Betrachtungstext: 29. Juli – Heilige Marta, Maria und Lazarus

Freundschaft mit Jesus – Nicht weniger, sondern anders arbeiten – Unsere Arbeit mit Liebe erfüllen

MARTA, Maria und Lazarus waren mit Jesus eng befreundet. Immer wieder kehrte er in ihr Haus in Betanien ein. Das Evangelium berichtet, dass Marta den Herrn empfing. Man kann sich ihre Freude gut vorstellen. Als aufmerksame Gastgeberin wollte sie, dass es Jesus an nichts fehlte. Sie sorgte für Wasser, bereitete das Mahl vor und kümmerte sich um alles. So drückte sie ihre Liebe zum Meister aus.

Doch je mehr Arbeit auf ihr lastete, desto unruhiger wurde sie. Während Maria zu Füßen Jesu saß und ihm zuhörte, wuchs in Marta der Ärger. Schließlich trat sie vor den Herrn und klagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! (Lk 10,40).

Marta hätte ihren Unmut für sich behalten oder ihre Schwester heimlich um Hilfe bitten können. Stattdessen spricht sie offen mit Jesus – und scheut sich sogar nicht, ihm Vorwürfe zu machen. Papst Benedikt bemerkt, dass sie sich dabei „berechtigt fühlt, Jesus zu kritisieren“1. Gerade darin zeigt sich ihre Vertrautheit mit ihm. Wahre Freundschaft versteckt nicht, was das Herz bewegt. Auch wir dürfen mit dem Herrn so sprechen, wie wir sind. Und gerade weil er unser Freund ist, wird er uns – wie Marta – liebevoll den besseren Weg zeigen.


JESUS weist Marta nicht zurecht. Er kennt ihre Liebe und ihre guten Absichten. Deshalb spricht er sie sogar zweimal beim Namen an: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil gewählt, der wird ihr nicht genommen werden (Lk 10,41). Er tadelt Marta nicht dafür, dass sie dient. Schließlich mussten ihre Gäste essen und sich von der Reise erholen. Er lädt sie vielmehr ein, ihre Arbeit mit einem anderen Herzen zu tun. Marta war ganz mit ihren Aufgaben beschäftigt und erinnerte sich kaum mehr an das Wichtigste: dass Jesus in ihrem Haus war.

Auch wir erleben Tage, an denen uns Arbeit, Familie oder andere Verpflichtungen ganz in Anspruch nehmen. Jesus fordert uns nicht auf, alles stehen und liegen zu lassen. Er lädt uns vielmehr ein, ihn gerade mitten in diesen Aufgaben nicht aus dem Blick zu verlieren. Wenn wir uns seiner Gegenwart bewusst bleiben, wird selbst die gewöhnlichste Arbeit zu einem Gespräch mit ihm und zu einem Zeichen unserer Liebe.

Der heilige Josefmaria beschreibt diesen Zustand so: „Worte sind überflüssig, weil die Sprache versagt. Der Verstand kommt zur Ruhe. Nicht mehr Denken, sondern Schauen! Und in der Seele hebt von neuem ein Lied an, ein neuer Gesang: Denn sie fühlt und weiß sich von Gott angeschaut, liebevoll, immerfort.“2Wer so lebt, entdeckt, dass das Eine Notwendige nicht neben den vielen Aufgaben zu finden ist, sondern ihnen erst ihren tiefsten Sinn gibt.


NICHT DIE ARBEIT selbst brachte Marta aus dem Gleichgewicht. Ihr Wunsch, Jesus einen guten und erholsamen Empfang zu bereiten, war aufrichtig. Doch nach und nach ließen die vielen Aufgaben ihre Freude in Anspannung umschlagen. Sie verlor aus dem Blick, weshalb sie all das tat: Der Herr selbst war in ihrem Haus. Deshalb erinnert Jesus sie daran, was wirklich zählt. Papst Franziskus bringt diese Erfahrung auf den Punkt: „Das Problem ist nicht immer das Übermaß an Aktivität, sondern vor allem die falsch gelebte Aktivität: ohne die entsprechenden Motive und ohne eine Spiritualität, die die Tätigkeit prägt und erstrebenswert macht. Daher kommt es, dass die Pflichten übermäßig ermüdend sind.“3

Auch wir können uns wie Marta fühlen. Die Aufgaben des Alltags kosten Kraft und können uns ermüden. Wenn wir jedoch ihren tieferen Sinn nicht aus den Augen verlieren, wird selbst die Müdigkeit uns den inneren Frieden nicht rauben. Wir wissen dann, dass wir nicht einfach arbeiten, um Aufgaben zu erledigen, sondern um Gott zu lieben und den Menschen zu dienen. Gerade darin können wir ihn mitten im gewöhnlichen Leben finden.

Benedikt XVI. sagte: „Ohne Liebe verlieren auch die wichtigsten Tätigkeiten an Wert und schenken keine Freude. Ohne einen tiefen Sinn wird all unser Tun auf einen unfruchtbaren und ungeordneten Aktivismus herabgemindert. Und wer schenkt uns die Liebe und die Wahrheit, wenn nicht Jesus Christus?“4 Bitten wir die Jungfrau Maria, dass wir wie sie lernen, Gott inmitten unserer täglichen Arbeit an die erste Stelle zu setzen. Dann werden auch unsere vielen Aufgaben uns nicht von ihm trennen, sondern zu einem Ort der Begegnung mit ihm werden.


1 Benedikt XVI., Angelus-Gebet, 18.7.2010.

2 Hl. Josefmaria, Freunde Gottes, Nr. 307.

3 Franziskus, Evangelii Gaudium, Nr. 82.

4 Benedikt XVI., Angelus-Gebet, 18.7.2010.