Eine Brücke bauen oder: Wie helfen wir den Armen wirksam?

Zum Welttag der Armen stellen Entwicklungsexperten der Schweizer Limmat-Stiftung das Lebenswerk von Toni Zweifel vor.

Opus Dei - Eine Brücke bauen oder: Wie helfen wir den Armen wirksam?Straßenkinder in Kolumbien - Foto: Limmat Stiftung

Wie helfen wir den Armen wirksam? Die Frage trieb den Schweizer Ingenieur Toni Zweifel früh um. Eine Videokonferenz zum Welttag der Armen am 15. November lässt Zeitzeugen zwischen Lima und Zürich zu Wort kommen.

Wer war der Schweizer Toni Zweifel?

Als Sohn eines Unternehmers führte der begabte Student zunächst ein angenehmes Leben. Mit 22 Jahren traf er die ersten jungen Leute vom Opus Dei in Zürich. Ihre unaufdringliche Christusnachfolge im Beruf beeindruckte ihn. Er machte die ersten Besinnungstage seines Lebens.

Danach tauschte er sein Sportcabrio gegen einen Minivan. In dem konnte er nämlich andere Studenten mitnehmen und die Einkäufe für das gemeinsame Studentenhaus transportieren. Er schloss sich dem Opus Dei an, kurz vor seinem ETH-Diplom 1962.

Nach einigen Jahren in der Wirtschaft und der Uni gründete er die Limmat-Stiftung. Ihr Ziel ist es, eine effizientere Unterstützung von Bildungsprojekten, speziell in Entwicklungsländern, zu leisten: Mehr vom oft mühsam erarbeiteten Geld der Geber sollte bei den wirklich Bedürftigen ankommen. Seinem Mitarbeiter François stellte er das so dar: Wenn uns eine arme Witwe fünf Franken gibt, dann sollen wir dieses Geld so verwalten, dass es ankommt.

Wie das erworbene Know-how im jeweiligen Land bleiben kann

Dabei ging Toni unkonventionelle Wege. Warum suchen wir nicht die fähigsten Absolventen des Landes, in dem wir Leute fördern wollen? Die bekommen wir, wenn wir ihnen gute Gehälter zahlen, welche ohnehin viel tiefer sind, als jene Gehälter, die wir sonst unseren westlichen Experten geben müßten, damit die überhaupt in ein fremdes Land gehen. Zudem bleibt dann das erworbene Know-How über die erfolgreiche Durchführung von Hilfsprojekten im Land.

Natürlich kommt der Auswahl dieser Projektleiter eine entscheidende Rolle zu, hebt Juan Alarcon hervor. Er war einer der ersten Kollegen von Toni. Dieser habe eine gute Menschenkenntnis gehabtund die Fähigkeit zuzuhören. Gern arbeitete er mit verläßlichen Priestern, Ordensleuten und Laien der dortigen Kirchen sowie mit anderen Partnern zusammen. Ein großzügiger Spender etwa wollte Straßenkindern in Kolumbien helfen. Die Mitarbeiter der Limmat-Stiftung hätten den Salesianer Pater Nicolo kennengelernt. Dank seiner Arbeit und vielen weiteren Projekten im Laufe der Jahre bekamen seitdem 40.000 Jugendliche eine solide Berufsbildung.

Frauen sind oft allein verantwortlich für Kinder und Familie

Fast zwei Drittel der Projektbegünstigten sind Frauen, sagt Elisabeth Andras, heute Präsidentin der Stiftung. Denn Frauen seien in marginalisierten Zonen oft allein verantwortlich für ihre Kinder und die Familie. Ein Beispiel ist Donja Flora in Peru. Sie hat es mit der von Limmat ermöglichten Fortbildung geschafft, sich aus einfachen Anfängen zur Unternehmerin eines Country-Club-Restaurants hochzuarbeiten. Vielen anderen Frauen gibt sie damit Arbeit und Brot.

Von Toni Zweifel stammt die heute in der Schweiz oft kopierte Idee, unter dem Dach der Limmat-Stiftung viele Unterstiftungen zu beherbergen. Der Vorteil sei, dass potenzielle Sponsoren weniger Verwaltungsaufwand hätten, sie ihre Idee umsetzen können und ihr Geld direkt Früchte bringt.

So habe eine in der Schweiz lebende begüterte Griechin etwas für Obdachlose in ihrer Heimat tun wollen. Sie gründete mit Hilfe der Limmat Fachleute eine Unterstiftung. Die stellte den Kontakt zu den Mutter Theresa Schwestern in Athen her. So konnte endlich ein Haus für Obdachlose erworben werde. Es arbeitet seit 25 Jahren. Die Stifterin ist drei Jahre nach Eröffnung des Hauses gestorben. Das von ihr angestoßene Werk lebt fort.

Hier wird eine Grundidee von Toni Zweifel umgesetzt. Er wollte mit der Stiftung eine Brücke bauen zwischen erfolgreichen Schweizern, die Gutes tun und den Armen, denen sie helfen wollen.

Externe Gutachter evaluieren laufend die Arbeit. Sie stellen der Stiftung ein sehr gutes Zeugnis für nachhaltige Entwicklungsarbeit aus. Toni wird es freuen. Die erste Phase eines Seligsprechungsverfahren für diesen beispielhaften Menschen und Brückenbauer ist erfolgreich abgeschlossen.