Zeugnis einer Krebskranken: „Mir fehlte es an Vertrauen”

Anna Corry, eine Familienmutter, die dem Opus Dei angehörte und am 29. März 2018 in Sydney starb, gab kurz vor ihrem Tod ein besonderes Zeugnis über die Zeit ihrer Krankheit, ihren Glauben und das, was im Leben wirklich zählt.

Persönliche Zeugnisse

Anna wurde 51 Jahre alt, ihr Ehemann heißt Martin. Sie hinterlässt drei Söhne: Michael (17 Jahre), Dominic (14 Jahre) und Andrew (11 Jahre).

Ihre Krankheit wurde zuerst falsch diagnostiziert. Zunächst hieß es, sie hätte keinen Krebs, sondern eine Entzündung in der Brust. Kurz darauf teilte man ihr mit, dass sie nur noch ein Jahr zu leben hätte. Zweimal unterzog sie sich einer Chemotherapie, die letztendlich erfolglos blieb.

Sie stellte sich ehrlich ihrem inneren Kampf. Sie war herausgefordert aufgrund der starken physischen Schmerzen, aber auch aufgrund der Tatsache, dass sie ihre noch junge Familie hinter sich lassen musste.

Dieses Video wurde zwei Wochen vor ihrem Tod aufgenommen. Es ist eine Kurzfassung eines längeren Interviews, in dem sie über ihre letzten Monate auf Erden sprach.

Hier das Interview im Wortlaut:

Sie gaben mir nur 12 Monate, und das erschütterte mich in meinem Innersten. Ich sagte,… nein, ich glaube, ich schrie sie an: „Ich kann meine Söhne nicht verlassen, das kann ich einfach nicht!“

Ein paar Nächte war ich zu Hause. Ich erinnere mich, dass ich sogar zu meinen Kindern und auch zu meinem Mann sagte, dass ich das nicht mehr aushalten kann. Ich schaffe es einfach nicht. Es tut so weh, es ist zu… - wie lautet noch einmal das Wort...? - entmenschlichend. Ich war so voller Sorgen nach all dem, was ich schon durchgemacht hatte – was würde noch auf mich zukommen?

Als ich in dieses Hospiz kam, ließen meine Schmerzen sofort nach. Sie schlossen mich an eine Schmerzpumpe an, die rund um die Uhr eine gleichmäßige Schmerzmittelkonzentration gewährleistet – genau was ich wollte und brauchte.

Die Ärzte dosierten die Pumpe jeweils nach der Stärke meiner Schmerzen.

Ich war zutiefst beeindruckt, denn wenn ein Mensch keine Schmerzen hat, zumindest bei mir war das so, ist das Leben auf einmal wieder lebenswert und, ja, schön!

Ich denke, wenn man Schmerzen hat, ist man leicht einmal übersensibel, irrational, man nimmt seine Umwelt nicht wahr, man ist wie in der eigenen Welt gefangen. Das ist eine entsetzliche Situation, in der man sich befindet. Ich glaube nicht, dass Gott das möchte … ich weiß, dass man das aufopfern und dadurch viel Gutes bewirken kann, aber ich glaube nicht, dass Gott unbedingt will, dass wir leiden, wenn man die Schmerzen behandeln kann.

Ich weiß, dass Er uns allen Kreuze zu tragen gibt, und dass wir sie auf uns nehmen sollen… und manchmal sind sie im Gefühl, und wir müssen uns durcharbeiten, oder es sind geistige oder moralische Kreuze. Aber dieses körperliche Kreuz, das er mir gegeben hatte … Es war schwer, es zu tragen… Ich brauchte eine Schmerzbehandlung. Der Unterschied war unglaublich.

Ich bat Gott, meinen Willen dem seinen anzupassen. Das war alles, was ich wollte, aber ich konnte mir nicht vorstellen, wie das geschehen sollte. Ich wusste nicht, wie. Ich konnte es einfach selbst nicht sehen … Martin half mir mit weisen Ratschlägen. Er las mir einige Seiten aus der Hl. Schrift vor und sprach mit mir über Hiob … Ich bat ihn, mir das Buch Hiob vorzulesen: das, was seine Bedrängnisse erleichterte - er hatte so viele Bedrängnisse -. … und das, was ihm Hilfe verschaffte.

Und schlussendlich die Einsicht… Ich habe es selbst gelesen … die Einsicht, die ich daraus bekam, war: „du sollst für deine Feinde beten, du sollst Gottes Willen tun oder seinen Willen lieben“. Dann begann ich zu lesen, was einige Heilige und vor allem die hl. Teresa darüber geschrieben hatten: Wenn wir seinen Willen annehmen, gefällt das Gott mehr als unser Gebet, als unser Opfer und unsere Abtötungen… Nicht, dass Er daran keinen Gefallen hätte, nein sie sind sehr gut, aber das hier ist viel besser … und ich begann, die Schönheit darin zu entdecken.

Mir fehlte es sehr an Vertrauen, ich vertraute einfach nicht. Und erst im Durchleben dieser Krankheit merkte ich, wie sehr es mir fehlte. Das Vertrauen darauf, dass Er sich um meine Kinder kümmern wird… oder die Mutter Gottes wird es tun. Wahrscheinlich würden wir beide vom Himmel aus, oder ich vielleicht vom Fegefeuer aus, uns um die Kinder kümmern, wir beide werden sie behüten und großziehen. Was könnte es Besseres geben!

Also mir fehlte dieses Vertrauen völlig, aber es kam zurück … Ich habe gelernt zu vertrauen, vor allem dank meiner geistlichen Lesung, der Gespräche mit sehr weisen Menschen, mit dem Priester in der geistlichen Begleitung, der wöchentlichen Beichte – es war so unglaublich: Sie alle haben viel zu tun und widmen einer einzelnen Person so viel Zeit. Ich habe auch jeden Tag die Hl. Kommunion empfangen, was mir ungeheuer viele Gnaden geschenkt hat.

Und dann kamen immer mehr Personen mit all ihren Anliegen zu mir, viele Frauen kamen mit Anliegen, die ihre Kinder betrafen, und es war so schön zu sehen, dass ich ihnen helfen konnte – schon allein mit Worten, aber noch mehr durch Gebet für sie und ihre Anliegen. Ich hatte ja viel Zeit, viele Stunden, und so konnte ich viel beten.

Es gibt ein paar Dinge in meinem Leben, die ich bedauere. Jetzt versuche ich, durch geistige Kommunionen das wieder gut zu machen. Besonders im Apostolat bedauere ich vieles. Ich hätte mich mehr öffnen sollen und ich wollte, ich wäre mit meiner Zeit großzügiger gewesen für die anderen, ja das tut mir leid … und dass ich für mein Gebet öfters zum Tabernakel gegangen wäre. Das ist auch etwas, das mir leid tut.

Aber ich möchte auch sagen, dass mir der Priester die Krankensalbung gespendet hat ... es ist unglaublich, so viel Gnade zu bekommen … Manchmal war dieses Zimmer voller Menschen, auch letzten Sonntag, als ich die Krankensalbung bekam. Und hier waren so viele Menschen... Sie haben gesehen, wie ich nachher war, so glücklich, so entspannt.

Darf ich auch erwähnen, dass ich am 4. März meine Fidelitas machen durfte (Bindung an Gott im Opus Dei auf Lebenszeit), das war der beste Tag, einer der schönsten Tage meines Lebens.

Mein Hochzeitstag, die Tage, an denen ich meine Kinder geboren habe, verschiedene andere Tage in meinem Leben … und jetzt die Tage hier im Hospiz. Einige dieser Tage waren die besten meines Lebens, vergleichbar mit den anderen… und alles das dank all dem, was ich eben geschildert habe.

Ich weiß, das klingt verrückt. Ich liege hier in einem Hospiz, aber es ist wirklich wahr. So empfinde ich es innerlich.

Wenn ich einen Rat geben darf: Bleibt im Stand der Gnade … um in den Himmel zu kommen. Falls ihr verstehet, was das bedeutet.