CÄSAREA PHILIPPI liegt im Norden Israels, unweit der Jordanquellen. Wenn Jesus mit den Aposteln durch diese Gegend zog, nutzte er die ruhigen Wegstrecken, um seine Jünger zu unterweisen. Er erklärte ihnen Gleichnisse, die sie nicht verstanden hatten, oder ging auf ihre Fragen ein. Man kann sich gut vorstellen, dass die Apostel auch untereinander über die Wunder und Zeichen sprachen, die sie erlebt hatten. Nach so vielen Monaten an der Seite Jesu hatten sie sich ein immer klareres Bild von ihrem Meister gemacht.
Als sie in Cäsarea ankamen, fragte Jesus sie: Für wen halten die Menschen den Menschensohn? (Mt 16,13). Die Apostel berichteten, was unter den Leuten erzählt wurde: Manche hielten ihn für einen Propheten aus alter Zeit oder sogar für den auferstandenen Johannes den Täufer. Doch Jesus ging es nicht um die Meinung der Menge. Er wollte wissen, was seine engsten Vertrauten glaubten: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? (Mt 16,15).
Diese entscheidende Frage stellt Jesus bis heute jedem von uns. Sie verlangt eine persönliche Antwort, die aus der Begegnung und dem Leben mit Christus erwächst. Leo XIV. bemerkte in seiner ersten Predigt nach der Wahl zum Papst, dass „Jesus, obwohl er als Mensch geschätzt wird, auch heute bloß als eine Art charismatischer Anführer oder Übermensch gesehen wird, und zwar nicht nur von Nichtgläubigen, sondern auch von vielen Getauften“1. Jede Begegnung mit Christus lädt uns deshalb ein, unseren Blick zu läutern und unseren Glauben daran zu erneuern, wer Jesus wirklich für uns ist.
IM NAMEN aller ergriff Petrus das Wort und antwortete: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! (Mt 16,16) – ein Glaubensbekenntnis, das die Kirche seit jenem Tag durch die Jahrhunderte wiederholt. „Auch wir wollen heute mit tiefer Überzeugung ausrufen: Ja, Jesus, du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! (...) Christus ist der wahre ,Schatz‘, für den es sich lohnt, alles zu opfern; er ist der Freund, der uns nie verlässt, da er die tiefsten Sehnsüchte unseres Herzens kennt.“ 2
Die Antwort des Petrus entspringt nicht allein seinem Verstand oder dem langen Zusammenleben mit dem Meister. Jesus macht ihm deutlich, dass dieses Glaubensbekenntnis einen höheren Ursprung hat: Selig bist du, Simon Barjona, denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel (Mt 16,17). Zugleich bestärkt er Petrus in seiner Sendung: Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben (Mt 16,18-19).
Der Glaube des Petrus ist, wie der unsere, eine Gabe Gottes. Gott selbst öffnet die Türen zu seinem Innersten und lädt uns ein, an seinem Leben teilzuhaben. Glauben bedeutet daher nicht bloß, Aussagen über Gott für wahr zu halten, sondern eine persönliche Beziehung zu ihm einzugehen und unser Leben an seine Person zu binden. „Glaube und Nachfolge Christi hängen eng zusammen. Und da der Glaube voraussetzt, dass man dem Meister nachfolgt, muss er gefestigt werden und wachsen, tiefer und reifer werden in dem Maße, in dem die Beziehung zu Jesus, die Vertrautheit mit ihm intensiver und stärker wird. Auch Petrus und die anderen Apostel mussten diesen Weg gehen, bis ihnen die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn die Augen zu einem vollen Glauben öffnete.“3
IM VERLAUF dieses Gesprächs spricht Jesus über die Kirche. Er vergleicht sie mit einem Gebäude, dessen sichtbares Fundament Petrus und mit ihm die Apostel bilden. Ihnen vertraut er die Vollmacht an, auf Erden zu binden und zu lösen. Auf den ersten Blick scheint dies kein besonders solides Fundament zu sein; doch gerade so hat Gott es gewollt. Die Kirche ist keine bloß menschliche Institution: Seit ihren Anfängen wird sie vom dreieinigen Gott getragen. Sie lebt nicht aus sich selbst und nicht für sich selbst. Christus und die Kirche lassen sich nicht voneinander trennen wie das Haupt nicht vom Leib.
Jesus spricht von „meiner Kirche“. Sie gehört ihm, nicht uns. Ihr Ursprung liegt weder in einer Entscheidung des Petrus noch seiner Gefährten. Von Christus empfängt sie ihr Leben; er nährt und stärkt sie. Darum ist sie weder die Kirche eines bestimmten Papstes noch die einer einzelnen Gruppe, Ideologie oder Kultur. Sie ist die Kirche Christi, offen für alle Völker und Nationen.
„Die Kirche bist du“, erklärte der heilige Josefmaria, „und ich bin es, und es ist derjenige, der neben mir steht … Wir alle sind die Kirche.“4 Als Jünger Jesu gehen wir gemeinsam in der Gemeinschaft seiner Kirche auf den Spuren Christi. „Die Kirche ist Christus unter uns, sie ist Gott, der auf die Menschheit zugeht, um sie dadurch zu heilen, dass er uns mit seiner Offenbarung ruft, mit seiner Gnade heiligt und uns erhält durch seinen immerwährenden Beistand in den kleinen und großen Kämpfen des Alltags.“5 Bitten wir Maria um einen Glauben wie den des Petrus, damit wir in der Kirche Zeugnis davon geben, dass Jesus Christus der Erlöser aller Menschen und die lebendige Quelle unserer Hoffnung ist.
1 Leo XIV., Homilie, 9.5.2025.
2 Benedikt XVI., Angelus-Gebet, 24.8.2008.
3 Benedikt XVI., Predigt, 21.8.2011.
4 Hl. Josefmaria, Aufzeichnungen aus einem Beisammensein, 1972.
5 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, 131.
