Zum Tode des früheren Erzbischofs von Wien in Dankbarkeit

Der verstorbene Alterzbischof von Wien hat sich seit 1975, dem Todesjahr des Gründers, immer wieder öffentlich zum Opus Dei geäußert. Wir dokumentieren eine Anzahl dieser mitunter überraschenden Wortmeldungen – als „Ausdruck der Dankbarkeit für sein Vertrauen und sein Wohlwollen“, wie der langjährige Wiener Pfarrer und frühere Leiter des Opus Dei in Österreich, Prälat Johannes B. Torelló, in der Einleitung schreibt.

vom Opus Dei

Einleitung Von Johannes B. Torelló aus Antworten – Schriftenreihe der Karlskirche, 2, Wien 1989

Das Wissen Kardinal Franz Königs über das Opus Dei beruht auf direkter Erfahrung: beeindruckende Begegnungen mit dem Gründer, häufiger Umgang mit vielen Mitgliedern, Miterleben ihrer Tätigkeit in Welt und Kirche, Kontakt mit zahlreichen Bischöfen aus den verschiedensten Ländern, in deren Diözesen das Opus Dei wirkt, und mit den fünf Päpsten, die die Gründung Josemaria Escrivás approbiert und ermutigt haben, Engagement für deren notwendige kirchenrechtliche Umgestaltung in eine Personalprälatur.

Dem Wissen, Verstehen und Schätzen entsprach bei ihm die sofortige und immer tiefer werdende Freundschaft sowie das Vertrauen und der persönliche Einsatz zur Förderung dieses Werkes ﷓ nicht nur in seiner Erzdiözese, wo er den Priestern des Opus Dei öffentliche Aufgaben von besonderer Bedeutung übertrug (Studenten- und Priesterseelsorge, die zentral gelegene und älteste Kirche Wiens: St. Peter) und immer wieder Laien der Organisation in verschiedenen Fragen zu Rat zog, sondern auch in Italien, Spanien, den USA und anderen Ländern, wo er sehr herzliche Beziehungen zum Werk unterhielt und sich überall sehr positiv über die Mitglieder und ihre apostolischen und beruflichen Tätigkeiten äußerte. Im 50. Jahr des Bestandes des Opus Dei hat er in Torreciudad sechzig Priester der Prälatur geweiht, und immer wieder hat er mit großem Interesse Einrichtungen seelsorglicher und kultureller Art besucht, die auf Initiative von Frauen und Männern des Opus Dei zustande gekommen sind: Arbeiterbildungsstätten, Universitäten, Tagungshäuser, Studentenhelme usw.

Er, der nüchterne religionsvergleichende Forscher, der reservierte, tief prüfende, aber unenttäuschbare Taktiker, der ökumenische Optimist, der Verfechter des innerkirchlichen Dialogs, der aufmerksame Freund der Wissenschaften, aber auch der Natur und des Sports, der zugleich ein Mensch der Meditation und der gesammelten Stille ist, hat sich durch diverse Fehleinschätzungen dieser Institution der katholischen Kirche nie erschüttern lassen ﷓ einerlei ob diese aus säkularisierten oder klerikalisierten Kreisen kommen mochten. Er reagierte, wenn er mit den oft weltweit orchestrierten Mißdeutungen dieses pastoralen Phänomens konfrontiert wurde, immer überrascht und verblüfft. In seiner ruhigen Objektivität und entwaffnenden Güte konnte er diese Verfälschungen oder gar Aggressionen nur auf Mangel an Information zurückführen. Er scheint in dieser Hinsicht dem Gründer des Werkes ﷓ dessen Seligsprechungsprozeß er übrigens als einer der ersten beim Papst befürwortet hat ﷓ besonders eng verwandt zu sein: auch dieser zog es vor, eher enttäuscht zu werden, als einem Menschen das Vertrauen zu verweigern.

Was ihn am Opus Dei vielleicht von Anfang an am stärksten angezogen hat, ist der gelebte Pluralismus dieser zutiefst spirituellen Familie - jener Pluralismus, den der vielschichtige und aufgeschlossene Kardinal König immer erträumt hat und den er stets zu fördern versuchte. Im Opus Dei fand er ihn auf die natürlichste Weise verwirklicht: eine weit gefächerte Vielfalt menschlicher Einstellungen zu den weltlichen Fragen der Wissenschaft, der Politik, der Wirtschaft, der Kunst usw., die sich problemlos mit einer tiefen Einheit des Glaubens, der Spiritualität und der gelebten Brüderlichkeit verbindet.

Die Aufsätze über das Opus Dei (...) vermitteln Kenntnisse und Eindrücke, die nicht nur sachliche Information enthalten, sondern auch das bedeutende Zeugnis eines Mannes darstellen, der sowohl das II. Vatikanum als auch die Nachkonzilszeit entscheidend mitgeprägt hat. Katholiken und Nichtkatholiken, die Kardinal König schätzen gelernt haben, werden hier einer klaren, glaubenstreuen Sprache begegnen und seine Ausführungen mit Genugtuung lesen. Für uns ist diese Publikation zugleich Ausdruck der Dankbarkeit für sein Vertrauen und sein Wohlwollen.

Opus Dei: Eine zutiefst Iaikale Spiritualität Aus Wiener Kirchenzeitung, 21.12.1975; Erstveröffentlichung in Il Corriere della Sera, Mailand 09.07.1975

Wie kaum eine andere der neueren spirituellen Bewegungen in der katholischen Kirche stand und steht das Opus Dei im Widerstreit der Meinungen. Viel ist über das Opus Dei geschrieben worden. Bisweilen war deutlich der Unwille der Verfasser herauszuspüren, sich mit einer Bewegung konfrontiert zu sehen, die sich nicht in die herkömmlichen Vorstellungen einordnen ließ. Noch dazu, wo es sich um eine Bewegung handelte, die sich nicht der Publicity verschrieben hatte. Als der Gründer des Opus Dei, Prälat Josemaria Escrivá de Balaguer y Albás, im Sommer starb, ist der interessierten Öffentlichkeit erst so recht bewußt geworden, wie sehr es ihm gelungen war, einerseits eine weltweite, wirksam gewordene Bewegung ins Leben zu rufen, anderseits aber persönlich durch Jahrzehnte ein stilles und verborgenes Leben zu führen.

Ich selbst habe Prälat Escrivá als eine große geistige Führungspersönlichkeit kennengelernt. Seine Mitarbeiter haben immer seine Fröhlichkeit, seine entwaffnende Offenheit, sein Organisationstalent gerühmt, Eigenschaften, die Hand in Hand gingen mit herzlichem Verständnis für die Sorgen und Freuden seiner Mitmenschen und einem sehr feurigen Eifer für die Sache Gottes.

Als ich ihn vor eineinhalb Jahren das letzte Mal traf, sprachen wir über die Situation der Kirche, über das zahlenmäßige Abbröckeln in manchen großen Ordensfamilien, aber auch in spirituellen Bewegungen. Das Opus Dei ist auch in dieser Periode des Infragestellens und der Unsicherheit weitergewachsen, bis zu den 60.000 Mitgliedern, die es heute zählt, Menschen aus den verschiedensten Nationen und sozialen Schichten, Angehörige aller möglichen Berufe, Architekten und Journalisten ebenso wie Arbeiter und Handwerker. Es sind Menschen darunter, die im Zölibat leben, die Mehrheit lebt in der Ehe, alle streben sie nach Verwirklichung christlichen Lebens im Alltag.

Platz des Menschen mitten in der Welt

Wahrscheinlich ist es die zutiefst laikale Spiritualität, die das Opus Dei für viele Menschen so anziehend gemacht hat. Escrivá hatte damit bereits 1928, bei der Gründung des Opus, ernst gemacht. Er hat dabei vieles vorweggenommen, was erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil Allgemeingut der Kirche geworden ist. Escrivá hat den Menschen, die seinem Weg gefolgt sind, sehr klar gesagt, daß der Platz des Christen mitten in dieser Welt ist, er hat sich gegen jenen falschen Spiritualismus gewandt, der fast eine Leugnung der zentralen christlichen Glaubensüberzeugung von der Fleischwerdung Gottes ist.

Das Problem, das Escrivá fasziniert hat, war immer die Frage: Wie kann der Christ, der „normale“ Christ, der seinen Beruf ausübt, Familie hat, ein Staatsbürger wie jeder andere ist, mithelfen, daß die Gesellschaft menschlicher und gerechter wird, seine persönliche Berufung zur Heiligkeit verwirklichen, und zwar ohne aus dieser Welt hinauszugehen. Escrivá wollte keinen neuen Orden gründen. Ausdrücklich betonte er einmal: „Nichts unterscheidet die Mitglieder des Opus Dei von ihren Mitbürgern, anderseits aber haben sie ﷓ abgesehen vom Glauben ﷓ nichts mit den Ordensleuten gemein. Ich liebe die Ordensleute, ich schätze und bewundere ihr klösterliches Leben, ihr Apostolat und ihre Lostrennung von der Welt. Aber sie sind andere Zeichen der Heiligkeit in der Kirche.“

Escrivá wollte, daß die Menschen des Opus Dei das Doppelleben vieler Christen überwinden: auf der einen Seite das spirituelle Leben, der Dialog mit Gott, die Liturgie, die Frömmigkeit, auf der anderen Seite, säuberlich getrennt davon, das familiäre, berufliche und soziale Leben, ein Leben voll irdischer Kleinigkeiten. Seine Antwort darauf war: „Wenn wir Christen sein wollen, können wir diese Art von Bewußtseinsspaltung nicht mitmachen. Denn es gibt nur ein einziges Leben, das aus Fleisch und Geist besteht, und dieses einzige Leben muß an Seele und Leib geheiligt und von Gott erfüllt werden, dem unsichtbaren Gott, dem wir in ganz sichtbaren und materiellen Dingen begegnen.“

„Christlicher Materialismus“

Darum ging es ihm, um die „Materialisierung“ des christlichen Lebens, die ihn sogar von einem „christlichen Materialismus“ sprechen ließ, der sich „mutig allen geistverneinenden Materialismen entgegenstellt“.

Die christliche Berufung sah er darin, aus der „Prosa des Alltags epische Dichtung zu machen“, die Kleinigkeiten des Alltags mit Liebe zu tun, damit diese Kleinigkeiten sich mit der Größe Gottes erfüllen. Damit hat er ein Thema wieder aufgenommen, das in der christlichen Frömmigkeit seit der Antike immer wieder im Wirken großer Persönlichkeiten angeklungen ist. Es ist klar, daß diese Wertschätzung der irdischen Dinge Konsequenzen in der Berufsausübung der Opus-Dei-Mitglieder haben muß, daß diese Menschen dem öffentlichen Leben nicht gleichgültig gegenüberstehen können, daß sie sich aktiv dafür interessieren müssen, was in der Welt vorgeht.

Klerikalismus vermuteten und vermuten die Kritiker des Opus Dei hinter diesem Interesse. Nichts mag Escrivá ferner gelegen haben. In einer großen Rede in Spanien betonte er einmal: „Einem Christen wird es niemals einfallen zu glauben, daß seine Ansichten die einzig katholischen Lösungen für die entsprechenden Probleme darstellen. So etwas darf nicht sein!“.

Eben weil der Gründer des Opus Dei die persönliche Freiheit und Verantwortung so hoch geschätzt hat, ist sein Werk so pluralistisch aufgefächert. Hier haben sich Menschen mit ganz verschiedenen beruflichen, politischen, wirtschaftlichen Meinungen gefunden, um die Einheit des Katholischen zu leben.

Auf der rein menschlichen Ebene mag die gewinnende Persönlichkeit Prälat Escrivá de Balaguers und dieser innere Pluralismus der von ihm gegründeten Bewegung ausreichen, um die Ausbreitung des Opus Dei zu erklären, für den Glaubenden ist sie ein Zeichen der Gottesnähe und der unmittelbaren Beziehung zu Christus.

Ein Leben für die Kirche – Zum zehnten Todestag des Gründers des Opus Dei, Msgr. Escrivá de Balaguer Aus Salzburger Nachrichten, 22.06.1985; Erstveröffentlichung in Scripta Theologica, 13, Pamplona (Spanien) 1981

In den sechziger Jahren, während der Arbeiten des großen Zweiten Vatikanischen Konzils, war es mir auf Grund meiner häufigen Reisen nach Rom vergönnt, engere Beziehungen zu Msgr. Escrivá de Balaguer zu knüpfen. Ich war sehr beeindruckt von seiner Persönlichkeit. Eine liebenswürdige Kommunikationsfähigkeit kennzeichnete ihn, so daß er seinen Gesprächspartner sofort verstand und sich in ihn hineinversetzen konnte. Es handelte sich dabei aber nicht bloß um die Herzlichkeit eines Mannes, der gewohnt ist, sich dem Standpunkt des anderen gegenüber zu öffnen; man spürte dabei, daß seine vom Herzen kommende Güte bei ihm tiefere Wurzeln hatte: sein übernatürliches Empfinden nämlich - seinen lebendigen, die ganze Persönlichkeit prägenden Glauben - und seinen alles durchdringenden apostolischen Eifer. Er sagte, er habe keine Sorgen, sondern nur Besorgungen („no tener preocupaciones, sino ocupaciones“) und bald konnte man erkennen, daß beides in eins zusammenfiel: die Seelen, das Glück der Seelen und das Wachstum der Kirche. Im Gespräch mit ihm, der damals - wenn ich mich recht erinnere - Rom kaum verließ, konnte man die tägliche Sorge um alle Kirchen, von der Paulus spricht (vgl. 2 Kor 11, 28), gewissermaßen mit Händen greifen.

Verschobene Perspektiven

Vielleicht ist es von Nutzen, auf einige Besonderheiten dieser Zeit des Konzils hinzuweisen, denn seither sind zwei Jahrzehnte vergangen, und die Perspektive hat sich mittlerweile verschoben. Heute unterstreicht man die Aufgabe, die der Kirche als Gottes wirksamem Heilszeichen gegenüber jedem Menschen in seiner unwiederholbaren Einzigartigkeit zukommt - sei er nun gläubig oder ungläubig -, um ihm zu helfen, die unermeßliche Würde seines Ursprungs und seiner Bestimmung zu entdecken, wie sie uns in Christus geoffenbart wurde. Das ist das Thema der Enzykliken Johannes Pauls II., Anwendung der großen pastoralen Anliegen der Konzilsdokumente.

Als man aber an jenen Dokumenten arbeitete, um den Anregungen des Heiligen Geistes zu folgen, war die Problematik eine andere. Die Kirche befragte sich über sich selbst und über ihre Heilssendung, und sie mußte es tun in einer Welt, die immer mehr von Gleichgültigkeit gegenüber den geistigen Werten gezeichnet und bedroht schien. Und niemand wird leugnen, daß diese Selbstanalyse der Kirche bei vielen zu Unsicherheit, zu Schwankungen und, wenn man will, bei manchen zur Identitätskrise geführt hat.

Ich war beeindruckt, mit welchem Optimismus, welchem Vertrauen, welch gelassener Sicherheit Msgr. Escrivá de Balaguer diesen Ereignissen gegenüberstand und wie er über sie sprach. Seine Bemerkungen waren knapp, realistisch, und trafen stets den Kern der Sache. Er begriff die Tragweite der Probleme, begeisterte sich für die sich auftuenden pastoralen Chancen und litt unter den Übertreibungen und den Vertrauensbrüchen gegenüber der Kirche. Aber was er in einer Homille aus dieser Zeit gesagt hat, war ihm unerschütterliche Überzeugung: „Die Erlösung hört nicht auf, und wir nehmen an ihr teil; nach dem Willen Christi müssen wir an unserem Fleisch das ausfüllen, was an seinem Leiden noch fehlt, wie uns Paulus mit starken Worten sagt, und zwar zugunsten seines Leibes, der die Kirche ist (vgl. Kol 1, 24).“

Die Kirche, Christus unter uns

Grundlage eines solchen aktiven und von Bußgesinnung getragenen Optimismus war sein felsenfester Glaube an die Kirche - allem zum Trotz, wie er zu sagen pflegte, d. h. über alles menschliche Versagen hinweg -, seine Überzeugung, daß das Schifflein Petri alle Stürme stets unversehrt überdauern wird. Er unterstrich, daß alle Christen und jeder einzelne von ihnen zur Ausbreitung des Erlösungswerkes berufen sind, daß es dazu aber als unabdingbarer Voraussetzung nicht nur des Sentire cum Ecclesia bzw. der vollkommenen Treue zur Lehre bedarf, sondern daß es notwendig ist, das ganze Leben aufs Spiel zu setzen, d. h. radikal in der Kirche und für die Kirche zu leben.

Die soeben zitierte Homille, die vom Hl. Geist als dem Großen Unbekannten handelt, spiegelt meines Erachtens Msgr. Escrivá de Balaguers Haltung in jener kritischen Epoche wider. Er hörte die Klagen an, die man ihm vortrug, verwies aber standhaft darauf, daß niemand das Recht hat, „über die Kirche rein menschlich und ohne den übernatürlichen Glauben zu urteilen, den Blick nur auf den höheren oder niedrigeren Fähigkeitsgrad mancher Amtsträger und mancher anderer Christen gerichtet. Dies würde bedeuten, an der Oberfläche zu bleiben. Das Wichtigste in der Kirche ist nicht der Blick für die Antwort der Menschen, sondern der Blick für das Handeln Gottes. Die Kirche ist Christus unter uns, sie ist damit Gott, der auf die Menschen zugeht, um sie zu heilen“.

Natürlich ist diese Auffassung von der Kirche als des in der Welt gegenwärtigen, erlösenden Christus nicht neu. Und doch war etwas Neues an der Art und Weise, wie Msgr. Escrivá de Balaguer sie verstand. Er ging ihr ganz auf den Grund und zog aus ihr unermüdlich sämtliche Konsequenzen. Obwohl er sich zum Beispiel in ungeheuchelter und einfacher Demut für einen Sünder hielt, war er sich zugleich dessen bewußt, daß er als Priester in persona Christi handelte. Und hier lag der Grund für sein ausgeprägtes Verantwortungsbewußtsein: unter den Menschen personifizierte er auf geheimnisvolle Weise Christus. Wir sind Christus, der vorübergeht, sagte er einprägsam; wir sind Kirche.

Die Lösung der Gegensätze

Das Streben nach der Vereinigung mit Christus und folglich mit seinem Mystischen Leib nimmt eine zentrale Stellung in der Verkündigung von Msgr. Escrivá de Balaguer ein. Er wollte jedem Christen, ja jedem Menschen zutiefst begreiflich machen, daß jeder einzelne dazu berufen ist, Glied der Kirche zu werden, daß alle dazu eingeladen sind, dem Leib Christi anzugehören, um in ihm eine ekklesiale Aufgabe zu erfüllen.

Es handelt sich hiebei um ein Prinzip von außergewöhnlicher Tragweite, das drei scheinbare Antagonismen radikal löst, die in der pastoralen Praxis nicht immer bewältigt wurden: den Gegensatz zwischen Kommunitarismus und Individualismus, zwischen der spezifischen Sendung des Priesters und der des Laien, zwischen Vertikalismus und Horizontalismus. Oder, positiv formuliert, das Ineinander von Gemeinde und Person, das Zusammenwirken von Amtspriestertum und allgemeinem Priestertum, die Verbindung der göttlichen und der menschlichen Dimension, des evangelisierenden und des heiligenden Wirkens der Kirche.

„Christsein bedeutet, aus Gott wiedergeboren sein und zu den Menschen gesandt sein, um ihnen das Heil zu verkünden.“ Zuerst die Taufe, die zum neuen Leben gebiert, die vergöttlicht, die christusförmig macht: sie ist Werk Christi durch die Kirche. Dann - aber gleichzeitig - der Auftrag, Verkünder der frohen Botschaft für die Menschen zu sein: Kirche zu sein durch Christus. Aber dieser Perspektive ist es unverständlich, einen Gegensatz zwischen Gemeinde und Person zu konstruieren - zu fragen, ob die Gemeinde den Gläubigen konstituiert oder umgekehrt -, da Christus sakramental in der Gemeinde und im einzelnen wirkt: er vereinigt sich mit jedem Getauften und macht sie alle solidarisch, indem er sie seinem Mystischen Leib eingliedert. Der Christ kann niemals ein Einzelwesen sein - ein alleinstehender Vers, sagte der Gründer des Werkes -, denn die kirchliche Gemeinschaft ist in ihm gegenwärtig, selbst wenn er sich physisch auf einen anderen Planeten begibt.

Was den Fragenkomplex des Mündigwerdens des Laien betrifft, so ist allgemein bekannt, wie dieses bisweilen fälschlich als bloße Zulassung der Laien zu gewissen Kulthandlungen, als eine Art Vorrücken in priesterliche Positionen, verstanden worden ist. Aus dem soeben angeführten Text ersieht man, wie Msgr. Escrivá de Balaguer die spezifische, positive Bedeutung der Berufung des Laien, des Christseins, begriffen hat. Priester und Laien erfüllen wesentlich verschiedene ekklesiale Aufgaben, die weder verwechselt noch als gegensätzlich aufgefaßt werden dürfen.

Das dritte angeschnittene Problem sind die Wechselbeziehungen der vertikalen und der horizontalen Dimension in der Kirche: ihr Verpflichtetsein Gott und den Menschen gegenüber. Einige wollten diese Beziehungen irrigerweise als parallele Linien verstehen; andere hingegen richtig als Linien, die sich schneiden und so das Kreuz Christi darstellen - das Symbol schlechthin für die Sühne und die Erlösung von der Sünde. Dies war auch die Auffassung von Msgr. Escrivá de Balaguer.

Vorbild für uns alle

Die noch kurze Geschichte der auf den Abschluß der Konzilsarbeiten folgenden Jahre hat mit ihren Wechselfällen bei der Durchführung seiner Dekrete und nach den bisher gesammelten Erfahrungen den Weitblick des Geistes von Msgr. Escrivá de Balaguer bestätigt. Er hat das II. Vatikanum ganz ernst genommen und genau zwischen dem Antrieb des Heiligen Geistes und den Versuchen einer rein menschlichen Interpretation des Konzils unterschieden. Er ist zum Vorbild dafür geworden, wie das in den Konzilsdokumenten entworfene echte Bild der Kirche verwirklicht werden kann.

Wegen der Gründung des Opus Dei allein - das den Menschen die Wege der Heiligkeit im Umkreis ihrer täglichen Aufgaben erschlossen hat - sind wir Msgr. Escrivá de Balaguer zu besonderem Dank verpflichtet. Ich bin davon überzeugt, daß man im Laufe der Zeit in ihm nicht nur den Gründer sehen, sondern einen Mann erkennen wird, dessen Leben auch ganz die Maße des Bildes der Kirche widerspiegelt: einen auserwählten Menschen, der - durch das Opfer seines Lebens und die Universalität seiner Lehre - zu einem Vorbild für uns alle geworden ist, ein Zeichen der ewigen Jugend der Kirche Christi.

Wege der Erneuerung inmitten dieser Welt Aus L'Osservatore Romano, Rom 23.06.1985

Im Oktober dieses Jahres werden es an die 57 Jahre sein, daß der spanische Weltpriester Josemaria Escrivá de Balaguer sein Opus Dei gründete (2. Oktober 1928). Ein und ein halbes Jahr später folgte der weibliche Zweig. Innerhalb des ganzen „Werkes“ entstand mitten in der Kriegszeit (Februar 1943) eine „Priesterliche Gesellschaft vom heiligen Kreuz“. Die Absicht des Gründers war es, von Anfang an für Christen in der Welt neue Wege religiöser Vertiefung und der Verinnerlichung aufzuzeigen. Äußere Umstände waren es - das heißt der spanische Bürgerkrieg, der 2. Weltkrieg -, die diese Gründung auf Spanien und Portugal zunächst beschränkten.

Opus Dei: Eine Personalprälatur

Heute gehören dem Opus Dei - nach den mir vorliegenden Berichten - rund 73.000 Mitglieder an. Davon sind über 1000 Weltpriester; alle übrigen, das Gros also, sind Laien. Das Opus Dei hat Niederlassungen oder Mitglieder in Westeuropa, USA, Kanada, Australien, Mexiko, Südamerika, in Teilen Afrikas bis nach Hongkong. Insgesamt sind es 87 Länder. Diese neue Gemeinschaftsform, heute als Personalprälatur nach dem Kirchenrecht errichtet, hat sich in kurzer Zeit und sehr rasch verbreitet.

Auch in der Kirche werden neue Formen, werden neue Zielsetzungen kritisch beobachtet und diskutiert. Diese Erfahrung machte der vor zehn Jahren (1975) verstorbene Gründer wie sein Nachfolger, der Spanier Dr. Alvaro del Portillo. Im November 1982 wurde das Opus Dei als erste Personalprälatur nach den Satzungen des Kirchenrechtes errichtet. Damit hat das Opus Dei nach langen Überlegungen seine rechtliche Form innerhalb der Kirche gefunden. Diese Tatsache hatte neuerdings innerhalb der Kirche eine Diskussion um diesen Weg und seine Stellung in der Kirche angefacht. Von manchen Seiten wurde die Befürchtung laut, es könnte das „Opus“ zu einer Kirche innerhalb der Kirche werden.

Das alte Kirchenrecht kannte nur territoriale Prälaturen, das heißt vom Ortsbischof mehr oder weniger unabhängige Gebiete. Das II. Vatikanurn aber hat den Weg frei gemacht für einen neuen Typus von Prälaturen, die nach dem personalen und nicht nach dem territorialen Prinzip ausgerichtet sind. Bei einer solchen Art von Prälaturen im Sinne des Personalkonzeptes geht es um die Erfüllung besonderer pastoraler Ziele und Aufgaben, die mit den Rechten eines Ortsbischofs zu vereinbaren sind und daher keine völlige Autonomie vom Ortsbischof selber anstreben. Das Opus Dei existierte bereits seit 1947 als eine Institution päpstlichen Rechts. Seit dieser Zeit besaß es - also unter verschiedenen Päpsten - eine zentrale Leitung mit einer notwendigen inneren Selbständigkeit und Leitungsvollmacht.

Heiligkeit mitten in der Welt: Das Opus Dei im Vorfeld des Konzils

Das Opus Dei ist kein Orden. Während nämlich die Orden in der Kirche früher als „Stand der Vollkommenheit“ bezeichnet wurden und heute „gottgeweihtes Leben“ heißen, ist das Opus Dei bestrebt, einen Gedanken hervorzuheben, mit dem sich auch das letzte Konzil eingehend befaßt hat; das heißt, daß Laien mitten in der Welt und in ihrem Beruf nach Vollkommenheit, Heiligkeit streben können und sollen. Dieses soll möglich sein, ohne den Beruf in der Welt, die Familie aufzugeben. Dabei geht es hier nicht um einen besseren, sondern um einen anderen Weg als den, den die Orden gehen. Diese neue Idee, dieser neue Weg in der Kirche erklärt wohl auch die rasche Ausbreitung dieser Form des Laienapostolates. Das Opus Dei selbst weist darauf hin, daß seine Geschichte, sein Werden mitverwoben war mit den Vorarbeiten für das II. Vatikanum. In der Dogmatischen Konstitution über die Kirche (Lumen gentium, Nr. 40-42) heißt es: jedem ist es also klar, daß alle Christgläubigen jeglichen Standes oder Ranges zur Fülle des christlichen Lebens und zur vollkommenen Liebe berufen sind... Alle Christgläubigen werden also in ihrer Lebenslage, ihren Pflichten und Verhältnissen und durch dies alles von Tag zu Tag mehr geheiligt... Alle Christgläubigen sind also zum Streben nach Heiligkeit und ihrem Stand entsprechender Vollkommenheit eingeladen und verpflichtet.“

Mit gutem Grund können heute die Mitglieder des Opus Dei darauf hinweisen, daß ihr Gründer bereits 1928 ähnliche Gedanken ausgesprochen hatte, wenn er schrieb: jeder Getaufte ist zum vollen Maß des christlichen Lebens, zur Fülle der Teilhabe am Erlösungswerk berufen. Diese Berufung spielt sich in einer ‚Einheit des Lebens’ ab, d. h. der Einsatz in der Welt und die Verbundenheit mit Gott schließen einander nicht aus, sondern können und sollen ein harmonisches Ganzes bilden: Der Christ sucht im Gebet und in den Sakramenten eine persönliche Beziehung zu Gott; er wird auf diese Weise mehr und mehr in Christus umgestaltet und als solcher wendet er sich mit vollem Einsatz der Erfüllung aller ihm zustehenden irdischen Aufgaben in der Welt zu. So ist er persönlich frei, persönlich verantwortlich, in einem dauernden und wachen Hinhören auf die Stimme des gutgebildeten Gewissens, welches den Anruf Gottes, den Willen Gottes für den einzelnen durch die Umstände des Lebens kundtut.

Das allgemeine Priestertum aller Gläubigen: Grundlage des Apostolats

So gesehen ist der Laie nicht bloß zu „Hilfeleistungen“ für den Klerus da, sondern er ist selbst Kirche, indem er lebendiges Glied des pilgernden Gottesvolkes ist, durch die Taufgnade besiegelt mit dem allgemeinen Priestertum Christi und somit befähigt, selbst direkt am Erlösungswerk mitzuwirken; mitzuwirken durch beständiges Gebet, durch ein auch beschauliches Leben mitten im Trubel des Alltags, wo die Arbeit auf Gott und zur Ehre Gottes ausgerichtet ist und so selbst wieder zum Gebet werden kann.

So gesehen kann die tägliche Arbeit der Ort sein, wo der einfache Gläubige seinem Mitmenschen begegnet, wo er ihm in aller Einfachheit und durch die persönliche Freundschaft und Zuwendung etwas vom Lichte der Lehre Christi mitzuteilen versucht; wo er ihm hilft, den Weg zu Gott zu finden. Wo die Predigt des Priesters nicht mehr gehört wird, dort kann das Wort eines Freundes gehört werden, wenn er seinem Freund die Hand reicht und ihn so behutsam der Wärme des Glaubens nähert. Wer imstande ist, das persönliche Apostolat so spontan und in jeder Situation aus innerern Antrieb auszuüben, der vermag auch auf Grund seiner „priesterlichen Seele“, die jeder Getaufte hat, durch den lebendigen Umgang mit Gott, ein Vertreter des Laienapostolates im Sinne des Konzils zu sein. Das allgemeine Priestertum der Gläubigen soll daher im Opus Dei eine gelebte Wirklichkeit sein. Dieses ist vom sakramentalen Amtspriestertum wesentlich verschieden, wie es ebenfalls das Konzil festhält.

Die Mitglieder der Opus Dei sehen, so wie ihr Gründer Escrivá, das allgemeine Priestertum der Gläubigen und das sakramentale Amtspriestertum voneinander verschieden, aber in jenem „organischen Zusammenhang“, wie es etwa auch im Canon 296 des neuen Kirchenrechtes über die Personalprälaturen festgehalten wird. Das heißt: das persönliche Apostolat der Laien hat dort Grenzen, wo die „sakramentale Mauer“ beginnt, das heißt, wo der Priester benötigt wird, dem Menschen im Namen Gottes die Sünden zu verzeihen, das Meßopfer zu feiern, die Gnadenmittel auszuspenden, die Christus seiner Kirche anvertraut hat.

In der durch das neue Kirchenrecht gesetzten Ordnung wird durch das Opus Dei keine Loslösung von der Jurisdiktion des Bischofs angestrebt. Die Priester des Opus Dei sind - auch nach Aussage der obersten Leitung - voll und ganz Weltpriester, auf Grund ihrer Ausbildung, ihres Geistes, ihrer Mentalität sowie durch die Art und Weise, wie sie ihr Amt ausüben. Sie sollen, so empfiehlt ihnen die gleiche Leitung, „die brüderliche Einheit mit den übrigen Priestern, der jeweiligen diözesanen Priesterschaft, erleben und fördern“. Im Vordergrund steht, wie gesagt, die große Zahl der im Apostolat tätigen Laien. Ihre Abhängigkeit vom Prälaten des Opus Dei bezieht sich auf die „asketischen, apostolischen und bildungsmäßigen Verpflichtungen“, die sie mit der Eingliederung in die Prälatur übernommen haben. Ansonsten sind sie auf Grund ihrer Pflichten als Christen und katholische Staatsbürger angehalten, in ihren Diözesen tätig zu sein. Durch ihr christliches Zeugnis, durch ein intensives Leben aus dem Glauben, durch das Prestige ihres Berufes müßten sie eine Verstärkung des Laienapostolates in der Diözese sein.

Im neuen Kirchenrecht (can. 2255, 5 1) heißt es in bezug auf Pflichten und Rechte der Laien: „Da die Laien wie alle Gläubigen zum Apostolat von Gott durch die Taufe und die Firmung bestimmt sind... haben sie die allgemeine Pflicht mitzuhelfen, daß die göttliche Heilsbotschaft von allen Menschen überall auf der Welt erkannt und angenommen wird. Diese Verpflichtung ist umso dringlicher unter solchen Umständen, in denen die Menschen nur durch sie das Evangelium hören und Christus kennenlernen können“. Sie haben aber auch, so heißt es im §2 des gleichen Canon, „die besondere Verpflichtung, die Ordnung der zeitlichen Dinge im Geiste des Evangeliums zu gestalten und zur Vollendung zu bringen und so... bei der Ausübung weltlicher Aufgaben Zeugnis für Christus abzulegen“.

Eine Bereicherung für die gesamte Kirche

Wenn so Männer und Frauen des Opus Dei versuchen, ihre Ideale den Verwandten, Kollegen und Freunden welterzugeben, und sie so zu einer intensiveren Teilnahme auch am Leben und den Aktivitäten ihrer jeweiligen Pfarrgemeinde bewegen, so gereicht ein so gesehenes Laienapostolat auch den Diözesen zum Nutzen. Sie ziehen nicht zuletzt Gewinn aus den christlichen Familien, die solche Männer und Frauen gründen; sie ziehen aber auch Gewinn aus den Berufungen zum Priestertum und zum Ordensleben, die aus solchen Lalengemeinschaften hervorgehen können. Dazu stellt der Nachfolger des Gründers, Prälat del Portillo, heute fest: „Darüber hinaus werden die Initiativen, die die Mitglieder des Opus Dei in aller Welt zusammen mit vielen anderen Mitbürgern, auch Nichtkatholiken und Nichtchristen, auf dem Gebiet der Sozialhilfe, der Erziehung und der Entwicklung ins Leben rufen, für die ganze Gesellschaft von Nutzen sein.“ Die mögliche Verflochtenheit dieser Art des Laienapostolates mit der Diözese soll auch dadurch unterstrichen werden, daß Menschen aller Berufe sowie der verschiedensten sozialen Herkunft dem Opus Dei angehören.

Wenn neue Bewegungen in der Kirche entstehen - solches gilt wohl auch von den sogenannten charismatischen Erneuerungsbewegungen innerhalb der Kirche -, so kommt es zu kritischen Auseinandersetzungen, kritischen Befragungen, manchmal auch zu konkurrenzartiger Nervosität, Alles Neue, Echte, Gesunde, das in der Kirche aufbricht, wenn es vom Geiste Gottes inspiriert ist, wird sich durchsetzen als eine erneuernde Kraft in der Kirche. Das Ringen jedes einzelnen um die ganze Erfüllung der ihm zukommenden Pflichten, im Streben nach einem heiligen Leben bewirkt eine Erfrischung und Verjüngung des Gottesvolkes von innen her. Das geschieht in aller Stille, aber beständig unter dem Antrieb des Heiligen Geistes. So gesehen ist es kein Zufall, daß der Herr der Kirche die Gründung des Opus Dei gerade für den Beginn unseres Jahrhunderts vorsehen wollte. Für die Entwicklung der Kirche, des Laienapostolates in der Welt von heute, sollte es Schrittmacher einer vom Konzil angestrebten Erneuerung sein.

Das Werk, dem Prälat Escrivá de Balaguer sein Leben bis zum letzten Atemzug gewidmet hat, hat sich vor und nach dem Konzil als ein lebendiges und wirksames Pastoralmodell der apostolischen Zusammenarbeit zwischen Priestern und Laien erwiesen; es hat die Verflechtung des allgemeinen Priestertums mit dem Amtspriestertum ohne Verwischung der Rollen Lind Aufgaben vorgelebt. Dadurch kann es der Kirche als ein wahres Werkzeug Gottes dienen.

Voll und ganz Priester Am 15.08.1978 im nordspanischen Wallfahrtsort Torreciudad bei der Priesterweihe von sechzig Mitgliedern des Opus Dei aus siebzehn Nationen. – Zu Beginn des Weihegottedienstes wurde ein Brief des damaligen Generalpräsidenten und nachmaligen Prälaten des Opus Dei, Dr. Alvaro del Portillo, verlesen. Danach wandte sich Kardinal König an die Weihekandidaten und ihre Angehörigen. Dabei gedachte der Erzbischof von Wien auch Papst Pauls VI., der am 6. August 1978 verstorben war. – Im Jahre 1978 feierte das Opus Dei das fünfzigste Jahr seines Bestehens. Begrüßung

Gestattet mir allem zuvor, ein paar Worte der Begrüßung an euch zu richten, die ihr heute zu Priestern des Opus Dei geweiht werdet, an eure Eltern und Verwandten und an alle, die in diesem für euer Leben so entscheidenden Augenblick mit euch sind; in einem entscheidenden Augenblick auch für das Leben der ganzen Kirche, wie der Vater euch soeben erklärt hat. Deshalb wollen wir in dieser Zeremonie mit allen Kräften des Herzens die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria suchen, die heute mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde, um für die ewige Seelenruhe des Heiligen Vaters, Papst Pauls VI., zu beten und für die Person, die der Heilige Geist zur Leitung unserer Mutter, der Kirche, nach Gottes Willen berufen wird. Und wir werden auch für euch bitten, liebe Weihekandidaten, damit ihr „immer treue, fromme, gelehrte, aufopferungsvolle und frohe Priester“ seid, wie euer Vater und Gründer das gewünscht hat.

Predigt

Wir feiern heute das Hochfest der Aufnahme der allerseligsten Jungfrau Maria in den Himmel - die endgültige und vollkommene Verherrlichung der Mutter Gottes. Alle Feste unserer Herrin sind Tage innigen Jubels für die Christen. Aber heute gibt es einen ganz besonderen Anlaß für diese christliche Freude: die Priesterweihe einer großen Gruppe von Mitgliedern des Opus Dei - Anlaß zum Jubel für die ganze Kirche.

Wir sind in Torreciudad, in einem Marienheiligtum, dessen Bestand sich aus dem Glauben und der Liebe von Msgr. Escrivá de Balaguer zur allerseligsten Jungfrau erklärt, wenige Meter nur entfernt von der Gnadenstätte, zu der ihn seine Eltern von Barbastro heraufgebracht hatten, um der Mutter Gottes für die Heilung dessen zu danken, der nach Gottes Willen einen neuen und fruchtbaren Weg in der Geschichte der Kirche beschreiten sollte.

Vom Elternhaus Msgr. Escrivás de Balaguer, dessen wir in dieser glücklichen Stunde mit Dankbarkeit und Bewunderung gedenken, wendet sich unser Blick den Familien der Mitglieder des Opus Dei zu, die heute zu Priestern geweiht werden sollen - ganz besonders ihren Eltern. Ihnen gilt unser Glückwunsch für die Ehre, die Gott ihnen erwiesen, und für das Vertrauen, das er ihnen geschenkt hat, ihnen gebührt die Dankbarkeit der ganzen Kirche, denn sie sind es, denen - wie der Gründer des Opus Dei gelehrt hat - ihre Kinder neunzig Prozent ihrer Berufung verdanken.

Ein neues Glied wird heute der bewundernswerten Kette von Priesterweihen angefügt, die Menschen gespendet werden, welche auf lange Jahre der Erfahrung in den verschiedensten Berufzweigen der Gesellschaft zurückblicken. Diese ununterbrochene Reihe von Weihen stellt eine große Hoffnung dar, besonders in einer Zeit, da man überall auf der Welt die dringende Not an Priestern spürt. Die heutige Priesterweihe ist also ein weiteres Glied dieser Kette, zugleich aber hebt sie sich von den anderen ab, denn wir stehen im fünfzigsten Jahr der Geschichte des Opus Dei, in einem Jahr, das der gegenwärtige Generalpräsident des Werkes für die Mitglieder zum Marianischen Jahr erklärt hatte. Deshalb legen wir jetzt unserer lieben Frau von Torreciudad unsere Dankbarkeit für die Gründung des Opus Dei zu Füßen, die gesteigert wird durch den Dank für diese Neupriester, die unser Herr in seiner Barmherzigkeit heute der Kirche schenkt.

Jeder Christ hat Anteil am allgemeinen Priestertum der Gläubigen, das er im Sakrament der Taufe empfängt. Und diese Mitglieder des Opus Dei bemühen sich seit Jahren, wie alle Töchter und Söhne von Msgr. Escrivá de Balaguer, darum, dieses Priestertum in die Tat umzusetzen, und zwar „mit einer wahrhaft priesterlichen Seele und echter Laienmentalität“, wie sich der Gründer stets ausgedrückt hat.

Aber das Weihesakrament gewährt eine neue, vom allgemeinen Priestertum der Gläubigen wesentlich verschiedene Teilhabe am Priestertum Jesu Christi, der der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen ist (vgl. 1 Tim 2,5). Die Priester machen, um es genauer zu sagen, Christus auf Erden gegenwärtig, insofern er das Haupt der Kirche ist, von dem das übernatürliche Leben auf die Menschen herabsteigt und durch welches sich von den Menschen zu Gott Vater das Opfer des Lobes und Dankes, der Sühne und der Bitte erhebt - die heilige Messe. Und auf die heilige Messe, in der das Keuzesopfer erneuert wird, ist das ganze Leben der Kirche hingeordnet.

Die Welt braucht dringend Priester, die das Wort Gottes mit Überzeugung verkünden - Priester, die - wie Msgr. Escrivá de Balaguer oft wiederholt hat - „nur von Gott sprechen“ und so dem menschlichen Geist die heilende, die befreiende Wahrheit (vgl. Joh 8,32) bringen; die einzige Wahrheit, die dem Leben und dem Tod, der Gesundheit und der Krankheit, der Freude und dem Schmerz einen Sinn verleiht.

Dringend nötig ist es auch, daß die priesterliche Tätigkeit der Predigt und der Seelenführung hauptsächlich darauf abzielt, die Menschen gut vorbereitet zum Empfang der Sakramente zu führen, allem zuvor der Allerheiligsten Eucharistie und der Buße. „Der Priester ist in erster Linie“ - das sind Worte Seiner Heiligkeit Papst Pauls VI. - „auf die Feier des eucharistischen Opfers hingeordnet, bei dem er - in persona Christi et in nomine Ecclesiae - Gott auf sakramentale Weise das Leiden und den Tod unseres Erlösers darbringt, um es gleichzeitig zu übernatürlicher Nahrung für sich und die Gläubigen werden zu lassen“ (Ansprache, 21. 2. 1966, in „L'Osservatore Romano, 22. 2. 1966“, S. 1).

Wie für alle Christen ist auch für den Priester die Allerheiligste Eucharistie das Wichtigste im Leben, denn die heilige Messe bildet - wie der Gründer des Opus Dei immer gelehrt hat und wie später vom II. Vatikanum verkündet wurde - die Mitte und die Wurzel des christlichen Lebens (vgl. Dekret Presbyterorum Ordinis, Nr. 14).

Die Spendung des Bußsakramentes bildet eine weitere spezifische und wesentliche Aufgabe des Priesters (vgl. Dekret Presbyterorum Ordinis, Nr. 13). Beim Bußsakrament erfüllt der Priester als Werkzeug Christi seine Aufgabe als Richter, der durch die Vergebung der Sünden die göttliche Barmherzigkeit austeilt; aber er handelt auch als Hirte und Lehrer, als Vater und Arzt der Seelen. In dieser unserer Welt, die - wie der Heilige Vater Paul Vl. es formuliert hat - „sich nicht nur scheut, die Sünde als das zu betrachten, was sie ist, sondern sogar vermeidet, von ihr zu sprechen“ (Ansprache, 8. 3. 1972, „lnsegnamenti di Paolo VI“, Band X, S. 223), muß die großzügige Verfügbarkeit des Priesters für die Spendung des Bußsakramentes immer mehr dazu beitragen, das eingeschläferte Sündenbewußtsein zu wecken und die Bedeutung des sittlich Bösen zu erfassen - und zwar als eines Übels, von dem Gott uns durch seine Barmherzigkeit befreit.

Liebe Weihekandidaten! Ihr wißt genau, was das Priestertum ist, das ihr empfangen sollt, und worin seine Sendung besteht. Ihr wißt es nicht nur auf Grund eurer theologischen Studien. Ihr wißt es, weil Gott euch die Gnade geschenkt hat, das Leben eines vorbildlichen Priesters gekannt und seine Lehre vernommen zu haben - das Leben und die Lehre eures Gründers, den auch ich persönlich gut gekannt habe und dessen Freundschaft mir zuteil geworden ist.

Deshalb möchte ich jetzt mit wenigen Worten zusammenfassen, was ich euch sagen möchte: Fragt euch unentwegt, in jedem Augenblick eures priesterlichen Wirkens: Wie würde unser Vater handeln? Und handelt dann genauso, mit der Gnade Gottes. Ahmt seine unerschütterliche Treue zu Gott, zur Kirche und zum Papst nach, die feste Milde seiner Frömmigkeit, die Erhabenheit und Klarheit seiner theologischen und juridischen Lehre, den Heroismus seiner Hingabe, die geprägt war von einer eifrigen und energischen Demut, die übersprudelnde Freude seines immer jungen Herzens.

Neben der Erinnerung an Msgr. Escrivá de Balaguer lebt in uns der Gedanke an seinen Nachfolger als Generalpräsident des Opus Dei, Don Alvaro de Portillo. Seiner Person gedenke ich jetzt in aufrichtiger Dankbarkeit für die Ehre, die er mir durch seine Einladung erwiesen, und die Freude, die er mir damit bereitet hat, dieser Generation von Priestern im Jubiläumsjahr des Opus Dei die bischöflichen Hände aufzulegen. Für euch, liebe Weihekandidaten, ist Don Alvaro, der jetzt euer Vater im Werk ist, der Inbegriff eines absolut treuen Sohnes Msgr. Escrivás de Balaguer. Deshalb stellt für euch die Einheit mit seiner Person und der Gehorsam ihm gegenüber eine klare Orientierungshilfe, eine sichere Führung für euren priesterlichen Dienst im Rahmen der spezifischen Tätigkeiten des Opus Dei dar, durch die ihr von nun an weiter Gott, der Kirche, dem Papst, den Bischöfen und allen Menschen dienen sollt.

So möge es kommen, und darum bitten wir Gott auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria, Turris Civitatis.

Klärende und festigende Kraft in der Kirche Interview mit Alberto Michelini, ausgestrahlt am 01.10.1978 vom italienischen Fernsehen RAI im Rahmen der Reportage I cammini divini della terra anläßlich des fünfzigsten Jahrestages der Gründung des Opus Dei Frage: Eminenz, Sie haben den Gründer des Opus Dei gekannt. Welchen Eindruck haben Sie von ihm gewonnen? Kardinal König: Ich habe den Gründer des Opus Dei bereits zu Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils kennengelernt, am Sitz des Opus Dei in der Viale Bruno Buozzi in Rom, und ich war von der ersten Begegnung an fasziniert von seiner Persönlichkeit, seiner Liebenswürdigkeit. Seine Menschlichkeit hat mich sehr angezogen, wir haben uns, so darf ich vielleicht sagen, sehr rasch sehr gut verstanden. Wir haben über Wien, über den Osten gesprochen, und ich habe dann eigentlich zum ersten Mal Informationen über das Opus Dei aus erster Hand bekommen. Früher war das für mich so ein vager Begriff, erst damals habe ich etwas Näheres darüber gehört, und das führte dann auch zu einer Aussendung von Mitgliedern des Opus Dei nach Wien und zu einer Entfaltung des Opus Dei in Wien.

Frage: Monsignore Escrivá hat seit dem Gründungstag des Opus Dei am 2. Oktober 1928 eine Laienspiritualität verbreitet, die im Zweiten Vatikanum, vor allem in „Lumen Gentium“, eine feierliche Bestätigung fand. Wie sehen Sie die Bedeutung des Opus Dei in der heutigen Situation der Kirche? Kardinal König: Ja, es ist, glaube ich, das vierte Kapitel von „Lumen Gentium“, wo gerade von der Aufgabe der Laien in der Kirche gesprochen wird, und ich stimme ganz mit Ihnen überein, daß Monsignore Escrivá bereits damals vorweggenommen hat, was eigentlich in diesem vierten Kapitel sehr ausführlich dargestellt wird. Ich habe den Eindruck, daß er zwei Elemente in der Laienspiritualität besonders hervorgehoben und ihnen in seinem Werk auch eine besondere Bedeutung zugemessen hat; das ist einerseits der Hinweis auf die Sauerteigaufgabe der Gläubigen, der christlichen Laien in der Welt, und andererseits die Durchdringung der zeitlichen Dinge mit christlichem Geist, soweit sie eben in den Lebensbereich des Laien und in den Berufsbereich des Laien gehören. Und ich habe den Eindruck, daß gerade die nachkonziliare Zeit zeigt, wie sehr diese Auffassung der Laienspiritualität des Opus Dei in das Geschehen der Unruhen nach dem Konzil eingegriffen hat, wie hier eine geistige Kraft erstanden ist, die klärend und festigend in der Kirche gewirkt hat.

Kardinal König begrüßt Heiligsprechung Escrivas Wiener Alterzbischof betont in „Vanguardia“ – Interview: „Es dauerte, bis das Opus Dei seinen Platz innerhalb der Kirche gefunden hat“

Aus Kathpress, Wien – Barcelona 21.12.2001

Positiv hat Kardinal Franz König zur bevorstehenden Heiligsprechung des Opus Dei–Gründers Josemaria Escriva (1902-1975) Stellung genommen. „Ich freue mich über alle neuen Heiligen, die kanonisiert werden. Die Heiligsprechung bedeutet, dass Escriva nicht nur eine sonderbare Figur am Rande ist, sondern zum 'Schatz' der Kirche gehört“, sagte der Wiener Alterzbischof in einem Interview für den Wien–Korrespondenten der spanischen Tageszeitung „La Vanguardia“, Ricardo Estarriol. Der spanische Journalist, selbst Mitglied des Opus Dei, ist seit 40 Jahren „Vanguardia“-Korrespondent in Wien und Osteuropa. (...)

Kardinal König sagte in dem „Vanguardia“-Interview über das von Escriva im Jahre 1928 gegründete Opus Dei, dass gegenüber dieser Initiative „wie auch sonst immer dann, wenn in der Kirche etwas Neues entstanden ist“, im ersten Moment eine „gewisse Skepsis“ geherrscht habe. „Die Menschen fragen: Was wollen sie? Wer sind sie? Was steckt dahinter? Es hat ja in der Geschichte viele vielversprechende Bewegungen gegeben, die bald verpufft oder in einen sektenhaften Charakter abgeglitten sind. Es ist nicht leicht, sich an Menschen zu wenden, die negativ-zweifelnd sind. Dazu bedarf es der Zeit und der Geduld. Und das Opus Dei hat am eigenen Leib erlebt, was es bedeutet, bis man seinen Platz innerhalb der Kirche gefunden hat“, so König.

Kardinal König berichtete, dass er während seiner Teilnahme am Zweiten Vatikanischen Konzil Escriva kennen gelernt habe: „Er war ein Mensch, der meiner Ansicht nach eine geistige Größe ausgestrahlt hat. Er interessierte sich für das Konzil, er reiste viel, und er war am Apostolat der Laien interessiert. Er sprach viel über das, was in der Welt vorging“.

Nach Einschätzung Königs besteht die zentrale Leistung Escrivas in seiner Pionierarbeit bei der Neuentdeckung der Rolle des christlichen Laien. Auch der Wiener Opus-Dei-Pionier Joaquin Frances - der erste Priester des Opus Dei, der 1957 nach Wien gekommen war - habe die Präsenz in der nichtklerikalen Sphäre verkörpert. „Als ich hörte, dass Joaquin Frances spanischer Nationalmeister in Salto und Trampolin war, habe ich gedacht: Fantastisch; die Kirche ist also nicht nur im Stephansdom präsent, sondern auch in der Welt des Sports“, so König.

Konzil und Josemaría begegnen sich als Werkzeug und Zeuge für die Kirche Ansprache nach der Enthüllung einer Escrivá-Gedenktafel im Studentinnenheim Währing

Wien 30.01.2003

Darf ich im Anschluss an die Enthüllung ein paar Worte zu diesem seltenen Anlass an Sie richten. Ich bin, wie ich schon Gelegenheit hatte anderweitig zu erzählen, dem heiligen Gründer des Opus Dei vor Jahren während des Konzils begegnet als einem Priester aus Spanien, der große Reisen machte. Ich wurde einige Male zu einem Mittagessen in seinen Kreis eingeladen, einen kleinen Freundeskreis. Ich hatte damals aber keine Ahnung, dass ich es mit dem Gründer des Opus Dei zu tun hatte. Er hat wenig davon gesprochen. Ich habe nur aus Andeutungen entnehmen können, es gehe hier um das Laienapostolat, das heißt um die Mitverantwortung der Laien in der Kirche, ein Gedanke, der uns damals sehr beschäftigte, denn wir waren in der Vorbereitung, am Beginn des Vatikanischen Konzils. Auf Grund meiner persönlichen Erfahrungen war ich sehr davon überzeugt: Die Kirche, das sind nicht nur die Priester. Denn so hatte ich es noch als Kind erlebt: Die Kirche, das sind die Pfarrer, und die anderen sind die Herde Christi.

Ich freue mich, dass dieser Gedanke, den ich damals so auch in diesem kleinen Freundeskreis feststellen konnte, dann im Konzil regelrecht lehrmäßig aufgegriffen wurde und heute in Konzilsdokumenten zu lesen ist. Damit Sie mir auch glauben, habe ich mir aus dem Konzilsdokument – der Dogmatischen Konstitution über die Kirche – zwei Sätze herausgeschrieben. Sie können sie im Kapitel 4 über die Laien nachlesen. Konzilstexte – ich darf das vielleicht auch hier nebenbei erwähnen – soll man nicht nur in der Bücherei stehen haben und gelegentlich sagen, da sind die Texte. Vielmehr lade ich ein zum Überlegen, zum Besprechen. Ich tue das auch in den Pfarren immer wieder. So kann man sich mit den Texten ein bißchen vertraut machen, denn da sind immer Anregungen drinnen. Man kann sie nicht so wie einen Roman lesen, sondern man muss ein bisschen auswählen, wieder lesen, darüber reden.

Also zwei Sätze, die den Gedanken des damals doch neuen – nicht neuen, aber vergessenen – Aspektes der Kirche bewusst machen wollten: Die Kirche wird getragen durch die Verantwortung von Priestern und Laien. Der eine Satz aus Kapitel 4: „Die geweihten Hirten” – das sind die Bischöfe – „wissen sehr gut, wie viel die Laien zum Wohl der ganzen Kirche beitragen” – können und auch sollen.

Und der andere Satz im selben Kapitel, Nr. 33, ist ein sehr schöner Text, der von den Bischöfen damals beschlossen wurde und den ich gerne wiederhole: „Die Laien sind besonders dazu berufen, die Kirche an jenen Stellen und in den Verhältnissen anwesend und wirksam zu machen, wo die Kirche nur durch sie das Salz der Erde werden kann. So ist jeder Laie kraft der ihm geschenkten Gaben Zeuge und lebendiges Werkzeug der Sendung der Kirche.”

Denn viele Menschen haben nur auf diese Weise die Möglichkeit, überhaupt zu erfahren, dass man in dieser Gemeinschaft des Glaubens leben kann, dass man da zu Hause ist.

Daher darf ich noch auf zwei Worte hinweisen. Einmal, dass die Laien „Zeugen” sind, das heisst nicht Prediger, sondern jeder schlicht und einfach in seinem Beruf, in seiner Familie, in seiner Freizeit, in der Öffentlichkeit und im Privaten. Dass man als Christ schlicht und einfach lebt. Ich bin einmal darauf aufmerksam gemacht worden. Es war eine Familie in Korea, die mir erzählt hat, wieso sie katholisch geworden sind. Eine gut bekannte Familie in der Nachbarschaft war ein bisschen anders als die anderen. Sie haben sich gefragt: Sie sind eine nette Familie – nicht ganz so wie wir, aber nett. Da haben sie sich den Mut genommen und gefragt: Ihr seid nicht ganz so wie wir, aber ihr seid nett. Aber wieso seid ihr so? Die Antwort: Wir sind eine katholische Familie. – Also ein sehr schönes Beispiel, wie diese Zeugenschaft heute wirkt.

Und „Werkzeug”: Man kann durch ein Wort sehr guttun, durch ein kurzes Gespräch – ohne zu meinen, ich muss da jetzt predigen. Wenn ich hier ein bißchen ausführlich darauf hinweise, bitte ich zu verstehen, dass es mir ein persönliches Anliegen ist. Und ich freue mich, dass gerade Ihre Gemeinschaft des Opus Dei diesen Gedanken, der dann beim Konzil aufgegriffen wurde, damals schon durch den Gründer zum Keimen gebracht hat. Schon damals war es nicht leicht, die politischen Umstände in Spanien waren ganz anders, es war schwierig.

Daher möchte ich in diesem Kreis vor dieser Inschrift meinen persönlichen Dank dafür bekunden, dass sich hier Konzil und Josemaría gewissermaßen begegnen, um Werkzeug und Zeuge für die Kirche zu sein.