Kontakte von deutschen Bischöfen mit dem heiligen Josefmaria

Von den deutschen Bischöfen waren viele mit dem heiligen Josefmaria (+ 1975) befreundet. Zu seinen Zeitgenossen gehörten Faulhaber, Frings, Höffner, Hengsbach und Pohlschneider – aber auch Bengsch oder Döpfner haben ihn zu seinen Lebzeiten kennengelernt. Über diese Beziehungen des Heiligen zu deutschen Diözesanbischöfen hat Historikerin Barbara Schellenberger Nachforschungen angestellt und eine Übersicht dazu in einer historischen Zeitschrift publiziert.

Opus Dei - Kontakte von deutschen Bischöfen mit dem heiligen Josefmaria

Auf den ersten Blick verwundert es ein wenig, dass Ihrer Publikation zu entnehmen ist, dass der Hl. Josefmaria Escrivá zu Lebzeiten so viele persönliche und herzliche Kontakte zu Bischöfen aus Deutschland gehabt hat - er war Spanier, sprach kein Deutsch und lebte in Rom...

Schellenberger: Ja , ich war auch erstaunt, als ich bei der Durchsicht des Materials im Zentralarchiv der Prälatur in Rom und in den Diözesanarchiven in Köln, Aachen, Essen und München so viel Zeugnisse von regen Kontakten und tiefen Freundschaften zwischen dem Gründer des Opus Dei und deutschen Bischöfen fand.

Auf Grund des reichhaltigen Quellenmaterials bin ich besonders den persönlichen Beziehungen zu den Kölner Erzbischöfen Josef Kardinal Frings (+1978) und Joseph Kardinal Höffner (+1987) sowie zum Aachener Bischof Johannes Pohlschneider (+1981) und dem ersten Bischof von Essen, Franz Kardinal Hengsbach (+1991), nachgegangen. In der Zeit unmittelbar vor und während des II. Vatikanischen Konzils vermittelte der selige Alvaro del Portillo (+1994) diese Kontakte. Er war damals Generalsekretär des Opus Dei und selbst Mitarbeiter des Konzils – von der ersten Stunde an. Dazu kam, dass die gegen Ende der 1950er Jahre gegründeten Hilfswerke „Misereor“ und „Adveniat“ die Ausbreitung der apostolischen Arbeit des Opus Dei in Lateinamerika, Afrika und Asien bei Projekten unterstützten. Auch deshalb hatten etwa die Bischöfe Pohlschneider und Hengsbach ein Interesse, den Gründer des Opus Dei persönlich kennenzulernen.

Wer war der erste Bischof in Deutschland, der sich einen Eindruck vom Opus Dei verschaffen konnte? Ist dessen Reaktion bekannt?

Schellenberger: Ja, zum ersten Mal begegnete der heilige Josefmaria einem deutschen Bischof auf deutschem Boden bei einer Reise ins noch völlig zerstörte München im Dezember 1949. Es war Michael Kardinal von Faulhaber (+1952). Sie hatten keine Umgangs-Sprache gemeinsam, so unterhielten sie sich auf Latein. Einige Notizen von diesem Gespräch hat der Kardinal in seinem Tagebuch festgehalten. Er interessierte sich sehr für die apostolische Arbeit des Opus Dei und bat den Gründer sogar darum, bald in München zu beginnen. Denn Faulhaber hatte schon 1942 von einem Mitglied des Opus Dei eine provisorische Übersetzung einiger Kapitel aus dem kleinen Buch „Der Weg“ ins Deutsche erhalten und war um eine Stellungnahme gebeten worden. Darin schrieb er damals, offensichtlich sehr angetan von der Lektüre: „Nach Stil und Inhalt wird das Werk seinen „Weg“ gehen und eine große Mission ausüben…“

Wie sah es von Seiten des heiligen Josefmaria aus? Welcher deutsche Bischof stand in seiner Gunst weit oben?


Schellenberger: Das ist schwierig zu sagen. Escrivá pflegte Freundschaft mit vielen verschiedenen Menschen. Er schätzte Kardinal Frings als eine herausragende Gestalt des II. Vatikanischen Konzils. Escrivá besuchte ihn bei einem Aufenthalt in Rom, weil der Kardinal selbst wegen seines schlechten Gesundheitszustandes einer Einladung zum Mittagessen in den Zentralsitz des Opus Dei nicht folgen konnte. Seitdem verging kein Namenstag, an dem Escrivá dem Kardinal nicht gratulierte und umgekehrt genauso. Kardinal Frings hatte das Opus Dei schon 1946 bei einem eineinhalbstündigen Gespräch auf Latein mit Alvaro del Portillo kennengelernt und daraufhin ein Empfehlungsschreiben für die päpstliche Approbation des Opus Dei verfasst.1952 lernte er ein Studentenheim des Opus Dei in Barcelona kennen und wünschte, dass es so etwas auch bald in Deutschland gäbe.

Warum wird Ruhrbischof Hengsbach ein herzliches Verhältnis zum heiligen Josefmaria nachgesagt?

Schellenberger: Kardinal Hengsbach war schon beim ersten Treffen 1972 in Rom von der Persönlichkeit Escrivás fasziniert. In seiner Bitte zur Eröffnung des Selig- und Heiligsprechungsprozesses schrieb er, dass ihm bei dieser Begegnung klar gewesen sei, dass das Werk wirklich ein Werk Gottes sei.

Zu den Exequien von Josef Kardinal Höffner kam der selige Alvaro del Portillo, der Amtsnachfolger von Josefmaria Escrivá nach Köln… Wie war das Verhältnis zu ihm noch zu Lebzeiten gewesen?

Schellenberger: Ja, die Tatsache, dass der Nachfolger des Gründers an der Spitze des Opus Dei an den Exequien für Kardinal Höffner teilnahm, war ein Ausdruck hoher Wertschätzung und Dankbarkeit. Mit Escrivá und Höffner trafen zwei große Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts aufeinander. Bei ihrem ersten Treffen 1971 konnten beide eine tiefe Übereinstimmung in den großen Themen und Fragen der Kirche in ihrer Zeit feststellen. Als Höffner nach dem Tod des Gründers zum ersten Mal wieder zum Zentralsitz des Opus Dei kam, sagte er, dass er sicher sei, dass Escrivá mit ihm noch über viele Themen habe sprechen wollen, die er auf dem Herzen hatte. Aber auch er selbst habe das Verlangen gespürt, weil der Umgang und die Worte des Gründers ihm als Bischof und Seelenhirt sehr kostbar und hilfreich gewesen seien.

Wie ist das Verhältnis des Opus Dei zum Diözesanepiskopat heute?

Schellenberger: Der Gründer des Opus Dei empfahl von Anfang an den Leitern der Regionen, die nach und nach auf der ganzen Welt entstanden, ständig in Verbindung mit den Diözesanbischöfen zu bleiben. Er legte großen Wert darauf, dass der jeweilige Regionalvikar in seinem Land Kontakt zum Diözesanbischof und zum Nuntius pflegte. Die Bischöfe des jeweiligen Landes sollten wirklich auf dem Laufenden sein, und Escrivá bat auch darum, über diese Beziehungen informiert zu werden.

Dr. Barbara Schellenberger

Originalpublikation:

Barbara Schellenberger: Begegnungen des hl. Josemaría mit deutschen Bischöfen 1949–1975.
In: Studia et documenta, Band 10, 2016, S. 261 – 293, Hrsg.
Istituto storico San Josémaria Escriva, Roma 2016 (Online verfügbar!)