat, dass wir der Leib des hohen Hauptes seien (...). Das ist das Opfer der Christen: ‚die vielen, ein Leib in Christus!’ [ Röm 12,5]. Die Kirche aber feiert es auch in dem den Gläubigen bekannten Sakrament des Altares, wo ihr vor Augen gestellt wird, dass sie in dem, was sie darbringt, selbst dargebracht wird“ 10. Für den hl. Gregor den Großen ist die Eucharistiefeier ein Ansporn zur Nachahmung des vom Herrn gegebenen Beispiels, damit wir unser Leben dem Vater aufopfern, wie das Jesus getan hat. So kommt die vom Kreuz des Herrn ausgehende Erlösung auch auf uns: „Es ist aber notwendig, dass wir während dieser heiligen Handlung uns selbst Gott schlachten in Zerknirschung des Herzens; denn wenn wir das Geheimnis des Leidens des Herrn feiern, müssen wir nachahmen, was wir begehen. Dann wird das heilige Opfer, das wir Gott darbringen, wirklich zum Opfer für uns, wenn wir uns selbst zu einem Opfer machen“ 11.

Die eucharistische Liturgie selbst drückt die Teilnahme der Kirche am Opfer Christi im Heiligen Geist aus: „Schau gütig auf die Gabe deiner Kirche. Denn sie stellt dir das Lamm vor Augen, das geopfert wurde und uns nach deinem Willen mit dir versöhnt hat. Stärke uns durch den Leib und das Blut deines Sohnes und erfülle uns mit seinem Heiligen Geist, damit wir ein Leib und ein Geist werden in Christus. Er mache uns auf immer zu einer Gabe ...“ 12. Ähnlich die Bitte im Vierten Hochgebet: „Sieh her auf die Opfergabe, die du selber deiner Kirche bereitet hast, und gib, dass alle, die Anteil erhalten an dem einen Brot und dem einen Kelch, ein Leib werden im Heiligen Geist, eine lebendige Opfergabe in Christus zum Lob deiner Herrlichkeit“.

Die Mitfeier der Gläubigen besteht vor allem in der innerlichen Vereinigung mit dem Opfer Christi, das durch den Dienst des Zelebranten auf dem Altar gegenwärtig wird. Es kann in keiner Weise gesagt werden, dass die Gläubigen mit dem Priester „konzelebrieren“ 13, da nur er in Persona Christi Capitis handelt; die Behauptung ist aber durchaus richtig, dass sie aufgrund des in der Taufe empfangenen gemeinsamen Priestertums am Opfer mitwirken. Dieser inneren Teilnahme soll auch eine äußere Teilnahme entsprechen: der Empfang der Kommunion (im Stand der Gnade), die Antworten und die von den Gläubigen zusammen mit dem Priester gesprochenen Gebete, die Körperhaltung und fallweise auch die Ausführung einiger Riten, wie der Vortrag der Lesungen oder der Fürbitten.

Für das Lehramt unserer Tage spricht der Katechismus der Katholischen Kirche: „Die Eucharistie ist auch das Opfer der Kirche. Die Kirche, der Leib Christi, nimmt am Opfer ihres Hauptes teil. Mit ihm wird sie selbst ganz dargebracht. Sie vereinigt sich mit seiner Fürbitte beim Vater für alle Menschen. In der Eucharistie wird das Opfer Christi auch zum Opfer der Glieder seines Leibes. Das Leben der Gläubigen, ihr Lobpreis, ihr Leiden, ihr Gebet und ihre Arbeit werden mit denen Christi und seiner Ganzhingabe vereinigt und erhalten so einen neuen Wert. Das auf dem Altar gegenwärtige Opfer Christi gibt allen Generationen von Christen die Möglichkeit, mit seinem Opfer vereint zu sein“ (KKK, 1368).

Die soeben dargelegte Lehre ist für das christliche Leben von grundlegender Bedeutung. Alle Gläubigen sind zur Teilnahme an der Heiligen Messe aufgefordert, um dort ihr königliches Priestertum in der Absicht zu auszuüben, ihr eigenes, von Sünde gereinigtes Leben mit Christus, der unbefleckten Opfergabe, dem Vater darzubringen. Durch dieses geistlich-existentielle Opfer geben sie ihm in kindlicher Liebe und Danksagung alles zurück, was sie von ihm empfangen haben. So wird die Liebe Gottes – der Strom der trinitarischen Liebe, der die Eucharistiefeier erfüllt – ihr Dasein umgestalten.

Für die Gläubigen wird die Heilige Messe wirklich Mitte und Wurzel ihres inneren Lebens 14 sein, wenn sie den Alltag, ihre Arbeit und ihr gesamtes Tun auf sie ausrichten. Darin äußert sich wesentlich die „priesterliche Seele“. In diesem Sinn ermuntert uns der hl. Josefmaria: „Bemühe dich mit allen Kräften darum, dass das Heilige Messopfer Mitte und Wurzel deines inneren Lebens ist. Der ganze Tag wird so – zuerst als Verlängerung der vergangenen Heiligen Messe, dann als Vorbereitung auf die kommende – zu einem Gottesdienst, der sich immer neu entfaltet: in Stoßgebeten, im Aufsuchen des Altarsakramentes, in der Darbringung deiner beruflichen Arbeit und deines Familienlebens.“ 15

Auch wenn die Messe ohne Teilnahme von Gläubigen gefeiert wird, hat sie öffentlichen und gesellschaftlichen Charakter. Ihre Wirkungen erstrecken sich auf alle Orte und Zeiten. Daher ist es sehr angebracht, dass die Priester täglich zelebrieren, auch wenn keine Gläubigen anwesend sein können 16.

2. Ziele und Früchte der Heiligen Messe

Als sakramentale Vergegenwärtigung des Opfers Christi hat die Heilige Messe dieselben Ziele wie das Kreuzesopfer 17. Es sind die folgenden: das latreutische Ziel (Lob und Anbetung Gottes des Vaters durch den Sohn im Heiligen Geist); das eucharistische Ziel (Danksagung an Gott für Schöpfung und Erlösung); das propitiatorische Ziel (Sühne bzw. Genugtuung für unsere Sünden); und das impetratorische Ziel (Bitte an Gott um seine Gnade und seine Gaben). Diese Ziele kommen in den Gebeten der eucharistischen Liturgie zum Ausdruck, besonders im Gloria, im Credo und in den verschiedenen Teilen der Anaphora (also des eucharistischen Hochgebets) wie Präfation, Sanctus, Epiklese, Anamnese, Interzessionen, Schlussdoxologie, im Vaterunser sowie in den Gebeten des Propriums jeder Messe: Tagesgebet, Gabengebet, Schlussgebet.

Unter Früchten der Heiligen Messe versteht man die Wirkungen der im eucharistischen Opfer gegenwärtigen Heilskraft des Kreuzes in den Menschen, die sie frei annehmen – in Glaube, Hoffnung und Liebe zum Erlöser. Diese Früchte bestehen im Wesentlichen in der Vermehrung der heiligmachenden Gnade und in einer innigeren existentiellen Gleichgestaltung mit Christus, wie sie die Eucharistie auf spezifische Weise mit sich bringt.

Diese Früchte der Heiligkeit sind nicht bei allen Teilnehmern am eucharistischen Opfer gleich. Sie werden größer oder geringer sein je nach der Beteiligung des Einzelnen an der liturgischen Feier sowie nach dem Maß seines Glaubens und seiner Andacht. Deshalb kommen auf verschiedene Weise in den Genuss der Früchte der Heiligen Messe: die ganze Kirche; der zelebrierende Priester und die Gläubigen, die mit ihm verbunden sind bzw. an der Eucharistiefeier teilnehmen; die Personen, die zwar nicht die Messe mitfeiern, sich aber geistig mit dem zelebrierenden Priester vereinen; jene, für die die Messe dargebracht wird, seien es Lebende oder Verstorbene 18.

Wenn ein Priester ein Stipendium annimmt, um die Früchte der Messe einem bestimmten Anliegen zuzuwenden, übernimmt er eine schwere Verpflichtung 19.

Ángel García Ibáñez

Grundlegende Literatur:

  • Katechismus der katholischen Kirche , 1356-1372.
  • Johannes Paul II., Enz. Ecclesia de Eucharistia, 17.4.2003, 11-20.
  • Benedikt XVI., Ap. Schr. Sacramentum caritatis, 22.2.2007, 6-15; 34-65.
  • Kongregation für den Gottesdienst, Instruktion Redemptionis Sacramentum, 25.3.2004, 36-47; 48-79.

Empfohlene Literatur:

  • Hl. Josefmaria, Homilie Die Eucharistie, in Christus begegnen, 83-94
  • J. Ratzinger, Gott ist uns nah – Eucharistie: Mitte des Lebens , Paulinusverlag 2006.

1 Der Katechismus der Katholischen Kirche drückt das so aus: „Das Opfer Christi und das Opfer der Eucharistie sind ein einziges Opfer “ (KKK, 1367).

2 In diesem Sinn betont der Katechismus der Katholischen Kirche: „In der Liturgie der Kirche bezeichnet und verwirklicht Christus vor allem sein Pascha-Mysterium. Während seines Erdenlebens kündigte Jesus durch sein Lehren das Pascha-Mysterium an und nahm es in seinen Taten vorweg. Als dann seine Stunde gekommen war (vgl. Joh 13,1; 17,1), durchlebte er das einzige Ereignis der Geschichte, das nicht vergeht: Jesus stirbt ‚ein für allemal’ ( Röm 6,10; Hebr 7,27; 9,12), wird begraben, ersteht von den Toten und sitzt zur Rechten des Vaters. Dieses tatsächliche Ereignis, welches sich in unserer Geschichte ereignet hat, ist ganz und gar einmalig: Alle anderen Ereignisse geschehen einmal, dann gehen sie vorüber, versinken in der Vergangenheit. Das Pascha-Mysterium Christi hingegen kann nicht in der Vergangenheit bleiben, denn durch seinen Tod hat er den Tod besiegt. Alles, was Christus ist, und alles, was er für die Menschen getan und gelitten hat, nimmt an der Ewigkeit Gottes teil, steht somit über allen Zeiten und wird ihnen gegenwärtig. Das Ereignis des Kreuzes und der Auferstehung ist etwas Bleibendes und zieht alles zum Leben hin“ (KKK, 1085).

3 Das sakramentale Zeichen der Eucharistie verursacht das vergegenwärtigte Geschehen nicht von neuem noch reproduziert es dieses. Es erneuert nicht das blutige Kreuzesopfer, denn Christus ist auferstanden und „der Tod hat keine Macht mehr über ihn“ ( Röm 6,9), noch verursacht es in Christus etwas, das er nicht schon vollkommen und endgültig besitzt (es bedarf keiner neuen Hingabeakte und keiner neuen Opferhandlung seitens des verherrlichten Christus). Die Eucharistie aktualisiert nur eine schon vorhandene Wirklichkeit: die Person Christi, des fleischgewordenen Wortes, das gekreuzigt wurde und auferstanden ist, und in ihm die Opfertat unserer Erlösung. Das Zeichen bringt nur eine neue, sakramentale Weise seiner Gegenwart mit sich, welche die Teilnahme der Kirche am Opfer des Herrn ermöglicht, wie weiter unten gezeigt wird.

4 In diesem Sinn erklärt das II. Vatikanische Konzil in der Konstitution Lumen gentium, 3: „Sooft das Kreuzesopfer, in dem Christus, unser Osterlamm, dahingegeben wurde ( 1 Kor 5,7), auf dem Altar gefeiert wird, vollzieht sich das Werk unserer Erlösung “.

5 Vgl. KKK, 1368-1370.

6 II. Vatikanisches Konzil, Konst. Sacrosanctum Concilium, 7.

7 Vgl. das eucharistische Hochgebet nach der Traditio Apostolica des heiligen Hippolyt; die Anaphora des Addai und Mari; die Anaphora des heiligen Markus.

8 Vgl. Römisches Messbuch, Eucharistisches Hochgebet I (Unde et memores und Supra quae); Eucharistisches Hochgebet III ( Memores igitur; Respice quaesumus und Ipse nos tibi ). Ähnliche Formulierungen finden sich in den Hochgebeten II und IV.

9 Vgl. hl. Cyprian, Ep. 63,13.

10 Hl. Augustinus, De civitate Dei, 10,6.

11 Hl. Gregor d. Gr., Dialoge, 4, LIX.

12 Römisches Messbuch, Hochgebet III: Respice, quaesumus und Ipse nos tibi.

13 Vgl. Pius XII., Enz. Mediator Dei, 65 (vgl. DS 3850); Kongregation für den Gottesdienst, Instruktion Redemptionis Sacramentum , 42.

14 Vgl. hl. Josefmaria, Christus begegnen, 87.

15 Hl. Josefmaria, Im Feuer der Schmiede, 69.

16 Vgl. Konzil von Trient, Lehre über das allerheiligste Messopfer, Kap. 6: DS 1747; II. Vatikan. Konzil, Dekret Presbyterorum Ordinis , 13; Johannes Paul II., Enzyklika Ecclesia de Eucharistia , 31; Benedikt XVI., Apost. Schr. Sacramentum caritatis , 80.

17 Diese Identität der Ziele beruht nicht nur auf der Intention der feiernden Kirche, sondern vor allem auf der sakramentalen Gegenwart Christi selbst. Die Ziele, derentwegen er sein Leben dem Vater aufgeopfert hat, sind in ihm nach wie vor aktuell und wirksam (vgl. Röm 8,34; Hebr 7,25).

18 Die erwähnte Darbringung – es handelt sich um ein Fürbittgebet – setzt nicht eine Art Heilsautomatik in Gang. Die betreffenden Gläubigen erhalten die Gnade nicht auf mechanische Weise, sondern nach Maßgabe ihrer Vereinigung mit Gott durch Glaube, Hoffnung und Liebe.

19 Vgl. CIC, can. 945-958. Durch eine solche konkrete Applikation schließt der zelebrierende Priester nicht den Segen des eucharistischen Opfers für andere Mitglieder der Kirche und für die ganze Menschheit aus. Er schließt nur einige Gläubige auf besondere Weise ein.