Magnifica humanitas. Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz – so lautet der volle Titel des ersten universalen Lehrschreibens von Papst Leo XIV. Er hat es am 25. Mai, Pfingstmontag, Seite an Seite mit internationalen Fachleuten und den Kardinälen Parolin, Fernandez und Czerny in der neuen Synodenaula im Vatikan vorgestellt. Unterzeichnet hatte er es bereits am 15. Mai, am Jahrestag der Unterzeichnung der Enzyklika „Rerum novarum“ durch Papst Leo XIII. im Jahr 1891. Der Zusammenhang ist bewusst gesucht, wie der Papst erklärte: „Wie schon Leo XIII. fühle ich mich berufen, einen weiteren gewaltigen Wandel mit gläubigen Augen, klarem Verstand, Offenheit für das Geheimnisvolle und dem Mitgefühl für die Armen und die Erde im Herzen zu betrachten.“ Der Wandel, den er ansprach, sind dabei die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz. Der Papst sieht die Menschheit vor einem Scheideweg.
Der Papst erklärte, er habe für seine Enzyklika Wissenschaftler, Ingenieure, Politiker, Eltern und Lehrer angehört und dabei verstanden, dass KI-Technologien „immenses Leid lindern“, aber auch „zutiefst beunruhigende“ Folgen haben könnten. Beispielhaft nannte er „immer autonomere Waffensysteme, die praktisch außerhalb jeglicher menschlichen Kontrolle liegen“ und „Algorithmen, die den Zugang zu Gesundheitsversorgung, Beschäftigung und Sicherheit aufgrund von Daten blockieren können, die von Vorurteilen und Ungerechtigkeit geprägt sind“. Auch verwies er auf all jene Menschen, die im Zusammenhang mit KI „keine Stimme haben, wenn Entscheidungen getroffen werden – Entscheidungen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit neue Formen der Ausgrenzung und des Leidens hervorrufen werden“.
Vor diesem Hintergrund habe er ein „starkes Wort“ gewählt, um die gebührende Aufmerksamkeit auf KI zu lenken und an die Gewissen zu appellieren, so Leo XIV.: „Künstliche Intelligenz muss entwaffnet werden“, nämlich befreit werden von Logiken, die sie zu einem Instrument der Herrschaft, des Ausschlusses oder des Todes machen.
Neben „Abrüstung“ gehe es zugleich um Aufbau. Der Papst entwarf nämlich auch die Vision einer Künstlichen Intelligenz, die dem menschlichen Leben in einer ganzheitlichen Perspektive dient und die für Gemeinwohl, Inklusion und Gerechtigkeit eingesetzt wird. Ganzheitlich bedeutet dabei, so der Papst, „dass niemand auf Produktivität, kognitive Leistung oder bloße Daten reduziert werden darf. Der Mensch trägt eine Freiheit, eine Innerlichkeit und eine Berufung zur Liebe und Anbetung in sich, die keine Maschine ersetzen oder unterdrücken kann. Nur mit einer solchen ganzheitlichen Vision kann Künstliche Intelligenz zum Wohle aller eingesetzt werden.“
Die Enzyklika ist in fünf Kapiteln aufgebaut: 1. Kapitel: Ein dynamisches Denken im Geiste des Evangeliums, 2. Kapitel: Grundlagen und Prinzipien der Soziallehre der Kirche, 3. Kapitel: Die Größe der menschlichen Person angesichts der Versprechen der KI, 4. Kapitel: Das Menschliche in Zeiten des Wandels bewahren. Wahrheit, Arbeit, Freiheit, 5. Kapitel: Die Kultur der Macht und die Zivilisation der Liebe.
