Stark im eigenen Körper – wenn Eltern ihre Kinder sicher begleiten

Beim diesjährigen Familiensymposium des Instituts für Elternbildung (IEB) in Euskirchen stand die Sexualaufklärung im Vordergrund.

Unter dem Titel „Stark im eigenen Körper – Kinder liebevoll, klar und kompetent begleiten“ bot das Familiensymposium im Tagungshaus Hardtberg in Euskirchen Orientierung, Sprachhilfen und Wissen für einen Bereich, in dem sich viele Mütter und Väter unsicher fühlen.

Der Tag begann mit der Gelegenheit zum Besuch der Heiligen Messe. Anschließend begrüßte Martin Lochner vom IEB-Vorstand die mehr als 50 Erwachsenen und machte deutlich, wie sehr das Thema Sexualentwicklung Eltern im Alltag bewegt. Gemeinsam mit den über 70 mitgereisten Kindern wurde das Haus voll: Das Team des Tagungshauses machte es möglich, dass das eigentlich auf 30 Tagungsgäste ausgerichtete Haus für rund 30 Familien auf den Kopf gestellt und viele Räume umfunktioniert wurden. Und 16 Kinderbetreuer verschafften den Eltern die Ruhe, sich ganz auf die Impulse zu konzentrieren.

Den Menschen ganzheitlich sehen

Als Referenten konnten Dr. Elisabeth und Dr. Ralf Luge gewonnen werden – seit fast 40 Jahren verheiratet, Eltern von vier Kindern und Großeltern von fünf Enkelinnen. Elisabeth Luge ist promovierte Germanistin und seit 2019 Vorsitzende von TeenStar Deutschland, Ralf Luge ist Facharzt für Orthopädie. Beide sind zertifizierte Sexualpädagogen (ESSP©) und engagieren sich seit 2009 als Kursleiter und Referenten in der TeenStar-Ausbildung, einem wertorientierten Programm für Eltern und Jugendliche rund um Körper und Sexualität.

Ihren Vortrag eröffneten sie mit einer persönlichen Vorstellung anhand des TeenStar-Sterns. Er ist ein Bild für den Menschen als Person in seinen körperlichen, emotionalen, intellektuellen, sozialen, kulturellen und spirituellen Bezügen. Schon hier wurde die ganzheitliche Sicht auf die Sexualität deutlich, die sich wie ein roter Faden durch den ganzen Tag zog und weit mehr als nur das Körperliche umfasst.

Die Eltern sind die wichtigsten Ansprechpartner

Im Zentrum stand die Rolle der Eltern als erste und wichtigste Ansprechpartner ihrer Kinder in Fragen der Sexualität – noch vor Schule, Internet oder Gleichaltrigen. Grundlage dafür sei eine sichere Bindung zum Kind, die von klein auf wächst, sowie das Im-Gespräch-Bleiben, auch wenn das nicht immer leichtfalle – insbesondere in der Pubertät. Gut eigneten sich dafür Autofahrten, so die beiden Referenten: Man müsse sich nicht in die Augen sehen, sondern schaue gemeinsam in dieselbe Richtung. Zudem ende das Gespräch selbstverständlich mit der Fahrt, was gerade für Jugendliche eine Entlastung sei. Ebenso wichtig sei es, das Schamgefühl der Kinder zu schützen und bewusst zu fördern, statt es als altmodisch abzutun.

Das Ehepaar Luge machte zudem eine klare Unterscheidung: Im Kindesalter entwickele sich zunächst die Geschlechtlichkeit – das Bewusstsein, Junge oder Mädchen zu sein, und das Hineinwachsen in die eigene Identität. Sexualität im engeren Sinn entstehe erst mit den Sexualhormonen der Pubertät, und danach müsse sich auch die Aufklärung richten. Davon ausgehend kritisierten sie Teile der heutigen Sexualaufklärung als ideologisch geprägt und nicht altersgerecht.

Dr. Elisabeth Luge im Workshop

Väter prägen – Söhne wie Töchter

Breiten Raum nahm die besondere Rolle des Vaters ein: Er vermittle seinem Sohn die Männlichkeit, bringe eine eigene Konstellation mit in die Familie und sei Regel- wie Autonomiegeber zugleich. Jungentypische Aggression sei kein böses Verhalten, sondern Teil des Selbst-Kennenlernens. Ihr raumgreifendes Wesen verdiene Platz, auch vor dem Hintergrund einer zunehmend feminisierten Bildungslandschaft.

Auch für Töchter sei der Vater wichtig: „Sie sind der erste Mann im Leben Ihrer Tochter“, gab Herr Luge den Vätern mit. Väter prägten das Selbstbild ihrer Töchter und beeinflussten ihr späteres Bild von Männlichkeit. Ein Vater, der seine Tochter wertschätzend auf dem Weg zur Frau begleite, gebe ihr ein wichtiges Gegenüber für den Blick auf sich selbst.

Praktische Vertiefung: „Töchter stärken“ und „Söhne stärken“

Am Nachmittag standen zwei Workshops zur Wahl, offen für Mütter wie Väter und mit jeweils etwa der Hälfte der Eltern gut besucht. Frau Luge zeigte in „Töchter stärken“, wie Eltern ihre Töchter durch die Pubertät begleiten und etwa Zykluswissen angemessen vermitteln können. In „Söhne stärken“ ging es unter Leitung von Herrn Luge darum, wie Väter ihre Söhne in der Entwicklung begleiten können. Praktisch wurde es mit einer Übung zum Mentalisieren, der Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle, Gedanken und Beweggründe zu verstehen und einzuordnen. Sie ist für Jugendliche besonders wichtig, weil sie Grundlage für gelingende Beziehungen ist, und Eltern können sie gezielt fördern.

Der Tag begann mit der Heiligen Messe

Seit 2011 finden die Familiensymposien jährlich im Tagungshaus Haus Hardtberg in Euskirchen-Kreuzweingarten statt. Es werden Themen behandelt, die für Familie und Erziehung von Bedeutung sind und sich am christlichen Menschenbild orientieren. Die Veranstaltungen stehen Menschen aller Glaubensrichtungen und Überzeugungen offen. Ziel der Symposien ist es, zur Weiterbildung von Familien beizutragen. Sie werden vom Institut für Elternbildung (IEB) in Kooperation mit dem Haus Hardtberg organisiert.

Fotos von Judith Kowalski