JESUS kam, um uns das Innerste Gottes und seinen Heilsplan zu offenbaren. Doch wie konnte er die unermessliche Liebe, die er uns schenken will, in Worte fassen? Während seines öffentlichen Wirkens griff er immer wieder zu Bildern aus dem Alltag seiner Zuhörer.: Wem ist das Reich Gottes ähnlich, womit soll ich es vergleichen? (Lk 13,18), fragte er und und antwortete: Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann nahm und in seinen Garten säte; es wuchs und wurde zu einem Baum und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen. Ebenso ist es wie der Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war (Lk 13,19.21).
Beide Bilder haben etwas gemeinsam: einen unscheinbaren Anfang und eine erstaunliche Wirkung. So handelt auch Gott – meist still und kaum merklich, aber mit großer Kraft. In der Hektik des Alltags übersehen wir leicht sein verborgenes Wirken. Doch „Gott ist am Werk“, sagt Papst Franziskus, „wie ein kleines, gutes Samenkorn, das still und langsam keimt. Und ganz allmählich wird daraus ein üppiger Baum, der allen Leben und Erfrischung schenkt.“ Auch unsere guten Werke mögen unbedeutend erscheinen, doch „alles, was gut ist, ist von Gott und trägt daher demütig und langsam Frucht. Das Gute – denken wir daran – wächst immer auf bescheidene Weise, auf verborgene Weise, oft unsichtbar.“1 Nichts, was wir aus Liebe zu Gott tun, ist vergeblich, mag es noch so unscheinbar sein.
MIT DEM BILD des Senfkorns zeigt Jesus seinen Jüngern auch, wie seine Kirche in der Welt wachsen wird. Ein Kirchenvater erläuterte: „Auch die Jünger waren ja schwache und unbedeutende Menschen; weil aber eine große Kraft in ihnen wohnte, breitete sich das Evangelium über den ganzen Erdkreis aus.“2
Was für die Anfänge der Kirche gilt, gilt auch für jeden Christen. Jeder von uns kann wie ein Senfkorn sein, das in den Boden seines Alltags gesät wird – in der Familie, am Arbeitsplatz oder unter Freunden. Durch kleine Taten der Liebe und des Glaubens kann daraus etwas wachsen, das anderen Trost und Hoffnung schenkt.
Dieser Gedanke macht Mut, wenn wir den Eindruck haben, dass unsere Bemühungen um die Ausbreitung des Reiches Gottes wenig bewirken. Vielleicht meinen wir, wie der heilige Josefmaria schrieb, „dass wir, die wir fest entschlossen sind, auf die göttliche Einladung zu antworten, nur wenige und als Werkzeuge nicht besonders tauglich sind“3. Doch schon wenig Sauerteig genügt, um eine große Menge Mehl zu durchsäuern. Wir dürfen darauf vertrauen, „dass Christus uns alle erlöst hat und einige wenige von uns in seinen Dienst nehmen möchte, damit wir, auch wenn wir persönlich bedeutungslos sind, sein Heil bekannt machen“4.
Auch die Kirche begann mit einer kleinen Schar von Jüngern, die keine außergewöhnlichen Fähigkeiten besaßen. Doch sie waren dem auferstandenen Christus begegnet und hatten den Heiligen Geist empfangen. In seiner Kraft trugen sie das Evangelium weit über ihre Heimat hinaus und erreichten Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft. Dieselbe Kraft steht auch uns zur Verfügung, wenn wir heute versuchen, die Menschen in unserer Umgebung Christus näher zu bringen.
HEFE entfaltet ihre Wirkung im Verborgenen. Der heilige Josefmaria veranschaulichte dies am Beispiel des Brotbackens: „Geduldig und sorgfältig wird der Teig im Backtrog zubereitet und die Hefe untergemengt. Danach lässt man ihn ruhen; das ist nötig, damit die Hefe den Teig aufgehen lässt. (...) Das ist nur möglich dank der kleinen Menge Hefe, die sich aufgelöst und im Verborgenen ihre Wirkung entfaltet hat.“5
Ähnlich können wir Gottes Wort in der Stille des Gebets, aber auch mitten im Arbeitsalltag in unserem Herzen wirken lassen. Vielleicht haben wir schon erlebt, wie uns beim Lesen der Heiligen Schrift ein Vers oder ein Satz besonders berührt hat. Wenn wir ihn im Herzen bewahren und durch den Tag begleiten lassen, kann er allmählich unser Denken und Handeln verwandeln. Papst Franziskus schrieb: „Die Bibel lehrt uns, dass Gottes Stimme in der Ruhe, in der Achtsamkeit, in der Stille zu hören ist. (…) Das Wort Gottes ist lebendige Gegenwart, ein Werk des Heiligen Geistes, der tröstet, erleuchtet und Licht, Kraft, Erquickung und Lebensfreude schenkt. Ein kurzer Abschnitt der Bibel ist wie ein kleines Telegramm Gottes, das unser Herz berührt.“6
Im Gleichnis vom Sauerteig ist auch von einer Frau die Rede. Sie kann uns an Maria erinnern, die uns hilft, das Wort ihres Sohnes aufzunehmen und in unserem Herzen Frucht bringen zu lassen. Bitten wir sie, dass Gottes Gnade unser Leben immer tiefer durchdringt und wir so auch für andere zu einer Quelle der Freude und Stärkung werden.
1 Franziskus, Angelus-Gebet, 13.6.2021.
2 Hl. Johannes Chrysostomus, Homilien über das Evangelium des Matthäus, Nr. 46.
3 Hl. Josefmaria, Freunde Gottes, Nr. 9.
4 Ebd.
5 Hl. Josefmaria, Freunde Gottes, Nr. 257.
6 Franziskus, Audienz, 21.12.2022.
