Wir bauen auf Vertrauen (1): „Mehr als Videospiele”

“Wir bauen auf Vertrauen” ist eine Videoreihe, die Eltern bei der Kindererziehung unterstützen möchte. Die Filme basieren auf den Lehren des hl. Josefmaria, der die Freiheit und die Erziehungsaufgabe der Eltern besonders liebte.

Persönlichkeitsbildung

Heutzutage stehen Eltern vor einer großen Herausforderung: Wie erzieht man Kinder zur Freiheit? Durch gemeinsames Nachdenken können sie ihnen helfen, mit dem Geschenk der Freiheit sorgsam umzugehen, sich für das Gute zu entscheiden und so ein glückliches Leben zu führen. Damit das funktioniert, spielt der vertrauensvolle Umgang mit den Kindern eine Schlüsselrolle. Die Kinder fühlen sich ermutigt, mit den Eltern über alles zu reden, egal ob es sie begeistert, verwirrt oder ängstigt.

Diese Videoreihe bringt Themen für Ehepaare und Gesprächsrunden. Jede Folge bringt Texte zum Nachdenken, Diskussionsfragen und Links zu weiterführenden Materialien.

Wir bauen auf Vertrauen (1): „Mehr als Videospiele”

Erziehung zur Freiheit und zum verantwortungsvollen Gebrauch der modernen Technologie.

Das Internet stellt in unserer modernen Zeit einen bahnbrechenden Fortschritt auf wirtschaftlichem und gesellschaftsveränderndem Gebiet dar. Viel Gutes ist dadurch möglich geworden, doch der extrem einfache Zugang zu Information, Bildern, Spielen, Software, Apps, sozialen Medien usw. stellt die Eltern vor besondere Herausforderungen in der Erziehung ihrer Kinder. Online Pornographie, äußerst gewalttätige Videospiele und andere online Seiten oder Apps, die das Potenzial haben, zu einer Sucht zu führen, können leider schweren und dauerhaften Schaden bewirken, besonders bei Kleinkindern.

Eltern müssen zielstrebig und aufmerksam mit diesem Thema umgehen, um ihren Kindern Selbstbeschränkung im Umgang mit Smartphones, Tablets, Videospielen und Computern beizubringen. So entwickeln die Kinder ein gesundes Selbstbewusstsein, schließen leichter echte Freundschaften und haben Freude an bereichernden Tätigkeiten wie Lesen und Sport.

Den Kindern einen sinnvollen und geordneten Umgang mit der Technologie beizubringen, erfordert eine bewusste Anstrengung, bei der beide Elternteile unbedingt dieselben Grundsätze vertreten müssen. An erster Stelle steht das gute Beispiel der Eltern, mit dem sie den Kindern vorangehen, sich selbst im Umgang mit Computer und anderen Geräten Grenzen zu setzen, das Vertrauen durch Gespräche zu den Kindern aufzubauen, bei denen sie ihnen ihre Aufmerksamkeit schenken und ihnen Freizeitbeschäftigungen vorschlagen, die ihr inneres Wachstum und ihre Entwicklung fördern, wie z.B. Zeit mit Freunden im Freien zu verbringen, Gesellschaftsspiele, Brettspiele, im Haushalt Aufträge zu übernehmen etc.

Es folgen ein paar Fragen, die helfen können, aus diesem Video größeren Nutzen zu ziehen, wenn es gemeinsam mit Freunden, in der Schule oder in der Pfarre angeschaut wird.

Fragen:

Ab welchem Alter ist es sinnvoll, den Kindern eigene IT-Geräte in die Hand zu geben? Welches ist die längste Zeit, die man dem Kind täglich erlauben sollte, sich damit zu befassen? Einige Eltern vertreten die Ansicht, dass ein Kind reif ist für den eigenen Zugang zum Internet, wenn es auch fähig ist, sein Zimmer alleine in Ordnung zu halten. Stimmen Sie dem zu?

Wie kann man helfen und lenkend eingreifen, um sicherzugehen, dass die Verwendung der elektronischen Geräte die Kinder bereichert statt sie in Abhängigkeiten zu führen? Welche sinnvollen Beschränkungen kann man einführen und welche davon sind für das jeweilige Alter des Kindes am besten? Einige Eltern verlangen, dass die Zimmertür offen bleibt, während eigene Geräte verwendet werden. Andere sorgen dafür, dass nach dem Zubettgehen die Geräte außer Reichweite sind. Welche anderen Vorgangsweisen gibt es noch?

Wo findet man die besten Webseiten und Apps, die die Kinder gerne haben und die ihnen auch wirklich dabei helfen, sich kreativ, geistig und kulturell zu entfalten? Wie können die Eltern das Positive an diesem Bemühen hervorheben, ohne das Negative überzubewerten? Gibt es interessante Studien oder Untersuchungen (über dieses Thema), um den Eltern selbst Orientierung anzubieten?

Wie können es die Eltern Kindern leicht machen, mit ihnen über fragwürdige Seiten oder Bilder zu sprechen, auf die sie im Internet stoßen können? Wie kann man den Kindern dabei helfen, solche Gespräche mit den Eltern aus eigener Initiative zu beginnen? Denken Sie an ihre besten Erfahrungen im Fördern von verantwortlicher Freiheit und Selbstbeschränkung auf diesem Gebiet. Gibt es Bücher, Artikel, Blogs, Websites oder Podcasts, die Ihnen diesbezüglich geholfen haben?

Haben Sie daran gedacht, am eigenen PC, Tablet und den Handys einen Jugendschutzfilter zu installieren? Wissen Sie, wie ihre Kinder YouTube verwenden? Wo findet man Handy-Apps, die den Kindern und Jugendlichen helfen, ihre Telefonnutzung selbst besser zu regulieren? Einige Vorschläge stehen hier zur Verfügung.

Dazu ein paar Anregungen:

Zuerst sollen die Ehepartner sich darauf einigen, den selben Standpunkt zu vertreten, wann und wie sie jedem ihrer Kinder Mäßigung und Selbstbeschränkung im Umgang mit dem Internet beibringen. Überlegen Sie gemeinsam, wie die Kinder ihre Nachmittage an einem gewöhnlichen Schultag verbringen. Es kann hilfreich sein, genügend Zeit für den Aufenthalt im Freien zu planen, für familiäre Unternehmungen und Ausflüge, ebenso für Aktivitäten zu Hause (Spiele, Ping-Pong, etc) oder die Pflege von Hobbys (Musikinstrument erlernen, Sport). Das alles bietet wunderbare Gelegenheiten, um mit den Kindern über alles zu reden.

Stellen Sie klare Regeln für zu Hause auf: z.B. keine elektronischen Geräte bei Tisch, die Zimmertür offen lassen, während diese Geräte benützt werden, zur Schlafenszeit alle Geräte außer Reichweite aufbewahren etc.

Beten Sie jeden Tag für Ihre Kinder um das rechte Maß und um Verantwortungssinn. Bringen Sie den Kindern Gebete zum Heiligen Geist bei, um Einsicht und Klarheit zu gewinnen und um Hilfe für eine gute Ausnützung der Zeit.

Durch Ihr Vorbild und Ihr eigenes Bemühen um mäßigen Internetkonsum zeigen Sie den Kindern, wie überlanges „Auf-den-Bildschirm-starren“ die Fähigkeit zu Mitgefühl und die gute und gesunde Beziehungsfähigkeit zerstört. Zeigen Sie durch Ihr Verhalten, wie wichtig es ist, auf die Mitmenschen ausgerichtet zu sein, um Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, statt ständig auf Bildschirme zu schauen.

Die Kinder sollen Ihr Bemühen um Mäßigkeit und Selbstkontrolle bei der Nutzung von Internet sehen. Denn wenn die Eltern nicht mit gutem Beispiel vorangehen, nützt alles Reden nichts. Außerdem sollen die Kinder bedingungslose Liebe von ihren Eltern erfahren, sie sollen spüren, dass die Eltern das Beisammensein mit ihnen genießen und gerne ihre Zeit mit ihnen verbringen.

Zitate aus der Heiligen Schrift und dem Katechismus der katholischen Kirche

Wenn jemand Gerechtigkeit liebt, in ihren Mühen findet er die Tugenden. Denn sie lehrt Maß und Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit, die Tugenden, die im Leben der Menschen nützlicher sind als alles andere. (Weish 8, 7)

Die Mäßigung ist jene sittliche Tugend, welche die Neigung zu verschiedenen Vergnügungen zügelt und im Gebrauch geschaffener Güter das rechte Maß einhalten lässt. Sie sichert die Herrschaft des Willens über die Triebe und lässt die Begierden die Grenzen des Ehrbaren nicht überschreiten. Der maßvolle Mensch richtet sein sinnliches Strebevermögen auf das Gute, bewahrt ein gesundes Unterscheidungsvermögen … (KKK 1809)

Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. 5 Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. 6 Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. 7 Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. (1 Kor 13, 4-7)

Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2 Tim 1, 7)

Zitate von Papst Franziskus

„Liebe junge Freunde, wir sind nicht auf die Welt gekommen, um zu „vegetieren“, um es uns bequem zu machen, um aus dem Leben ein Sofa zu machen, das uns einschläfert; im Gegenteil, wir sind für etwas anderes gekommen, wir sind gekommen, um eine Spur zu hinterlassen. … Jesus ist der Herr des Risikos … nicht der Herr des Komforts, der Sicherheit und der Bequemlichkeit. …… Um Jesus zu folgen, muss man eine gewisse Dosis an Mut besitzen, muss man sich entscheiden, das Sofa gegen ein Paar Schuhe auszutauschen, die dir helfen, Wege zu gehen, die du dir nie erträumt hast und die du dir nicht einmal vorstellen konntest.“ (Ansprache am Weltjugendtag in Polen, 30. Juli 2016)

„Ich muss den Geist, der mir das Wort bringt, mit Fügsamkeit empfangen. Und wenn ich dem Geist keinen Widerstand leiste, bringt mir diese Fügsamkeit seine Lebensweise. Und dann Raum geben, damit dieser Same aufkeimt und in diesen Haltungen der Güte, der Milde, des Wohlwollens, des Friedens, der Liebe, der Selbstbeherrschung wächst: all das, was den christlichen Stil ausmacht.“ (Predigt, 9. Mai 2017)

„Eine Familie, die fast nie gemeinsam isst, oder bei Tisch nicht miteinander spricht, sondern fernsieht oder mit den Smartphones spielt, ist kaum eine echte Familie … Wenn sich alle bei Tisch mit dem Computer oder Telefon befassen und einander nicht zuhören, dann ist das keine Familie, sondern ein Gasthaus … Im guten Familienleben erfahren wir fröhliches Zusammensein schon von klein auf – eine sehr anziehende Haltung! Die Familie lehrt uns, froh das Leben miteinander zu teilen. (Generalaudienz, 11. Nov. 2015)

Text vom Hl. Josefmaria

Ich möchte beim Thema der Familie bleiben und näher auf die Erziehung der Kinder und ihr Verhältnis zu den Eltern eingehen. Die Wandlungen, die die Familie heute durchmacht, erschweren nicht selten das gegenseitige Verständnis und führen zum sogenannten Generationenkonflikt. Wie kann man diese Schwierigkeit überwinden?

„Das Problem ist nicht neu, wenn es sich auch heute wegen der überstürzten Entwicklung unserer Gesellschaft häufiger und mit größerer Schärfe stellen mag. Es ist selbstverständlich und durchaus natürlich, dass Jugendliche und Erwachsene die Dinge auf verschiedene Weise sehen; das ist immer so gewesen. Überraschend wäre es, wenn ein Heranwachsender genauso denken würde wie ein erwachsener Mensch. Wir alle haben gegen die Erwachsenen aufbegehrt, als wir begannen, unabhängig zu denken. Und alle haben wir im Laufe der Jahre begriffen, dass unsere Eltern in vielen Fragen, die sie aus ihrer Erfahrung und ihrer Liebe zu uns heraus beurteilten, Recht hatten. Deshalb ist es an erster Stelle Sache der Eltern, die ja auch einmal ähnliches erlebt haben, mit Anpassungsfähigkeit und heiterer Gelassenheit das Verständnis füreinander zu erleichtern und mit intelligenter Liebe mögliche Konflikte zu vermeiden.

Ich rate den Eltern immer, sich die Freundschaft ihrer Kinder zu gewinnen. Die für die Erziehung notwendige elterliche Autorität ist durchaus vereinbar mit einer echten Freundschaft, die verlangt, dass man sich auch mit den Kindern auf eine Ebene zu stellen vermag. Auch wenn sie scheinbar noch so rebellisch und eigenwillig sind, sehnen sich die Kinder im Grunde immer nach einem offenen, brüderlichen Verhältnis zu ihren Eltern. Der Schlüssel dazu liegt im gegenseitigen Vertrauen. Es setzt voraus, dass die Eltern ihre Kinder in einem Klima der Offenheit zu erziehen wissen und ihnen gegenüber niemals den Eindruck des Misstrauens erwecken, dass sie den Kindern Freiheit lassen und sie lehren, ihre Freiheit eigenverantwortlich zu gebrauchen. Es ist besser, die Eltern lassen sich einmal hintergehen, als dass sie Misstrauen zeigen. Die Kinder gestehen sich selbst beschämt ein, das Vertrauen ihrer Eltern missbraucht zu haben, und bessern ihr Verhalten. Lässt man ihnen dagegen keine Freiheit, und spüren sie, dass man ihnen misstraut, bedeutet das für sie eine ständige Versuchung zur Unaufrichtigkeit. (Gespräche mit Msgr. Escrivá, Nr. 100)

Weiterführende Literatur: