Zwei Heilige, die sich kennenlernten: Oscar Romero und Josefmaria

Der salvadorianische Erzbischof Oscar Romero wird am 14. Oktober während der Bischofssynode in Rom heiliggesprochen. Msgr. Joaquin Alonso (Jg. 1929) aus Rom erinnert sich an ein Treffen im Jahre 1974 zwischen Oscar Romero und dem hl. Josefmaria.

Opus Dei - Zwei Heilige, die sich kennenlernten: Oscar Romero und Josefmaria

Das Interview führte Rodrigo Ayude aus Anlass der Seligsprechung Erzbischof Romeros im Mai 2015 in Rom.

Msgr. Joaquin Alonso (geb. in Sevilla) studierte Jura und promovierte in kanonischem Recht. Er lebte in Rom an der Seite des hl. Josefmaria und war viele Jahre enger Mitarbeiter des verstorbenen Prälaten des Opus Dei, Bischof Javier Echevarria. Er ist Konsultor der Kongregation für die Heiligsprechungsprozesse.

- Msgr. Alonso, bei welcher Gelegenheit lernten Sie den künftigen Seligen Oscar Romero kennen?

Ich traf ihn 1974 in Rom. Er kam dort am 30. Oktober an. Der hl. Josefmaria traf ihn einige Tage später. Er bat mich, ihm bei allem behilflich zu sein. Erzbischof Romero war erst kurz vor seiner Reise zum Bischof von Santiago de Maria in El Salvador ernannt worden.

Er erzählte mir, dass diese Reise in die Ewige Stadt für ihn providentiell sei. Sie erlaube es ihm, sein normales Umfeld einmal beiseite zu lassen und „die kleine Ecke der Welt, für die er nun verantwortlich ist“, mit Abstand und aus einer breiteren Perspektive zu betrachten. Er spüre die Last der Verantwortung für sein neues Bistum und brauche jemanden, der ihm zuhörte und ermutigte.

Fotografie mit einer Widmung von Erzbischof Romero: "Ich segne das Opus Dei in unserer Erzdiözese mit der Liebe eines Hirten und Freundes. In tiefer Verbundenheit, + O. Romero Erzbischof 25-III-79"

- Haben Sie einige besondere Erinnerungen an diese Tage?

Für mich war es eine Gelegenheit, lange und ausführlich mit Bischof Romero zu sprechen. Es waren sehr brüderliche Gespräche unter zwei Priestern. Unter anderem erzählte er mir, dass er seit den frühen 60er Jahren geistliche Leitung durch einen Priester des Opus Dei hätte. Dieser Priester war Juan Aznar, der im März 2004 starb.

Später erfuhr ich noch weitere Einzelheiten seiner Beziehung zu Juan Aznar. So schrieb Bischof Romero ihm beispielsweise 1970 in einem Brief: “Sie sind der einzige Mensch, der meine Seele wirklich versteht“. Und 1973 fügte er einem Weihnachtsgruß noch hinzu: „Nie werde ich Ihre weisen Ratschläge vergessen“. Der selige Oscar Romero war ein sehr dankbarer Priester. Ich war bewegt, als ich hörte, dass er gerade während der Feier der Eucharistie starb, der erhabensten Form der Danksagung.

- Wie verlief das Treffen zwischen Bischof Romero und dem hl. Josefmaria?

Der hl. Josefmaria empfing ihn am 8. November. Ihr Gespräch dauerte fast eine Stunde. Nachher erzählte Bischof Romero mir, wie tief bewegt er sei. Durch die Worte des hl. Josefmaria fühle er sich in seinem Glauben gestärkt. Der Gründer des Opus Dei habe ihn umarmt. Er fühle sich geliebt und begleitet. Bischof Romero nannte den hl. Josefmaria “einen Mann Gottes“. Er nutzte die Gelegenheit, um ihn nach Mittelamerika einzuladen, was dann 1975 Wirklichkeit wurde.

Bischof Romero konnte auf dieser Reise auch den seligen Paul VI. begrüßen. Er war glücklich, von ihm Ermutigung zu erfahren. Später erzählte er mir, dass diese Reise ihm seine ersten Jahre als Priester in Erinnerung gerufen haben. Dies stelle für ihn ein Geschenk Gottes dar.

- Hatten Sie auch später noch Kontakt zu ihm?

Ich erinnere mich, wie er am 26. Juni 1978, dem dritten Jahrestag des Todes des hl. Josefmaria, die heilige Messe in der Krypta der Kirche Unserer liebe Frau vom Frieden, feierte. Dort befand sich seinerzeit das Grab des Gründers. Zusammen mit Msgr. Francisco Vives nahm ich an der Messe teil. In einer kurzen Predigt brachte er seine Liebe und Dankbarkeit gegenüber dem hl. Josefmaria zum Ausdruck. Von seiner ersten Begegnung an, habe er sich von ihm wie ein Bruder behandelt gefühlt. Das Gleiche schrieb er später auch in einem Brief.

Wie gesagt, das war im Jahre 1978, ein Jahr nach seiner Ernennung zum Erzbischof von San Salvador. Wie er selbst öffentlich erzählte, wurde er zu dieser Zeit von einem anderen Priester des Opus Dei, Msgr. Fernando Saenz, geistlich begleitet.

- Wie haben Sie reagiert, als Sie von seinem Tod erfuhren?

Die tragische Nachricht war ein großer Schock für mich, aber gleichzeitig fühlte ich mich bewegt, für ihn zu beten. Ich habe die Kirche in Lateinamerika seiner Fürsprache anvertraut. Auch danke ich Gott dafür, diesen Gottesmann persönlich kennengelernt zu haben.

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