DER HERR wollte, dass seine Jünger seinen Wunsch teilen, allen Menschen das Evangelium zu bringen. Deshalb sandte er sie vor sich her in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte (Lk 10,1). Sie sollten sein Kommen vorbereiten. Ähnliches gilt für uns Christen: Wo immer wir leben und arbeiten, können wir dazu beitragen, dass Menschen Christus begegnen. Denn die Kirche ist katholisch, für alle Menschen bestimmt. Wie ein Kirchenvater schrieb: „Mein Name ist Christ, mein Nachname aber katholisch.“1 Diese Weite soll auch unser Gebet prägen. Papst Franziskus sagt: „Unser Gebet darf sich nicht auf unsere Bedürfnisse und Notwendigkeiten beschränken: Ein Gebet ist wirklich christlich, wenn es auch eine universale Dimension hat.“2
Jesus möchte aber nicht nur, dass seine Jünger selbst hinausgehen. Er fordert sie auf: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden! (Lk 10,2). Wer die Sendung Christi zu seiner eigenen macht, freut sich darüber, dass immer mehr Menschen daran mitwirken. Die Ernte gehört nicht uns, sondern Gott; aber ihr Ausmaß darf uns nicht gleichgültig sein. Deshalb bitten wir ihn um Menschen, die bereit sind, sich in seinen Dienst zu stellen.
Jesus möchte, dass wir etwas von seiner eigenen Sehnsucht nach den Menschen in uns tragen. Er sagt: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! (Lk 12,49). Der heilige Josefmaria sprach vom „Durst“ Christi „nach uns, nach unserer Liebe, nach unserer Seele und nach den Seelen all jener, die wir über den Weg des Kreuzes, der der Weg der Unsterblichkeit und der himmlischen Herrlichkeit ist, zu ihm führen sollen“3. Apostolischer Eifer beginnt dort, wo uns das Anliegen Christi selbst zum Anliegen wird.
DIE ANWEISUNGEN Jesu an die Zweiundsiebzig (vgl. Lk 10,2-12) zeigen, in welcher Haltung seine Jünger unterwegs sein sollen. Papst Benedikt XVI. fasst sie zusammen: Jesus sendet sie zu zweit aus, damit sie einander stützen und Zeugnis brüderlicher Liebe geben. Sie sollen wie Schafe mitten unter den Wölfen friedlich bleiben, auf Gottes Vorsehung vertrauen, sich um die Kranken kümmern und überall den Frieden bringen.4
Das zeigt sich bereits bei den ersten Christen. Die Apostelgeschichte berichtet von ihrer Sorge füreinander und davon, dass sie ihren Besitz teilten, damit niemand Not litt (vgl. Apg 2,45). Ihr Glaube wurde im täglichen Leben sichtbar – in Gemeinschaft, Großzügigkeit und gegenseitiger Hilfe.
Auf ihr Beispiel verwies der heilige Josefmaria häufig, wenn er vom Apostolat im Alltag sprach: „Führe ein gewöhnliches Leben wie alle anderen. Arbeite dort, wo dein Platz ist, und bemühe dich, deine Pflichten treu zu erfüllen. [...] Sei loyal und verständnisvoll gegenüber anderen und anspruchsvoll mit dir selbst. [...] Das wird dein Apostolat sein.“5 In natürlichen Gesprächen, so fährt er fort – „nach der Arbeit, bei Familientreffen, im Bus, beim Spaziergang“ –, ergeben sich Gelegenheiten, über das zu sprechen, was die Menschen im Innersten bewegt.
Auch wir sind ausgesandt – nicht unbedingt an außergewöhnliche Orte, sondern mitten in unser gewöhnliches Leben. Dort bereiten wir Christus den Weg: durch unsere Arbeit und Freundschaften, durch Hilfsbereitschaft und jene einfachen Gespräche, in denen der Glaube ganz natürlich zur Sprache kommt.
DIE BOTSCHAFT, die die Jünger überbringen sollen, ist eine Botschaft der Nähe: Das Reich Gottes ist euch nahe! (Lk 10,9). Darin liegt ein Ruf zur Umkehr, vor allem aber eine große Verheißung: Gott ist den Menschen nahegekommen. In Jesus ist er selbst in unsere Welt eingetreten. Papst Franziskus sagt: „Wenn der Gott des Himmels uns nahe ist, sind wir nicht allein auf der Erde, und selbst in schwierigen Momenten verlieren wir das Vertrauen nicht. Das ist das Erste, was man den Menschen sagen muss: Gott ist nicht fern, er ist Vater. (…) Er will dich an der Hand führen, selbst wenn der Weg steil und uneben ist.“6
Diese Nähe Gottes sollen die Jünger durch ihr eigenes Leben erfahrbar machen. Sie gilt nicht nur denen, die das Evangelium bereitwillig aufnehmen. Jesus sagt: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet (Mt 5,44-45). Wer die Nähe Gottes erfahren hat, kann selbst anderen nahekommen – auch dort, wo ihm Ablehnung begegnet.
Der heilige Josefmaria schrieb: „Klein ist deine Liebe, wenn du nicht alle Menschen retten willst. – Und arm ist deine Liebe, wenn du nicht aus tiefster Seele wünschst, andere Apostel mit deiner Verrücktheit anzustecken.“7 Bitten wir Maria, die Königin der Apostel, uns etwas von der Weite des Herzens ihres Sohnes zu schenken, der will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen (1 Tim 2,4).
1 Hl. Pacian von Barcelona, Brief, 1,4.
2 Franziskus, Angelus-Gebet, 7.7.2019.
3 Hl. Josefmaria, Freunde Gottes, Nr. 202.
4 Benedikt XVI., Angelus-Gebet, 8.7.2007.
5 Hl. Josefmaria, Freunde Gottes, Nr. 273.
6 Franziskus, Angelus-Gebet, 18.6.2023.
7 Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 796.

